Das Pfrunger-Burgweiler Ried (früher Pfrunger RiedJosef Unger: Visionen auf weichem Untergrund. In: Südkurier vom 5. November 2011.) ist nach dem Federsee mit 2600 Hektar das zweitgrößte zusammenhängende Moorgebiet Südwestdeutschlands.

Lage Das Ried liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von in den Landkreisen Ravensburg und Sigmaringen, in der Nähe der Gemeinden Wilhelmsdorf und Ostrach. Umgeben wird es von tertiären Molassebergen, die in der Rinkenburg () und dem Höchsten () ihre höchsten Erhebungen erreichen.

Von der ehemals fast 3000 Hektar großen Moorfläche sind nur geringe Teile erhalten geblieben. Fast 2000 Hektar wurden in Grünland verwandelt, etwa 400 Hektar mit Birken- und Schwarzerlen bestockt. 120 Hektar Wasserflächen entstanden durch Torfstich; somit sind vor allem die Nieder- und Zwischenmoorbereiche bis auf wenige Reste verschwunden. Die Hochmoore sind jedoch weitflächig erhalten geblieben und weisen eine Fläche von fast 150 Hektar auf.

Das Naturschutzgebiet Pfrunger-Burgweiler Ried besteht in einer Ausdehnung von 780 Hektar seit 1980. Es wird sowohl intensiv wissenschaftlich als auch erlebnispädagogisch betreut und ist Besuchern auf mehreren Lehrpfaden zugänglich.

Geschichte Entstehung Das heutige Moorgebiet ist ein Rest eines nacheiszeitlichen Sees, der sich nach Abschmelzen des Rheingletschers nach und nach mit Sedimenten und mineralischen Einlagerungen verfüllte und somit teilweise verlandete. So entstanden Flachmoore und an manchen Stellen über ihnen Hochmoore. Diese Gebiete waren durch Tiefgründigkeit und Nässe gekennzeichnet und eigneten sich nicht für eine dauerhafte menschliche Besiedelung. Allerdings bildeten sich auch durch mineralische Einschwemmungen feste Inseln, auf denen die ersten festen menschlichen Siedlungen entstanden. Der Kernbereich des Gebietes blieb aber unbesiedelt und galt als unbebaubares, minderwertiges Land.

Besiedlung Das Sumpfgebiet war über viele Jahrhunderte eher schwach besiedelt. Erst im 18. Jahrhundert kam es zu größeren Landnahmen. Im Pfrunger Ried trafen die Länder Baden, Hohenzollern und Württemberg aufeinander. Die Wälder um das Ried und das Moor selbst boten für Räuber- und Gesindebanden wie die des „Schwarzen Veri“ (Xaver Hohenleiter) im Frühjahr 1819 schnelle Rückzugsmöglichkeiten und Verstecke, was eine Strafverfolgung teils über Landesgrenzen hinweg erschwerte.

Wilhelmsdorf Dieses Gebiet wurde 1824 von der königlich württembergischen Verwaltung einer strenggläubigen evangelischen Brüdergemeinde mit besonderen Rechten und Pflichten übereignet. Damit sollten weitere Auswanderungen von Nichtkatholiken aus dem nach den Napoleonischen Kriegen ohnehin geschwächten Lande vermieden werden.

So entstand die Siedlung Wilhelmsdorf, die sich nach ihrem Donator König Wilhelm I. von Württemberg benannte. Von den Bewohnern der katholischen Nachbargemeinden wurden die in den ersten Jahrzehnten ohne Privatbesitz lebenden Sektierer äußerst skeptisch betrachtet.

Im beginnenden 20. Jahrhundert erlebte das Gebiet durch den Torfabbau eine kurze Prosperität. Heute ist Wilhelmsdorf ein prosperierender Ort, der in vielen Belangen noch immer den Geist der ehemaligen Brüdergemeinde atmet. Vor allem im Schulwesen sowie im Sozialbereich weist die Kommune hervorragende Einrichtungen auf.

Seit dem 19. Jahrhundert, mit der Gründung Wilhelmsdorfs, wurde das Ried entwässert, kultiviert und Torf abgebaut. 1996 wurde zwar der Torfabbau verboten, doch mit der Trockenlegung gelangt Sauerstoff in die Torfschicht und sorgt dafür, dass der Torf durch mikrobiellen Abbau weiter schrumpft. Im Torf enthaltener Stickstoff und Kohlenstoff entweicht in Form von klimarelevanten Gasen wie Kohlendioxid und Lachgas. Somit ist die Erhaltung des Moors ein Beitrag zum Klimaschutz.Sabine Hug Zoff ums Wasser. In: Südkurier vom 22. Mai 2010

