mini|hochkant=1.65|Blick auf Lugau

Lugau ist eine Stadt im Nordwesten des Erzgebirgskreises in Sachsen. Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Lugau.

Geografie Lugau liegt etwa 12 Kilometer südwestlich von Chemnitz und etwa 20 Kilometer nordöstlich von Zwickau am Nordrand des Erzgebirges. Der Großteil der Stadt befindet sich auf dem Höhenrücken zwischen dem Hegebach- und dem Würschnitztal. Der Ursprung der Stadt findet sich im Lugautal.

Der in der Stadt im Pfarrwald entspringende Bach Lugau mündet in der Nachbargemeinde Gersdorf in den Hegebach, welcher wiederum in den Lungwitzbach mündet. An diesem Bach entlang zieht sich das ehemalige Waldhufendorf. Am Stadtrand liegt der Lorenzteich.

Etwa 6 km südlich von Lugau befindet sich die große Kreisstadt Stollberg/Erzgeb.

Östlich der Stadt Lugau befindet sich der ca. 300 ha große Steegenwald.

Nachbargemeinden In der Umgebung grenzen folgende Städte und Gemeinden an Lugau:

Stadt Chemnitz OT Mittelbach Stadt Oelsnitz/Erzgeb. Stadt Oberlungwitz Jahnsdorf Niederdorf Niederwürschnitz Gersdorf

Stadtgliederung Im örtlichen Sprachgebrauch ist Lugau in Ober- und Niederlugau geteilt. Außerdem befinden sich am oberen Ende der Chemnitzer Straße der Ortsteil Neukirchberg, der jedoch in nur noch wenigen Karten aufgeführt ist. Der Ortsteil besitzt auch kein eigenes Ortsschild und ist somit völlig in die Stadt Lugau eingegliedert.

Kernstadt Lugau (Oberlugau/Niederlugau) Erlbach-Kirchberg, seit 2013 Neukirchberg, seit 1956 Ursprung, seit 2013

Geschichte mini|links|Der Gottes-Segen-Schacht um 1900 mini|Bergbaudenkmal beim Rathaus Lugau

Lugau wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts als Waldhufendorf gegründet. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1438 als zcum Luge. Um 1470 schrieb man Lugk.Karlheinz Blaschke, Hrsg. Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, Leipzig 2006, S. 449, ISBN 3-937209-15-8 Bis ins 19. Jahrhundert blieb Lugau ein armes kleines Dorf. Im Jahr 1844 wurde Steinkohle gefunden und infolgedessen entstanden mehrere Bergwerke zu deren Abbau (Lugau-Oelsnitzer Revier). Dieser Aufschwung zog sehr viele neue Einwohner in die Region und innerhalb von 50 Jahren verzwanzigfachte sich die Einwohnerzahl auf ca. 8.000. Am 1. Juli 1867 geschah ein schweres Grubenunglück, durch den Schachteinsturz auf „Neue Fundgrube“ kamen 101 Bergleute ums Leben.

Das Stadtrecht wurde Lugau 1924 verliehen.

Nachdem die Kohlevorkommen im Revier erschöpft waren, begegnete man dem Wegfall von Arbeitsplätzen mit der Ansiedlung von verschiedenen Betrieben. Gebäude geschlossener Schachtanlagen wurden teilweise als Wohngebäude oder für gewerbliche Zwecke weitergenutzt.

Im Jahr 1983 wurde der Motorsportclub Lugau gegründet, damals als MC Stahl Lugau.

Seit dem 1. Januar 1994 bildeten Lugau, Erlbach-Kirchberg und Ursprung – seit 1999 nach Erlbach-Kirchberg eingemeindet – eine Verwaltungsgemeinschaft. Seit dem 1. Januar 2000 gehört auch die Gemeinde Niederwürschnitz dazu. Die Gemeinde Erlbach-Kirchberg wurde zum 1. Januar 2013 nach Lugau eingemeindet.

Internationale Aufmerksamkeit erhielt Lugau durch das 1887 in London erschienene Buch von Margaret Roberts „The Fiddler of Lugau“, das die Lebensumstände während der Napoleonischen Kriege beschrieb.

Politik

Stadtrat Der Stadtrat setzt sich seit den Stadtratswahl am 9. Juni 2024 aus 18 Stadträten von 4 Parteien/Wählergruppen zusammen. Dabei sind die Mandate wie folgt verteilt: +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Freie Wählergemeinschaft Lugau842,7843,4845,0AfD527,8315,8––CDU318,9421,8423,4Linke210,6315,7631,5Grüne–––3,3––Wahlbeteiligung67,5 %61,8 %45,0 %

Bürgermeister Seit 2026 ist Emanuel Twellmann (FDP) Bürgermeister von Lugau. Zuletzt wurde er im Juni 2026 mit 67,88 % der gültigen Stimmen gewählt durch den Rücktritt des ehemaligen Bürgermeisters Leon Blachhut im Frühjahr 2026 wurden die Wahlen vorgezogen. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2026Emanuel TwellmannFDP67,82026Leon BlachhutLinke89,82022Thomas WeikertLinke97,8201587,1200845,02001Rainer UnfriedCDU76,9199450,6

Städtepartnerschaft Es besteht eine Partnerschaft mit der Stadt Sallaumines (Frankreich), welche sich auch in der Namensgebung der Sallauminer Straße wiederfinden lässt. Ebenso ist die Stadt Lugau, seit Juli 2025, mit der Stadt Emskirchen verpartnert.

