mini|Blick über Ramsen

Ramsen (pfälzisch: Ramse) ist die am weitesten südlich gelegene Ortsgemeinde im Donnersbergkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Eisenberg (Pfalz) an, innerhalb derer sie gemessen an der Einwohnerzahl die kleinste Ortsgemeinde darstellt.

Geographie Lage Die Gemeinde liegt im Pfälzerwald in dessen Teilbereich Stumpfwald und bildet den südlichen Abschluss des Donnersbergkreises. Im Süden grenzt das Gemeindegebiet an den Landkreis Bad Dürkheim, im Westen an den Landkreis Kaiserslautern. Zu Ramsen gehören zusätzlich die Weiler und Wohnplätze Clauserhof, Eiswoog, Kisselhof, Kleehof, Neuhammer, Ripperterhof, Eiswoog-Forsthaus und Hof Walzwerk. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Eisenberg (Pfalz), Wattenheim, Enkenbach-Alsenborn und Kerzenheim.

Erhebungen Im Süden der Gemarkung liegen die Nordflanke der messenden Hohen Bühl an der Grenze zu Wattenheim und weiter nordöstlich der hohe Lerchenkopf sowie der hohe Sandhübel. Weiter westlich befindet sich der hohe Eiskopf. Ganz im Westen an der Grenze zu Enkenbach-Alsenborn erstrecken sich der hohe Steinkopf und weiter südlich der hohe Stempelkopf. Im Gemarkungsdreieck zu Enkenbach-Alsenborn und Kerzenheim befindet sich der hohe Salweidenkopf. Unmittelbar südwestlich des Siedlungsgebiets erstreckt sich außerdem der Gänseberg und westlich der Lehrberg.

Gewässer Ramsen wird in West-Ost-Richtung vom Eisbach durchflossen; bereits seine Quellbäche – einer von ihnen ist der Hollerbach – liegen auf Gemarkung der Gemeinde und fließen im Eiswoog zusammen. Anschließend nimmt er mehrere Nebenbäche wie den Bockbach, den Abttalbach und den Ellenbach auf.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz, Stand 31. Dezember 2017.Statistisches Landesamt, Flächennutzung am 31. Dezember 2017 für Ramsen. Abgerufen am 15. Juni 2019

Klima Der Jahresniederschlag beträgt 730 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD

Geschichte Die Gemeinde entstand im Mittelalter aus dem dort entstandenen Kloster Ramsen (Ramesa, Rammessum), das 1146 gegründet wurde. Mitten im Stumpfwald zwischen Ramsen und Neuhemsbach auf der Gemarkung Enkenbach-Alsenborns befinden sich die sogenannten Neun Steine, eines der drei Landgerichte im alten Wormsgau, die in der Lehensurkunde des Kurfürsten Ruprecht III. von der Pfalz erwähnt sind.

Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort einerseits sowohl zu Nassau-Weilburg sowie dessen Herrschaft Kirchheim und Stauf als auch zum Hochstift Worms und unterstand dort der Bischöflichen Kellerei Neuleiningen.

Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Ramsen in den Kanton Göllheim eingegliedert und war Sitz einer eigenen Mairie, die zusätzlich Stauf umfasste. 1815 wurde er Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte der Ort wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte Ramsen dem Landkommissariat Kirchheim – später Kirchheimbolanden an; aus diesem ging das Bezirksamt Kirchheimbolanden hervor.

Ab 1939 war der Ort Bestandteil des Landkreises Kirchheimbolanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ramsen innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte Ramsen 1969 in den neu gebildeten Donnersbergkreis; drei Jahre später wurde die Gemeinde in die ebenfalls neu entstandene Verbandsgemeinde Eisenberg (Pfalz) eingegliedert.

Bevölkerung Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Ramsen, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten, abgerufen am 9. Dezember 2021 Jahr Einwohner 1815 546 1835 810 1871 933 1905 1.053 1939 1.271 1950 1.403 Jahr Einwohner 1961 1.665 1970 1.761 1987 1.810 1997 1.876 2005 1.825

Konfessionsstatistik Am 31. Oktober 2014 waren 43 % der Einwohner evangelisch, knapp 35 % römisch-katholisch und 20 % konfessionslos. Die Zahl der Katholiken und vor allem die der Protestanten ist seitdem gesunken, während die Zahl der Einwohner mit sonstiger Konfession oder ohne Konfession zugenommen hat. Mit Stand vom Juli 2026 waren von den Einwohnern 32,6 % evangelisch, 26,8 % katholisch und 40,6 % gehörten sonstigen oder keinen Glaubensgemeinschaften an.Ramsen Gemeindestatistik