Eingriffe Von der ehemals 2600 Hektar großen Moorwildnis wurden durch den Menschen rund 2000 Hektar in Grünland überführt, 360 Hektar sind mit Birkenbruchwald oder Forst bestockt, 100 Hektar verwandelten die Torfstecher in Wasserflächen. Auf 130 Hektar finden sich noch weitgehend ungestörte Hochmoor-Biotope.Siegfried Volk: Pfrunger-Burgweiler Ried. In: Südkurier vom 20. September 2010

Moorflächen Auf nur mehr knapp zehn Hektar sind die Nieder- und Zwischenmoorflächen zusammenschrumpft – verursacht sowohl durch die natürliche Veränderung wie auch durch menschliche Eingriffe bedingt (Entwässerung, Verfüllung, Düngung und Torfgewinnung). Das einzige noch natürliche Stillgewässer im Pfrunger Ried ist der 5,5 Hektar große Lengenweiler See. Dieses Toteisloch, bereits auf der Inneren Jungmoräne nahe Wilhelmsdorf, war jedoch nie Teil des heute restlos vermoorten Pfrunger Ursees.

Seen und Weiher Fünfeckweiher Entstanden ist der etwa 3,5 Hektar große Fünfeckweiher in den 1920er Jahren, damals begann der industrielle Torfabbau, Bagger ersetzten die bisherigen handbetriebenen Torfstechmaschinen, aus kleinen Torfstichtümpeln wurden Baggerseen. Die Entwicklung des Fünfeckweihers mit Übergangsmoor-Schwingrasen bleibt der Natur überlassen, zukünftig kann eine natürliche Gewässerverlandung beobachtet werden.Infotafel "Der Fünfeckweiher" des Riedlehrpfads Burgweiler am Fünfeckweiher

Hundsche Teiche Die verlandeten Torfstiche entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dienten dann zur Fischzucht und sind heute Lebensraum für eine interessante Vogelwelt.

Torfbaggerseen Die Torfbaggerseen beim Riedhof entstanden ab Mitte des 19. Jahrhunderts ebenfalls durch industriellen Torfabbau bis nach dem Zweiten Weltkrieg.

Vogelsee Der 1970 bis 1996 durch industriellen Torfabbau entstandene Vogelsee ist Lebensraum für Biber und Eisvogel.

Naturschutzgebiet Die Anfänge des Naturschutzgebietes liegen in den 1940er Jahren. Der damalige „Bund für Heimatschutz in Württemberg und Hohenzollern“ kaufte aus den Hinterlassenschaften des industriellen Torfabbaus der Firma Bosch eine Fläche von 50 Hektar Seen und verlandeter Torfstiche. Bis in die 1990er Jahre erwarb der Schwäbische Heimatbund (Nachfolger des obigen Bundes für Heimatschutz) Geschichte des SHB noch weitere 130 Hektar.Siegfried Volk: Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf. In: Südkurier vom 21. April 2010

Naturschutzzentrum Anfang 1990 erwarb die Gemeinde Wilhelmsdorf ein älteres Wohn- und Geschäftshaus für Zwecke des Naturschutzes. Das Grundstück lag neben dem in den 80er Jahren angelegten ersten Teil des Riedlehrpfades. 1994 konnte das Gebäude als Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf den Betrieb aufnehmen. Vertragliche Grundlage war ein Nutzungsüberlassungsvertrag über 25 Jahre der Gemeinde an den Schwäbischen Heimatbund (SHB). Seit 1997 wird neben der Riedbetreuung Umweltbildung und Naturpädagogik angeboten. 1997 wurde das unbeheizbare Sommerklassenzimmer errichtet und im Jahr 2000 die Naturerlebnisschule gebaut. Jährlich besuchen 5.000 bis 6.000 Schüler das Naturschutzzentrum.Siegfried Volk: Spatenstich für Naturschutzzentrum. In: Südkurier vom 21. April 2010 In Ausstellungen und auf Lehrpfaden wird den Besuchern die Natur- und Entstehungsgeschichte des Rieds erklärt, für Schulen werden spezielle Bildungsprogramme zum Thema Umwelt angeboten.

Im April 2010 war Spatenstich für ein Neubau in modularer Holzbauweise aus heimischen Weißtannenholz mit vier Bereichen: Ausstellung mit Veranstaltungen, Seminarbereich mit Empfang, Verwaltung mit Werkstatt und ein Lager. Das gemeinsame Projekt von Gemeinde und dem Heimatbund wurde 2011 bezogen und hatte ein Investitionsvolumen von 1,8 Millionen Euro, wobei das Haus als öffentliche Einrichtung geführt wird und der Heimatbund als Betreiber fungiert. Der Bau wurde gefördert durch Mittel des Zukunftsinvestitionsprogramms des Bundes in Höhe von 900.000 Euro. Seit Anfang der 1990er Jahre hat der SHB rund 400.000 Euro Fördergelder aus dem Naturschutzfonds erhalten. Eine Indach-Photovoltaikanlage, die fester Bestandteil des Daches ist, wurde von der Schmid-Maier-Rube-Stiftung Stuttgart finanziert.Sabine Hug: Zwischenschritt ist bewältigt. In: Südkurier vom 15. November 2010

