mini|Blick vom Freisinger Domberg zum Weihenstephaner Berg mini|hochkant|Hinweistafel am Campus mini|Die zentrale Halle im ZIEL mini|Ein Institut der LfL mini|Neue Campusbrücke 2018, eingeweiht alsThomas-Scharnagel-Brückezum Jubiläum150 Jahre TUM Der Campus Freising-Weihenstephan ist ein ausgedehnter Komplex von Hochschuleinrichtungen und Forschungsinstituten in den im Westen Freisings gelegenen Stadtteilen Weihenstephan und Vötting. Der Campus umfasst insbesondere die TUM School of Life Sciences der Technischen Universität München sowie den größten Teil der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Neben diesen Hochschuleinrichtungen haben die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft sowie weitere Institute und verschiedene Organisationen ihren Hauptsitz am Campus Freising-Weihenstephan.
Geschichte des Campus Freising-Weihenstephan mini|Alte Ansicht des Klosters Weihenstephan
Zögerlicher Beginn nach 1803 Alles begann vor über 200 Jahren, als 1802/3 mit der Säkularisation und Mediatisierung im Kurfürstentum Bayern das Kloster Weihenstephan aufgelöst und in der Folge teilweise abgerissen wurde. Gebäude und Stallungen, Felder und Wälder des Klosters wurden verkauft bzw. der im Herbst 1803 aus München übergesiedelten Forstschule und einem am 1. Januar 1804 gegründeten „Musterlandwirtschaftsbetrieb“ übertragen. Mit der Verwaltung des ehemaligen Klostergutes wurde Max Schönleutner beauftragt, der an der forst- und landwirtschaftlichen Schule auch als Lehrer wirkte. 1807 musste der Betrieb beider Schulen eingestellt werden, da viele Schüler und Lehrer am Feldzug des mit Napoleon Bonaparte verbündeten Bayern gegen Preußen und Russland teilnahmen, von denen nur wenige zurückkehrten.
Die ebenfalls nach der Säkularisation begründete Centralbaumschule, die jeweils vom königlichen Hofgärtner geleitet wurde, überlebte auf dem Weihenstephaner Berg von 1803 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie wurde die Keimzelle der späteren Fachhochschule und der heutigen Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.
1852 wurde die in Schleißheim angesiedelte Landwirtschaftsschule – sie hieß damals „Landwirtschaftliche Centralschule“ – auf Betreiben von Max Kolb nach Freising zurückverlegt. Christian Helferich wurde ihr Direktor; er hatte nur fünf hauptamtliche Professoren unter sich.
1895 wurde sie zur „Königlich Bayerischen Akademie für Landwirtschaft und Brauerei“ erhoben. Ebenfalls in diesem Jahr kamen das „Brennereitechnische Institut“ und die „Königliche Prüfungsanstalt und Auskunftsstelle für landwirtschaftliche Maschinen“ nach Weihenstephan.
1896 wurde die „Obst- und Gartenbauschule“ (mit zweijährigem Gartenbaukurs) zur „Königlichen Gartenbauschule Weihenstephan“ umbenannt, blieb aber immer noch eine reine Fachschule ohne höheren Charakter.
Diese beiden Einrichtungen der Prinzregentenzeit waren jeweils die Ausgangspunkte der Entwicklung zu den heutigen Einrichtungen der Technischen Universität München und der Hochschule Weihenstephan–Triesdorf in Freising.
Auf und Ab im 20. Jahrhundert bis 1945 mini|Alte Akademie im Campus Freising-Weihenstephan – Reste des Klosters mini|hochkant|Eingang zur Alten Akademie, heute ist dort die Verwaltung der TUM School of Life Sciences untergebracht Dass Weihenstephan zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Art „Mekka der Braukunst“ war, verdankte es dem Akademiedirektor Karl Lintner (1880–90), der ein Standardwerk „Lehrbuch der Bierbrauerei“ verfasste und durch seinen guten Ruf viele ausländische Brauer-Studenten anzog.
1901 entstand die Molkereischule und 1902 ein eigener Lehrstuhl für Milchwirtschaft an der Fakultät für Landwirtschaft, die vom Brauwesen abgetrennt worden war. Theodor Ludwig Henkel war der erste herausragende Inhaber des Lehrstuhls. Sein Nachfolger Anton Fehr brachte es bis zum Reichs-Ernährungsminister und bewirkte, dass 1923 die „Süddeutsche Versuchs- und Forschungsanstalt für Milchwirtschaft“ nach Weihenstephan kam und in einem großzügigen Neubau untergebracht wurde. Dieser wurde erst zu Beginn der 1990er Jahre wegen Baufälligkeit abgerissen und durch einen modernen Bau ersetzt.
