Drebach ist eine Gemeinde und ein Dorf im Erzgebirgskreis in Sachsen (Deutschland).
Geographie mini|Willkommenstafel Lage Das 6 km lange Waldhufendorf Drebach liegt in einem Nebental der Zschopau in südwest-nordöstlicher Richtung. Der Ortsteil Scharfenstein liegt im Zschopautal. Der höchste Punkt des Ortes liegt auf 600 m an der Grenze zu Ehrenfriedersdorf und der niedrigste Punkt an der Zschopau auf 340 m.
Nachbargemeinden Im Osten der Gemeinde liegt Großolbersdorf, im Südosten und Süden Wolkenstein, im Süden Thermalbad Wiesenbad und im Westen Ehrenfriedersdorf und Thum. Gliederung Die Gemeinde umfasst folgende Ortsteile: Drebach Scharfenstein (eingemeindet am 1. Januar 2005) Grießbach (am 1. Januar 1999 nach Venusberg) Im Grund (am 1. Januar 1999 mit Grießbach nach Venusberg) Spinnerei (am 1. Januar 2010 mit Eingemeindung von Venusberg) Venusberg (eingemeindet am 1. Januar 2010) Wilischthal (am 1. Januar 1999 mit Grießbach nach Venusberg) Wiltzsch (am 1. Januar 2010 mit Eingemeindung von Venusberg)
Geschichte mini|Rittergut und Kirche um 1860 Ortsgeschichte mini|Ehemaliges Rathaus in Drebach mini|Gemeindeverwaltung Drebach in Scharfenstein
Am 8. April 1386 wurde Drebach erstmals urkundlich als „Dretebach“ erwähnt. In der Folgezeit unterlag die Schreibweise vielfachen Veränderungen. So schrieb man 1414 „Tartebach“, 1485 „Tretbach“, 1542 „Dreybach“, bis schließlich 1814 die heutige Schreibweise auftauchte. Der Name des Ortes ist mit ziemlicher Sicherheit auf das mittelhochdeutsche Wort draete, drāte (eilig, schnell, rasch) zurückzuführen. Drebach ist also eine Siedlung am eilig, schnell dahinfließenden Gewässer.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, Band I, ISBN 3-05-003728-8, S. 211.
In den Jahren 1518 bis 1587 brachte der Silberbergbau reiche Ausbeute. Mit der Reformation 1539 blieb Drebach eigenständige Parochie mit den Orten Grießbach, Herold und Venusberg. 1588 wurde der erste Kirchschullehrer erwähnt und 1600 die Kirchschule erbaut. Die Kirche wurde 1614 neu errichtet.
Zwischen 1648 bis 1703 war der Arzt und Heilpraktiker David Rebentrost als Pfarrer in Drebach tätig. Er legte den Grundstein für die Krokuswiesen mit einer Fläche von derzeit acht Hektar. 1746 wurde im Heidelbachtal ein Kalkwerk angelegt. Die ersten Strumpfwirker wurden 1785 erwähnt.
1825/1826 erfolgte der Wiederaufbau der bei einem verheerenden Brand am 12. Mai 1823 zerstörten Kirche, des Rittergutes und der Kirchschule. 1866 wurde die mittlere Schule, ab 1915 Gemeindeamt, gebaut. 1877 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Die erste Telefonstation wurde 1884 errichtet. 1889/1900 wurden die Obere und die Untere Schule gebaut. 1896 wurde der Rittergutsbezirk mit der Gemeinde vereinigt. Das Kalkwerk wurde 1901 stillgelegt. 1909 wurde ein Elektrizitätswerk errichtet und 1919 mit dem Aufbau einer Straßenbeleuchtung begonnen.
1926 begann die Verlegung von Gas- und Wasserleitungen. Die Gasversorgung wurde 1928 aufgenommen. In der Nacht zum 15. Februar 1945 wurden bei angloamerikanischen Bombenabwürfen elf Häuser zerstört oder beschädigt und fünf Einwohner getötet. 1959 wurde ein Landkino eröffnet, 1967 eine Schule für den gesamten Ort fertiggestellt. Die Einweihung einer Schulsternwarte auf dem Gelände der Oberschule Drebach erfolgte im Jahre 1969. Am 1. Juni 1986 wurde anlässlich der 600-Jahr-Feier von Drebach eine neue Sternwarte mit Zeiss-Planetarium eröffnet.
Von 1994 bis 2009 waren die damals selbständigen Gemeinden Drebach und Venusberg im Verwaltungsverband Grüner Grund. Zum 1. Januar 2010 erfolgte ihr Zusammenschluss zur Gemeinde Drebach.
