Die Brustvergrößerung, auch als Mammaaugmentation bezeichnet, ist meist ein operativer Eingriff zur Veränderung der Größe oder Form der Brust. Alternativ zu synthetischem Implantatmaterial kann auch Eigenfett eingesetzt werden. Davon abzugrenzen ist die Brustverkleinerung, bei der nur eigenes Material entfernt wird.
Eine Operation fällt in die Gebiete der plastisch-ästhetischen Chirurgie sowie der Gynäkologie. Bei verwendeten Implantaten handelt es sich um Medizinprodukte, die meistens aus Silikon bestehen. Die Operationen werden vielfach aus rein optischen bzw. ästhetischen Gründen vorgenommen. Liegt eine Fehlbildung der weiblichen Brust (z. B. eine ausgeprägte Asymmetrie oder eine tubuläre Brust) vor, handelt es sich jedoch um einen medizinisch indizierten Eingriff. Dies gilt auch für Brustrekonstruktionen nach Amputation beispielsweise aufgrund einer Krebserkrankung (Erkrankungen im Sinne des Sozialgesetzbuches).
Nicht zu verwechseln ist die Brustvergrößerung mit der Brustmuskelvergrößerung bei Männern, wo Implantate einen definierten Brustmuskel vortäuschen sollen. Beide Operation sind jedoch ähnlich.
Geschichte Mit dem Wiederaufbau der weiblichen Brust beschäftigen sich Ärzte seit den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts. 1893 wurde von dem Chirurgen Vincenz Czerny erstmals einer Frau ein Fettgeschwulst, ein sogenanntes Lipom, in die Brust verpflanzt. Der Sängerin war zuvor ein Tumor aus der Brust entfernt worden, da sie unter Brustkrebs litt. Die resultierende Asymmetrie wurde durch die Verpflanzung der gutartigen Fettgeschwulst korrigiert. Trotz des Einsatzes von körpereigenem Fett blieb die Durchblutung unzureichend. Experimente mit Materialien wie Elfenbein, Rinderknorpel, Wolle oder Glaskugeln erwiesen sich als ähnlich fatal.F.-W. von Hesler: Die Entwicklung der Brustimplantate von der ersten Idee bis heute. In: Sophien-Journal. 01, 2010, S. 4–5. Bis in die späten 1950er Jahre wurden alle möglichen Einsätze versucht, wie zum Beispiel Paraffininjektionen (durch Robert Gersuny), Bienenwachs oder Polyethylen, jedoch ohne größere Erfolge. Meist führte die Verwendung solcher Substanzen zu erheblichen Komplikationen in Form von Fremdkörperreaktionen, wie beispielsweise Lipogranulomen.T. T. Alagaratnam, W. F. Ng: Paraffinomas of the breast: an oriental curiosity. In: Aust N Z J Surg, 66, 1996, S. 138–140. PMID 8639128 Die ersten festen Implantate wurden 1951 eingesetzt. Dabei wiesen Ivalon-Schwämme zunächst eine gute Verträglichkeit auf, waren aber langfristig unausgereift. 1961 wurde von zwei Ärzten aus Houston (Texas) das erste Silikonimplantat auf Initiative von Dow Corning entwickelt. 1962 fand die erste Operation statt.Gesche Wüpper: Das Geschäft mit den falschen Brüsten. Welt Online, 13. Januar 2012; abgerufen am 13. Januar 2012 1963 wurde es auf den Markt gebracht. 20 Jahre später wurde genau dieses Unternehmen von hunderten Frauen verklagt, da in den USA die heftige Kontroverse ausgebrochen war, Silikonimplantate seien der Grund für viele Autoimmunerkrankungen und Gesundheitsschädigungen. 1992 wurden die Silikonfüllungen von der Food and Drug Administration (FDA) für kosmetische Operationen in den USA verboten. Nach zahlreichen Studien und der technischen Weiterentwicklung der Implantate wurden diese 2006 wieder erlaubt. In Europa wurden sie nie verboten, doch gibt es seit 2001 ein Qualitätsgütesiegel.S. Feiel: 2008. Bis 2011 wurden weltweit zehn Millionen Frauen operiert.
Im organisierten Verbrechen werden Brustimplantate zum Transport von Drogen eingesetzt.