Städtefreundschaft Die Stadt Penzberg im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau unterhält eine Freundschaft mit Lugau.

Kultur und Sehenswürdigkeiten siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Lugau Bauwerke mini|Kreuzkirche Lugau mini|links|Rathaus mit weihnachtlichem Schmuck im Zentrum von Lugau mini|Lugauer Glockenturm im Winter mini|Meinertsche Spinnmühle von 1812 mini|links|Kanaldeckel aus Lugau in Berlin

Das wohl bekannteste Bauwerk in Lugau ist der „Alte Glockenturm“. Ebenso interessant ist das Rathaus. Das architekturgeschichtlich wertvollste Gebäude der Stadt, die „Meinertsche Spinnmühle“, nach seiner späteren Nutzung auch „Messingwerk“ genannt, wurde 2016 abgerissen. Der 1812 durch Johann Traugott Lohse errichtete Bau war eines der frühesten Zeugnisse der Industrialisierung in Sachsen.

Im architektonischen Bereich findet man in Lugau weiterhin viele Industriezeugen der Bergbauzeit. Aus dieser Zeit ist auch die Eisengießerei Moritz Walther, deren Ruine sich in Richtung Oelsnitz im unteren Teil der Stadt befindet. Bekannt ist diese durch ihre Eisenguss-Kanaldeckelproduktion. So findet man dort produzierte Kanaldeckel heute noch zahlreich, vorrangig in Berlin.

Auf dem Friedhof befindet sich ein vom Chemnitzer Bildhauer Delling geschaffener Obelisk zum Gedenken an das Grubenunglück von 1867.

In der Lugauer Kreuzkirche befindet sich eine von der Firma Ladegast aus Weißenfels 1906 hergestellte pneumatische Orgel. Sie wurde am 13. Mai 2007 nach umfangreicher Restaurierung wieder geweiht.

Knapp hinter der Einmündung der Flockenstraße in die Stollberger Straße steht das alte Jägerhaus. Das inzwischen im Stadtkern befindliche Gebäude befand sich vor der Industrialisierung noch am Rand des Steegenwaldes, der in seiner Ausdehnung bis weit in das heutige Stadtgebiet reichte.

Im Ortsteil Ursprung ist die Kirche Ursprung beachtenswert; eine spätgotische Saalkirche, die durch einen Brand im Jahr 1974 beschädigt und anschließend wiederhergestellt wurde.

Ehemalige Bauwerke mini|Modell der ehem. Spinnmühle Lugau In der Umgebung fand man die aus den 1920er Jahren stammende Wirtshaus „Deutsche Eiche“, eines der ersten funktionalen Vergnügungszentren. Hier waren unter einem Dach Kino, Tanzsaal, industrielle Produktion (Strumpfwirkerei), eine Gaststätte und Wohnraum vereint. Erst mehrere Jahrzehnte später setzte sich dieses Prinzip in der Fläche durch und führte zu weiteren ähnlichen Funktionsbauten. Wandgemälde aus den 1920er Jahren und Puttenverzierungen erinnerten an die erfolgreichen Zeiten. Das Gebäude wurde Ende 2007 abgerissen.

In Niederlugau befand sich die vom Baumeister Johann Traugott Lohse 1812 im klassizistischen Stil errichtete Meinertsche Spinnmühle. Es war eines der ältesten erhaltenen Fabrikgebäude Deutschlands und wirkte von außen wie ein Herrenhaus. Das wertvolle Baudenkmal befand sich bis zum Juli 2016 im Verfall. „Es ist ein Skandal“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Werkbundes, der Architekt Bernd Sikora.Industriedenkmal vorm Verfall. In: Thüringer Landeszeitung, 5. Januar 2009. Im Zeitraum von Anfang bis Mitte Juli 2016 wurde das Gebäude aufgrund der stetig wachsenden Gefährdung der umliegenden Anlieger durch das Landratsamt des Erzgebirgskreises abgebrochen.

