Fügen ist mit Einwohnern (Stand ) die einwohnerstärkste Gemeinde des Zillertals und gehört zum Bezirk Schwaz in Tirol (Österreich). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Zell am Ziller.
Geografie mini|Fügen, dahinter das Spieljoch, links im Hintergrund der Gilfert Fügen gilt als Hauptort des vorderen Zillertals. Der Ort liegt auf dem breiten Murkegel des Rischbachs. Das Gemeindegebiet besteht aus dem Haufendorf Fügen mit Einwohnern und den Ortschaften Gagering im Norden mit Einwohnern, Kapfing im Süden mit Einwohnern und der einstigen Industriesiedlung Kleinboden am Finsingbach im Südwesten mit Einwohnern (Stand ).
Gemeindegliederung
Nachbargemeinden Alle fünf Nachbargemeinden von Fügen liegen im Bezirk Schwaz.
Geschichte 1982 gefundene Urnengräber in Kapfing belegen eine frühe Besiedlung während der Bronzezeit.Gemeinde Fügen im Zillertal: Historische Entwicklung Finsing wurde bereits 927 als „Funzina“ urkundlich genannt, Fügen selbst erst um 1140/49 als Fugnæ.Die Belege finden sich in In einer Urkunde aus etwa der gleichen Zeit erscheint Fugine. Fügen gehörte kirchlich zur Diözese Brixen, staatsrechtlich jedoch bis 1803 zum Erzstift Salzburg. Einige Zeit war Fügen „Dingstätte“ des salzburgischen Gerichtes Zell.
Die große Not des Dreißigjährigen Krieges führte am 19. Mai 1645 zum Aufstand der Fügener Bauern gegen ihren Landesfürsten, den Salzburger Erzbischof, dem sie zinspflichtig waren. Diesem Aufstand schlossen sich alle Zillertaler Bauern an, die dem Salzburger Erzbischof unterstanden.
1678 wurde ein eigener Richter für das salzburgische Gericht Fügen eingesetzt, das 1849 als Bezirksgericht bezeichnet wurde. 1923 wurde der Gerichtsbezirk Fügen dem Bezirksgericht Zell am Ziller zugeteilt.
Bedeutung erhielt Fügen seit dem 15. Jahrhundert als industrielles Zentrum des Tals, hier wurden Kanonenkugeln und Harnischbleche sowie Eisenbleche erzeugt. 1697 errichtete das Fügener Eisenunternehmen der Grafen Fieger eine Eisenhütte in Kiefersfelden (Bayern). Die Betriebe mussten Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund der Konkurrenz eingestellt werden.
Ortsname Die Herkunft des Ortsnamens ist seit langer Zeit umstritten. Auffällig ist, dass er bereits im ersten Beleg einen F-Anlaut aufweist. Damals war das in der Regel noch ein V. Zudem konservierte er das G, welches eigentlich durch die Romanisierung zu Z geworden wäre. Damit muss dem Namen ein altes, vorrömisches Wort zugrunde liegen. Möglich ist, dass hier einst der antike Stamm der Fokunaten siedelte, von dem die Ausgangsform Focunia kommen könnte. Die Fokunaten könnten wiederum ihren Namen von haben. In der Gegend gab es schon in der Antike Fahlerzgewinnung.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Fügen (Bubenburg) mini|hochkant|Pfarrkirche Fügen
Schloss Fügen Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Exponate aus der Geschichte des Ortes werden im Heimatmuseum gezeigt.
Wirtschaft und Infrastruktur Die Wirtschaft ist durch Landwirtschaft, Handel, Gewerbe, Industrie und nicht zuletzt Tourismus geprägt. Fügen als zweisaisonaler Tourismusort profitiert dabei von den beiden Skigebieten Hochfügen-Hochzillertal und Spieljoch sowie der Erlebnistherme Zillertal. Unternehmen mit überregionaler Bedeutung sind Möbel-Wetscher und Binderholz.
Binderholz: Am Stammsitz der Firma Binder Holz werden ca. 1 Million fm Jahreseinschnittleistung und 250.000 m³ Hobelware pro Jahr erzeugt. Mit circa 1.300 Mitarbeitern an neun Standorten in Österreich, Deutschland und Finnland ist Binder einer der größten Sägewerksbetriebe Europas. Die Massivholz-Produktpalette reicht von Dimensionsholz, Hobelware, ein- und mehrschichtig verleimten Massivholzplatten, Brettschichtholz, MDF-Platten sowie Brettsperrholz bis hin zu Holzbriketts und Holzpellets. Die Holztransporte wurden bis 2012 mit Normalspurwaggons, die auf schmalspurigen Rollwagen aufgebockt werden, über die Zillertalbahn durchgeführt. Binder betreibt neben der Schnittholzproduktion im Stammwerk in Fügen weitere Werke u. a. in Jenbach, St. Georgen bei Salzburg, Hallein, Unternberg sowie im bayerischen Kösching.
