Herbolzheim (alemannisch Härwelze) ist eine Kleinstadt im Südwesten von Baden-Württemberg im Landkreis Emmendingen, etwa 30 Kilometer nördlich von Freiburg im Breisgau.

Geografie

Geografische Lage Herbolzheim liegt im Breisgau am westlichen Rand des Mittleren Schwarzwalds zwischen Freiburg und Offenburg. Etwa 70 % der Fläche erstrecken sich in der Oberrheinischen Tiefebene mit einem tiefsten Punkt von , die restlichen 30 % in der lössbedeckten Vorbergzone des Schwarzwalds mit dem höchsten Punkt des Kahlenbergs von .

Das bedeutendste Oberflächengewässer ist der Bleichbach (auch Bleiche genannt). Er durchfließt die gesamte Gemarkung Herbolzheims von Osten nach Westen, durch den Ortsteil Bleichheim, zwischen Tutschfelden und Wagenstadt hindurch und südlich am bebauten Gebiet des Ortsteils Herbolzheim vorbei, um an der Westgrenze der Gemarkung in die Elz zu münden.

Nachbargemeinden Herbolzheim grenzt im Süden an die Stadt Kenzingen und von dort im Uhrzeigersinn an die Gemeinden Rheinhausen im Breisgau, Rust, Ringsheim, die Stadt Ettenheim und die Gemeinde Schuttertal.

Stadtgliederung Zur Stadt Herbolzheim gehören die Stadtteile Bleichheim, Broggingen, Herbolzheim, Tutschfelden und Wagenstadt. Die räumlichen Grenzen der Stadtteile sind identisch mit den früher selbstständigen Gemeinden gleichen Namens. Mit Ausnahme des Stadtteils Herbolzheim erfolgt die offizielle Benennung durch den vorangestellten Namen der Stadt und diesem nachgestellt die Bezeichnung „Stadtteil“ sowie der Name des Stadtteils. Die Stadtteile Bleichheim, Broggingen, Tutschfelden und Wagenstadt bilden zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender.

Klima

mini|hochkant=1.65|Luftbild von Herbolzheim

Geschichte Gemeinsame und getrennte Schicksale Über lange Zeit teilten die Menschen im gesamten heutigen Stadtgebiet mit seinen fünf Stadtteilen ähnliche Schicksale. Das gilt etwa für die erste Besiedlung in der Jungsteinzeit im 6. bis 3. Jahrtausend v. Chr. Menschen der Michelsberger Kultur lebten im nördlichen Gewann Ehrleshalde ebenso wie südwestlich in Bleichheim und Tutschfelden. In der Spätlatènezeit des 2. bis 1. Jahrhunderts v. Chr. saßen hier keltische Rauriker. Römische Spuren finden sich westlich der Stadt in der Nähe der Anschlussstelle der Autobahn A5, so Reste von Stein- und Holzgebäuden aus dem 2. und 3. Jahrhundert n. Chr., aber auch um Bleichheim und Tutschfelden. Vergleichbare Schicksale ereilten die Menschen der gesamten Region im 17. Jahrhundert im Dreißigjährigen und Holländischen Krieg und in den Kriegen des 20. Jahrhunderts.

Das Leben prägende Unterschiede hatte die Konfessionsbildung nach der Reformation zur Folge. Die alten Gemeinden Herbolzheim und Bleichheim gehörten zu Vorderösterreich und blieben katholisch. Broggingen und Tutschfelden kamen 1535 zur Markgrafschaft Baden-Durlach und wurden evangelisch-lutherisch. Wagenstadt war ein Kondominium badischer und nassauischer Herren, und die Konfessionen wechselten, bis das Dorf 1629 zur katholischen Markgrafschaft Baden-Baden kam. Unterschiedlich wurde das Aufgehen im Großherzogtum Baden nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 erlebt. Für die bereits badischen Orte bedeutete es Kontinuität, für die bislang habsburgischen „eine neue Zeit“:Alfred Graf von Kageneck: Das Ende der vorderösterreichischen Herrschaft im Breisgau. Verlag Rombach, Freiburg im Breisgau 1981, ISBN 3-7930-0365-5, S. 149. „Karlsruhe statt Wien – das schien nur wenigen ein guter Tausch zu sein. Das politische, kulturelle und religiöse Leben der Bevölkerung war von Vorstellungen geprägt, die ihre Wurzeln in Österreich hatten, während es zur protestantischen badischen Landeshauptstadt nur wenig Beziehungen gab.“

Mittelalter und Neuzeit nach Ursprungsgemeinden Herbolzheim Im Mittelalter bildeten sich zwei Siedlungskerne, beide an Schnittpunkten der nord-südlichen Hauptstraße mit West-Ost-Straßen: ein nördlicher beim Rathaus und ein südlicher bei der Pfarrkirche St. Alexius.

