Lubmin ist eine Gemeinde im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns östlich der Stadt Greifswald und Verwaltungssitz des Amtes Lubmin, von dem Lubmin und neun weitere Gemeinden verwaltet werden. Lubmin trägt das Prädikat „Seebad“.
Geografie mini|Luftbild von Lubmin (Seebrücke, Strand und Bädervillen) im Vordergrund
Nördlich grenzt Lubmin unmittelbar an den Greifswalder Bodden, ein Nebengewässer der Ostsee. Den nordöstlichen Rand der Gemeinde bildet die Halbinsel Struck, die von der Mündung des Peenestromes begrenzt wird. Das Seebad verfügt über einen kilometerlangen Sandstrand mit seichtem Gewässer auf der einen und Dünen auf der anderen Seite. Das Hochufer ist weitgehend mit Kiefern bewaldet. Daran grenzt das Waldgebiet Lubminer Heide an.
Die unmittelbaren Nachbargemeinden sind im Südosten Kröslin und Rubenow, im Süden Wusterhusen und im Südwesten Brünzow. Etwas weiter westlich befindet sich die Universitäts- und Hansestadt Greifswald (Oberzentrum mit Stralsund) und südöstlich liegt die Stadt Wolgast (Mittelzentrum), die das Tor zur Insel Usedom bildet. Lubmin ist für seine Umgebung ein Grundzentrum. - zentralörtliche Gliederung mit Ober-, Mittel- und Grundzentren, abgerufen am 12. Juli 2015
Geschichte Mittelalter 1271 wurde „Lubbenin“ erstmals im Zusammenhang mit der Erhebung des Zehnten durch die Kirchengemeinde Wusterhusen urkundlich erwähnt.Heimatverein Boddenküste Seebad Lubmin e. V.: Seebad Lubmin – Ein Kleinod am Greifswalder Bodden. Druckhaus Panzig, Greifswald
Der Ort wurde Lubbemin oder auch Lubbemyn genannt und war überwiegend ein Bauern- und Büdnerdorf. Vom 13. bis zum 15. Jahrhundert wurde Lubmin aber als Rittersitz genannt. Es gehörte als Pertinenz der Familie Spandow, die im 13. Jahrhundert Spandowerhagen gründete. Als diese Familie um 1470 ausstarb, wurde Lubmin ein Bauerndorf mit acht Höfen, die zwischen knapp 400 und 690 pommersche Morgen groß waren. Durch Teilungen und Abtretungen entstanden aber auch 37 Büdnerhöfe mit durchschnittlich 21 pommerschen Morgen. Diese Büdner lebten aber überwiegend vom Fischfang.Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstenthums Rügen. IV. Teil Band II, Anklam 1868, S. 1115 ff.
Der Überlieferung zufolge war der Ort von der Allerheiligenflut 1304 stark betroffen gewesen: Ein kräftiger Wind aus südwestlicher Richtung staute Wasser in der mittleren und nördlichen Ostsee, anschließend schlug der Wind auf Nordost um und drückte Wasser in den Bodden. Das Seewasser prallte auf die pommersche Küste und richtete dort schwere Schäden an.
16. bis 18. Jahrhundert Infolge des Dreißigjährigen Krieges kam Lubmin 1637 wie Vorpommern unter schwedische Herrschaft. Der schwedische Marschall Carl Gustav Wrangel erwarb 1652 das Gut Nonnendorf mit den Dörfern Lubmin, Latzow und Vierow 1652 aus einem Tausch heraus. 1768 pachteten Bauern erstmals Land von den Schweden, um es nach dem Wiener Kongress 1815 mit dem Übergang der Gemeinde zu Preußen für 11.500 Reichstaler zu erwerben.
19. Jahrhundert mini|Bahnhofsgebäude von Lubmin – heute Kurgastzentrum mini|Waggons der Kleinbahngesellschaft Greifswald–Wolgast am Lubminer Bahnhof
Die Gemeinde ist in dieser Zeit von Fischerei und Landwirtschaft geprägt: Lubmin bestand aus mehreren Erbhöfen, Kleinbauernstellen und Büdnereien. Von den typischen Bauernhäusern ist heute noch die Heimatstube in der Freester Straße erhalten geblieben.
1865 hatte der Ort 435 Einwohner in 75 Familien. Es gab dort eine Schule, 45 Wohnhäuser, ein Fabrik- und 93 Wirtschaftsgebäude. Der Schulze der Ortschaft war Bauernhofbesitzer Peter Vahl, der gleichzeitig Abgeordneter für die Landgemeinden der Kreise Greifswald und Rügen im Neuvorpommerschen Landtag war.Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstenthums Rügen. IV. Teil Band II, Anklam 1868, S. 1100 und 1115 ff.