Gedenkstätten Gedenkstein von 1946 an der Poststraße zwischen Feuerwehrhaus und ehem. Sparkasse zur Erinnerung an die Widerstandskämpfer, die Opfer des Faschismus wurden Grabanlage von 1946 auf dem Ortsfriedhof für Verfolgte des Naziregimes Gedenkstein an der Kirche für die Opfer des Grubenunglücks vom 1. Juli 1867 im Schacht „Neue Fundgrube“

Naturdenkmäler Die durch den Steinkohlenbergbau in der Gegend entstandenen Abraumhalden sind jetzt teilweise nicht mehr als solche zu erkennen; sie waren früher weithin sichtbare prägende Bilder der Stadt.

mini|zentriert|700px|Blick auf renaturierte Halden des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers: Fundgrube, Vertrauenschacht, Gottes-Segen-Schacht, Saxonia-Schacht und Victoria-Schacht (v. r. n. l.). Im Hintergrund sieht man den Förderturm des ehemaligen Karl-Liebknecht-Schachts (vormals Grube „Kaiserin Auguste“). Darunter die Halde des Gottes-Segen-Schachtes, die heute die Rennstrecke „Glückauf“ beheimatet.

Sport mini|Fußballgelände von Lugau In Lugau besteht ein vielfältiges Vereinsleben, vertreten sind dabei Motorsport MSC Lugau, Ringen Ringerverein Eichenkranz 1908 e. V., Tischtennis, Volleyball, Fußball mit Frauen- und Männermannschaft und Gymnastik.

Auf einer ehemaligen Abraumhalde des Gottes-Segen-Schachts befindet sich die Rennstrecke Glück Auf. Hier finden regelmäßig Veranstaltungen in den Kategorien Moto-Cross, Enduro und Geländewagen Offroad statt. Seine Bekanntheit erlangte der Kurs durch Internationale Deutsche Meisterschaftsläufe.

Zwischen Oberschule und Steegenwald ist das Lugauer Freibad zu finden, welches auch ein Beachvolleyballfeld beinhaltet.

Parks mini|Der Stadtpark von Lugau mit Sportanlagen Stadtpark im Zentrum der Stadt auf dem ehemaligen Güterbahnhof. Pfarrgrund: In Niederlugau befindet sich direkt an dem Friedhof angrenzend der Pfarrgrund. Dieser beinhaltet ein kleineres Wald- und Erholungsgebiet. Pfarrwald: Zwischen dem Ortsteil Erlbach-Kirchberg und Lugau, befindet sich der Pfarrwald. Steegenwald: Zwischen Lugau und der Gemeinde Niederwürschnitz liegt der Steegenwald, dessen Ausdehnung bis nach Leukersdorf verläuft. Park mit Freibad Grüne Halden aus der Bergbauzeit Badgelände Erlbach-Kirchberg: Auf dem ehem. Badgelände finden regelmäßig Veranstaltungen statt. Radweg Lugau-Mittelbach: Auf der ehem. Bahnstrecke Lugau-Wüstenbrand befindet sich ein Radweg der die Kernstadt Lugau mit dem Ortsteil Ursprung verbindet, eine spätere Fortsetzung bis zum Hohenstein-Ernstthaler Ortsteil Wüstenbrand ist geplant. Im Jahr 2015 wurde der Radweg in Richtung Niederwürschnitz erweitert. Im Jahr 2018 wurde der Radweg wiederum erweitert er geht jetzt von der Staatsstraße S 246 zur Gewerbeallee in Mittelbach. Dieser Erweiterung des Teilabschnittes begann im Oktober 2017, die Kosten lagen bei ca. 310.000 Euro. Die Planung geht davon aus den Abschnitt bis zur Stadtgrenze zu erweitern. Das soll den Anschluss schaffen zum zukünftigen Radweg Wüstenbrand-Chemnitz, welcher ebenfalls die alte Eisenbahntrasse nutzen soll. Ein bereits vorhandener Weg wurde durch Asphalt befestigt um somit ein besseres Radfahren zu ermöglichen. Seit Fertigstellung besteht somit eine durchgängig asphaltierte Verbindung bis zum Freizeitgelände Alte Ziegelei in Niederwürschnitz.

Veranstaltungen Kernstadt Lugau Straßenfest des Gewerbevereines Motocross Lugauer Rathauskonzert Lugauer Sommernacht Adventsauftakt mit Anschieben der Pyramide vor dem Rathaus Niederlugauer Glockenturmfest Weihnachtsmarkt (4. Advent)

Veranstaltungen OT Erlbach-Kirchberg Hexenfeuer Pfingstfest Herbstfest Weihnachtsmarkt

Alle Veranstaltungen im OT Erlbach-Kirchberg finden auf dem Badgelände statt.

Veranstaltungen OT Ursprung Hexenfeuer Waldsportfest, Waldsportplatz Tag des offenen Denkmals, Bahnhof Ursprung Simsontreffen

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Straßenverkehr In unmittelbarer Nähe führen die Bundesautobahnen und an Lugau vorbei. Die Bundesstraße führt durch die Stadt. Es führen die Staatsstraße S 246 und die Kreisstraßen 8807, 8806 und 8804 durch das Stadtgebiet.

Busverkehr Mehrere Buslinien verbinden Lugau mit dem Umland und erschließen die Stadt. Die sogenannte „Grüne Linie“ verbindet Lugau mit Oelsnitz und der großen Kreisstadt Stollberg.