Unter dem Direktor Hans Vogel (1902–1921) erhielt der Akademie-Standort die „Lehr- und Versuchsbrauerei“. Und am 1. April 1920 wurde die Akademie zur Hochschule erhoben, die 1924 auch das Promotionsrecht bekam.
Unter dem Hochschulrektor Paul Kulisch wurde sie weiter ausgebaut: Landmaschinenanstalt (1924) Hörsaalgebäude am Löwentor Forschungsanstalt für Milchwirtschaft und Molkerei Erwerb des Gutes Dürnast (1926)
Nach langen Querelen mit der Münchner Technischen Hochschule und der Ministerialbürokratie wurde die Hochschule aufgelöst und am 3. Juli 1930 in die Technische Hochschule München einverleibt. Da aber alle Einrichtungen in Weihenstephan erhalten blieben, konnte man mit diesem „Namenswechsel“ gut weiter existieren.
Die zweite Ausbildungseinrichtung in Weihenstephan, die „Gartenbauschule“, war 1923 zur „Höheren Lehranstalt für Gartenbau“ aufgewertet worden. An ihr konnte man ab 1925 die ersten Blumenbinderkurse machen. Dies war der bescheidene Beginn, der in der weiteren Entwicklung zur heutigen Staatlichen Fachschule für Blumenkunst führte. Sie war anfangs in die Fachhochschule integriert, wurde 1983 aber eine selbstständige Fachschule.
Am 1. April 1925 wurde die Anbindung der Höheren Lehranstalt an die Hochschule für Landwirtschaft und Brauerei aufgehoben und die Anstalt unmittelbar dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus unterstellt. Diese Höhere Lehranstalt bekam auch die Weihenstephaner Gärten zugewiesen und große Flächen aus dem Bestand des Staatsgutes Weihenstephan, so dass ab 1945 rund 65 Hektar an Fläche zur Verfügung standen.
Ab 1929 wurde aus der Höheren Lehranstalt die „Staatliche Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau“ und unter ihrem Direktor Bickel begann der Ausbau des Gebiets „Lange Point“, indem dort die ersten Gewächshäuser eingerichtet wurden. Bickel richtete zehn Abteilungen in der Lehr- und Forschungsanstalt ein, von denen acht überlebten. Er baute bis 1934 seine Anstalt in vier Bauabschnitten aus, denn er hatte gute Beziehungen zum nationalsozialistischen Regime. Dies wurde ihm dann in der Entnazifizierungszeit nach 1945 zum Verhängnis.
In der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis zum 30. April 1945, als die amerikanische Armee Freising und Weihenstephan besetzte, verlor die Zweigstelle der TH München weitgehend an Bedeutung, da der gesamte Lehrbetrieb nach München verlagert wurde und es nur noch „Unterrichtsfahrten“ nach Weihenstephan gab.
Neubeginn nach 1945 mini|Sichtungsgarten für Stauden und Gehölze – eine Attraktion im Frühjahr und Sommer Nach einem kurzen „College-Betrieb“ der Amerikaner, der bis zum 13. April 1946 dauerte, begannen im Mai dieses Jahres wieder Vorlesungen für die Landwirtschaftler. Und 1947 wurde der formelle Akt der Verlegung der Fakultät nach Freising-Weihenstephan vollzogen und auch das Gartenbaustudium wurde an dieser Fakultät der Technischen Hochschule München ermöglicht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Höhere Gartenbau-Lehranstalt 1958 zu einer „Ingenieurschule für Gartenbau“ gemacht und bekam ein eigenes Stammgebäude auf dem Weihenstephaner Berg. Sie hatte nun den Doppelnamen „Staatliche Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau – Ingenieurschule für Gartenbau“.
Ab 1947 baute Richard Hansen, Leiter des „Instituts für Stauden, Gehölze und angewandte Pflanzensoziologie“, den bekannten Sichtungsgarten für Stauden und Gehölze auf, der heute volkstümlich nur „Staudengarten“ genannt wird und sich zur meistbesuchten Einrichtung auf dem Campus entwickelt hat.
Weichenstellung durch Fachhochschulgesetz (1970) mini|Löwentorgebäude der HSWT Nach dem Erlass des Fachhochschulgesetzes von 1970 entstand 1971 die Fachhochschule Weihenstephan. Am 1. August 1971 wurden die Ingenieurschulen für Gartenbau in Weihenstephan mit den Einrichtungen für Landbau in Schönbrunn, Triesdorf (bei Ansbach) und in Landsberg am Lech zusammengeschlossen und von einem Präsidenten und Kanzler geleitet. Die damals zeitweise bestehenden Pläne für eine Gesamthochschule in Weihenstephan wurden nicht umgesetzt, es blieb bei der eigenständigen Entwicklung.
