mini|Vorfeld des Flughafens mini|Flughäfen in NRW Der Flughafen Paderborn/Lippstadt (eigene Bezeichnung: Flughafen Paderborn-Lippstadt „Heinz Nixdorf“) ist ein regionaler Verkehrsflughafen im Kreis Paderborn in Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Er liegt zwischen den Städten Paderborn und Lippstadt auf dem Gebiet der Stadt Büren in der Nähe der Bürener Stadtteile Ahden und Wewelsburg. Der Flughafen ist nach Flugbewegungen der zwölftgrößte Deutschlands, nach Passagierzahlen jedoch der kleinste der sechs nordrhein-westfälischen Verkehrsflughäfen mit kommerziellem Flugbetrieb.

Geschichte mini|Früheres Logo des Flughafens Paderborn/Lippstadt (Stand: 2004)

Bis 1979 Seit dem Jahre 1966 gab es Überlegungen zum Bau eines Regionalflughafens im südöstlichen Westfalen. Am 13. Oktober 1969 wurde die Regionalflughafen Südost-Westfalen GmbH von Vertretern der damaligen Kreise Brilon, Büren, Höxter, Lippstadt, Paderborn und Warburg gegründet. Für 10 Millionen DM kauften die beteiligten Kommunen rund 227 Hektar landwirtschaftliche Flächen. Das Land Nordrhein-Westfalen finanzierte mit rund 13,7 Millionen DM eine 1440 Meter lange Betonfläche. Auf dem Gelände wurde ein Flughafengebäude mit Tower, Abflughalle, Restaurant, Bar und Terrasse gebaut. Die Kosten hierfür übernahm das Land Nordrhein-Westfalen. Am 22. Juli 1971 genehmigte Minister Horst Ludwig Riemer die Anlage und den Betrieb des Flughafens Paderborn/Lippstadt.

Der „Verkehrslandeplatz Paderborn/Ahden“, der am 10. September 1971 in Betrieb genommen wurde, war ein wichtiger Standortfaktor für Großunternehmen wie Nixdorf Computer AG (3500 Mitarbeiter). Des Weiteren nutzen den Flughafen die Firmen Benteler, Dr. Oetker und Bertelsmann, er sollte auch als Anreiz zur Ansiedlung von weiteren Unternehmen dienen. Der Landesrechnungshof kritisierte die Subvention für einen Regionalflughafen, da dieser „überwiegend dem Interesse eines einzigen privaten Unternehmens diene“, und meinte Nixdorf.

Im Jahr 1972 begann der Bau der Flugzeughalle I und 1975 die Einweihung und Inbetriebnahme des Betriebsgebäudes. Im Jahr 1975 flog die Deutsche Luftverkehrsgesellschaft (DLT) zweimal täglich mit einer DHC-6 Twin Otter von Paderborn nach Frankfurt am Main, um damit die Passagiere an das Verkehrsnetz der Lufthansa anzubinden. Im Jahr 1979 wurde die Flugbetriebsgesellschaft Paderborn/Lippstadt mbH gegründet und 1981 begann die Aufnahme des Linienflugverkehrs nach München. Es folgte die Cityflug, die Passagiere mit einer Fairchild Swearingen Metro beförderte. Nach der Zahlungsunfähigkeit der Cityflug sprang die Reise- und Industrieflug (RFG) ein.

1980–1989 Im Jahre 1984 wurde die Start- und Landebahn auf 1760 m Länge und 30 m Breite erweitert und ein neues Betriebsgebäude gebaut. Damit wurde der Flughafen im Juni 1984 als Verkehrsflughafen zugelassen. Im selben Jahr begann der Linienverkehr nach Stuttgart und 1985 nach West-Berlin. Mit den Fluggesellschaften Hapag-Lloyd Flug und Air Europa begann ab 1988 der Touristik-Charterflugverkehr nach Mallorca und Gran Canaria. Im Jahr 1989 wurde der Linienflugverkehr nach London aufgenommen. Mit der deutschen Wiedervereinigung folgten auch Linienflugverkehrsstrecken nach Leipzig und Dresden.

Im Jahr 1986 wurden das Instrumentenlandesystem und ein Flugverkehrskontrolldienst mit Kontrollzone in Betrieb genommen, wodurch Starts und Landungen auch bei schlechtem Wetter in beide Richtungen möglich waren.

Am 10. Juni 1986 beteiligten sich der Kreis Gütersloh, der Kreis Lippe sowie die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld und die Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold als weitere Gesellschafter am Flughafen.

1990–1999 Zum 1. Januar 1991 wurde der Flughafen in „Flughafen Paderborn/Lippstadt GmbH“ umbenannt und der Geschäftssitz von Paderborn nach Büren-Ahden verlegt. Als weiterer Gesellschafter wurde die Stadt Bielefeld aufgenommen. Am 1. November 1999 fusionierte die Flugbetriebsgesellschaft Paderborn/Lippstadt mbH mit der Flughafen Paderborn/Lippstadt GmbH.

