Die persische Sprache (persisch ) oder Persisch () ist eine plurizentrische Sprache in Zentral- und Vorderasien. Sie gehört zum iranischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie und ist Amtssprache in Iran, Afghanistan und Tadschikistan.Abdolazim Hakimi (Ph.D) Comparative Phonetic Study of Frequently Used Words in Iranian Farsi versus Tajik Farsi // Journal of American Science 2012: 8(4) Sie hat 126,6 Millionen Sprecher – 60 bis 70 Millionen Muttersprachler und 50 Millionen Zweitsprachler.

In Iran wird die persische Sprache üblicherweise Fārsi () genannt. Daneben ist Fārsī-yi Darī (), im Deutschen Dari-Persisch, kurz Dari, oder auch afghanisches Persisch genannt, ihre offizielle Bezeichnung in Afghanistan. Die Anhänger des Zoroastrismus in Iran nennen sie Darī. Persisch wird seit der Islamisierung des iranischen Kulturraums im frühen Mittelalter in einer an ihre Besonderheiten angepassten Form der arabischen Schrift geschrieben. Das seit den 1920er Jahren in kyrillischer Schrift geschriebene Tadschikisch ist eine in Zentralasien, hauptsächlich in Tadschikistan, gesprochene Varietät des Persischen. Die tatische Sprache in Aserbaidschan und Dagestan (Russland) steht dem Persischen nahe.

Das Neupersische, vor allem über Lehnwortbildungen vom Arabischen beeinflusst, entwickelte sich im Mittelalter zur bedeutendsten Gelehrten- und Literatursprache der östlichen islamischen WeltBert G. Fragner: Die „Persophonie“: Regionalität, Identität und Sprachkontakt in der Geschichte Asiens. Das Arabische Buch, Berlin 1999, Kap. 3.1.1 „Die arabische Schrift“, 3.1.2 „Das Persische – die erste ‚islamisierte‘ Sprache der Geschichte“, und 3.1.3 „Persisch als Lingua franca“, S. 22–36. und übte einen starken Einfluss auf die benachbarten Turksprachen (vor allem auf die aserbaidschanische, osmanische, türkische und tschagataische Sprache), Armenisch, Georgisch sowie auf die Sprachen Nordindiens, insbesondere auf Urdu, aus.Bert G. Fragner: Die „Persophonie“: Regionalität, Identität und Sprachkontakt in der Geschichte Asiens. Das Arabische Buch, Berlin 1999, Kap. 5.4 „Das Persische als Modell für weitere Prozesse der Entstehung von islamisierten Literatursprachen“, Mailand: Mimesis, 2009, S. 82–99. Über Jahrhunderte hinweg war das Persische die höhere Amts- und Bildungssprache im Mogulreich in Indien und in weiteren islamisch geprägten Staaten des indischen Subkontinents.Herrmann Kulke, Dietmar Rothermund: Geschichte Indiens, Von der Induskultur bis heute. 3., aktualisierte Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-72063-5, S. 260.

Viele persische Wörter wurden auch in europäische Sprachen übernommen. Im Deutschen kennt man unter anderem die Wörter „Basar“, „Karawane“, „Magier“, „Paradies“, „Pistazie“, „Schach“, „Schal“ und „Scheck“. Die persische Literatur ist über die Grenzen Irans hinaus bekannt durch Dichter wie Rumi, Omar Chayyām, Hafis, Saadi, Nezami, Dschami, Firdausi und Sadegh Hedayat.

Name Gemeinhin wird diese Sprache in den europäischen Ländern gemäß der unmittelbaren Übersetzung aus dem Altgriechischen als Persisch bezeichnet – benannt nach der Region ihrer Herkunft, Fārs (Pārs), im Süden Irans.

Bezeichnungen im Persischen: Im Mittelpersischen lautete der Name der Sprache pārsīg. Etwa seit der arabisch-islamischen Eroberung Persiens wird die neupersische Sprache fārsī () genannt.Sprachhistoriker führten die neue Lautung des Namens darauf zurück, dass die arabische Sprache und Schrift keinen p-Laut kennen (in der arabischen Sprachgeschichte sind alle ursemitischen /p/ zu /f/ verschoben). Diese These ist insofern fragwürdig, als älteres persisches /p/ bei der Entlehnung zahlreicher persischer Wörter durch das Arabische zu /b/ wurde, so in arabisch Iṣbahān aus mittelpersisch Sepahān. Vielmehr handelte es sich also beim Übergang von pārsīg zu fārsī um eine zu jener Zeit stattfindende Lautverschiebung von /p/ zu /f/ im Persischen selbst, die Teile des persischen Wortschatzes erfasste. Zahlreiche andere Wörter indogermanisch-persischen Ursprungs wie pedar („Vater“) oder panǧ („fünf“) bewahrten /p/. Für das gehobene, am sassanidischen Königshof Ktesiphon gesprochene Mittelpersisch und manchmal auch die mittelparthische Dialekte und wie neuere iranistische Forschungen zeigen auch das im Nordosten, auf dem ehemaligen Gebiet des Partherreichs und somit auch vom Parthischen beeinflusste Mittelpersische wurden alternativ statt fārsī فارسی auch darī دری (Bedeutung: höfisch) genannt. Seit 1964 wird die moderne neupersische Standardvarietät Afghanistans Dari-Persisch genannt.Bozorg Alavi, Manfred Lorenz: Lehrbuch der persischen Sprache. Langenscheidt, Leipzig usw. 1967; 7. Auflage ebenda 1994, ISBN 3-324-00253-2, S. 5. Die neupersischen Dialekte Zentralasiens werden seit der sowjetischen Herrschaft als tadschikische Sprache bezeichnet.

