Kerzenheim (pfälzisch: Kerzrum) ist gemessen an der Einwohnerzahl die siebtgrößte Ortsgemeinde im Donnersbergkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Eisenberg (Pfalz) an, innerhalb derer sie gemessen an der Fläche die kleinste Ortsgemeinde darstellt.

Geographie Lage Kerzenheim liegt am nördlichen Rand des Pfälzerwalds und dessen Teilbereich Stumpfwald, der zur übergeordneten Einheit Unterer Pfälzerwald gehört. Unmittelbar nördlich und östlich schließt sich bereits das teilweise zum Alzeyer Hügelland hinzugerechnete Eisenberger Becken an. Beide gehören zur übergeordneten Einheit „Rheinhessisches Tafel- und Hügelland“. Letzteres und der Pfälzerwald gehen auf der Gemeindegemarkung fließend ineinander über.

Im Westen liegt der nach dem Kloster Rosenthal benannte Ortsbezirk Rosenthal, der sich in die Ortschaften Göllheimer Häuschen, Grauwald-Siedlung, Kerzweilerhof, Rosenthalerhof und Steinäcker-Siedlung gliedert. Zu Kerzenheim gehören zusätzlich die Wohnplätze Arles-Siedlung und Haus Dietrich.

Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Göllheim, Lautersheim, Ebertsheim, Eisenberg, Ramsen, Enkenbach-Alsenborn, Sippersfeld und Breunigweiler.

Erhebungen Die höchsten Erhebungen der Gemeinde befinden sich im Westen des Gemeindegebiets im Pfälzerwald. Im Südwesten der Gemarkung an der Grenze zu Sippersfeld erhebt sich der hohe Pfrimmerberg. An der Grenze zu Eisenberg erstreckt sich der hohe Kühberg. Im Gemarkungsdreieck zu Enkenbach-Alsenborn und Ramsen befindet sich der hohe Salweidenkopf. Bereits zum Alzeyer Hügelland gehört der sich im Osten an der Gemarkungsgrenze zu Lautersheim befindliche Esper, der misst.

Gewässer Der in West-Ost-Richtung verlaufende Rodenbach entspringt beim Rosenthalerhof und durchfließt den Rosenthaler Weiher; danach verläuft er südlich des Siedlungsgebiets der Kerngemeinde. Mitten durch letztere fließt der Kerzenheimer Bach, der danach von links in den Rodenbach mündet, ebenso der östlich der Kerngemeinde in Nord-Süd-Richtung fließende Stehrbach.

Geschichte

mini|hochkant|Dianarelief aus Kerzenheim aus der Zeit um 200 nach Christus, inzwischen im Historischen Museum der Pfalz in Speyer aufbewahrt

Es existieren mehrere Hinweise darauf, dass die Ortsgemarkung bereits in römischer Zeit besiedelt war. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde neben der Landstraße in Richtung Göllheim ein Dianarelief aus der Zeit um 200 nach Christus aufgefunden. Diese bildete einen Teil eines Viergöttersteins und stammte vom Sockel einer Jupitergigantensäule. Es kam 1875 ins Historische Museum der Pfalz, zu Speyer und wird dort in der römischen Sammlung gezeigt.

Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes, als Kentzenheim, stammt von 1143, in den Jahren 1194 und 1198 wurde er Chercenheim genannt. Der Ortsname ist möglicherweise von einem Personennamen Kernzo hergeleitet.Rheinische Vierteljahrsblätter, Band 65, Röhrscheid, 2001, S. 177 (Google Books) Bis Mitte des 13. Jahrhunderts befand sich die Gemeinde im Besitz des Klosters Höningen. Das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).

Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort anschließend zu Nassau-Weilburg; dort unterstand er der 1388 gegründeten Herrschaft Kirchheim und Stauf. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend des Napoleonischen Kaiserreichs war, gehörte Kertzenheim – so die damalige Schreibweise – zum Kanton Göllheim und war Sitz einer eigenen Mairie, die zusätzlich Rodenbach und Lautersheim umfasste. 1815 wurde er Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte der Ort wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte Kerzenheim dem Landkommissariat Kirchheim – später Kirchheimbolanden – an; aus diesem ging das Bezirksamt Kirchheimbolanden hervor.

