Mühlingen ist eine Gemeinde im baden-württembergischen Landkreis Konstanz in Deutschland.
Geographie Geographische Lage Mühlingen liegt im Nordosten des Hegaus, am Übergang zur Schwäbischen Alb im Norden, dem Linzgau im Osten und dem Bodenseebecken im Süden. Durch das Gemeindegebiet fließt die Stockacher Aach.
Der westlich der Mühlinger Ortsmitte liegende Steinbühl () ist mit einer Höhe von die höchste Erhebung im Mühlinger Gemeindegebiet; der tiefste Punkt mit etwa liegt im Bereich der Bundesstraße 313 zum Stockacher Stadtteil Hoppetenzell.
Nachbargemeinden Das Gemeindegebiet grenzt an die zum Landkreis Konstanz gehörenden Gemeinden Hohenfels (Südosten), Stockach (Süden) und Eigeltingen (Südwesten), an die Gemeinden Emmingen-Liptingen (Nordwesten) und Neuhausen ob Eck (Norden) im Landkreis Tuttlingen sowie an die Gemeinde Sauldorf (Nordosten) im Landkreis Sigmaringen.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Mühlingen mit den früher selbstständigen Gemeinden Gallmannsweil, Mainwangen, Schwackenreute und Zoznegg gehören 27 Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 793–795. Zur Gemeinde Mühlingen in den Grenzen von 1973 gehören die Dörfer Mühlingen und Hecheln (Äußeres und Inneres), die Höfe Altschorenhof, Bushof, Glashüttenhof, Haldenhof, Hottenloch (auch Hotterloch), Neuschorenhof, Oberweitfelderhof, Rehaldenhof (Rehalden), Reichlinshardt, Reismühle, Schorenmühle und Unterweitfelderhof und das Haus Sägehof (Sägemühle) sowie die Wüstungen Etschreute und Grubenhof.
Geologie Im Wesentlichen liegt Mühlingen im Bereich der Überlinger Gletscherzunge des Rheingletschers; regionalgeologisch bedeutet das: am Nordrand der Äußeren Jungmoräne bzw. des voralpinen Molassebeckens.
Vom 17. Oktober bis zum 11. November 1966 wurde der tiefere Untergrund Mühlingens durch eine Tiefenbohrung (Umrechnung der Koordinaten von Rechts- (3500310) und Hochwert (5309125) bei www.deine-berge.de) bis zu einer Teufe bei 874,6 Meter erforscht. Da sich das Ziel, hier Erdgas und Erdöl anzutreffen, nicht erfüllte, wurde die Bohrung aufgegeben und am 23. November verfüllt. Anhand der Bohrkerne konnten aber die geologischen Verhältnisse des Untergrunds beschrieben werden:Matthias Geyer: Landschaft und Geologie um Mühlingen in „Mühlingen, eine gemeinsame Ortsgeschichte der Madachdörfer Gallmannsweil, Mainwangen, Mühlingen, Schwackenreute und Zoznegg“, Seiten 12 bis 17 mini|Bohrkern (Teufe 785 m) -17,0 m – Quartär: eiszeitliche Moränen mit Kiesen und Tonen -74,0 m – Tertiär: Kalk- und Sandsteine der Unteren Süßwassermolasse -79,0 m – Tertiär: Bohnerzlehm -429,0 m – Oberjura (Malm): Kalkstein mit gelegentlichen Mergellagen -653,0 m – Mitteljura (Dogger) -718,7 m – Unterjura (Lias) -867,0 m – Keuper -874,6 m – Muschelkalk Einige Teile der Bohrkerne sind heute im Eingangsbereichs des Mühlinger Rathauses ausgestellt und beschrieben.
Schutzgebiete und Naturdenkmale mini|Im NSG Schwackenreuter Baggerseen-Rübelisbach In Mühlingen sind die beiden Naturschutzgebiete Schwackenreuter Baggerseen-Rübelisbach und Sauldorfer Baggerseen, das FFH-Gebiet Ablach, Baggerseen und Waltere Moor, die drei Wasserschutzgebiete Gerhardsbrunnen, Quellfassung Steinbühl und Quellen Weiherholz, Brunnenbachtobel und Tiefbrunnen Geigeshöfe sowie acht Naturdenkmale ausgewiesen.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Mühlingen dürfte als alemannische Siedlung bereits im 6. oder 7. Jahrhundert entstanden sein. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1275 als „Mulingen“ im Zehntverzeichnis des Konstanzer Bischofs.Wolfgang Kramer: Abschnitt „Die erste urkundliche Erwähnung“ im Kapitel „Die alte Geschichte von Mühlingen und seinen Ortsteilen“ in „Mühlingen, eine gemeinsame Ortsgeschichte der Madachdörfer Gallmannsweil, Mainwangen, Mühlingen, Schwackenreute und Zoznegg“, S. 52f; Mühlingen 2007
Ab 1506 gehörte der Ort den Grafen von Tengen-Nellenburg, fiel aber bereits 1591 nach deren Aussterben an die Grafen von Hohenzollern.