Anlässe für Brustvergrößerungen Die Gründe für eine Brustvergrößerung sind vielfältig. Eine vorliegende Amastie (völliges Fehlen der Brust) oder eine Mammahypoplasie (unterentwickelte Brust, auch als Mikromastie bezeichnet) stellen mögliche Indikationen für eine Operation dar. Eine Involution des Brustgewebes kann nach Schwangerschaften oder nach Gewichtsverlust auftreten und führt zu einer Verringerung des Brustvolumens. Die betroffenen Patientinnen entscheiden sich aus ästhetischen Gründen für eine Operation und um ihr Körperbild zu verbessern. Der Einfluss von Social Media ist insbesondere seit den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts ein weiterer Faktor, der die Idealvorstellung der weiblichen Brust prägt. Eine ausgeprägte Asymmetrie der Brust kann ebenso wie eine tubuläre Brust (Schlauchbrust) eine Indikation für die Operation darstellen. Eine Brustvergrößerung kann auch als geschlechtsangleichende Operation bei transgeschlechtlichen Patientinnen indiziert sein. Die Operation im Rahmen einer Brustrekonstruktion nach (teilweiser) Entfernung der Brust wegen Brustkrebs kann auch mit Hilfe von Brustimplantaten durchgeführt werden.
OP-Technik mini|Bei der subfaszialen Implantation wird das Implantat unter der Faszie eingebracht.
Bei der meist in Vollnarkose durchgeführten Operation wird von einem Facharzt (Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie) ein Hautschnitt gemacht, das Brustgewebe angehoben und eine Implantattasche gebildet, in die das Brustimplantat eingeführt werden kann. Anschließend schiebt der Chirurg das Implantat entweder teilweise oder vollständig unter den Brustmuskel (submuskuläre Implantation, v. a. bei sehr dünnen Frauen mit wenig Fett-/Drüsengewebe) oder er platziert es unter der Brustdrüse oberhalb des Brustmuskels (subglanduläre Implantation), wobei das Brustgewebe selbst weitgehend unberührt bleibt. Eine dritte Möglichkeit ist die Platzierung des Implantats direkt innerhalb des Muskelstrumpfs und unter die den Muskel bedeckende Faszien-Schicht (subfasziale Methode, siehe Bild). Diese Methode ist zeitlich aufwendiger, gilt als schwieriger und wird nur von wenigen Chirurgen angeboten.
Der nötige Hautschnitt, von dem nach der Operation möglichst wenig zu sehen sein sollte, kann in der neu gebildeten Unterbrustfalte (inframammärer Zugang), um oder durch den Warzenhof (transareolärer Zugang), in der Achselhöhle (transaxillärer Zugang) oder bei Verwendung von Kochsalzlösung auch im Bauchnabel erfolgen. Eine technische Besonderheit stellt dabei die endoskopische Brustvergrößerung über die Achselhöhle dar. Sie wurde schon in den frühen 1980er Jahren in Brasilien durch Ivo Pitanguy angewendet und stellt seither eine Routineoperation zu Brustvergrößerung dar. Über einen schmalen Schnitt in der natürlichen Achselfalte wird ein feines Endoskopieinstrument hinter den Brustmuskel eingeführt und dieser anfänglich stumpf und im Bereich des Muskelansatzes elektrokauterisch durchtrennt, um ein Verformen der Brust bei Armbewegung zu vermeiden. Hierbei bietet die Vergrößerung durch das Endoskopiebild eine größere Sicherheit, keine sensiblen Nerven zu durchtrennen, aber die Tasche hinter dem Brustmuskel millimetergenau und präzise zu formen. Sowohl runde als auch anatomische Implantate bis zu einer Größe von 480 cm³ können so sicher positioniert werden. In der Hand des erfahrenen Operateurs ist die Technik genauso sicher und präzise wie beim Schnitt unter oder an der Brust. Die Operationszeit verkürzt sich in der Regel. Diese Technik wird in Deutschland nicht von allen Zentren angeboten. Es gibt bislang keine evidenzbasiert generell zu bevorzugende Methode. Die Vor- und Nachteile der drei verschiedenen Zugangswege werden vor allem vor dem Hintergrund der individuellen Voraussetzungen und der Erfahrung des jeweiligen Operateurs mit einer Methode geprägt und sind in einem Beratungsgespräch zu erörtern.
Implantate mini|Typisches Silikonimplantat Die Grundsubstanz der Hülle der Prothesen ist heute in nahezu allen Fällen weiches Silikon; dies trifft insbesondere auf alle mit der – für den Vertrieb in der Europäischen Union erforderlichen – CE-Kennzeichnung versehenen Implantattypen zu.Marita Eisenmann-Klei: Mammaaugmentation. In: Alfred Berger und Robert Hierner (Hrsg.): Plastische Chirurgie. Band 3: Mamma Stamm Genitale. Springer, Berlin und Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-00143-0, S. 155–174, hier S. 162. String-Implantate aus Polypropylen, die sich nachträglich noch aufblähen, werden nicht mehr eingesetzt.