Ab 1939 war der Ort Bestandteil des Landkreises Kirchheimbolanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kerzenheim innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte Kerzenheim 1969 in den neu gebildeten Donnersbergkreis; drei Jahre später wurde die Gemeinde in die ebenfalls neu entstandene Verbandsgemeinde Eisenberg (Pfalz) eingegliedert. 1989 wurde aus den im Westen des Gemeindegebiets befindlichen Siedlungen der Ortsbezirk „Rosenthal“ neu gebildet.

Bevölkerung Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl der Gemeinde Kerzenheim, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 653 1835 1.092 1871 1.002 1905 1.262 1939 1.398 Jahr Einwohner 1950 1.495 1961 1.932 1970 1.950 1987 1.905 1993 2.200 Jahr Einwohner 1999 2.263 2005 2.282 2011 2.118 2017 2.114

Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 59,3 % evangelisch, 21,8 % römisch-katholisch, und 18,9 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Kerzenheim, Stichtag: 30. Juni 2005. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Mit Stand März 2026 waren von den Einwohnern 39,7 % evangelisch, 17,1 % katholisch und 43,2 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Kerzenheim, abgerufen am 6. Mai 2026

Christentum

Die katholische Gemeinde gehört zum Dekanat Bad Dürkheim im Bistum Speyer, die evangelischen zur Protestantischen Landeskirche Pfalz. 1928 gehörten die Katholiken in Kerzenheim zur Pfarrei Göllheim und zum Dekanat Kirchheimbolanden. Später bildete Kerzenheim eine Filiale von Eisenberg und gehörte zur Pfarreigemeinschaft Grünstadt. Seit dem 1. Januar 2016 ist es Bestandteil der Pfarrei Hl. Lukas mit Sitz in Hettenleidelheim.

Judentum In Kerzenheim gab es einst eine jüdische Gemeinde, deren Mitglieder in Göllheim beigesetzt wurden.

Politik Gemeinderat

Der Gemeinderat in Kerzenheim besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU Grüne FW Gesamt 2024 5 5 1 5 16 Sitze 2019 8 3 1 4 16 Sitze 2014 10 1 1 4 16 Sitze 2009 11 1 – 4 16 Sitze 2004 10 2 – 4 16 Sitze

Bürgermeister Ortsbürgermeisterin ist Andrea Schmitt von der CDU. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde sie mit einem Stimmenanteil von 50,04 Prozent gewählt; dies entspricht dem Vorsprung einer Stimme. Sie ist damit Nachfolgerin von Alfred Wöllner (SPD), der nach 20 Jahren Amtszeit nicht mehr angetreten war. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde sie als einzige Bewerberin mit 73,9 % der abgegebenen Stimmen für weitere fünf Jahre in ihrem Amt bestätigt.

Wappen

Kultur Kulturdenkmäler mini|Die von Johann Georg Christian Hess errichtete Pfarrkirche Kerzenheim

Die Ebertsheimer Straße, die Göllheimer Straße und das im Westen der Gemarkung liegende ehemalige Kloster Rosenthal im Ortsteil Rosenthalerhof sind als Denkmalzonen ausgewiesen. An den beiden Straßen stehen mehrere Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert. Das Kloster wurde 1241 von Graf Eberhard II. von Eberstein gestiftet.

Hinzu kommen 13 Einzelobjekte, die unter Denkmalschutz stehen, darunter das frühere Rat- und Schulhaus und die Hofanlage mit der Anschrift Eisenberger Straße 3. 1783 wurde eine neue lutherische Pfarrkirche gebaut, ein bedeutsamer lutherischer Zentralraumkirchenbau von Johann Georg Christian Hess, einem Vertreter des Klassizismus.

Natur Der Westen der Gemarkung liegt im Naturpark Pfälzerwald, der wiederum Bestandteil des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Vosges du Nord ist. Einziges Naturdenkmal in Kerzenheim ist eine Baumgruppe am Rosenthalerhof.

Brauchtum Die Gemeinde hat einen Kleingärtnerverein, der am Sonntag vor Frühlingsanfang jährlich den Sommertagszug veranstaltet, örtlich „Stabaus“ genannt.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Am westlichen Siedlungsrand befanden sich zu spätrömischer Zeit Gruben, in denen Eisenerz abgebaut wurde. Im Nordosten der Gemeinde liegt der von 1999 bis 2015 in Betrieb genommene Windpark Kerzenheim, der sich teilweise bereits auf der Gemarkung von Göllheim befindet.