1893 erfolgte ein Straßenanschluss an die Verbindung Eldena–Wolgast, 1898 wurde Lubmin über eine neu errichtete Haltestelle Lubmin Dorf an die Kleinbahnstrecke Greifswald–Wolgast angeschlossen. 1838 entstand in der Hafenstraße das erste Schulgebäude mit einem Klassenzimmer sowie zwei Wohnräumen für eine Lehrkraft. 1886 erhielt Lubmin das Prädikat „Seebad“. Daraufhin entstanden die ersten Badeanstalten: zwei unabhängig voneinander errichtete Pfahlbauten, die durch einen 60 Meter langen Steg miteinander verbunden waren. 1891 übernahm die Gemeinde die bislang privat betriebenen Einrichtungen und führte sie in öffentlicher Hand weiter. 1895 wurde in der Villenstraße ein Warmbad errichtet, das mit aus dem Bodden gepumpten und anschließend erwärmten Seewasser gespeist wurde.
20. Jahrhundert Die wirtschaftliche Lage der Fischer verschärfte sich um 1920 durch die Weltwirtschaftskrise sowie 1928 durch ein dreijähriges Fangverbot in der Ostsee.. In: Märkische Oderzeitung vom 12. März 2008. Gefischt wurde mit flachen Holzbooten, die anschließend an den Strand gezogen wurden. Der Greifswalder Landrat Werner Kogge regte an, dass die Fischer Teppiche zum Nebenerwerb knüpfen sollten. Über eine Zeitungsanzeige wurde der österreichische Experte Rudolf Stundl gewonnen, der die Fischer in diese Handwerkskunst einwies. So entstanden die Pommerschen Fischerteppiche, die mit Motiven der Region verziert bis heute hergestellt werden und in Ausstellungen zu sehen sind.Deutsches Meeresmuseum: vom 16. Juli 2010, abgerufen am 21. September 2011.Museen der Stadt Wolgast: vom 20. November 2008, abgerufen am 21. September 2011. Ab 1928 entstanden durch eine eigens gegründete Genossenschaft, die Pommersche-Fischer-Teppich-Heimknüpferei, in der Region über 8000 Knüpfarbeiten.Vorpommersche Fischerteppiche unter historischen, ästhetischen und mathematischen Aspekten. In: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (Hrsg.): 2007, S. 6 (PDF; 1166 kB) 1930 waren 130 Menschen in der Fischerei tätig, 1950 nur noch 86. Heutzutage findet kein erwerbsmäßiger Fischfang mehr statt, lediglich Orte wie der „Netzeplatz“ erinnern noch daran, dass an dieser Stelle die Fischer ihre Netze zum Trocknen und Reparieren aushingen.
1901 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1907 verbesserte sich die Erreichbarkeit des Seebades erneut, indem eine 800 Meter lange Stichstrecke der Eisenbahn zum heutigen Seebadzentrum in Betrieb genommen wurde. 1928 wurde eine Seebrücke gebaut. Zuvor hatten die an den Strand angrenzenden Hotelbesitzer eigene Stege für ihre Badegäste ins Wasser gesetzt. Daneben gab es zwei öffentliche Stege, die Olga-Brücke für Segelboote, sowie die Neptun-Brücke für Boote und Dampfer. In den ersten beiden Jahren nach der Eröffnung der Seebrücke musste beim Betreten ein Brückenzoll bezahlt werden. 1929 wurde dieses Entgelt in die Kurtaxe integriert. Vom Brückenkopf existierte im 20. Jahrhundert eine Dampferverbindung nach Greifswald sowie zur Insel Rügen.
1930 zog die Schule als Volksschule in ein neues Gebäude in der Schulstraße ein. Das Haus in der Hafenstraße wurde bis 1989 als Jugendherberge genutzt und 2006 wegen Baufälligkeit abgerissen. Die Volksschule bot zwei Klassen Platz, der jedoch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges durch den Zuzug von Flüchtlingsfamilien nicht mehr ausreichte. Die Eisenbahn wurde 1945 abgebaut und als Reparation in die Sowjetunion gebracht. Die Gemeinde entschloss sich, das durch den Abbau der Bahnstrecke nicht mehr benötigte Bahnhofsgebäude zu nutzen. Hier wurden drei weitere Unterrichtsräume und eine Turnhalle eingerichtet. 1934 entstand die noch heute vorhandene, rund einen Kilometer lange Strandpromenade zwischen Villenstraße und Caspar-David-Friedrich-Weg. Sie wurde 2005/06 saniert.