Aufgrund des Urbars von 1557 standen der Herrschaft folgende Abgaben der Mühlinger Untertanen als Einkünfte zu: 126 Hühner, 47 Hennen, 22 Viertel und 50 Stück (= 600) Eier, je 47 Malter und 7 Viertel Vesen und Hafer sowie 92 Gulden, 8 Batzen und 4 Pfennige.Wolfgang Kramer: Abschnitt „Die Besitzverhältnisse“ im Kapitel „Die alte Geschichte von Mühlingen und seinen Ortsteilen“ in „Mühlingen, eine gemeinsame Ortsgeschichte der Madachdörfer Gallmannsweil, Mainwangen, Mühlingen, Schwackenreute und Zoznegg“, Seiten 65 bis 74; Mühlingen 2007
mini|Schloss Mühlingen mini|hochkant|St. Martin in Mühlingen
1623 wurde Mühlingen um 36.000 Gulden an Achilles von Danketschweil verkauft. Im Jahr 1698 kaufte Johann Philipp Jakob Ebinger von der Burg (1672–1712) die Grundherrschaft Mühlingen. Seine Familie ließ 1730 das bis heute bestehende Schloss Mühlingen erbauen. 1731 ging die Grund- und Ortsherrschaft durch Verkauf an die aus Graubünden stammenden Freiherren von Buol-Berenberg, die das Schloss bis heute besitzen. Im Jahr 1747 ließen diese als Patronatsherren die dem Hl. Martin geweihten Pfarrkirche errichten.
Der bis 1806 in der vorderösterreichischen Landgrafschaft Nellenburg gelegene Ort Mühlingen kam im Rahmen der Mediatisierung 1806 zunächst an das Königreich Württemberg und mit dem Grenzvertrag zwischen Württemberg und Baden 1810 an das Großherzogtum Baden.
Zu Mühlingen gehören folgende Höfe und Weiler: Alt- und Neuschorenhof (1547 erstmals urkundlich nachzuweisen) mit Schorenmühle, Bushof (1531 erstmals erwähnt), Glashüttenhof, Haldenhof, Hecheln (aus einer Burgsiedlung hervorgegangenes Dorf mit zwei weilerartigen Ortskernen; 1364 erstmals erwähnt, im Besitz verschiedener Adelsfamilien, 1576 bis 1805 der österreichischen Landgrafschaft Nellenburg, seit 1938 mit Mühlingen vereinigt), Hotterloch (1549 erwähnt), Ober- und Unterweitfelderhof, Rehaldenhof (1524 erwähnt), Reichlinshard (1784 erwähnt), Reißmühle (1225 erwähnt, früher im Besitz des Klosters Salem), Sägehof (Sagmühle) und Stengelehof (1651 erwähnt). Abgegangen sind der Hof Etschreute (noch 1825 bewohnt) und der Grubenhof.
Mühlingen und die später eingemeindeten Ortsteile gehörten zunächst zum Bezirksamt Stockach (später Landkreis Stockach). Seit 1973 gehört die Gemeinde zum Landkreis Konstanz.
Am 1. Januar 1974 wurde die Gemeinde Mühlingen durch Vereinigung der Gemeinden Mühlingen, Mainwangen und Gallmannsweil neu gebildet. Die heutige Gemeinde entstand am 1. Januar 1975 durch Vereinigung dieser Gemeinde mit Schwackenreute und Zoznegg.
Religionen Mühlingen ist überwiegend römisch-katholisch geprägt. Auch heute gibt es lediglich eine katholische Kirchengemeinde mit je einem Gotteshaus in Zoznegg, Mainwangen, Gallmannsweil und Mühlingen. Die evangelischen Gläubigen werden von Stockach aus betreut.
Einwohnerentwicklung Nur Mühlingen um 1800: 270 um 1850: 510 in 104 Familien in 82 Wohngebäuden 1900: 467 1945, 22. Dezember: 606 Einwohner 1947, April: 588 Einwohner, 549 katholisch / 39 evangelisch 1950: 652 1961: 622 1965: 630 1969: 692 1970: 657 1996: 877Eine Gemeinde stellt sich vor – Die Imagebroschüre der Gemeinde Mühlingen, S. 13; Mühlingen, 1996Gesamtgemeinde 1987: 1.753 Einwohner (Volkszählung) 1988: 1.766 Einwohner 1991: 1.879 Einwohner 1995: 2.020 Einwohner 2000: 2.184 Einwohner 2005: 2.342 Einwohner 2007: 2.361 Einwohner (30. Juni) 2010: 2.312 Einwohner 2015: 2.319 Einwohner 2016: 2.346 Einwohner 2019: 2.518 Einwohner 2020: 2.586 Einwohner 2021: 2.661 Einwohner 2022: 2.716 Einwohner
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Mühlingen besteht aus den 12 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart Die Wahlbeteiligung lag bei 66,02 % (2019: 59,9 %).