Im Jahr 1991 begannen der Touristik-Charterflugverkehr in die Türkei sowie der Flugverkehr zu den Kanarischen Inseln. In den Jahren 1992 und 1993 folgten die Aufnahme des Touristik-Charterflugverkehrs nach Monastir in Tunesien und Kreta und der Ausbau des Linienflugplans mit Flugverbindungen nach Paris und Zürich. Im Jahr 1996 wurde eine neue Linienflugverbindung zum internationalen Drehkreuz am Flughafen Schiphol mit Eurowings und KLM aufgenommen, auf der 14.662 Passagiere nach Amsterdam befördert wurden. Ab Januar 1998 bot die Lufthansa einen Linienflugbetrieb nach Frankfurt an.

Am 3. Dezember 1993 wurde das neue Terminal A eröffnet, und die Fluggesellschaft Air Berlin stationierte eine neu beschaffte Boeing 737-400 auf dem Flughafen. Im Jahr 1994 wurde die Start- und Landebahn auf 45 m Breite ausgebaut und im folgenden Jahr die Flugzeughalle II B für Eurowings und weitere Rundhallen für Kleinflugzeuge fertiggestellt. Im Jahr 1998 wurde das Terminal B und die Flugsicherungskanzel und 2001 ein neues Ankunftsterminal gebaut.

2000–2009 mini|Blick in die Abflughalle, Aufnahme aus dem Jahr 2005 Die im Jahr 2000 prognostizierte Zahl von rund 2 Millionen Passagieren für 2010 konnte nicht annähernd erreicht werden, vielmehr stagnierten die Zahlen und gingen ab 2006, als noch ca. 1,27 Mio. Fluggäste befördert wurden, auf 984.110 Passagiere im Jahr 2009 zurück, was hauptsächlich auf die Einstellung der Lufthansa-Verbindung nach Frankfurt zurückzuführen war. Auch im Touristik-Charter-Verkehr wurden weniger Fluggäste befördert; etwa 75 % waren Urlauber auf dem Weg zu Flugzielen rund um das Mittelmeer und zu den Kanarischen Inseln.

Im Jahr 2004 erhielt der Flughafen zwei große Wartungshallen und das Airport-Forum. Am 10. Oktober 2006 wurde direkt gegenüber dem Terminalgebäude das „Airport Hotel Paderborn“ eröffnet. Die Landebahn wurde im Jahre 2009 auf 2180 m erweitert.

2010–2019 mini|Quax-Hangar mini|Tower des Flughafens Paderborn/Lippstadt mini|Der GAT-Bereich des Vorfeldes

Von Ende Juli bis Mitte November 2010 wurde das Terminal bei laufendem Flugbetrieb umgebaut und modernisiert, wobei die Reisebüros ins Obergeschoss umzogen und 18 neue Check-In Schalter gebaut wurden. An diesem Projekt waren 15 Firmen beteiligt, und die Kosten betrugen 3 Mio. Euro.

Ende Mai 2011 wurde ein neuer gläserner Hangar eröffnet, der von Quax genutzt wird, einem Verein zur Erhaltung historischer Flugzeuge. Im Obergeschoss des Quax-Hangars ist neben der Geschäftsstelle des Vereins die Gastronomie „Panolo“ beheimatet. Von der Besucherterrasse, die bei schönem Wetter bewirtschaftet wird, können das Vorfeld, die Taxiways und die Landebahn eingesehen werden. Der Eintritt ist frei.Bau eines neuen Hangars für Oldtimerflugzeuge

Im Jahr 2011 wurden nur noch 975.712 Passagiere gezählt; das entspricht einem Minus von 5,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Flugbewegungen um 9,4 % auf 42.380. Als Gründe für den Rückgang der Passagierzahlen wurden die politischen Unruhen in Nordafrika, die Streiks in Griechenland und die Kapazitätenanpassung der Fluggesellschaft Air Berlin genannt. Die Fluggastzahlen gingen 2013 weiter zurück, nur 794.992 Passagiere wurden gezählt, der Frachtumschlag steigerte sich auf 290 Tonnen, ist aber damit im Vergleich zu Düsseldorf und Köln/Bonn kaum erwähnenswert. Zuletzt zeichneten sich Rückgänge bei der Zahl der beförderten Passagiere ab. So verringerte sich die Zahl der 2017 abgefertigten Fluggäste im Vergleich zum Vorjahr um knapp 10 % auf rund 700.000. Zudem wurde die Entwicklung der Passagierzahlen durch die Betriebsaufnahme des Flughafens Kassel-Calden und durch das Wachstum des Flughafens Dortmund beeinflusst.

Seit dem Sommerflugplan 2017 verband die Lufthansa den Flughafen Paderborn/Lippstadt wieder mit dem Drehkreuz Frankfurt, Anfang 2020 kündigte Lufthansa an, diese Strecke auf Grund von Unwirtschaftlichkeit einstellen zu wollen.