Der Ortsname, auf „-heim“ endend, weist auf die fränkische Landnahme hin. Er taucht erstmals um 1108 als „Heribothsheim“ auf, und zwar im Rotulus Sanpetrinus, einem Güterverzeichnis des Klosters St. Peter, wo Diepoldus de Heribothsheim, Dienstmann des Herzogs Berthold III. von Zähringen, eine Schenkung bezeugte. Damals gehörte Herbolzheim zum Herrschaftsbereich der Grafen von Nimburg. 1200 verkauften die Nimburger ihren Besitz an den Bischof von Straßburg. Kirchlich blieb Herbolzheim beim Bistum Straßburg, bis es 1821 an das Erzbistum Freiburg fiel. Der Herbolzheimer Dienstadel, wie jener Diepold, besaß vermutlich eine schon im 13. Jahrhundert abgegangene Burg auf dem Hüttenbühl, einer Kuppe 500 m nordöstlich des Rathauses.Jenisch 2005, S. 72. Im 13. Jahrhundert hatten das Kloster Ettenheimmünster mit einem Hof an der Rusterstraße und das Kloster Tennenbach mit einem Hof an der Schmiedstraße in Herbolzheim Besitz, später kam das Kloster Schuttern mit einem Hof an der Duttensteinstraße hinzu. Die Pfarrkirche St. Alexius und die Margarethenkapelle beim Rathaus werden um 1320 im Tennenbacher Güterbuch erstmals erwähnt. Im 13. und 14. Jahrhundert waren die Üsenberger Vögte der Bischöfe von Straßburg. Sie residierten auf der Kirnburg (Kürnberg) 500 m oberhalb des Ortsteils Bleichheim und hatten im Ort selbst einen Herrenhof westlich gegenüber St. Alexius, den Wilginshof.Jenisch 2005, S. 73. Nach Aussterben der Üsenberger Mitte des 14. Jahrhunderts bemühten sich die Markgrafen von Baden-Hachberg und die Habsburger um die Herrschaft. 1415 kam Herbolzheim an Habsburg und bildete seitdem mit den Orten Bombach, Oberhausen und Niederhausen das vorderösterreichische Amt Kürnberg.Jenisch 2005, S. 25. mini|Hans Bärs reich verzierter Wappenschild Erzherzog Ferdinand von Österreich, der spätere Kaiser Ferdinand II., förderte den gewerbereichen „Flecken“ und gab ihm 1589 das Marktrecht, „dieweil sich dann [die Herbolzheimer] und ihre Vorfahren gegen uns und unserem löblichen Haus Österreich bisher aller gutherzigen, getreuen Gehorsam und Untertänigkeit gezeigt und bewiesen, solches auch noch tun und hinfürter nicht weniger Gehorsamserbietens seien, auch wohl tuen mögen und sollen.“.Hinn 1989, S. 22. 1593 gab Ferdinand dazu das Recht, Wegzölle zu erheben.

1606 verlieh der kaiserliche Rat Johannes Pistorius der Jüngere im Namen seines Herrn, Kaiser Rudolfs II., dem „Marktflecken“ ein neues, verbessertes Wappen. Der „Herbolzheimer Wappenbrief“, im Stadtarchiv aufbewahrt, ist auf Pergament geschrieben, 46 cm hoch und 68 cm breit. In der Mitte des eng geschriebenen Textes prangt der Wappenschild, von Rollwerk und Allegorien der vier Jahreszeiten umgeben, mit dieser Umgebung nur postkartengroß (13 cm hoch und 8,5 cm breit). Gemalt hat das kleine Bild der Pistorius bekannte Hans Bär. Der neue Wappenschild zeigt, in der Sprache Pistorius’:Günther 1991. „Ein in die mitten abwerts abgeteyldter Schildt, deßen rechte seiten in zwey underschiedtliche theyll abgesondert, in welches obern theyll erscheinet deß Hochlöblichen Hauß Österreichß Wappen mit Roth unnd weißer Farben, im undern theyll laßt sich sehen in einer blawen feldung eyn weißer über sich gekehrter Adlers fligell, Auff der linckhen seiten erscheinet in einer gelben feldung ein halber Schwartzer Adler, mit rother ausgestreckther Zungen habende under den Halß eyn Eysenfarbes Pflugeysen.“

Das „Hauß Österreichß Wappen mit Roth unnd weißer Farben“ (der österreichische Bindenschild), der „Adlers fligell“ (das Wappen der Üsenberger) und das „Pflugeysen“ (die Pflugschar) stammen aus dem alten Dorfwappen. Hinzugekommen aber ist „ein halber Schwartzer Adler, mit rother ausgestreckther Zungen“, der halbe schwarze Kaiseradler. Dass Hans Bärs „Kleinod“ noch weiter gehende Deutungen zulässt, hat der Emmendinger Altphilologe Hans-Jürgen Günther in seiner Analyse des Wappenbriefs dargelegt.

