mini|hochkant=1.35|Ludwig-Freiherr-von-Würtzburg-Straße in Mitwitz Mitwitz ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Kronach in Bayern. Der gleichnamige Hauptort ist Sitz der Gemeindeverwaltung und der Verwaltungsgemeinschaft Mitwitz.
Geografie Lage Mitwitz liegt an der Steinach und der Föritz, welche in die Steinach mündet, im südwestlichen Vorland des Frankenwaldes an der Verbindungsstrecke zwischen den Städten Kronach und Coburg, in der Südwestecke des Landkreises Kronach unweit der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Die Gemeinde Mitwitz grenzt an (im Uhrzeigersinn) Stockheim, Kronach, Küps und Schneckenlohe im Landkreis Kronach (im Osten und Süden), an Sonnefeld im Landkreis Coburg (im Westen) und an die Gemeinde Föritztal im Landkreis Sonneberg (im Norden).
Naturraum Fruchtbare Lößböden, ausgedehnte Mischwaldgebiete, ein weites, von Flüssen und Hügeln eingefasstes Tal, sowie Sumpf- und Überschwemmungsgebiete kennzeichnen den Raum um den Markt Mitwitz. Im Sinne der Naturräumlichen Gliederung gehört das Gemeindegebiet von Mitwitz dem Obermainischen Hügelland an und innerhalb dessen liegt der Marktort am Übergang des Neustadt-Sonneberger Beckens (im Nordwesten) zum Kronach-Mitwitzer Plateau (im Südosten).
Gemeindegliederung Die Gemeinde Mitwitz hat 27 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Einöde Bätzenwustung bei Bächlein war ein Gemeindeteil von Kaltenbrunn, der seit den 1970er Jahren zum Gemeindeteil Bächlein zählt.
Geschichte Mittelalter Der Ort wurde 1266 als „Minvwwizc“ erstmals urkundlich erwähnt. Dem Ortsnamen liegt wahrscheinlich der slawische Personenname Min zugrunde, der durch das Zugehörigkeitssuffix –ovici abgeleitet ist (vergleichbar mit dem ahd. -ing). Dies führt zur Bedeutung bei den Leuten des Min. Die heutige Form wurde 1422 erstmals bezeugt. Ab dem 17. Jahrhundert war es die allein gebräuchliche Form.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 149.
Die Herren von Schaumberg waren die ersten Besitzer von Dorf, Wasserschloss Mitwitz und Herrschaft Mitwitz. Um 1425 verkauften die Herren von Schaumberg den Ort an die Familie von Rosenau. Das Schloss wurde 1525 während des Bauernkrieges stark beschädigt und geplündert.
Neuzeit 1567 wurde Mitwitz protestantisch, eine kleine Schule neben der Jakobskirche wurde erwähnt. Hieronymus von Würtzburg erwarb 1576 nebst allen Zugehörungen das Wasserschloss. Von 1574 bis etwa 1600 wurde die Jakobskirche vergrößert und bekam ihr heutiges Erscheinungsbild. In den Jahren 1596 bis ca. 1600 ließ Hans Veit I. von Würtzburg das Wasserschloss vollständig restaurieren. Auf dem Zimmeranger fand die letzte urkundlich belegte Hinrichtung des Gerichtes Mitwitz statt. Andreas Dötschel begann 1624 ein Tagebuch, sein Stiefbruder Georg schrieb es weiter. Veröffentlicht wurde es unter dem Titel Tagebuch der Gebrüder Dötschel. Im Gemeindeteil Neundorf starben 1626 36 Personen an der Pest. Während des Dreißigjährigen Krieges war die Bevölkerung in die Glaubenskämpfe einbezogen, Kronach kämpfte auf katholischer und Mitwitz auf protestantischer Seite. Insbesondere in den Jahren 1631 bis 1634 starben viele Menschen. Das obere Schloss wurde 1713 wieder aufgebaut.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Mitwitz 85 Anwesen (14 Sölden, vier Botensölden, drei Schenkhäuser, zwei Beckenhäuser, eine halbe Sölde, 56 Tropfhäuser, zwei Häuser, eine Badstube sowie zwei Mahl- und Schneidmühlen). Das Hochgericht übte das Halsgericht Mitwitz aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die Grundherrschaft hatte die Herrschaft Mitwitz inne. Neben diesen Anwesen gab es noch herrschaftliche Gebäude (Unteres und Oberes Schloss, „Pinzenhof“ mit Schäferhaus, Jägerhaus und Fronveste), kirchliche Gebäude (Pfarrkirche, Pfarrhof, Schulhaus und Synagoge) und kommunale Gebäude (Hirten- und ein Nachtwächterhaus).H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 491. Hier werden unter Einberechnung von herrschaftlichen, kirchlichen und kommunaler Gebäude 94 Anwesen als Gesamtzahl angegeben.