Seit 2020 Während der COVID-19-Pandemie wurde der Passagierverkehr am Flughafen zwischenzeitlich komplett eingestellt. Auch das im Umfeld des Flughafens liegende Hotel sowie die Geschäfte und Restaurants blieben zeitweise geschlossen. Dadurch kam der Flughafen in finanzielle Schwierigkeiten und er benötigt finanzielle Unterstützung. Die schon länger bestehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten veranlassten die Geschäftsleitung zu einem Sanierungskonzept, nach dem die Abfertigungskapazitäten von 900.000 auf 300.000 Passagiere pro Jahr gesenkt werden sollen, auch Entlassungen waren geplant. Das Ziel sei die Erhaltung des Flughafens.Jens Reddeker: Schrumpfkurs für den Airport. In: Neue Westfälische 31. Juli 2020.

Ein Gutachten des BUND vom August 2020 empfiehlt, wegen defizitärer Strukturen sowie klimapolitischen Aspekten 7 von 14 Regionalflughäfen zu schließen. Paderborn wird ausdrücklich als Schließungskandidat genannt.Tagesschau: BUND Studie: Sieben Flughäfen sofort schließen abgerufen am 19. August 2020BUND Studie: Regionalflughäfen - Ökonomisch und klimapolitisch unverantwortliche Subventionen abgerufen am 26. Oktober 2020

Am 22. September 2020 stellte der Flughafen beim Amtsgericht Paderborn Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung, dem das Gericht statt gab. Dabei sollen 100 der noch 170 Mitarbeiter arbeitslos werden. Grund ist auch ein monatlicher Verlust von 700.000 €. Die Kosten für eine Insolvenz und einen anschließenden Betrieb auf der Basis von 300.000 Passagieren werden mit jährlich zwischen 9,5 und 12 Millionen Euro beziffert; eine Sanierung ohne Insolvenz hätte dabei bis zu 21 Millionen Euro gekostet.Jens Helmecke: Im Anflug auf die Eigen-Insolvenz, in: Westfalenpost vom 18. August 2020, Seite Wirtschaft Der Flughafen schaffte es in nur einem halben Jahr aus eigener Kraft die Insolvenz zu beenden. Der reguläre Geschäftsbetrieb wurde zum 1. Mai 2021 wieder aufgenommen.

Am 19. September 2024 gab der Flughafen Paderborn/Lippstadt bekannt, künftig den Namenszusatz des Paderborner Computerunternehmers Heinz Nixdorf zu tragen. Nixdorf hatte sich, Zeit seines Wirkens, stark für den Bau des Flughafens eingesetzt. Diese Würdigung geschah besonders mit Blick auf den 9. April 2025, den 100. Jahrestag der Geburt Nixdorfs. Durch die Benennung des Flughafens nach Heinz Nixdorf ist der Flughafen Paderborn/Lippstadt der erste Flughafen in Deutschland, der den Namen eines Unternehmers trägt.

Im November 2024 wurde bekannt, dass die Lufthansa die Verbindung an ihr Drehkreuz nach München mit Beginn des Sommerflugplans 2025 einstellt. Die Lufthansa begründete dies mit gestiegenen Kosten und dem Rückgang der Nachfrage. Insgesamt wurden rund 815.000 Passagiere im Jahr 2024 gezählt.Westfälische Nachrichten: Neue Strecken mit Startschwierigkeiten: Start-up-Pläne verzögern sich – aber neue Hoffnung für München-Flüge, Westfalen, Greven, Gunnar A. Pier/Ingo Schmitz, 16. Oktober 2025 Die Verbindung von Paderborn nach München wurde von der skyhub PAD ab dem 1. September 2025 mehrmals täglich angeboten. Ende Mai 2026 kündigte die skyhub PAD an, den Flugbetrieb zum 10. Juni 2026 einzustellen. Grund dafür seien zu geringe Nachfrage sowie gestiegene Energiekosten.

Lage und Verkehrsanbindung Der Flughafen Paderborn/Lippstadt liegt auf dem Gebiet der Stadt Büren (im Bereich der Gemarkung Ahden) rund 15 km südwestlich von Paderborn und etwa 20 km ostsüdöstlich von Lippstadt. Unweit südlich des Flughafens verläuft die Bundesautobahn 44 mit der Anschlussstelle Büren, über die der Flughafen direkt zu erreichen ist.

Der Flughafen Paderborn/Lippstadt bindet die Region Ostwestfalen-Lippe an den internationalen Luftverkehr an. Als regionaler Schwerpunkt für die allgemeine Luftfahrt ist er Station für den regionalen Linienluftverkehr und für den sonstigen gewerblichen Luftverkehr, also insbesondere für den Flugtouristikverkehr und auch für den Werksflugverkehr mit Geschäftsreiseflugzeugen. (PDF-Datei); abgerufen am 31. Mai 2023 (PDF-Datei); abgerufen am 31. Mai 2023

Benachbarte Flughäfen