Heusenstamm ist eine Stadt mit etwa 19.000 Einwohnern im südhessischen Landkreis Offenbach und an der Bieber gelegen.
Geographie mini|Luftaufnahme 2013 mini|Luftaufnahme 2007 mini|Heusenstammer Stadtkulisse mit Bieber im Vordergrund
Geographische Lage Heusenstamm ist eine von 13 Städten und Gemeinden im Landkreis Offenbach. Die Stadt liegt im Rhein-Main-Gebiet südlich von Frankfurt am Main und Offenbach am Main auf einer Höhe von durchschnittlich Der tiefste natürliche Punkt ist das Bett der Bieber, der höchste die Erhebung Hoher Berg mit Südwestlich findet sich Darmstadt als Verwaltungssitz des Regierungsbezirks. Heusenstamm liegt im südlichen Teil Hessens unweit der Mittelgebirge Odenwald und Spessart.
Nachbargemeinden Heusenstamm grenzt im Norden an die kreisfreie Stadt Offenbach am Main, im Nordosten an die Stadt Obertshausen, im Südosten an die Stadt Rodgau, im Süden an die Stadt Dietzenbach sowie im Südwesten an die Stadt Dreieich.
Stadtgliederung Heusenstamm besteht aus den Stadtteilen Heusenstamm mit 16.266 Einwohnern und Rembrücken mit 2.116 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2006).
Geschichte Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung von Heusenstamm findet sich in einem Eppsteinischen Lehnsbuch 1211. Dort beurkundete Gottfried von Eppstein, dass er Burg und Dorf Huselstam vom Reich zu Lehen hatte und er beides an Eberhard Waro von Hagen-Heusenstamm weiter verlieh. Eberhard Waro von Hagen-Heusenstamm ließ eine Wasserburg erbauen. Später wurde der Ort Husinstam und ab dem 15. Jahrhundert auch Heussenstain genannt. Vom Mittelalter bis 1819 gehörten Heusenstamm und Rembrücken der Biebermark an. Auf dem Gebiet des heutigen Heusenstamm befand sich im Mittelalter der wüst gewordene Ort Rennigishausen.
Frühe Neuzeit Nach dem Aussterben der Herren von Eppstein traten an deren Stelle als Lehnsherren die Grafen von Königstein, später ab 1581 der Kurfürst von Mainz. 1545 wurde Sebastian von Heusenstamm zum Erzbischof und Kurfürsten von Mainz gewählt. 1560 gestattete Eberhard von Heusenstamm die Einführung der protestantischen Konfession, 1607 wird wieder die katholische Konfession eingeführt.
Nach dem Aussterben der hier ansässigen Familie der Herren von Heusenstamm 1616 fiel das Schloss und die Herrschaft Heusenstamm an die österreichische Seitenlinie der Familie, die den Ort an die Frankfurter Patrizierfamilie Steffan von Cronstetten verpachtete. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden das Dorf und das Schloss fast vollständig zerstört. 1661 wurde die Herrschaft Heusenstamm, zu der die Orte Obertshausen und Hausen gehörten, an den mainzischen Oberamtmann zu Steinheim, Philipp Erwein von Schönborn, verkauft.
Als 1764 Kaiser Franz I. anlässlich der Krönung seines Sohnes in Frankfurt im Schloss Heusenstamm wohnte (Goethe berichtet über das Ereignis in „Dichtung und Wahrheit“), wurde zu seinen Ehren ein prunkvoller Torbau errichtet, der noch heute steht.
Neuzeit 1806 wurde das Schönbornische Amt Heusenstamm mit Obertshausen und Hausen durch das Fürstentum Isenburg mediatisiert. Als das Fürstentum seinerseits durch den Wiener Kongress mediatisiert wurde, kam das Amt Heusenstamm letztendlich 1816 zum Großherzogtum Hessen. Bei der Aufteilung der Biebermark 1819 erhielt Heusenstamm seinen Anteil Wald. Im Großherzogtum Hessen gehörte Heusenstamm ab 1821 zum Landratsbezirk Seligenstadt. Bereits zum 5. September 1832 wurde in einer weiteren Verwaltungsreform der Kreis Offenbach gebildet, dem der ehemalige Landratsbezirk Seligenstadt mit Heusenstamm zugeschlagen wurde. Gerichtlich gehörte Heusenstamm zunächst zum Landgericht Steinheim, das 1835 nach Seligenstadt verlegt und in Landgericht Seligenstadt umbezeichnet wurde. Anlässlich der umfassenden Neueinteilung der Gerichtsbezirke im rechtsrheinischen Teil des Großherzogtums 1853 wurde Heusenstamm dem Landgericht Offenbach zugeteilt. Das Landgericht wurde 1879 durch das Amtsgericht Offenbach ersetzt.