Des Weiteren gibt es noch die Stiftung „Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried“Siegfried Volk: Ministerin wander ins Ried. In: Südkurier vom 14. Mai 2010, eine Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Wilhelmsdorf, an der der Bund, das Land, die Landkreise Sigmaringen (25 %Siegfried Volk: Kreis unterstützt Ried-Projekt weiter. In: Südkurier vom 22. Oktober 2010) und Ravensburg sowie die vier anliegenden Gemeinden Ostrach, Wilhelmsdorf, Riedhausen, Königseggwald sowie der Schwäbische Heimatbund beteiligt sind.Vera Romeu: Umwelt-, Kultur- und Schulausschuss. Räte stimmen Moorerweiterung zu. In: Schwäbische Zeitung vom 21. Oktober 2010

Wiedervernässung Das Pfrunger-Burgweiler Ried wurde vom Bund als „sehr bedeutsam“ bewertet und im Jahr 2002 in das Naturschutzgroßprojekt aufgenommen. Es ist eines von zwei Naturschutz-Großprojekten in Baden-Württemberg, das mit Fördergeldern unterstützt wird. Der Förderzeitraum ist auf zehn Jahre ausgelegt. Ziel ist es, das noch vorhandene Moor zu erhalten und zu regenerieren, den mikrobiellen Abbau freiliegender Torfschichten und damit die Lösung von Kohlenstoffdioxid aus dem Torf zu stoppen, sowie seltenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum zu bieten.Sabine Hug: So soll sich das Moor regenerieren. In: Südkurier vom 22. Mai 2010 Die Renaturierung des Moorgebiets geschieht durch Wiedervernässung.

Das Pfrunger-Burgweiler Ried wurde jahrzehntelang vom Menschen verändert. Entwässerung, Torfabbau und Landwirtschaft hinterließen ihre Spuren. Das Naturschutzgroßprojekt bietet die einmalige Gelegenheit, das Moor wieder wachsen zu lassen und solchen Tieren und Pflanzen den Lebensraum zurückzugeben, die in der stark genutzten Kulturlandschaft sonst keine Zukunft haben.Torfmoose und Riedenmeckeler. In: Südkurier vom 28. April 2010

Um den Urzustand des Rieds wiederherzustellen, wurde das Projektgebiet (etwa 2600 Hektar) in drei Zonen unterteilt: Im Projektkerngebiet (1453 Hektar, wovon die Stiftung rund 290 Hektar für 2,6 Millionen Euro gekauft hat, geplant waren 400 Hektar) wird durch den Einbau von wasserstauenden Querbalken in Entwässerungskanäle sowie durch die Unterbrechung von Drainagen wieder vernässt. Hierzu kommen Bagger und Hubschrauber zum Einsatz. Unter anderem werden Holzstämme zu den Barrieren transportiert, die das Abfließen des Wassers über die einst erstellten Entwässerungsgräben verhindern sollen. Grabenwehre haben stellenweise bereits zu sichtbaren Erfolgen geführt. Der Rückstau darf nicht über die Projektkerngebietsgrenzen hinausgehen. Die Pufferzone, die sich an das Kerngebiet anschließt, wird extensiviert und von Verbuschung frei gehalten, beispielsweise durch die Beweidung mit robusten Rinderrassen, um Randeffekte zu mildern. In den Randbereichen soll naturnahe Grünlandwirtschaft stattfinden.

Das 6,7 Millionen Euro teure Naturschutzgroßprojekt wird zu 65 Prozent vom Bund, 25 Prozent vom Land, Landkreisen und Gemeinden, sowie zu 10 Prozent von der Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried als Projektträger und dem Schwäbischen Heimatbund finanziert und soll 2012 beendet sein.Florian Unger: Natur. Staudamm quer durch die Ostrach. Im Pfrunger-Burgweiler Ried sind Biber am Werk – Sorge um Stauung und überflutete Wiesen. In: Südkurier vom 11. November 2008

Die geschätzten Gesamtkosten betragen für die Wiedervernässung 3,5 Millionen Euro, für die Biotopgestaltung 950.000 Euro und für die Besucherlenkung 350.000 Euro. Voraussetzung für die Umsetzung eines Großteils ist der Erwerb der restlichen Privatflächen in der Projektkernzone durch die Stiftung Pfrunger-Burgweiler Ried. Allein hierfür sind 2,6 Millionen Euro vorgesehen.