Schulgeschichte Drebach verfügte bis zur Einweihung der Karl-Marx-Oberschule im Jahre 1967 über drei Schulen im unteren, mittleren und oberen Ortsteil. Im Jahre 1600 wurde die erste Kirchschule im Drebacher Niederdorf errichtet. Den Unterricht hielt Bartolomäus Petzold (1588–1640). Im Jahre 1823 brannte die Kirche und mit ihr die angegliederte Schule nieder. Bereits ein Jahr später wurde eine neue Kirchschule im heutigen Kantorenwohnhaus eröffnet, 1889/1890 die untere Volksschule mit vier Klassenräumen errichtet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Umwandlung in eine Grundschule mit den Klassenstufen 1 bis 8 statt. Ein zweites Schulgebäude entstand in Oberdrebach 1849. Bereits hundert Jahre vorher begann ein Laienlehrer Kinder in einem Gebäude des Grundstückes Nr. 91 zu unterrichten. 1889/1890 wurde ein Neubau mit zwei Unterrichtsräumen errichtet und 1919 auf fünf Räume, die über drei Gebäude verteilt sind erweitert.
1945 wurde die Struktur in eine Grundschule mit acht Klassen umgewandelt. Im mittleren Ortsteil wurde 1866 ein drittes Schulgebäude mit einem Unterrichtsraum, in dem bis zu vier Jahrgänge gemeinsam mit Klassenstärken bis 70 Schülern unterrichtet wurden, gebaut. 1893 fand eine Erweiterung um einen Raum statt. 1915 wurde das Schulgebäude verkauft und als Gemeindeamt umgestaltet; diese Funktion hat es gegenwärtig noch.
1925 wurde das stillgelegte Elektrizitätswerk in der Nähe des Dorfplatzes in eine Turnhalle und eine Fortbildungsschule mit zwei Räumen umgebaut. In der Folge wurde ein Berufsschulverband für Drebach und Venusberg ins Leben gerufen, der 1950 bereits wieder aufgelöst wurde. Die Turnhalle und die Räume wurden anschließend von der alten Grundschule und später durch die POS, die Oberschule und die 2006 neugegründete Grundschule genutzt. Im Kühlschrankwerk dkk wurden seit 1951 Lehrlinge zu Haushaltsgroßgerätemonteuren ausgebildet.Wochenspiegel Mittleres Erzgebirge, Nr. 28, 11. Juli 2007, S. 4.
Bevölkerungsentwicklung mini|hochkant=2|Panoramablick auf Drebach, Ansicht von der Ehrenfriedersdorfer Straße in Richtung Nordosten Drebach zählt zu den wenigen Dörfern der Region, die dem allgemeinen Bevölkerungsrückgang im Freistaat Sachsen trotzten. Laut dem sächsischen Landesentwicklungsplan 2006 gehörte es im Zeitraum 2003–2006 zu den wenigen Gemeinden im Freistaat mit Geburtenüberschuss: Es wird in der Kategorie Geburtenüberschuss bis fünf Kinder pro tausend Einwohner geführt. So wurden 2005 in Drebach 19 und in Scharfenstein sechs Kinder geboren. Im Folgejahr erblickten in Drebach 26 und in Scharfenstein neun Kinder das Licht der Welt. Kindertagesstätten Der Ort verfügt über drei Kindertagesstätteneinrichtungen. Im Ortsteil Scharfenstein befindet sich die Tagesstätte Sonnenschein am Burgberg. Im mittleren Teil von Drebach befindet sich die größte Tagesstätte in Trägerschaft der evangelisch-lutherischen Landeskirche. Im oberen Teil des Dorfes befindet sich im Bürgerhaus die Tagesstätte Löwenzahn mit 30 Plätzen in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Annaberg/Mittleres Erzgebirge e. V.