1947 wurde der Tourismusbetrieb wiederaufgenommen, als zuvor durch Flüchtlinge belegte Hotels und Pensionen wieder zur Verfügung standen. Die Gemeinde kam mit dem deutsch gebliebenen Teil Pommerns zum Land Mecklenburg. 1951 eröffnete der Kurpark an der Villenstraße. Im Zuge der Verwaltungsreform in der DDR 1952 (Auflösung der Länder) gehörte Lubmin zum Bezirk Rostock. 1953 wurde die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) „Neues Leben“ gegründet. Sie wurde 1960 an die beiden LPG „Am Bodden“ und „Bruno Jäckley“ in Wusterhusen angeschlossen. Im selben Jahr wurden Hotels und Pensionen im Zuge der Aktion Rose enteignet.
Ab 1967 begann unter Federführung des VEB BMK Kohle und Energie der Bau des Kernkraftwerkes Nord (zentrales FDJ-Jugendobjekt 1967–1975), dessen erster Reaktorblock am 17. Dezember 1973 in Betrieb ging. Deswegen wurde eine Eisenbahnstrecke von Greifswald nach Lubmin gebaut. Im östlichen Küstenwald existierte bis 1977 ein Zeltplatz, der aufgegeben werden musste, da eine Sperrzone um das Kernkraftwerk gezogen wurde. Daneben gab es zu DDR-Zeiten bis zu 38 Ferienlager in Lubmin. Die Gebäude sind heute zum Teil noch erhalten und wurden saniert, etwa die ehemalige Erholungsstätte für Eisenbahnerkinder (heute ein Sport- und Jugendhotel) oder die Ferieneinrichtung des Autobahnbaukombinates, in der heute die Heimvolkshochschule zu finden ist. 1990 wurde das Kernkraftwerk unter Protesten der 5500 Beschäftigten stillgelegt.
1978 entschloss man sich, in der Seestraße den Neubau einer Polytechnischen Oberschule zu errichten, die nach der Schulreform zu einer Regionalen Schule mit offener Ganztagsschule umgewandelt wurde.IZBB-Kompass des BMBF zu Ganztagsschulen, abgerufen am 21. September 2011.
mini|Seebrücke Lubmin
1992 wurde die neue Seebrücke fertiggestellt. Die schwere Sturmflut von 1995 beschädigte die Stützpfeiler. In den kommenden Jahren wurden bis zu 177.000 m³ Sand zum Küstenschutz aufgespült. Dieser wurde beim Ausbaggern des Lubminer Hafens nordwestlich des KKWs gewonnen. 2002 und 2005 mussten die Aufspülungen wiederholt werden, gleichzeitig pflanzte man Strandhafer an, um die Küste weiter zu befestigen. Mehrere Hotels und Gaststätten entstanden und der Ortskern wurde im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert. 1999 erhielt deshalb der Ort seine endgültige Anerkennung als Seebad.
mini|Landung Gustav Adolfs in Peenemünde 1630 (rechts oben: herzogliches Lustschloss Freesendorf)
Freesendorf (Wüstung) Freesendorf wurde 1338 erstmals als Vresendorp urkundlich erwähnt. Es ist eine frühdeutsche Gründung, wie der Name schon besagt. Das Dorf mit drei Gehöften gehörte seit 1361 einer Familie Freese, die dem Ort den Namen gab. Ein Gehöft musste wegen der Ufernähe geräumt werden, die zwei letzten wurden im Mai 1974 beseitigt, sie mussten dem KKW weichen.Manfred Niemeyer: Ostvorpommern. Quellen- und Literatursammlung zu den Ortsnamen. Bd. 2: Festland (= Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde. Bd. 2), Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Slawistik, Greifswald 2001, ISBN 3-86006-149-6. S. 35 ff
Bei Freesendorf stand noch 1630 das herzogliche Lustschloss (siehe Stahlstich), es gibt darüber aber bislang keine weiterführenden Informationen, scheinbar wurde es bald danach zerstört.
1880 ist im Messtischblatt noch ein Meiergehöft auf dem Struck bis nach 1920 eingetragen. Dieses Gehöft gehörte zu Freesendorf und diente der Viehwirtschaft auf der Insel, diese Viehhaltung wurde noch bis in die 1970er Jahre durch die LPG Lubmin/Wusterhusen betrieben.
Bei der früheren Ortslage von Freesendorf befindet sich heute der Anlandepunkt der Nord-Stream-Gas-Pipeline und die große Druck- und Verteileranlage für die Weiterleitungen NEL und OPAL.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 1499 1995 1516 2000 1860 2005 1966 2010 2041 2015 2120 Jahr Einwohner 2020 2108 2021 2133 2022 2165 2023 2219 2024 2226
Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Lubmin besteht aus 12 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 66,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024