Da das erste Fachhochschulgesetz eine anwendungsorientierte Forschung nur als Aufgabe für die Fachhochschullehrer vorsah, nicht aber für die Fachhochschule als Institution, musste die Staatliche Versuchsanstalt gegründet werden, die der Fachhochschule angegliedert und im Jahr 2003 in „Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan“ umbenannt wurde.
Das Jahr 1970, bzw. 1971 war also bei der Fachhochschule auch ein entscheidender Einschnitt. 1996, also 25 Jahre später, konnte der damalige Präsident Josef Herz auf eine erstaunliche Erfolgsbilanz zurückblicken. Die Studierendenzahl war in dieser Zeit von 500 auf über 2600 gestiegen, 91 Professoren bildeten 1996 die Studierenden in 7 Studien- und 2 Ergänzungsstudiengängen aus.25 Jahre Fachhochschule Weihenstephan mit Staatlicher Versuchsanstalt. Festschrift. Hrsg. von Josef Herz. Freising 1996. Und ein Jahr später wurde eine Reihe von neuen und umgebauten Gebäuden ihrer Bestimmung übergeben, die die Raumnot einigermaßen beheben konnten. Aber es deutete sich damals schon an, dass das kontinuierliche Wachstum weitergehen und einen kontinuierlichen Ausbau erforderlich machen würde.
Die Dynamik der Entwicklung der Fachhochschule Weihenstephan und ihre jüngste Entwicklung zur HSWT – zur Hochschule Weihenstephan-Triesdorf – hat ebenfalls sehr dazu beigetragen, dass sich der Wissenschafts- und Forschungscampus so vielfältig und vernetzt entwickeln konnte.
Gesamtplanung eines Campus-Geländes (ab 1971) mini|Mensa im neuen Zentrum des Campus Freising-Weihenstephan Nach dem Zweiten Weltkrieg war in den frühen fünfziger Jahren eine deutliche bauliche Zäsur auf dem Weihenstephaner Berg der Abbruch der Ökonomiegebäude des Klosterguts, an deren Stelle Hörsaal- und Institutsgebäude (1955–58) errichtet wurden.
Bis in die sechziger Jahre gab es noch keine Gesamtplanung für die Gesamtstruktur des Weihenstephaner Berges und seine Expansionsmöglichkeiten. Eine Gesamtplanung wurde aber bei den steigenden Studentenzahlen und den wachsenden Anforderungen der Wissenschaftler unumgänglich, besonders als der Wissenschaftsrat die Empfehlung abgab, die agrarwissenschaftliche Forschung und Ausbildung verstärkt auszubauen.
1971 erhielt das Landbauamt Freising den Auftrag für die Gesamtplanung. Aus den Planungsvarianten wurde die „Alternative 5“ ausgewählt, die das neue Zentrum mit Mensa, Hörsaalgebäude, Bibliothek und den Instituten der Grundlagenforschung zwischen Vöttinger und Thalhauser Straße entlang des Hochfeldwegs auf den damaligen Versuchsflächen der Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau platzierte. Der 1974 gebilligte Rahmenplan verhinderte also eine noch dichtere Bebauung des Berges und schuf das eigentliche moderne Zentrum des Campus Freising-Weihenstephan, das dann nach und nach ausgebaut wurde.
Entwicklung der TU-Fakultäten zum Wissenschafts- und Forschungszentrum mini|Lebensmittelchemie-Zentrum in der Lise-Meitner-Straße mini|Neues Hans-Eisenmann-Zentrum (HEZ), 2018 1996 begann zu Beginn der Präsidentschaft von Wolfgang A. Herrmann in der Technischen Universität München ein Reformprozess mit dem Ziel, die Möglichkeiten des Standortes als Zentrum der Lebenswissenschaften im Zusammenspiel mit den anderen Domänen der TUM – Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Medizin, Wirtschaftswissenschaften – voll auszuschöpfen.
Zunächst verlagerte die TUM die Biologie-Lehrstühle aus Garching nach Weihenstephan. 1999 wurde nach einem Beschluss des Bayerischen Ministerrats die forstwissenschaftliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) in die TUM integriert. Im Oktober 2000 wurden die drei Fakultäten zur neuen Fakultät Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt zusammengefasst.