Bei einer Gruppe von Mammaimplantaten ist die Silikonhülle mit Polyurethanschaum beschichtet. Nach dem experimentellen Nachweis, dass ein Abbauprodukt von Polyurethan bei Ratten die Ausbildung von Sarkomen zur Folge haben kann, untersuchte die US-Gesundheitsbehörde FDA die karzinogene Wirkung der Polyurethanschaumbeschichtung; im Ergebnis bezifferte sie 1995 das Risiko, aufgrund dessen ein Sarkom zu entwickeln, auf unter 1:1 Million.Marita Eisenmann-Klei: Mammaaugmentation. In: Alfred Berger und Robert Hierner (Hrsg.): Plastische Chirurgie. Band 3: Mamma Stamm Genitale. Springer, Berlin und Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-00143-0, S. 155–174, hier S. 163. Bei der Hüllenstruktur wird zwischen glatten und texturierten Ausführungen unterschieden; letztere verwachsen mit der Umgebung und verringern durch eine ungeordnete Ausrichtung der kollagenen Faserbündel in der Implantatkapsel die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer sogenannten Kapselfibrose. Außerdem ist bei texturierten Implantaten die Wahrscheinlichkeit der Drehung des Implantats geringer. Die Form der Hülle ist entweder symmetrisch rund/linsenförmig oder „tropfenförmig“: eine asymmetrische Form, die die natürliche Form der weiblichen Brust im Stehen besser nachbilden soll. Die Vorteile letzterer Form werden diskutiert, denn sie kann sich genauso drehen wie die runde Form, führt dann jedoch zu deutlich sichtbarer Formveränderung. Da sie sich in Implantatlage nicht verdrehen darf, wird sie ausschließlich mit texturierter Oberfläche gefertigt.
Die Hüllen werden mit physiologischer Kochsalzlösung oder mit Silikongel gefüllt. Das zeitweise propagierte Sojaöl wurde wegen unzureichender chemischer Beständigkeit (es wurde „ranzig“) bereits nach kurzer Zeit wieder vom Markt genommen.
Silikongel mini|Mit Gel gefüllte Brustimplantate Die Silikonfüllung stand einige Zeit im Verdacht, im Falle des (in früheren Jahrzehnten häufigen) Austretens aus einer defekten Hülle Autoimmunkrankheiten oder Krebs auszulösen. Insofern wurden im Jahr 1992 Silikonimplantate in den USA verboten. Der Verdacht konnte jedoch in umfangreichen weltweiten Untersuchungen nicht bestätigt werden, und 2006 wurden diese Implantate in den USA wieder zugelassen. Neuere Silikonimplantate werden zudem mit einer stabileren Hülle gefertigt, bei denen die Gefahr eines Defekts stark reduziert ist; bei den formstabilen tropfenförmigen Silikonimplantaten ist die Füllung i. d. R. chemisch vernetzt, so dass sie selbst im Fall eines Hüllenrisses ihre Form weitgehend beibehält und nicht ins umgebende Gewebe austritt. Die Konsistenz eines solchen Silikonkissens wird auch gummibärchenartig beschrieben. Runde Implantate beinhalten mitunter noch dünnflüssigeres Silikon. Implantate mit Silikongel bieten das natürlichste Tastgefühl.
Kochsalzlösung mini|Mit Kochsalzlösung gefüllte Brustimplantate Die Füllung mit physiologischer Kochsalzlösung ermöglicht eine besondere Vorgehensweise, bei der das Implantat erst während der Operation nach dem Einbringen in die Operationswunde befüllt wird. Das ermöglicht einen kleineren Hautschnitt und in gewissen Grenzen auch ein individuelles Variieren des Volumens unter Sichtkontrolle. Nachteil der Kochsalzlösung ist ein mögliches Auftreten von Gluckergeräuschen und eine weniger stabile Form mit gelegentlicher Wellenbildung, die bei dünnem Hautmantel sichtbar sein kann. Im Laufe der Jahre können diese Probleme stärker werden, da es teilweise zu einem Verlust der Füllung kommen kann (Deflation). In einer speziellen Form als Expander ermöglicht ein unter die Haut gelegtes Ventil auch noch nachträglich Veränderungen des Volumens. Diese Variante kommt v. a. bei Brustrekonstruktionen zur Anwendung, um den Hautmantel langsam aufzudehnen.
Eigenfett