1896 wurde die Bahnstrecke Offenbach-Bieber–Dietzenbach, eine Zweigstrecke der Rodgaubahn von Offenbach nach Dieburg, eröffnet, an der Heusenstamm einen Bahnhof erhielt.
In der Nacht zum 26. August 1944 gegen 1 Uhr stürzt ein britischer Lancaster-Bomber, von einem deutschen Abwehrjäger getroffen, 200 Meter westlich des Schlosses am Ufer des nördlichen Schlossteiches ab. Zwei Mann der vierköpfigen Besatzung konnten sich mit dem Fallschirm retten. Seit 2009 erinnert ein Gedenkstein an der Absturzstelle an die Opfer.
mini|Wappen von Heusenstamm Am 26. Mai 1959 erhielt Heusenstamm die Stadtrechte und entging damit den Eingemeindungsbestrebungen der Stadt Offenbach. 1978 kaufte die Stadt das zu Patershausen gehörende Hofgut, den Klosterwald und den Forst Patershausen sowie den Forst Heusenstamm von Rudolf Graf von Schönborn. Das Schloss erwarb die Stadt 1979 ebenfalls von den Grafen von Schönborn und baute es im darauffolgenden Jahr zum Rathaus aus.
Waffen-Versteck der RAF Ein umfangreiches Waffen-Versteck der Rote Armee Fraktion (RAF) befand sich im Wald bei Heusenstamm, unweit der Autobahn A 3. In dem von der RAF selbst als „Depot I“ bzw. „Zentraldepot“, von den Ermittlern anfangs als „Pharaonengrab“ZDF History Die RAF bezeichneten Erdversteck, ungefähre Lage , wurden Waffen, Geldscheine, Autokennzeichen und falsche Pässe gelagert.. Das Versteck wurde am 26. Oktober 1982 nach Polizeiangaben von Pilzsammlern entdeckt, die daraufhin die Polizei verständigten. An der Pilzsammler-Behauptung der Polizei gibt es vor Ort jedoch erhebliche Zweifel. In: extratipp Rhein-Main. 11. November 2012. Nach der Enttarnung des Verstecks wurde die Stelle im Wald von der GSG 9 (Antiterror-Einheit der Polizei) heimlich beschattet, sodass zwei Wochen später am 11. November 1982 die Terroristen Brigitte Mohnhaupt und Adelheid Schulz festgenommen werden konnten, als sie das Depot aufsuchten.Spur zu den meistgesuchten Verbrechern der Republik. In: Focus Online. 30. August 2008.
Ortsname Das früheste Schriftzeugnis ist von 1211 und lautet Huselstam. Ausgangswort war wohl *Husilinstam. Es liegen der Personenname Husilo und ein sehr seltener Rodungsname -stam (‚Baumstamm, Wurzel‘) zugrunde. Der Ortsname bedeutet ‚Rodung des Husilo‘.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. Januar 1977 der 1952 zum Hessischen Musterdorf gekürte Ort RembrückenRembrücken – Mehr als ein Stadtteil. In: stadt-heusenstamm.de. eingemeindet. Ortsbezirke wurden nach dieser Eingliederung nicht gebildet.
Einwohnerentwicklung Im ausgehenden 16. Jahrhundert hatte Heusenstamm ca. 250 Einwohner. Durch den Dreißigjährigen Krieg und die Pest wurde der Ort weitgehend entvölkert. Seitdem steigt die Einwohnerzahl fast kontinuierlich und erst in jüngster Zeit ist wieder ein leichter Rückgang zu beobachten.