Gegen den Widerstand des Herren von Mitwitz, Karl Philipp Veit von Würtzburg, fiel der Ort 1803 an das Kurfürstentum Bayern. Das Freiherrlich von Würtzburgische Herrschaftsgericht Mitwitz bestand von 1813 bis 1848, dann bestand kurzzeitig eine Königlich Bayerische Gerichts- und Polizeibehörde bis 1849. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1808 der Steuerdistrikt Mitwitz gebildet, zu dem Bächlein, Bätzenwustung, Burgstall, Froschgrün, Kaltenbrunn, Krötendorfswustung, Neubau, Rotschreuth, Schaumbergswustung und Wolfsberg gehörten. 1818 entstand die Ruralgemeinde Mitwitz, zu der Burgstall, Rotschreuth und Wolfsberg gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Herrschaftsgericht Mitwitz zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kronach (1919 in Finanzamt Kronach umbenannt). 1849 wurde das Herrschaftsgericht aufgelöst und Mitwitz dem Landgericht Kronach überwiesen. 1856 wurde Burgstall mit Rotschreuth und Wolfsberg von der Landgemeinde Mitwitz abgetrennt. Ab 1862 gehörte Mitwitz zum Bezirksamt Kronach (1939 in Landkreis Kronach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Kronach (1879 in Amtsgericht Kronach umbenannt).H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 591 f. Die Gemeinde hatte 1961 eine Fläche von 4,397 km².
Die Freiwillige Feuerwehr Mitwitz wurde 1868 gegründet. 1876 wurde die neue Schule an der Jakobskirche eingeweiht und 1876 der Standesamtsbezirk Mitwitz gegründet. Prinz Ludwig von Bayern, der spätere König Ludwig III., besuchte 1892 den Ort. Um 1900 gab es 150 Häuser und 956 Einwohner. Bürgermeister war Georg Motschmann. Ab 1905 wurde der Ort an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, der Strom wurde aus Steinach geliefert. Während des Ersten Weltkrieges fielen etwa 70 Bürger des Ortes, unter ihnen auch Baron Edmund von Würtzburg, der letzte männliche Nachkomme des Geschlechts. Die Steinachtalbahn wurde 1920 eröffnet und 1926 der Ort an das Wasserleitungsnetz angeschlossen, wodurch die bisherige Wasserversorgung durch Ortsbrunnen weitgehend überflüssig wurde. Im Zweiten Weltkrieg starben über 100 Einwohner. Die Amerikaner besetzten den Ort am 13. April 1945. Zum Ende des Krieges wurden Kunstschätze und Bücher der Frankfurter Bibliotheken ins Schloss ausgelagert. Mit der Teilung Deutschlands wurde die Gegend Zonenrandgebiet an der Grenze zur DDR. Eine neue Schule wurde 1950 gebaut, etwa 1738 Einwohner lebten in 233 Gebäuden. Mitwitz wurde 1955 mit einem Marktgemeindewappen ausgestattet, 1966 feierte man das 700-jährige Ortsjubiläum. Burgstall wurde 1972 eingemeindet. 1974 wurde der Markt Mitwitz mit den Gemeinden Hofsteinach, Kaltenbrunn und Neundorf mit Schwärzdorf zu der neuen Großgemeinde Mitwitz zusammengelegt. Leutendorf und Horb wurden später eingegliedert. 1975 wurde die neuerbaute Verbandsschule eingeweiht. Auf Initiative des Landrats Heinz Köhler wurde von 1977 bis 1988 das Wasserschloss renoviert. Seit der Wiedervereinigung 1989 werden die alten Verbindungswege in den Landkreis Sonneberg nach Thüringen wieder benutzt. 1995 lebten in der Gemeinde 3317 Einwohner in 832 Häusern. Der Hochbehälter für die Trinkwasserversorgung wurde 2001 in Betrieb genommen, 2002 die Kläranlage des Abwasserverbandes Steinachtal eingeweiht.
Eingemeindungen Die folgende Tabelle führt die ehemals selbständigen Gemeinden mit dem Datum der Eingemeindung in den Markt Mitwitz auf:
EhemaligeGemeinde Einwohner(1970) Datum Anmerkung Burgstall 167 01.01.1972 teilweise Eingliederung, der Weiler Rotschreuth mit 34 der 167 Einwohner wechselte nach Gehülz Hofsteinach 556 01.01.1974 Horb an der Steinach 106 01.01.1977 Kaltenbrunn 190 01.01.1974 Leutendorf 149 01.01.1976 Neundorf 334 01.01.1974
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 3036 auf 2815 um 221 bzw. um 7,3 %. In den 1990er Jahren hatte Mitwitz über 3200 Einwohner.