Verkehr Fügen liegt an der Zillertalstraße, vom Ortskern aus führt eine Bergstraße über den Fügenberger Ortsteil Pankrazberg auf der Hochfügen-Straße zu dem knapp hoch gelegenen Wintersportort Hochfügen. In der Gemeinde liegen zudem auch drei Haltestellen der Zillertalbahn, nämlich Gagering, Fügen-Hart und Kapfing.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus 15 Mandataren. Partei202220162010%Mandate%Mandate%Mandate Zukunft Fügen – Team Mainusch – unabhängig. sachlich. ehrlich57,719 25,46 4 Wir für Fügen – Kapfing, Kleinboden und Gagering19,013 22,67 3 Fügener Wahlgemeinschaft Fügen – Kapfing – Kleinboden – Gagering 1) 20,27 4 Kapfing, Kleinboden, Gagering – Gemeinsam für Fügen17,503 12,63 2 Für unser Dorf Fügen – Gagering – Kapfing – Kleinboden 8,04 114,812 Die Fügener Kapfing + Kleinboden + Gagering SPÖ 6,04 112,232 Junge Liste Aktiv für Fügen, Gagering, Kapfing und Kleinboden 1) 4,69 019,403 Fügener Wahlgemeinschaft – Liste für Ordnung und Fortschritt39,156 Gemeinschaftsliste von Fügen, Kapfing, Kleinboden und Gagering14,412Menschen Freiheit Grundrechte5,780 1) Durch Koppelung der beiden Listen erlangte die „Fügener Wahlgemeinschaft Fügen – Kapfing – Kleinboden – Gagering“ 4 Mandate.
Bürgermeister Bürgermeister von Fügen ist seit 2016 Dominik Mainusch.
Wappen links|80px Blasonierung: „In rotem Feld eine mit der Schneide nach rechts gekehrte silberne Hacke ober einer silbernen Rübe mit drei Blättern.“Landesgesetzblatt für Tirol, Nr. 52/1964. (Digitalisat)
Das 1964 verliehene Gemeindewappen erinnert an zwei bedeutende Adelsgeschlechter, die in Fügen ansässig waren. Die Hacke war das redende Wappen der Hackl, die weiße Rübe entstammt dem Wappen der Familie Keutschach.
Persönlichkeiten Ehrenbürger Hermann Wetscher († 2020), Bürgermeister von Fügen 1973–1981, 1986–2004 Söhne und Töchter der Gemeinde
Franz Xaver Nißl (1731–1804), Bildhauer Leonhard Posch (1750–1831), Wachsbossierer, Medailleur und Bildhauer Andreas Mauracher (1758–1824), Tischler und Orgelbauer Franz Serafikus Nißl (1771–1855), Bildhauer Josef Georg Schmalz (1804–1845), Dramatiker, Spielleiter und Köhler Bernhard Rainer (1824–1876), Prior und Abgeordneter zum Österreichischen Abgeordnetenhaus Tobias Wildauer (1825–1898), Universitätsprofessor für Philosophie, Politiker, Mitglied des Abgeordnetenhauses 1873–1897 Josef Kräutner (1831–1896), Unternehmer und Bierbrauer in Südtirol (Blumau) Anton Nissl (1852–1890), Kirchenrechtler Rudolf Nissl (1870–1955), Maler Ludwig Mayer (1896–1969), Bürgermeister und Abgeordneter (ÖVP) Max Tribus (1900–1983), Regisseur und Dramatiker Raimund Margreiter (* 1941), Chirurg Ludwig Dornauer (* 1953), Schauspieler und Rundfunksprecher
Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten Hans Binder (* 1948), Sägewerksbetreiber und Autorennfahrer Armin Pfister (* 1983), Rennrodler Daniel Pfister (* 1986), Rennrodler Manuel Pfister (* 1988), Rennrodler Ursula Schattner-Rieser (* 1966), Altorientalistin und Judaistin
Literatur Hans Mair: Geschichte der Häuser und Höfe von Fügen und Fügenberg (= Schlern-Schriften. Band 260). Wagner, Innsbruck 1971.
Weblinks
Website der Gemeinde
Einzelnachweise
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