Lehnwörter in und aus dem Persischen Lehnwörter im Persischen Seit der Islamisierung Persiens sind mehr als 50 % des heutigen persischen Wortschatzes aus dem Arabischen entlehnt.Encyclopaedia of Islam, XII (Supplementband), Leiden 2004, S. 446b: Statistisch betrachtet beträgt die Zahl arabischer Lehnwörter ungefähr 8.000 unter 20.000 alltäglich benutzten literarischen Vokabeln oder, anders ausgedrückt, etwa 40 % des alltäglichen Wortschatzes (wenn zusätzliche Ableitungen und Wortverbindungen unberücksichtigt bleiben)Vgl. auch . In der persischen Literatur variiert der Anteil arabischer Lehnwörter je nach Stil, Thema oder Diskurs, wobei der Gebrauch im Laufe der Geschichte ständig zugenommen hat. Daher enthält ein Abstrakt aus dem Schāhnāme des Dichters Firdausi nur etwa 9 % arabische Lehnwörter bei einer Anwendungsfrequenz von circa 2,4 %, während es in den Eulogien des Dichters Unsuri schon etwa 32 % Lehnwörter bei einer Frequenz von 17 % sind.

In jüngster Zeit wurde auch eine bedeutende Zahl von Wörtern aus den Turksprachen und Neologismen aus Sprachen wie dem Englischen, dem Französischen und dem Russischen entlehnt. Der Anteil türkischer und mongolischer Wörter beträgt schätzungsweise 2–3 % des Gesamtvokabulars. Bei arabischen Lehnwörtern hält man sich trotz angepasster Aussprache exakt an die ursprüngliche arabische Orthographie, zumindest im Wortstamm; die Pluralbildung kann abweichen. Für viele dieser Wörter gibt es persische Entsprechungen, die aber zum Teil einer anderen Stilebene zuzuordnen sind oder schlicht seltener verwendet werden. Besonders deutlich wird der Einfluss des Arabischen bei den zusammengesetzten Verben, die oft aus einem arabischen Substantiv und einem persischen Verb mit vergleichsweise unspezifischer Bedeutung (etwa „machen“ oder „geben“) bestehen.

Persische Lehnwörter in anderen Sprachen Umgekehrt hat auch das Arabische Wörter aus dem Persischen übernommen, und zwar hauptsächlich während der ersten vier Jahrhunderte seit der Entstehung des Islams – sowohl direkt als auch indirekt. Die meisten dieser Wörter stammen aus dem Mittelpersischen, der offiziellen Sprache des Sassanidenreiches, das bis zu einem bestimmten Grad in den frühen Jahrhunderten der islamischen Ära als Verwaltungssprache diente. Auch Turksprachen, vor allem die osmanische und die tschagataische Sprache, enthalten viele persische Lehnwörter. Infolge der Dominanz persischsprachiger Dynastien in Indien, vor allem der Mogulen, haben auch die indischen Sprachen, insbesondere Urdu, zahlreiche persische Wörter entlehnt.