Herbolzheim überflügelte zeitweise die Nachbarn Ettenheim und Emmendingen an wirtschaftlicher Prosperität. Dann kam die Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges. Hatte die Zahl der Einwohner um die Mitte des 16. Jahrhunderts etwa 800 betragen, sollen es am Ende des Krieges 1648 noch 50 gewesen sein, und 1692 erst wieder 480. Jedoch haben einige Fachwerkbauten wie das Haus Del Fabro von 1463 in der Oberen Brunnenstraße und das Haus Fey von 1580 in der Steckenstraße die Zerstörungen überstanden. 1680 wurde der Wilginshof an den vorderösterreichischen Kammerrat Georg Ignaz Schmid von Brandenstein übertragen. Um dieselbe Zeit wurde an der Stelle einer älteren Kapelle die Maria-Sand-Kapelle am Ufer des Bleichbachs errichtet. Ein neuer Aufschwung kam um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Zünfte – Leinenweber, Schuhmacher, Wagner, Schmiede, Metzger, Bäcker – wurden neu geordnet. Barocke Bürgerhäuser entstanden mit prachtvollen Portalen, so das ehemalige Gasthaus Krone von 1750, Hauptstraße 41. 1752 bis 1754 wurde an der Stelle der älteren Kirche die katholische Pfarrkirche St. Alexius neu errichtet, 1767 bis 1769 auf älteren Grundmauern ein zweigeschossiges Rathaus. Es beherbergte auch die Schulräume, bis 1790 an der Nordwestecke des Kirchplatzes ein großes Schulhaus gebaut wurde. 1887 aufgestockt, ist es heute katholisches Gemeindehaus.

1805 kam Herbolzheim mit dem vorderösterreichischen Breisgau zum Großherzogtum Baden. Mit Ministerialerlass vom 27. Januar 1810 wurde es „mit Rücksicht auf [seine] ansehnliche Bevölkerung, Gewerbefleiß und Betriebsamkeit“ zur Stadt erhoben. Die Zeremonie fand im Obergeschoss der Krone statt. 1814 wird berichtet:Johann Baptist Kolb: Historisch-statistisch-topographisches Lexicon von dem Großherzogthum Baden. Macklot, Karlsruhe 1814, S. 63 (Digitalisat der UB Karlsruhe). Abgerufen am 24. März 2013. „Herbolzheim, ehedem ein Marktflecken, seit dem 27. Jänner 1810 aber zu einer Stadt erhoben, zählt 1746 Seelen, … Der Ort ist schön, hat viel gute Häuser und eine sehr schöne Kirche, so wie ein schönes Rathhaus. … An Gewerbs- und Handwerksleuten befinden sich hier: 37 Weber, 23 Schuster, 11 Schreiner, 9 Schneider, 8 [Küfer], 8 Hufschmiede, 8 Metzger, 6 Maurer, 4 Zimmerleute, 4 Nagelschmiede, 4 Schlosser, 4 Wagner, 3 Glaser, 3 Sattler, 5 Ziegler, 14 Bäcker … 1 Clavier- und Orgelmacher … und 1 Eisenhändler. Nebst diesen befinden sich hier 3 starke Gesellschaften, welche sich mit dem [Hanftuch] und Tabacks-Handel abgeben, und besonders vom ersten Fabrikate in die tausend Zentner jährlich in die Schweiz, nach Frankreich und in andere Staaten liefern. … Jede Woche ist Donnerstags ein Wochenmarkt. Die Einwohner nähren sich vorzüglich vom Acker- und Weinbau. Der Ackerbau … ist bemerkenswerth, da derselbe von dem Fleiße, und den Kulturfortschritten der Inwohner zeugt, und dem Auge eine gesegnete Hoffnung darbietet. Hanf macht auch eine besondere Nahrungsquelle aus.“ „Nahrungsquelle“ ist der Hanf wegen des Hanföls. Aus der Hanfverarbeitung entwickelte sich die Leinenweberei. 1834 wurde eine mechanische Weberei gegründet, 1854 die erste von drei Zigarrenfabriken. Der Tabak- verdrängte den Hanfanbau. 1845 wurde Herbolzheim an die Rheintal-Eisenbahnlinie angeschlossen, 1880 wurde die Schule, 1891 das Rathaus aufgestockt und seine Fassade verklinkert. 1895 bis 1896 wurde (zugleich für Bleichheim, Broggingen und Tutschfelden) eine zentrale Wasserversorgung mit Leitungen in jedes Haus, 1900 eine elektrische Straßenbeleuchtung eingeführt. 1895 wohnten in Herbolzheim 2500 Menschen, von denen 500 in der Tabakindustrie und 100 in der Leinenweberei beschäftigt waren.Hinn 1989, S. 33. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts kam zur Textil- und Tabakindustrie die Eisenindustrie mit einer Maschinenfabrik und einer Stahl-Hochbau- und Brückenbau-Firma. Aus den Jahren 1907 und 1908 stammt die Evangelische Kirche.