Venusberg ist ein Ortsteil der sächsischen Gemeinde Drebach im Erzgebirgskreis.
Geschichte Venusberg mit Wiltzsch und Spinnerei mini|links|Gemeindeamt Venusberg mini|Rittergut Venusberg um 1860 mini|Rittergut Venusberg 2017mini|Älteste Arbeitermietskaserne des Erzgebirges von 1843 in Venusberg (Spinnerei), Aufnahme aus dem Jahr 1954
Der Ort wird 1414 erstmals als „Fenichbergk“ urkundlich erwähnt. Zum Rittergut Venusberg gehören 1486 ein Vorwerk, Venusberg, das Dorf „zum Herold“ sowie acht Untertanen in Drebach. Während des Bauernkrieges 1525 erheben sich auch in Venusberg die Bauern. Mit der Reformation 1539 kommt der Ort zur Parochie Drebach. Der Ortsteil Wiltzsch wird 1551 erstmals erwähnt. In der Folgezeit, ab 1612, wechselt das Rittergut häufig den Besitzer. Im Tal der Wilisch wird 1661 eine Mühle mit Bäckerei erwähnt, 1827 wird im Ort eine Spinnerei errichtet, deren Besitzer Oehme 1832 die erste Fabrikschule der Region gründet. Zur gleichen Zeit wird auch die Schüllermühle zu einer Spinnerei umgebaut. Im Ortsteil Venusberg-Spinnerei entsteht 1843 die älteste Arbeitermietskaserne des Erzgebirges (trotz bestehendem Denkmalschutz im Februar 2020 abgerissen). Der Eigentümer der Schüllerspinnerei Johann David Schüller errichtet in den Jahren bis 1858 eine neue größere Spinnerei an der Grenze zu Herold. Eine Schule wird 1861 errichtet, die aber schon 1891 durch einen Neubau ersetzt wird. Mit dem Bau der Schmalspurbahn Wilischthal–Thum erhält der Ort 1886 im Ortsteil Spinnerei und in Gelenau für den Ortsteil Wilitzsch Bahnanschluss. 1899 erhält der Ort einen Telegrafenanschluss. In der Spinnerei wird 1904 eine Fabrikfeuerwehr gegründet. Ein öffentliches Elektrizitätsnetz wird ab 1908 aufgebaut. 1921 wird der Rittergutsbezirk Venusberg aufgelöst. Die Fluren kommen zu Drebach und Venusberg. Wiltzsch erhält 1922 den Anschluss ans Elektrizitätsnetz. Die Freiwillige Feuerwehr wird 1925 gegründet. Die ersten Wasserversorgungsanlagen werden ab 1926 errichtet. Ab 1943 wurden in Teilen der Spinnerei Schüller Rüstungsaufträge der Dessauer Junkers-Werke von weiblichen KZ-Häftlingen durchgeführt („Venuswerke“). Die Zwangsarbeit mussten 1.000 Jüdinnen aus Ungarn sowie aus westeuropäischen Ländern ausführen, die aus dem KZ Ravensbrück und dem KZ Bergen-Belsen herantransportiert wurden und im Außenlager Venusberg des KZ Flossenbürg interniert wurden. Viele starben an Misshandlungen und Hunger. Da die Pfarrämter der Evangelisch-Lutherischen Kirche der umliegenden Orte die Beerdigung der Toten auf den Friedhöfen verweigerten, wurden die Leichen in der Nähe des Lagers verscharrt.
Von 1994 bis 2009 gehörte Venusberg zum Verwaltungsverband Grüner Grund. Bis zur Fusion mit der Gemeinde Drebach am 1. Januar 2010StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010 war Venusberg eine selbständige Gemeinde mit den zugehörigen Ortsteilen Grießbach, Spinnerei, Wiltzsch, Im Grund und Wilischthal. Letzte Bürgermeisterin Venusbergs war Kathrin Sieber.
Einwohnerentwicklung Jahr EinwohnerzahlVgl. 1834 7671871 1.2481890 1.455 Jahr Einwohnerzahl1910 1.4731925 1.5311939 1.633 Jahr Einwohnerzahl1946 1.6821950 1.7751964 1.968
Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand Januar 2007: 1982 bis 1988 1982 – 2.725 1983 – 2.708 1984 – 2.706 1985 – 2.683 1986 – 2.689 1987 – 2.642 1988 – 2.5801989 bis 1995 1989 – 2.586 1990 – 2.587 1991 – 2.513 1992 – 2.581 1993 – 2.597 1994 – 2.632 1995 – 2.4941996 bis 2002 1996 – 2.500 1997 – 2.531 1998 – 2.439 1999 – 2.419 2000 – 2.435 2001 – 2.465 2002 – 2.4292003 bis 2007 2003 – 2.410 2004 – 2.371 2005 – 2.351 2006 – 2.334 2007 – 2.334 2008 – 2.321 Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
Gedenkstätten Eine Gedenkstätte aus dem Jahre 1958 in der Nähe der ehemaligen Feinspinnerei erinnert an über 100 Frauen, die durch Zwangsarbeit im KZ-Außenlager den Tod fanden.
Persönlichkeiten Ludwig Kühn (1893–1977), Politiker, Präsident der Landeshandwerkskammer Sachsen Kurt Meier (1927–2022), lutherischer Theologe und Hochschullehrer Inge Sabine Kleinert (geb. Hackbeil, * 1954), Religions- und Sozialpädagogin, Autorin, wurde in Venusberg-Spinnerei geboren Finnland-institut.de, abgerufen am 18. September 2020.
Literatur
Kurt Scheffler: Venusberg – Wort und Bild aus unserer Vergangenheit. Verein für Geschichte und Traditionspflege e. V.: Venusberg, 2006. Pascal Cziborra: KZ Venusberg. Der verschleppte Tod. Lorbeer Verlag, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-938969-04-5.
Weblinks
Ortsteil Venusberg In: Webauftritt der Gemeinde Drebach.
Einzelnachweise
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