JFK – Tatort Dallas ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1991 des Regisseurs Oliver Stone. Kevin Costner spielt den Bezirksstaatsanwalt von New Orleans, Jim Garrison, der Ermittlungen anstellt zu den genauen Umständen der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy im Jahr 1963. Dabei stützt sich der Film auf die Bücher von Garrison und Jim Marrs, nach denen Lee Harvey Oswald kein Einzeltäter war, sondern nur das Rädchen einer weitverzweigten Verschwörung des tiefen Staats gegenüber dem Präsidenten.

Handlung Der Film beginnt mit einer Rückblende von Kennedys Präsidentschaft in den Jahren 1960 bis 1963, zeichnet wichtige politische Ereignisse nach und liefert somit einen Hintergrund für die folgende Handlung. Das Intro wird abgeschlossen durch Originalaufnahmen von Kennedys Besuch in Dallas am 22. November 1963 (dem Tag des Attentats), in denen auch Teile des Zapruder-Filmsjfkassassination.net zu sehen sind. Als die Schüsse gefallen sind, wechselt der Handlungsort nach New Orleans, wo Jim Garrison Bezirksstaatsanwalt ist. Zunächst werden sämtliche Kontakte Oswalds in New Orleans überprüft, aber nachdem die Ermittlungen zu nichts führen, stellen Garrison und sein Team die Ermittlungen ein. Gleichzeitig beginnt die Warren-Kommission mit der Untersuchung des Attentates auf John F. Kennedy.

Drei Jahre später, im Jahr 1966, rollt Garrison den Fall mit seinen Ermittlern wieder auf, nachdem er im Gespräch mit Senator Russell B. Long zu der Überzeugung gelangt ist, dass die Einzeltäterthese der Warren-Kommission Ungereimtheiten enthält. Detailgenau geht Garrison zahlreichen Hinweisen nach, deren Aufklärung einerseits das Puzzle zu vervollständigen scheinen, andererseits etliche neue Fragen aufwerfen. Besonders Clay Shaw alias Clay Bertrand, von dem Garrison immer mehr der Überzeugung ist, dass er Teil einer Verschwörung gegen JFK gewesen ist, gerät hierbei in das Fadenkreuz der Ermittlungen. Durch die Arbeit von Garrison und seinem Team bekommt der Zuschauer ein Bild von dem, was damals geschehen ist, und welche möglichen Motive verschiedene Personen und Gruppen bei der Ermordung des Präsidenten gehabt haben könnten. Außerdem werden Unternehmen und ihre wirtschaftlichen Hintergründe infrage gestellt und Bezüge zum Vietnamkrieg hergestellt. Entscheidend ist eine längere Sequenz, bei der ein gewisser „Mr. X“ Garrison unter anderem Folgendes mitteilt:

Am Ende des Films führt Garrison einen Strafprozess gegen Clay Shaw mit der Anklage wegen Verschwörung zur Ermordung des Präsidenten. Der Bezirksstaatsanwalt rekonstruiert die Ereignisse am 22. November und zeigt dabei Unstimmigkeiten in den Schlussfolgerungen der Warren-Kommission auf, beispielsweise illustriert er die Unwahrscheinlichkeit der „Magischen Kugel“. Er führt der Öffentlichkeit auch erstmals den Zapruder-Film vor, der ihm als wichtiger Hinweis für eine Beteiligung mehrerer Schützen gilt. Besonders die Szene des tödlichen Kopfschusses hebt er dabei hervor und meint, dass der Kopf zurückgeschleudert wird („nach hinten und nach links“), der Schuss damit von vorne gekommen sein und es folglich mindestens zwei Attentäter gegeben haben muss. Am Ende gelingt es Garrison, die Jury davon zu überzeugen, dass hinter dem Mord eine Verschwörung gesteckt hat, jedoch gelingt es ihm nicht, die Geschworenen von Shaws Schuld zu überzeugen, und dieser wird freigesprochen.

Hintergrund Der Film und seine Verbindungen zu verschiedenen Theorien um den Mord an JFK Grundlage des Films ist das Buch des New Orleanser Staatsanwalts Jim Garrison On the Trail of the Assassins (dt. Ausgabe 1992: Wer erschoß John F. Kennedy? – Auf den Spuren der Mörder von Dallas). Zachary Sklar hatte auf Bitten des Verlags die Herausgabe übernommen und griff als solcher in die Dramaturgie des Buches ein. Sklar verfasste dann eine erste Fassung des Drehbuchs, die wiederum von Stone bearbeitet wurde.Zachary Sklar. In: Nina Shengold: River of Words. Portraits of Hudson Valley Writers. State University of New York Press, Albany, New York 2010, S. 230.