Gemeinde Mitwitz Jahr 1987 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017Einwohner 3041 2953 2939 2895 2882 2913 2900 2875 2898 2833 2817Häuser 807 858 859 860 863Quelle
Ort Mitwitz (= Gemeinde Mitwitz bis zur Gebietsreform) Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 Einwohner 635 748 745 752 662 733 794 837 863 901 901 917 958 1003 1054 997 1101 1167 1269 1703 1738 1695 1654 1667 1482HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2017 wurden diese als Wohngebäude bezeichnet. 119 116 125 132 145 189 233 301 401Quelle
Politik Die Kommunalwahlen seit 2002 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat:
Marktgemeinderat Partei / Liste 2002 2008 2014 2020 CSU 5 5 5 6 SPD 6 6 4 3 Freie Wählergemeinschaft 4 4 3 3 Grüne 1 1 2 2 Gesamt 16 16 14 14
Bürgermeister Hauptamtlicher erster Bürgermeister des Marktes Mitwitz ist seit dem 5. Mai 2020 Oliver Plewa (CSU). Sein Vorgänger war Hans-Peter Laschka (CSU) von 1990 bis 2020.
Gemeindepartnerschaften Seit 2008 besteht eine Partnerschaft mit der Stadt Ebeleben in Thüringen.
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist schwarz-gelb.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke und Denkmäler
Rathaus Wasserschloss Mitwitz mit angrenzendem Schlosspark, Teehaus und Schlossteich Oberes Schloss Steinerner Löwe Jakobskirche Gebrüder-Dötschel-Brunnen
Grünes Band (Biotopverbund) Der Ort liegt am „Grünen Band“, dem Biotopverbund entlang der ehemaligen Grenze zur DDR. Der Initiator dieses inzwischen europaweiten Biotopverbundes (Grünes Band Europa), Kai Frobel, stammt aus dem Nachbarort Hassenberg. Gemeinsam mit der Ortsgruppe Kronach des Bundes Naturschutz in Bayern machte er ab Mitte der 1970er Jahre im Raum Mitwitz die ersten Erkundungen zum Artenreichtum des Grenzstreifens.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Die B 303 führt an Gestungshausen vorbei nach Sonnefeld (6,3 km südwestlich) bzw. über Gehülz nach Kronach zur B 85 (7,5 km östlich). Die Staatsstraße 2208 führt nach Wörlsdorf (2,6 km nordwestlich) bzw. nach Leutendorf (3,3 km südlich). Die Staatsstraße 2708 führt über Haig zur Bundesstraße 89 bei Haßlach bei Kronach (7 km nordöstlich). Die Kreisstraße KC 14 (1,1 km nordöstlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Steinach an der Steinach zur Kreisstraße KC 15 (0,7 km südwestlich).
Der nächste Bahnhof befindet sich in Kronach.
Öffentliche Einrichtungen Jugendzentrum „Don Camillo“
Bildung Volksschule Mitwitz, Imkerschule Oberfranken, Ökologische Bildungsstätte Oberfranken Montessori-Schule Mitwitz
Söhne und Töchter der Gemeinde Peter von Schaumberg (1388–1469), Bischof in Augsburg von 1424 bis 1469, Kardinal ab 1450 Georg I. von Schaumberg (1390–1475), Fürstbischof des Hochstiftes Bamberg von 1459 bis 1475 Hans [Johann] Veit I. von Würtzburg (* 1561; † 4. Januar 1610 in Kronach), am 11. Juni 1590 bekam er durch Erbteilung die Güter des Unteren Schlosses in Mitwitz; 1594 kaufte er das Obere Schloss von Adam von Rosenau; ab 1596 Amtmann zu Fürth am Berg und Hauptmann zu Kronach; führte im Wesentlichen prägende Baumaßnahmen am Unteren und Oberen Schloss und an der Kirche durch, Ihr heutiges Ansehen geht auf ihn zurück; Beerdigung in Mitwitz; siehe auch Veit II. von Würtzburg Johann Veit von Würtzburg (* 19.Wilhelm Hotzelt: Familiengeschichte der Freiherren von Würtzburg. Herder, Freiburg im Breisgau 1931, S. 520. oder 29. Oktober 1674 in Mitwitz; † 9. Mai 1756Wilhelm Hotzelt (1931), S. 537.); Sohn des Freiherren Hans Veit IV. (1638–1703)Philipp Clarin: Die Freiherren von Würtzburg. 2011 (Personenangaben). in Mitwitz; Domdechant; ab 1729 Statthalter des Bischofs Friedrich Karl von Schönborn (Adelsgeschlecht), der zwei Bischofssitze in seiner Hand vereinigte und noch zusätzlich Reichsvizekanzler in Würzburg war; seit 1727 Besitzer des Gutes Haig bei Mitwitz; baute das Schloss nach Plänen des Baumeisters Michael Küchel um; wurde im Dom von Würzburg beerdigt