Christentum mini|Malerei in der katholischen Pfarrkirche

Die evangelischen Christen sind Teil der Protestantischen Landeskirche Pfalz im Dekanat Bad Dürkheim-Grünstadt. Die Katholiken gehören zum Dekanat Bad Dürkheim im Bistum Speyer. Ab Ende des 17. Jahrhunderts wurde Ramsen von der Pfarrei Göllheim aus betreut und ab 1808 von Hettenleidelheim aus. Später erhielt die Gemeinde eine eigene Pfarrei. Seit 1. Januar 2016 ist die katholische Kirche eine Filiale der Pfarrei Hl. Lukas in Hettenleidelheim. Außer der Kirche gibt es auf einer Anhöhe die „Ramser Kapelle“.

Politik Gemeinderat

Der Gemeinderat in Ramsen besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FW Gesamt 2024 4 5 7 16 Sitze 2019 5 5 6 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2014 5 6 5 16 Sitze 2009 5 5 6 16 Sitze 2004 3 3 10 16 Sitze

Bürgermeister Ortsbürgermeister ist Arnold Ruster (FW). In einer Stichwahl am 16. Juni 2019 setzte er sich mit einem Stimmenanteil von 59,27 Prozent gegen den bisherigen Amtsinhaber durch. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 setzte er sich mit 66,5 % gegen eine Mitbewerberin durch und wurde damit für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.

Rusters Vorgänger waren Wolfgang Steitz (CDU), Norbert Bayer (SPD) und bis 2009 Otto Frambach.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturdenkmäler

Der Klosterhof ist als Denkmalzone ausgewiesen.

Hinzu kommen zahlreiche Einzeldenkmäler, darunter die Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, die im Stil der Heimatschutzarchitektur errichtet wurde und das Puppenhaus Gienanth; letzteres befindet sich im Restaurant Seehaus Forelle am Eiswoog.

Natur Der größte Teil der Gemeindegemarkung liegt im Naturpark Pfälzerwald, der wiederum zum Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord gehört. Auf Gemarkung der Gemeinde befinden sich insgesamt vier Naturdenkmale. Im Süden des Gemeindegebiets befindet sich außerdem der Ritterstein 287; er trägt die Bezeichnung Eis-Ursprung und markiert die Quelle des Eisbachs. alt=Im Vordergrund stehen mehrere junge Männer in weißen Hemden. Auf den Hemden sind schwarze Wildschweine gemalt. Im Hintergrund sieht man einen Stapler mit einer Gitterbox, in der zwei junge Männer die Kerwerede verlesen. Außerdem wurde ein bunt geschmückter Birkenbaum an die Hauswand gehängt.|mini|Traditionelle Kerwerede auf dem Ramser Marktplatz, vorgetragen durch die "Kerweborsch"

Brauchtum Jedes Jahr am dritten Wochenende im September findet die „Ramser Kerb“ statt. Traditionell beginnt das Fest mit der feierlichen Ausgrabung der Kerwe am Kerwedenkmal durch die „Kerweborsch“. Am Sonntag erfolgt dann der Kerweumzug mit anschließender Kerwerede am Marktplatz. Dienstagnacht wird die Kerwe mit einer Rede begraben.

Die Einwohner Ramsens werden im Volksmund häufig als „Ramser Wildsäue“ bezeichnet. Daran erinnert einerseits das Kerwedenkmal, auf dem eine Wildsau thront, andererseits der Marktplatz, auf dem zahlreiche Wildschweinskulpturen zu finden sind. Grund dafür ist mutmaßlich der angrenzende Stumpfwald, in dem viele Wildschweine leben.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Früher wurde im Gebiet von Eisen abgebaut.Friedrich Sprater: Die pfälzischen Industrien in vor- und frühgeschichtlicher Zeit (= Heimatkundliche Veröffentlichungen des Historischen Museums der Pfalz). Neustadt 1926, S. 7 ff. Auf der Gemeindegemarkung existieren mindestens 18 große Schlackehügel aus dem ersten Jahrhundert.