Der Film selbst behandelt die Ermittlungen von Garrison zum Attentat auf den US-Präsidenten John F. Kennedy, der im März 1967 aufgrund von Unstimmigkeiten im offiziellen Bericht der Warren-Kommission eine erneute gerichtliche Untersuchung durchgesetzt hatte, mit der er beweisen wollte, dass Präsident Kennedy einer Verschwörung zum Opfer gefallen sei.

Nach Garrisons Ansicht war Kennedy das Opfer einer Verschwörung bestehend aus Castro-Gegnern und antikommunistischen Elementen innerhalb der CIA, sowie einzelnen Individuen aus New Orleans wie dem Geschäftsmann Clay Shaw, dem Ex-FBI-Agent Guy Banister und David Ferrie, der in den 1950er Jahren in derselben Flugstaffel wie Oswald gedient hatte.

Dies stellt eine von vielen Theorien zur Ermordung John F. Kennedys dar, in der unter anderem die CIA für diese verantwortlich gemacht wird. Dazu kommen nicht minder populäre Theorien, in denen der sowjetische Geheimdienst, Fidel Castro, Lyndon B. Johnson, Exil-Kubaner, politische rechte Gruppen oder die US-amerikanische Mafia, die von Kennedy stark bekämpft wurde, und mit der Familienmitglieder des mutmaßlichen Attentäters Lee Harvey Oswald und dieser selbst in Teilen Kontakt hatten,Mafia. Schattengeschichte der USA. 1989, 21. und 22. Kapitel den Mord veranlasst haben sollen.

In dem Film wird auch über eine Involvierung des industriell-militärischen Komplexes spekuliert, hier ist vor allem die Figur des Mr. X von entscheidender Bedeutung. Einen Mr. X hat es so nicht gegeben, aber er basiert lose auf der Person des Colonels Fletcher Prouty.

Oliver Stones Film steht in der Tradition zahlreicher unterschiedlichster Theorien, die von einer Verschwörung hinter der Ermordung des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy ausgehen, von denen die ersten bereits nach wenigen Stunden aufgekommen waren und noch mehr nach der Ermordung Lee Harvey Oswalds durch Jack Ruby.

Diskussion der im Film präsentierten Thesen

Kritiker des Films werfen Stone vor, bereits mit der These einer politischen Verschwörung an den Film herangegangen zu sein und dann aus den Fakten zu Gunsten möglichst hoher Spannung seine Geschichte eines Mordkomplotts aufzubauen, anstatt neutral und unvoreingenommen an die Faktenlage heran zu gehen und mögliche persönliche Gründe Oswalds für die Tat zu berücksichtigen. So konnte tatsächlich bis heute trotz unzähliger neu aufgelegter, sowohl staatlicher als auch privater Untersuchungen, die Alleintäter-These um Oswald weder entkräftet noch die Beteiligung irgendeiner Interessengruppe nach vor Gericht geltenden Standards bewiesen werden.

Ein Kritikpunkt, der im Film relativ früh aufgegriffen wird, ist der Vorwurf einer nur oberflächlich erfolgten offiziellen Untersuchung des Mordes durch die Warren-Kommission, welche im Ergebnis die Alleintäterschaft Oswalds feststellte, aber anderen Theorien kaum nachging.arte – Der JFK Mord, wiederaufgerollt Bereits 1966 hatten Mark Lane in Rush to Judgment: A Critique of the Warren Commission’s Inquiry into the Murders of President John F. Kennedy, Officer J.D. Tippit, and Lee Harvey Oswald und Jay Epstein in Inquest: The Warren Commission and the Establishment of Truth die Arbeit der Kommission kritisiert. Möglicher Grund für die Arbeitsweise der Kommission könnte die Sorge gewesen sein, bei einer tiefer gehenden Untersuchung eine Beteiligung der kubanischen Regierung oder des Sowjetischen Geheimdienstes aufzudecken, welche einen neuen Weltkrieg hätte zur Folge haben können.