Ins Deutsche sind sämtliche Lehnwörter aus dem Persischen nicht unmittelbar gelangt, sondern nahmen Wege über Nachbarsprachen, mit denen das Persische im Laufe der Geschichte in Berührung stand. In der historischen Reihenfolge sind dies das Griechische mit der westlichen Nachfolgesprache Lateinisch (Bsp.: Paradeisos aus dem avestischen pairi-daēza, neupersisch /firdaus, „Tiergarten“), dann das Arabische, in das bei der Eroberung des Sassanidenreiches durch die Araber viele persische Kulturwörter aufgenommen wurden und das dann vor allem über die Sprachbrücke Andalusien die Begriffe ans Französische weitergab (Beispiel: bazar aus neupersisch /bāzār, „Markt“, aber auch Schach matt über das neupersische /šāh, „Herrscher“, und , „(er) starb“).Für diesen zusammengesetzten Begriff gibt es hier noch eine weitere Theorie. Während der „Türkenkriege“ im 16. und 17. Jahrhundert wurden über das Osmanisch-Türkische weitere persische Lehnwörter ins Deutsche übernommen (Bsp.: Muselman aus dem osmanisch-türkischen müslüman, das wiederum auf neupersisch /mosalmān, „Muslim“, zurückgeht) und seit dem 19. Jahrhundert das Hindustanische, das persische Begriffe ans Englische (Beispiel: jungle aus neupersisch /ǧangal, „Wald“, oder Pijama aus neupersisch / peyǧāma, wörtlich „Beinkleid“) weitervermittelte. In allgemeinen Wörterbüchern des Deutschen konnten 194 Wörter persischen Ursprungs (Iranismen) nachgewiesen werden. Für 68 dieser Entlehnungen kann angegeben werden, wann sie ins Deutsche übernommen wurden. Der Verlauf ihrer Zunahme vom 8. bis 20. Jahrhundert gehorcht dem Piotrowski-Gesetz.Karl-Heinz Best: Iranismen im Deutschen. In: Glottometrics 26, 2013, Seite 1–8 (PDF Volltext).

Linguistische Klassifikation Bestimmte Ähnlichkeiten im Grundwortschatz der persischen Sprache in Bezug zu anderen indogermanischen Sprachen bezeugen eine gemeinsame Herkunft, wobei ein Vergleich bei älteren Sprachstufen deutlicher ins Auge fällt. Dies gilt vor allem für das Altpersische und Avestische im Hinblick auf Sanskrit.

Auf die indogermanische Verwandtschaft zahlreicher persischer Begriffe ist durch die komparative Methode sowie über die Gesetze der Lautverschiebung zu schließen. Beispiele: altpersischmittelpersischneupersischaltgriechischlateinischdeutschenglischschwedischpolnischlitauisch pitar pidar pedar patḗr pater Vater father fa(de)r ojciec tėvas mātar mād(ar) mādar mḗtēr mater Mutter mother mo(de)r matka motina brātar brād(ar) barādar adelphós frater Bruder brother bro(de)r brat brolis (nicht bezeugt) ducht(ar) dochtar thygatḗr Tochter daughter dotter córka dukra nāman nām nām ónoma nomen Name name namn imię vardas martiya („Sterblicher“) mard mard („Mann“) anḗr mortalis Mord murder mord martwy („tot“) mirtingas („Sterblicher“) dadā-tanaiy dādan dādan dídōmi dare dać duoti hischta-tanaiy awischtadan istādan hístēmi sistere stehen stand stå stać stoti manā (mich) man (ich, mich) man (ich) emé me mich me mig mnie mane pantscha pandsch pandsch pénte quinque fünf five fem pięć penki hafta haft haft heptá septem sieben seven sju siedem septyni rāsta rāst rāst orthós rectus recht, richtig right rätt, riktig prawy dešinė Da Zeichen zur Darstellung von Alt- und Mittelpersisch fehlen, werden nur Neupersisch und Altgriechisch in Originalschrift angegeben.

Morphologischer Vergleich:

sein (Präsens): urindogermanischSanskritaltpersischneupersischaltgriechischlateinischdeutschpolnischschwedischlitauisch *esmi asmi amiy hastam eimí sum ich bin jestem jag är esu *essi asi (nicht bezeugt) hasti eî es du bist jesteś du är esi *esti asti astiy hast / ast estí est er ist jest han är yra (esti) *smesi / *smosi smas amahiy hastim esmén sumus wir sind jesteśmy vi är esame *stes stha (nicht bezeugt) hastid esté estis ihr seid jesteście ni är esate *senti santi hatiy hastand eisín sunt sie sind są de är yra (esa)

tragenSiehe Duden. Das Herkunftswörterbuch, Mannheim 1989, S. 220 („gebären“), S. 105 („Bürde“), ISBN 3-411-20907-0. (Präsens): urindogermanischSanskritaltpersischneupersischgriechischlateinischaltslawischahd.deutsch *bhero bharami baramiy mi-baram phérō φέρω fero berǫ biru ich trage *bheresi bharasi (nicht bezeugt) mi-bari phéreis φέρεις fers beresь biris du trägst *bhereti bharati baratiy mi-barad phérei φέρει fert beretъ birit er / sie / es trägt *bheromes bharamas baramahiy mi-barim phéromen φέρομεν ferimus beremъ berames wir tragen *bherete(s) bharatha (nicht bezeugt) mi-barid phérete φέρετε fertis berete beret ihr tragt *bheronti bharanti barātiy mi-barand phérusin φέρουσιν ferunt berǫtu berant sie tragen