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2019 CDU 50,76 % 6 63,3 %, 8 Sitze FWG 47,79 % 6 36,7 %, 4 Sitze Die dritte Liste 1,45 % 0 nicht angetreten
Bürgermeister Die Selbstverwaltung der Gemeinden wurde mit der Gemeindeverordnung von 1831 erweitert, der Vogt vom Bürgermeister abgelöst. Vor 1975 vor 1879 bis nach 1882: Mathä Traber 1927 bis 1933: Johann Wegmann; trat auf Zwang der NSDAP freiwillig vom Amt zurück 10/1934 bis 1935: Karl Kleiner 1935 bis 1945: Richard Mayer (NSDAP) 1945 bis 1963: Peter Buhl († 20. September 1963, Herzinfarkt) 25. November 1963 bis 31. Dezember 1974: Gottfried Winkler
Gesamtgemeinde 1. Januar bis 4. September 1975 Amtsverweser, 5. September 1975 (Amtseinführung nach zweitem Wahlgang am 22. Juni 1975) bis 31. Juli 1983 Bürgermeister: Gottfried WinklerHerbert Berner: Heimat-Chronik 1975 in „HEGAU - Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte des Gebiets zwischen Rhein, Donau und Bodensee“, Band 35, S. 288. Zum Bürgermeister von Mühlingen wurde der Diplom-Verwaltungsfachwirt Manfred Jüppner (CDU) aus Stockach am 5. Juni 1983 gewählt (771 von 1059 Stimmen = 72,8 %). Er trat das Amt als damals Dreißigjähriger am 1. August 1983 an.Matthias Biehler: Bürgermeister: Es kann nur eine Liste geben. In: Südkurier vom 10. Mai 2010.Manfred Jüppner: Die Gemeindereform und die Entwicklung der modernen Gemeinde Mühlingen in „Mühlingen, eine gemeinsame Ortsgeschichte der Madachdörfer Gallmannsweil, Mainwangen, Mühlingen, Schwackenreute und Zoznegg“, S. 252; Mühlingen, 2007 Die Amtszeit endete am 30. November 2020 nach über 37 Jahren. Am 1. Dezember 2020 trat Thorsten Scigliano (parteilos) das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Mühlingen an. Er wurde im zweiten Wahlgang am 4. Oktober 2020, mit einfacher Mehrheit von drei Kandidaten gewählt (500 von 1162 Stimmen = 43,03 %).
Wappen
Wappen der ehemals eigenständigen Gemeinden und heutigen Ortsteile
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke (denkmalgeschützte Gebäude)
Kirche St. Barbara in Gallmannsweil Pfarrhaus Gallmannsweil Kapelle St. Wendelin in Hecheln (Fotos rechts) Kirche St. Vitus in Zoznegg Kirche St. Martin in Mühlingen Muttergottes-Kapelle in Mühlweiler Kirche St. Peter und Paul in Mainwangen Kapelle St. Otmar auf dem Madachhof Kapelle St. Anna in Schwackenreute Schloss Mühlingen Mehrere Flurkreuze an exponierten Stellen, auf Anhöhen und an Weggabelungen in und um Mühlingen werden heute von der Denkmalpflege zu den Kleindenkmalen gezählt und stehen zum Teil unter Denkmalschutz.
Musik Musikverein Mühlingen Musikverein Zoznegg Jugendmusik Mühlingen-Zoznegg Akkordeonorchester Zoznegg Kirchenchor Mühlingen Kirchenchor Zoznegg
Wirtschaft und Infrastruktur Mühlingen ist noch stark von der Landwirtschaft geprägt. Es gibt jedoch auch eine Anzahl kleinerer Industrie-, Handwerks-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe.
Ende 2017 wurde beim Ortsteil Schwackenreute ein vier Hektar großes Gewächshaus für Biogemüse von der Vermarktungsgenossenschaft Reichenau Gemüse in Betrieb genommen. Hier sollen jährlich voraussichtlich 600 Tonnen Tomaten, etwa 170 Tonnen Paprika und eine Million Gurken geerntet werden.
Post mini|Uhrradstempel 13 (um 1860) mini|Zusätzlicher Poststempel„17b Mühlingen über Stockach“ (1961) mini|Einschreibebrief von „Mühlingen-Ort über Stockach (Baden)“ nach „Freiburg im Breisgau“ (1961) Vor 1900 Privatpersonen mussten vor 1821 ihre Post auf der Stockacher Postanstalt selbst abgeben. Dann entstand durch die Einrichtung einer Amtsbotenanstalt die Möglichkeit, dass Privatpersonen ihre Post einem Amtsboten übergeben konnten. Dieser brachte die Post anfangs zweimal, später dreimal wöchentlich zur Stockacher Postexpedition.