mini|Das Kreisgebiet 1940.
Der Kreis Soldin, bis ins 19. Jahrhundert auch Soldinscher Kreis genannt, war bis 1945 ein Landkreis in der preußischen Provinz Brandenburg. Das ehemalige Kreisgebiet gehört heute im Wesentlichen zum Powiat Myśliborski (Soldiner Kreis) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.
Der Kreis Soldin umfasste in den 1930er Jahren die vier Städte Berlinchen, Bernstein, Lippehne und Soldin sowie 62 weitere Gemeinden und einen Forst-Gutsbezirk.
Verwaltungsgeschichte mini|hochkant|Schloss Rostin um 1860, Sammlung Alexander Duncker. mini|hochkant|Schloss Hohenziethen um 1860, Sammlung Alexander Duncker. mini|hochkant|Rittergut Zernikow um 1860, Sammlung Alexander Duncker.
Königreich Preußen In der nachmittelalterlichen Zeit bildete sich in der Mark Brandenburg eine Gliederung in Kreise heraus. Einer dieser historischen Kreise war der Soldinsche Kreis bzw. der Kreis Soldin, der einen der drei sogenannten Vorderkreise in der Neumark bildete.
Im Rahmen der Bildung von Provinzen und Regierungsbezirken in Preußen erfolgte 1816 im Regierungsbezirk Frankfurt eine Kreisreform, durch die der Kreis Soldin wie folgt verändert wurde: Aus dem Kreis Arnswalde wechselten die Stadt und das Amt Bernstein sowie die Orte Bärfelde, Krining, Niepölzig, Ruwen, Siede und Tobelhof in den Kreis Soldin. Aus dem Kreis Königsberg wechselten die Orte Dölzig, Hammer, Herrendorf, Kerkow, Ringenwalde, Rosenthal, Rostin, Rufen, Schildberg, Simonsdorf, Werblitz, Woltersdorf, Wusterwitz und Zernickow in den Kreis Soldin. Aus dem pommerschen Kreis Pyritz wechselten die Orte Bärfelde, Ehrenberg, Gerzlow, Hasselbusch, Liebenfelde, Mandelkow und Rehfeld in den Kreis Soldin. Aus dem Kreis Soldin wechselte der Ort Groß Mellen in den pommerschen Kreis Saatzig. Aus dem Kreis Soldin wechselten das Vorwerk Mützelburg und der bisher neumärkische Anteil von Naulin in den pommerschen Kreis Pyritz. Das Landratsamt des Kreises Soldin war in der Stadt Soldin.
Norddeutscher Bund/Deutsches Reich Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Am 1. Juli 1891 wurde der Gutsbezirk Briesenhorst aus dem Kreis Soldin in den Kreis Landsberg a./Warthe umgegliedert.
Zum 30. September 1928 wurden im Kreis Soldin entsprechend der Gebietsreform im Freistaat Preußen nahezu alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt.Sonder-Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt a.d. Oder vom 21. September 1928 Nr. 494 Seiten 248–249 Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Kreisgebiet im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde das Kreisgebiet von der Sowjetunion unter polnische Verwaltung gestellt. Die einheimische Bevölkerung wurde in der Folgezeit von den polnischen Verwaltungsbehörden vertrieben.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1750 10.243 1796 16.548 1816 22.211 1840 36.700 Topographisch-statistische Übersicht des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. O., Harnecker, Frankfurt a. O. 1844, S. 30. (Digitalisat) 1871 72.329 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Brandenburg und ihre Bevölkerung 1871. Berlin 1873/74.(PDF-Digitalisat) 1890 48.329 1900 47.075 1910 46.256 1925 49.635 1933 50.399 1939 48.655
Landräte 1683–1715 Heinrich Wolf von Platen 1715–1735 T(h)ido Christoph von Hagen (* 1668; † 1737), Erbherr auf Naulin u. Rhenitz-Krs. SoldinVgl. W. Wendorff: Die Schuld-Entlastung des ländlichen Grundbesitzes. Friedrich Ebbecke, Zechau/Posen 1900, S. 49. (GB-Digitalisat)Vgl. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch neumärkischer Offiziere (1715–1806). Auflage-Online-Ressource, Walter de Gruyter, Berlin 2024, S. 123. (GB-Digitalisat) 1736–1748 Johann Eitel von Brandt 1749–1758 Christian Friedrich von Küssow 1758–1765 Wilhelm Richard von Schöning 1765–1796 Christian Ludwig von Restorff 1796–1800 Wilhelm von Knobelsdorff-Brenkenhoff 1800–1806 Carl Friedrich Ludwig von Schaetzel 1806–1817 George August Friedrich von Sack 1817–1817 Henning August von Bredow 1817–1821 Adolph Lette 1821–1837 Wilhelm Stubenrauch 1837–1838 Albert Borsche (interimistisch) 1838–1840 Hermann Ludwig von Wedell 1840–1852 Hermann Alexander von Schrabisch 1852–1853 Heinrich Finck von Finckenstein 1853–1879 Rudolph von Cranach 1879–1901 Oskar von Weiß 1901–1918 Karl Krummacher 1918–1919 Hermann von Engelbrechten-Ilow 1919–1933 Max Berndt von Saldern 1933–1939 Johannes Danzig 1939–1945 Hans Georg von Ribbeck
Kommunalverfassung mini|Landratsamt in Soldin (1912)
Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.