Verkehr

mini|Das „Göllheimer Häuschen“ auf der Kerzenheimer Gemarkung an der Landesstraße 396

Kerzenheim liegt an der B 47, von der die Landesstraße 449, die über Göllheim bis nach Marnheim verläuft, abzweigt. Die Landesstraße 452 führt nach Ebertsheim. Die im Westen der Gemarkung verlaufende Landesstraße 396 passiert den Weiler Göllheimer Häuschen. Die Kreisstraße 76 stellt eine Verbindung nach Steinborn her. Die Kreisstraße 78 verbindet den Ortsbezirk Rosenthal mit dem Straßennetz.

In kurzer Entfernung befinden sich die A 63 im Norden und die A 6 im Süden. Die nächstgelegene Bahnstation ist der Bahnhof Eisenberg (Pfalz) an der Eistalbahn.

Freizeit

Zur sportlichen Betätigung in der Freizeit hat Kerzenheim einen Sportplatz.

Tourismus

Durch den Westen der Gemarkung verlaufen der mit einem blauen Balken markierte Fernwanderweg Staudernheim–Soultz-sous-Forêts, ein Wanderweg, der mit einem gelben Balken gekennzeichnet ist sowie ein solcher, der mit einem blau-roten Balken markiert ist und von Kirchheimbolanden bis nach Pirmasens führt. Ein weiterer ist mit einem grün-blauen Balken markiert und verläuft von Göllheim bis nach Eppenbrunn.

Persönlichkeiten mini|hochkant|Barbara von Heppenheim genannt vom Saal. Sie regierte 32 Jahre lang als Zisterzienser-Äbtissin in Rosenthal, starb dort und ihr Epitaph ist in der Kirchenruine erhalten

Söhne und Töchter der Gemeinde Anton Foohs (1871–1940), Prälat, bayerischer Divisionspfarrer im Ersten Weltkrieg, Begründer des Pfälzer Katholikentags in Johanniskreuz Forbesia Erhard (1892–1963), von 1929 bis 1936 als Kindergärtnerin, Krankenschwester und Altenpflegerin in Astheim tätig Leonhard Wüchner (1895–1945), Politiker (NSDAP)

Personen, die mit Kerzenheim verbunden sind Eberhard IV. von Eberstein († 1263), Stifter des Klosters Rosenthal, dort begraben; Grabplatte in der Kirchenruine erhalten Raugraf Heinrich I. († 1261), Adliger, Neffe des Rosenthaler Klosterstifters, war eine der Hauptpersonen in dem tödlichen Eifersuchtsdrama um Herzogin Maria von Brabant. Er wurde im Kloster Rosenthal beigesetzt; dort blieb die Grabplatte erhalten. Anna von Lustadt († 1485), Äbtissin des Klosters Rosenthal, lebte und starb dort; Grabplatte in der Kirchenruine erhalten Margaretha von Venningen († 1505), Äbtissin des Klosters Rosenthal, lebte und starb dort Barbara Göler von Ravensburg († 1535), Äbtissin des Klosters Rosenthal, lebte und starb dort; Grabplatte in der Kirchenruine erhalten Barbara von Heppenheim genannt vom Saal († 1567), Äbtissin des Klosters Rosenthal, lebte und starb dort; Grabplatte in der Kirchenruine erhalten Johann Georg Christian Hess (1756–1816), Architekt, entwarf die örtliche protestantische Kirche Johann Jakob Ritterspach, 1792/93 Mitglied des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents Johann Georg Lehmann (1797–1876), Pfarrer und Historiker, wurde 1840 in Kerzenheim Pfarrer Johann Schiller (1812–1886), Pfarrer, Theologe und Schriftsteller, übernahm 1835 eine Hauslehrerstelle beim örtlichen Pfarrer

Weblinks

Ortsgemeinde Kerzenheim auf den Seiten der Verbandsgemeinde Eisenberg (Pfalz)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Donnersbergkreis Kategorie:Geographie (Pfälzerwald) Kategorie:Ersterwähnung 1143