Des Weiteren wird im Film die sogenannte „Single bullet theory“ infrage gestellt, nach der Präsident Kennedy und Gouverneur John Connally von derselben Kugel getroffen wurden, ebenso wie die offizielle Ansicht, dass auch der dritte und letztendlich tödliche Kopfschuss auf den Präsidenten von hinten aus Richtung des Dallas School Book Depository abgefeuert worden sei. Stattdessen soll dieser dritte Schuss von vorne aus Richtung des als Grassy Knoll (Grashügel) bezeichneten Hügels gekommen sein. Als Beweis dafür wird der auf dem Abraham-Zapruder-Film zu sehende Head Snap (in etwa: „Kopfruckler“) angesehen, bei dem Kennedys Kopf nach dem tödlichen Treffer nach hinten links geworfen wird und sein Kopf vorne aufplatzt.

Der angesehene Ballistiker Lucien Haag widersprach dieser These Ende September 2013 auf der Jahrestagung der National Association of Forensic Scientists. Die These um den „Kopfruckler“ beruhe auf der falschen Grundannahme, dass beim Auftreffen einer Kugel aus einer Feuerwaffe auf ein Objekt dieses nach dem Prinzip des Impulserhaltungssatzes beim Aufschlag stark zurückgeworfen werde. Tatsächlich kann ein bewegter Körper einen ruhenden Körper in Bewegung versetzen, allerdings nur, wenn beide eine einigermaßen gleich große Masse besitzen, wie z. B. beim Kugelstoßpendel. Dies gelte allerdings nicht, wenn ein wenige Gramm schweres Projektil auf den Körper eines Menschen oder auch nur dessen immer noch viel zu schweren Kopf trifft.Das Kennedy-Attentat. Das Ende der Verschwörungstheorien. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. Oktober 2013, abgerufen am 26. März 2016. Ursachen für die Bewegung des Kopfes nach hinten, entgegen der Fahrtrichtung, könnten (gemäß dem Trägheitsprinzip) die während des letzten Schusses stattfindende Beschleunigung des Wagens, die abschüssig nach links verlaufende Straße oder auch ein letztes Aufbäumen der Muskeln im Körper und damit das Zurückfallen des schlaffen Kopfes gewesen sein.

Die Tatsache, dass Kennedys Kopf an seiner Vorderseite aufplatzte, könnte ein weiteres Indiz dafür sein, dass der Schuss von hinten kam, da eine Austritts- immer größer als eine Eintrittswunde ist.CSI – Forensik für DummiesPräklinische Traumatologie. S. 24. Zudem zeigen die digitalisierten, hoch aufgelösten Fassungen des Orville-Nix-FilmsJFK Assasination – The complete Orville Nix film. In: YouTube. 17. April 2010, abgerufen am 25. Juni 2017. sowie des Marie-Muchmore-Films,JFK Assasination – Marie Muchmore film. In: YouTube. 13. Oktober 2013, abgerufen am 25. Juni 2017. welche das Attentat von hinten mit Blick auf den Grashügel zeigen, wie sich beim tödlichen Kopfschuss ein feiner, roter Nebel, vermutlich bestehend aus Blut, Gehirnmasse und Teilen der Schädeldecke, von der Stirn des Präsidenten nach vorn in Fahrtrichtung schiebt, im selben Moment vom Wagen eingeholt wird und schließlich auf dem Heck des Wagens niedergeht, woraufhin Jackie Kennedy auf dieses klettert, um unter Schock die Teile vom Kopf ihres Mannes einzusammeln.Larry J. Sabato: The Kennedy Half-Century. The Presidency, Assassination, and Lasting Legacy of John F. Kennedy. Bloomsbury, New York 2013, S. 209.JFK – Das Geheimnis der dritten Kugel. Dokumentation von National Geographic Larry Sturdivan, Experte für Schusswaffenverletzungen, merkte außerdem an, dass Jackie Kennedy, die links neben den Präsidenten saß (demnach in Schusslinie), bei einem Schuss aus Richtung des Grashügels von Schrapnellen hätte verwundet oder zumindest der Wagen an dieser Stelle leichte Beschädigungen aufweisen müsse.Dale K. Myers: The Shot That Missed JFK: A New Forensic Study. 5. Mai 2015, abgerufen am 26. März 2016 (englisch). Zudem wurde die Windschutzscheibe des Wagens von innen beschädigt, was nur erklärt werden kann, wenn die Schüsse von hinten abgefeuert wurden.John K. Lattimer: Lincoln and Kennedy. Medical and Ballistic Comparisons of Their Assassinations. Harcourt Brace Jovanovich, San Diego 1980, S. 217 ff.