Einwohnerentwicklung Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand Januar 2007, ab 2010 auf das Gebiet nach Neugliederung: 1982 bis 1988 1982: 4.056 1983: 4.088 1984: 4.003 1985: 3.944 1986: 3.906 1987: 3.920 1988: 3.8921989 bis 1995 1989: 3.909 1990: 3.820 1991: 3.803 1992: 3.785 1993: 3.747 1994: 3.724 1995: 3.7391996 bis 2002 1996: 3.732 1997: 3.713 1998: 3.695 1999: 3.707 2000: 3.648 2001: 3.648 2002: 3.6122003 bis 2012 2003: 3.636 2004: 3.628 2005: 3.600 2006: 3.534 2007: 3.463 2009: 5.752ab 2010 2012: 5.530 2013: 5.479 2019: 5.117 2020: 5.080 2021: 4.986 2022: 5.045 2023: 5.050
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
Politik
Gemeinderat Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 18 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: CDU: 10 Sitze Bürgerinitiative Drebach BiD e. V. (BiD): 7 Sitze Grüne: 1 Sitz +letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU1053,7948,11157,4Bürgerinitiative Drebach BiD e. V.743,3846,1421,4Grüne13,015,9––BK/BIfG––––211,2Linke––––16,5Kita Sonnenschein e. V.–––––3,5Wahlbeteiligung72,5 %69,9 %57,3 %
Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2024 Swen Drechsler (CDU). +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)1994Lothar Gündelparteilos96,62001Jens HausteinCDU84,7200899,2201071,9201797,92024Swen Drechsler56,0
Gemeindepartnerschaften Eichenau, Bayern Rhaunen, Rheinland-Pfalz Saint-Valérien, Frankreich Valeč, Tschechien
Religion
mini|Ev.-Luth. Kirche Drebach mini|Familienfest im Pfarrhof Drebach mini|Gemeindezentrum Scharfenstein In Drebach finden sich Gemeinden von drei evangelischen Konfessionen. Im Ortsteil Scharfenstein existiert eine evangelisch-lutherische Gemeinde. Ihr am 6. Februar 2005 eingeweihtes Gemeindezentrum befindet sich am Burgberg. Drebach verfügt ebenfalls über eine evangelisch-lutherische Gemeinde mit der Dorfkirche, dem umgebenden Friedhof und dem Pfarrhof in Nachbarschaft des Rittergutes am unteren Ausgang des Ortes. In der Ortsmitte steht unweit des Rathauses ein kleines Kirchgebäude der evangelisch-methodistischen Gemeinde. Am oberen Ausgang des Dorfes befindet sich ein Gemeindezentrum der Landeskirchlichen Gemeinschaft.
Die Scharfensteiner Gemeinde gehört gemeinsam mit Hohndorf, Hopfgarten und Grünau zur evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Großolbersdorf. Drebach ist der Sitz einer eigenen Kirchgemeinde der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, zu der auch Venusberg und Grießbach gehören. Bis ins 19. Jahrhundert gehörte auch Herold dazu, wovon noch heute der durch die Neuen Häuser geradewegs nach Herold führende Kirchsteig zeugt.
Das Gemeindezentrum Scharfenstein verfügt über einen EC-Jugendkreis und über eine Anzahl von sich regelmäßig zum Bibelstudium treffenden Gruppen, wie einen Hauskreis oder einen Rentnerkreis. Daneben gibt es im Rahmen der Kirchenmusik traditionell eine vielfältige musikalische Betätigung eines Chores und eines Posaunenchores.
In der größeren Kirchgemeinde Drebach sind die Aktivitäten umfangreicher. Neben der Trägerschaft des Kindergartens in der Ortsmitte und des Hortes der Grundschule wird auch ein Rüstzeitheim im Pfarrhof betrieben. Dieser befindet sich in der Nähe der Kirche und besteht aus dem Pfarrhaus, einem Nebengebäude und dem 2004 eingeweihten Gemeindezentrum, das an der Stelle der ehemaligen, zum historischen Pfarrhof gehörenden Pfarrscheune errichtet wurde und daher deren Namen trägt. Im Rahmen der kirchlichen Jugendarbeit gibt es in der Gemeinde eine Jungschar, eine Junge Gemeinde und eine Volleyballgruppe. Daneben existieren eine Reihe von Gebetskreisen für verschiedene Zielgruppen.
In zwei Kurrendegruppen, dem Kirchenchor, dem Posaunenchor und dem Kirchenorchester singen und musizieren wöchentlich insgesamt bis zu 180 Personen. Dabei bildet die festliche musikalische Gestaltung der Gottesdienste das Zentrum der Arbeit, ergänzt durch Konzerte vorwiegend in der Oster-, Sommer- und Vorweihnachtszeit.
Zudem besitzt die Gemeinde Drebach eine Junge Gemeinde.
Kultur und Sehenswürdigkeiten siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Drebach Bürgerhaus Das Bürgerhaus wurde im Jahre 2003 in einer ehemaligen, unter Denkmalschutz stehenden Textilfabrik in Oberdrebach Am Zechengrund 4 eingerichtet. Das Ziel der Schaffung dieses Objektes bestand in der Bereicherung des kulturellen Lebens im Dorf. Mittlerweile beherbergt das Gebäude die Kindertagesstätte „Löwenzahn“ der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Annaberg/Mittleres Erzgebirge e. V., eine Arztpraxis, eine Reihe von Veranstaltungsräumen und einige Wohnungen. Der sich anschließende Garten wurde mit vielseitigen Kräuterrabatten ausgestaltet, die als Anschauungsmaterial für Kurse über Kräuteranbau und -nutzung dienen. Bislang fanden unter anderem Vorträge und Lesungen, Aufführungen von Mundarttheater, Kabarettabende und Taiji- oder auch Tschechischkurse im Bürgerhaus statt.
Ausstellungshalle