Noworossijsk (; ) ist eine russische Hafenstadt in der Region Krasnodar. Sie liegt am Schwarzen Meer an den westlichen Ausläufern des Kaukasusgebirges und hat 262.000 Einwohner (Stand: 2025). Noworossijsk ist Universitätsstadt, Kulturzentrum und ein wichtiger Wirtschaftsstandort. Darüber hinaus ist die Stadt als Marinestützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte von Bedeutung.
Geschichte mini|links|Blick auf Noworossijsk mini|Straße in Noworossijsk mini|Strände in der Nähe der Stadt mini|Promenade am Schwarzen Meer An der Stelle der heutigen Stadt wurde bereits von den alten Griechen eine Kolonie namens Bata gegründet.
Der Ort wurde im 12. und 13. Jahrhundert eine genuesische Handelsniederlassung und später vom Osmanischen Reich erobert. Die Osmanen errichteten an der Mündung des Flusses Zemes eine Festung mit dem Namen Sudjuk Kale, um von hier aus Sklavenhandel zu betreiben.
19. und 20. Jahrhundert 1808 wurde die Festung von Russland erobert. Die Stadt wurde 1838 an der Stelle der 1812 von den Russen zerstörten Festung gegründet. Ihr Name geht auf die Provinz Neurussland (Noworossija) zurück. Noworossijsk war Hauptstadt des 1896 gebildeten Gouvernements Schwarzmeer, das bis 1918/20 bestand. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Hafen ausgebaut und ein wirtschaftlicher Aufschwung folgte.
Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt 1942/43 Schauplatz heftiger Kämpfe. Noworossijsk war der östlichste Punkt an der Schwarzmeerküste, bis zu dem die deutsche Wehrmacht in der Sommeroffensive 1942 vordrang. Da diese hier abgewehrt wurde, bekam Noworossijsk 1973 die Auszeichnung einer Heldenstadt verliehen (der seinerzeitige Staats- und Parteichef Leonid Breschnew war als Politoffizier südlich der Stadt eingesetzt). Endgültig befreit wurde die Stadt am 16. September 1943 im Rahmen der Noworossijsk-Tamaner Operation der Roten Armee.
Das vormals italienische Schlachtschiff Giulio Cesare wurde zu Ehren der Stadt 1949 als Noworossijsk in die sowjetische Marine übernommen, explodierte aber am 29. Oktober 1955 auf der Reede von Sewastopol. Der Kreuzer Michail Kutusow, welcher der Noworossijsk bei der Explosion am nächsten lag und die Besatzung des Schiffes unterstützte, liegt heute als Museumsschiff im Hafen der Stadt.
21. Jahrhundert Im Ukraine-Krieg erlangte der Hafen eine neue Bedeutung, als dieser zum Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte wurde, nachdem diese weitgehend von ihren Stützpunkten auf der Krim-Halbinsel vertrieben wurde; im Rahmen der Auseinandersetzung wurde die Stadt mehrfach von ukrainischen Drohnen angegriffen. Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1897 16.897 1939 95.240 1959 93.461 1970 132.744 1979 159.135 1989 185.938 2002 232.079 2010 241.952 Anmerkung: Volkszählungsdaten
Ölunfall Laut dem Nachrichtenportal Meduza kam es am 29. August 2025 auf einer Anlage des Betreibers Caspian Pipeline Consortium (CPC) beim Verladen von Erdölprodukten zu einem größeren Ölunfall, woraufhin der Notstand in der Region ausgerufen wurde. Wirtschaft
Der Hafen Noworossijsk ist dem Warenumsatz nach der größte Seehafen Russlands.Angaben der Hafengesellschaft (englisch), abgerufen am 26. Juli 2012.Anm. Am 27. November 2023 wird wegen eines Wintersturms mit Böengeschwindigkeit von bis zu 86 km/h und bis zu 8 m hoher Wellen die Ölverladung in Noworossijski eingestellt. Quelle: Millionen in Ukraine und Russland durch Sturm ohne Strom orf.at, 27. November 2023, abgerufen am 27. November 2023. Es wird vor allem Erdöl verschifft (eine Pipeline aus Zentralasien führt hierher), daneben auch Getreide. Zu den bedeutendsten Industrien zählt die Zementindustrie. In der Umgebung von Noworossijsk liegt zudem eines der wenigen Weinanbaugebiete Russlands.
Verkehr Noworossijsk ist mit der russischen Hauptstadt Moskau über die Fernstraße M4 Don verbunden. Die Fernstraße A290 führt über die Krim-Brücke nach Kertsch, Feodossija und Simferopol auf der Halbinsel Krim. Seit 2006 hat die Stadt eine neue, zwei Kilometer lange Uferpromenade.
Militär In Noworossijsk ist die 7. Garde-Luftsturm-Division der russischen Luftlandetruppen stationiert.
Sport Im Fußball ist die Stadt durch den Verein Tschernomorez Noworossijsk vertreten.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt
Georges Gurvitch (1894–1965), russisch-französischer Soziologe Friedrich Schwarz (1897–1963), deutscher Übersetzer Polyxenia von Baer (1904–1983), deutsch-russische Übersetzerin Wladimir Kokkinaki (1904–1985), Testpilot Konstantin Kokkinaki (1910–1990), Testpilot Jewgeni Sawizki (1910–1990), Jagdpilot Mordecai Seter (1916–1994), israelischer Komponist Eugenija Šimkūnaitė (1920–1996), Botanikerin und Phytotherapeutin Ida Nudel (1931–2021), russisch-israelische Bürgerrechtskämpferin Wladimir Lomeiko (1935–2009), Diplomat Tatjana Selenzowa (* 1948), Hürdenläuferin und Trainerin Jewgeni Kasperski (* 1965), Computerviren-Experte und Unternehmer Emir-Ussejin Kuku (* 1976), krimtatarischer Menschenrechtsaktivist Wladimir But (* 1977), Fußballspieler Denis Popow (* 1979), Fußballspieler Anna Vinnitskaya (* 1983), Pianistin Anton Demtschenko (* 1987), Schachspieler Anton Sinkowski (* 1996), Fußballspieler Artjom Galadschan (* 1998), Fußballspieler
Weitere mit der Stadt in Verbindung stehende Personen Oskar Lieven (1852–1912), Chemiker und Unternehmer, leitete zwischen 1895 und 1912 die Zementfabrik Noworossijsk
Bemerkenswerte Bauwerke Fernsehturm Noworossijsk, Betonkonstruktion, Höhe: 261 m, fertiggestellt 1996
Städtepartnerschaften
Noworossijsk listet folgende sechzehn Partnerstädte auf:
Stadt Land seit Brest 15px 2014 Chanten und Mansen Okrug 15px 2021 Constanța 15px 2002 Gainesville 1988 Gawar 15px 2009 Gijón 15px 1984 Heilbronn 15px 2019 Stadtbezirk Huangdao, Qingdao 2020Kazaschko 2019 Livorno 15px 1967 Plymouth 1956 Pula 15px 1997 Samsun 2010 Tomsk 15px 2008 Tyros 2013 Valparaíso 15px 1996 Warna 15px 1997
Einzelnachweise
Weblinks
Mojgorod.ru: Noworossijsk (russisch)
Kategorie:Ort in der Region Krasnodar Kategorie:Ort mit Seehafen Kategorie:Stadt als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1866 Kategorie:Gemeindegründung 1838