Konfessionsstatistik Gemäß Zensus 2022 waren 27,1 % der Bevölkerung katholisch, 16,5 % evangelisch und 56,3 % gehörten anderen und keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft an.Zensus 2022 Religion
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Heusenstamm erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Heusenstamm 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 42,7 16 40,7 15 35,2 13 45,6 17 50,1 19 47,3 17 21,2 8 25,4 9 33,5 12 20,6 7 20,6 7 23,2 9 15,1 6 14,4 5 7,7 3 18,3 7 11,9 4 10,6 4 10,4 4 5,6 2 7,2 3 – – – – – – 6,5 2 5,4 2 6,6 2 4,6 2 7,2 3 5,9 2 4,1 1 3,9 2 – – – – – – – – – – 4,6 2 9,9 4 11,0 4 10,2 4 – – Bürgerblock Bürgerblock – – – – – – – – – – 12,9 5 Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 57,3 58,5 51,3 48,3 46,0 51,3
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Heusenstamm neben dem Bürgermeister hauptamtlich ein Erster Stadtrat und ehrenamtlich sieben weitere Stadträte angehören.Heusenstamm: Magistrat Bürgermeister ist seit dem 1. Januar 2022 Steffen Ball (CDU). Er setzte sich gegen Amtsinhaber Halil Öztaş (SPD), der sich um eine zweite Amtszeit beworben hatte, am 4. Juli 2021 im ersten Wahlgang bei 52,90 Prozent Wahlbeteiligung mit 59,53 Prozent der Stimmen durch.Votemanager: Bürgermeisterwahl Stadt Heusenstamm 2021
Amtszeiten der Bürgermeister 2022–2027 Steffen Ball (CDU)Offenbach-Post, 4. Juli 2021: Steffen Ball ist neuer Bürgermeister in Heusenstamm 2016–2021 Halil Öztaş (SPD) 2004–2015 Peter Jakoby (CDU) 1987–2003 Josef Eckstein (CDU) 1977–1987 Adolf Kessler (CDU) (vorher Bürgermeister von Rembrücken) 1956–1977 Hans Hemberger 1948–1956 Franz-Josef Amerschläger (CDU) 1946–1948 Karl-L. Fauerbach (SPD) (nach der Kommunalwahl 1946 gewählt) 1945–1946 Martin Heberer (von der US-Militäradministration eingesetzt)
Die Bürgermeister zur Zeit von Großherzogtum und Volksstaat Hessen seien nachfolgend genannt: Wilhelm (1839 – ?) Merkel (1853 – ?) Heinrich Augenthaler (1876–1885) Franz Winter (1885–1899) Adam Kraus (1899–1902) Joseph Kämmerer (1904–1933 – zuletzt SPD) Heinrich Fickel (1933–1934 – NSDAP) Gustav Korn (1934–1936 – NSDAP) Hans Kuntsche (1936–1937 – NSDAP) Fritz Bosche (1937–1938 – NSDAP) Franz Wessiepe (1939–1945 – NSDAP)
Wappen und Flaggen 100px 66px 100px
Städtepartnerschaften Heusenstamm pflegt Städtepartnerschaften mit vier europäischen Städten.
Stadt Land seit 40px Saint-Savin (Vienne) 1969 Tonbridge 1984 40px Malle 1991 40px Ladispoli 2001
Die erste „Verschwisterung“ entstand 1969 mit Saint-Savin in Frankreich. Im Jahr 1984 folgte die zweite mit Tonbridge in Großbritannien und 1991 dann die dritte mit Malle in Belgien. Seit 2001 ist Heusenstamm auch mit Ladispoli in Italien partnerschaftlich verbunden.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Das „Heimatmuseum“ legt seine Schwerpunkte auf die historische Stadtgeschichte und die Gemeindeentwicklung. Es war bis 2008 im Torbau und einem Nebengebäude, dem so genannten „Winterhaus“, untergebracht und residiert seit 2009 im „Haus der Stadtgeschichte“. Das Museum ist Bestandteil der Stadtführungen, die durch die Altstadt mit seiner Barockkirche und rund ums Schloss angeboten werden.
Im ehemaligen Fernmeldezeugamt wurde der Sammlungsstandort Heusenstamm des Museums für Kommunikation Frankfurt eingerichtet.
Sehenswürdigkeiten Heusenstammer Schloss (auch Schloss Schönborn) Schlossmühle Hinteres Schlösschen und Bannturm Torbau Patershäuser Weg/Hofgut Patershausen Kapelle zum heiligen Kreuz Steinkreuz am Patershäuser Weg Das alte Rathaus Altstadt Naturdenkmal „Düne am Galgen“ (an diesem erfolgte 1764 die letzte Hinrichtung) Alter jüdischer Wald-Friedhof
Naturschutzgebiete Heusenstamm wird auch als die „Stadt im Grünen“ bezeichnet. Das rührt einerseits von der überdurchschnittlichen Fläche Wald auf seiner Gemarkung her, anderseits auch von den beiden großen Naturschutzgebieten Nachtweide von Patershausen und See am Goldberg. Beide sind auf Grund ihrer Bestände an seltenen Tier- und Pflanzenarten gern besuchtes Ausflugsziel von Bürgern, Schulklassen und Interessierten. Von einigen erhabenen Aussichtspunkten lassen sich vor allem seltene Vogelarten beobachten. mini|160px|NSG Nachtweide
Das Naturschutzgebiet Nachtweide von Patershausen (NSG-Kennung 1438012) umfasst ein rund 17,78 Hektar großes Gebiet Süden von Heusenstamm.vgl. Gemeinde- und Flurgrenzen im BürgerGIS des Kreises Offenbach
Die Nachtweide von Patershausen grenzt direkt an das Hofgut Patershausen und steht seit dem 29. Juli 1987 unter Naturschutz. Zur Entstehung des Namens, siehe: Nachtweide. Heute ist die „Nachtweide“ integraler Bestandteil des Naherholungsgebietes um Heusenstamm und ein beliebtes Ausflugsziel.