Verkehr Im Kreis Soldin in der Neumark begann das Eisenbahnzeitalter mit der Stargard-Cüstriner Eisenbahn-Gesellschaft (SCE), die ihre Stammbahn über Soldin – Glasow erst 1882 eröffnet hat 116.a . Ein Jahr später folgte als Abzweigung die „Glasow-Berlinchener Eisenbahn-Gesellschaft“ 116.a² , die mit der (SCE) durch Betriebsführungsvereinbarungen verbunden war und nach einiger Zeit von ihr übernommen wurde. 1898 kam die Verlängerung von Berlinchen nach Arnswalde hinzu 116.a² und 1899 die Linie Pyritz – Jädickendorf, die das Kreisgebiet nur im Nordwesten streifte 116.e .
Im Osten des Kreises berührte ab 1902 die Kleinbahn Friedeberg-Alt Libbehne einige Gemeinden 115.k .
Schließlich verband die Preußische Staatsbahn 1912 die Kreisstadt Soldin mit Landsberg an der Warthe 116.d .
mini|Elektrisch betriebene AEG-Transportbahn als Hof- und Feldbahn bei der Getreideeinfuhr auf dem Gutshof BärfeldeAllgemeine Elektricitäts-Gesellschaft: Elektrisch betriebene A.E.G.-Transportbahn als Hof- und Feldbahn bei der Getreideeinfuhr auf dem Gutshofe.
Die elektrische Landwirtschaftsbahn des Ritterguts Bärfelde mit einer Spurweite von 600 mm verband um 1935 das Rittergut Bärfelde mit dem 9,5 km entfernten Bahnhof Ringenwalde an der Bahnstrecke Gramenz–Küstrin.Werner Kroker: Die Eisenbahn als Mittel der Wirtschaft und der Erschließung von Wirtschaftsräumen.
Städte und Gemeinden Adamsdorf Bärfelde Batow Berlinchen, Stadt Bernstein, Stadt Breitebruch Brügge Buchholz Chursdorf Deetz Dertzow Dieckow Dölzig Fahlenwerder Gerzlow Giesenbrügge Glasow Griesenfelde Groß Ehrenberg Groß Mandelkow Grüneberg Hammer-Langestück Hasselbusch Hauswerder Herrendorf Hohengrape Hohenziethen Karlshof Karzig Kerkow Kienitz Klausdorf Kleefeld Kraazen Kremlin Krining Kuhdamm Liebenfelde Lippehne, Stadt Mellentin Mietzelfelde Mückeburg Nesselgrund Neuenburg Pitzerwitz Rehfeld Rehnitz Richnow Ringenwalde Rosenthal Rostin Rufen Ruwen Schildberg Schöneberg Simonsdorf Soldin, Kreisstadt Staffelde Tobelhof Trampe Werblitz Woltersdorf Wusterwitz Wuthenow Zernickow Zollen
Die Gemeinde Mückeburg hieß bis 1934 Mückenburg.
Literatur Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg enthaltend. Berlin 1809, S. 127–143.; Bezug: Ortsregister für alle drei Bände, S. 357–390. Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. Oder. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt. Frankfurt a. d. O. 1844, S. 176–185. Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz, Band 3, Brandenburg 1856, S. 427–751. W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 426–438. Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. O. Verlag von Gustav Harnecker u. Co., Frankfurt a. O. 1867, S. 206–222. Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg, Berlin 1873, S. 126–131. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staates. 2. Auflage. Band 2, Berlin 1874, S. 94–95, Ziffer 4. Beiträge zur Geschichte des Bergbaues in der Provinz Brandenburg, Hermann Cramer, Band 4, Halle 1872–1889.H. Cramer: Band 4, Reprint, (Faksimilie), Potsdam 2011, ISBN 978-3-88372-003-6.
Weblinks
Landkreis Soldin – Territorial.de (Rolf Jehke, Herdecke 2004).
Einzelnachweise
Soldin Kategorie:Neumark (Brandenburg) Kategorie:Aufgelöst 1945