Aufgrund der geographischen Gegebenheiten dominierte in Ramsen jahrhundertelang die Forst- und Holzwirtschaft. Seit dem Spätmittelalter hat der Ort das Recht, sich am nahen Stumpfwald mit Bauholz zu versorgen. Ab der frühen Neuzeit gab es in Ramsen ein Forstamt; inzwischen ist das Forstamt Donnersberg in Kirchheimbolanden für die örtlichen Waldgebiete zuständig.

Verkehr

Schiene

Ramsen erhielt 1932 Bahnanschluss, als die zuvor in Eisenberg endende und in Grünstadt beginnende Eistalbahn bis Enkenbach durchgebunden wurde. Neben dem Bahnhof am Ort entstand ein Jahr später im Westen der Gemarkung der Haltepunkt Eiswoog. Der westlich des Siedlungsgebiets entstandene Eistalviadukt ist die längste Eisenbahnbrücke der Pfalz. Der Osten des Stempelkopf-Tunnel, den die Strecke durchquert, befindet sich ebenfalls auf Ramser Gemarkung. 1976 wurde der Personenverkehr eingestellt, der Ortsgüterverkehr 1981.

Nachdem die Personenbeförderung zwischen Grünstadt und Eisenberg bereits 1994 reaktiviert wurde, folgte der Abschnitt bis Ramsen ein Jahr später; seither ist Ramsen Endpunkt der Strecke und wird im Taktverkehr von Regionalbahnen bedient. Sams-, sonn- und feiertags wird die Linie seit 2001 über Ramsen hinaus bis zum Eiswoog verlängert. Der öffentliche Nahverkehr ist in den Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) integriert, es gelten dessen Gemeinschaftstarife.

Straße

Die Landesstraße 395 führt in Ost-West-Richtung durch die Gemeinde. Von dieser zweigen die Landesstraße 396 nach Göllheim und die Kreisstraße 74 ab, die ins jenseits des Landkreises gelegene Hettenleidelheim führt und dort zur Kreisstraße 35 wird. Die Kreisstraße 81 bindet den Ripperterhof an das Straßennetz an. In kurzer Entfernung zur Gemeinde befinden sich außerdem die A 63 im Norden und die A 6 im Süden.

Tourismus mini|Hütte im Gemeindewald, Vereinshütte des Pfälzerwaldvereins Ramsen

Die seit 1996 verkehrende Stumpfwaldbahn ist eine dreieinhalb Kilometer lange Museumsfeldbahn, die im Norden des Pfälzerwalds auf der Gemarkung der Gemeinde Ramsen verkehrt und vom Verein Stumpfwaldbahn Ramsen e. V. betrieben wird. Ihre Strecke beginnt am westlichen Ortsrand von Ramsen und endet an dem Stausee Eiswoog.

Zudem liegt Ramsen am Barbarossa-Radweg, der in die westliche Richtung bis nach Glan-Münchweiler und im Osten bis nach Worms führt sowie am mit einem blauen Balken gekennzeichneten Fernwanderweg Staudernheim–Soultz-sous-Forêts und an einem mit einem blau-roten Balken markierten Weg, der eine Verbindung mit Kirchheimbolanden und Pirmasens herstellt. Durch das Gemeindegebiet verläuft außerdem ein Wanderweg, der mit einem gelben Balken markiert ist und von Glanbrücken bis nach Wachenheim an der Weinstraße führt. Im äußersten Westen führt für ein kurzes Stück der mit einem weißen Kreuz gekennzeichnete Fernwanderweg Nahegau-Wasgau-Vogesen über die Gemeindegemarkung. Darüber hinaus besitzt die örtliche Sektion des Pfälzerwald-Vereins die Hütte im Gemeindewald, die sich im Westen der Gemarkung befindet.

Institutionen mini|Grundschule

Bis 2007 war in Ramsen das Spatzennest, eine evangelische Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe, ansässig; Mitte der 1990er Jahre geriet es im Zuge der Wormser Prozesse in die Schlagzeilen. Zudem befinden sich in Ramsen eine Grundschule sowie ein katholischer Kindergarten.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Heinrich Schumacher (1883–1949), katholischer Priester, Vizerektor der deutschen Nationalstiftung Santa Maria dell’Anima in Rom; ab 1913 Theologieprofessor und Buchautor an der kath. Universität von Washington D.C., USA. Franz Ernst (1887–1947), Zahnarzt und Kieferchirurg Walter Dech (1937–2019), Unternehmer Theo Rörig (1940–2022), Bildhauer Hans-Joachim Fischer (* 1950), Brigadegeneral des Heeres der Bundeswehr

Personen, die in der Gemeinde gewirkt haben