mini|300px|Blick auf Wattenheim
Wattenheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Leiningerland an. Hier ist sie gemessen an der Einwohnerzahl die neuntgrößte und flächenmäßig nach Dirmstein die zweitgrößte Ortsgemeinde.
Geographie Lage und Gliederung Die pfälzische Gemeinde Wattenheim liegt im Leiningerland auf einem leicht ansteigenden Bergkegel am östlichen Rand des Stumpfwalds, der zum Pfälzerwald gehört. Der westliche Teil der Gemarkung reicht bis zum Diemersteiner Wald. Der Osten der Gemarkung liegt im Eisenberger Becken, einem Teil des Rheinhessischen Tafel- und Hügellands. Geologisch liegt Wattenheim auf der älteren Hochterrasse und der jüngeren Hauptterrasse des Eisbachs, der jedoch jenseits der Gemeindegemarkung verläuft.
Zu Wattenheim gehören zusätzlich die Wohnplätze Görlesgrund, Hammermühle, Hetschmühle, Keckenhütte, Neuwoog und Schmelz. Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn Hettenleidelheim, Neuleiningen, Altleiningen, Carlsberg, Exklave von Neuleiningen, Bad Dürkheim, Fischbach, Enkenbach-Alsenborn, Ramsen und Eisenberg (Pfalz).
Erhebungen Im äußersten Westen der Gemarkung befinden sich der hohe Schafkopf sowie der Salzleckerberg und der Heidenberg. Weiter östlich erheben sich die messende Hohe Bühl, deren Südostflanke zum Gemeindegebiet gehört und der hohe Große Türkberg. Mitten im Siedlungsgebiet befindet sich außerdem eine namenlose hohe Erhebung.
Gewässer Durch die Gemarkung fließt in West-Ost-Richtung der Rothbach, ein linker Nebenfluss des Eckbach; teilweise bildet er die Gemarkungsgrenze zu Carlsberg. Vor Ort durchfließt er den Karstweiher und den Hetschmühlweiher. Sein rechter Zufluss Seckenhäuser Brunnenbach bildet auf den letzten hundert Metern vor der Mündung ebenfalls die Grenze zu Carlsberg.
Geschichte Gründung, Leininger und Übernahme durch die Familie Blumencron mini|Amtshaus der Herren von Blumencron mini|hochkant|Wappen derer von Blumencron, Detail vom Gedenkmonument in der Prot. Kirche Wattenheim
Verschiedene Funde lassen darauf schließen, dass schon die Römer in Wattenheim eine Niederlassung gründeten. Die Ersterwähnung von Wattenheim 793 im Lorscher Codex gilt als umstritten. Vermutlich wurde der Ort erstmals 1221 erwähnt. Im 13. Jahrhundert hatte das Templerhaus Kirchheim einige Besitztümer in Wattenheim. Auch das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015, ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (540).
1690 verwüsteten die Franzosen im Pfälzischen Erbfolgekrieg die gesamte Grafschaft Leiningen. Der Landesherr, Graf Philipp Ludwig von Leiningen-Westerburg-Rixingen war dadurch verarmt. Er musste aber die Landesverteidigung finanzieren. So lieh er sich mehrfach Geld bei dem ihm freundschaftlich verbundenen Kurmainzer Oberfeldkriegskommissar Ritter Franz Georg von Blumencron, dem Sohn von Maximilian Adam von Blumencron. 1692 gab er dafür Dorf sowie Gemarkung Wattenheim als Pfand.Würzburger Diözesangeschichtsblätter, Band 67, 2005, S. 372; Angaben zu Franz Georg von Blumencron.Johann Georg Lehmann: „Urkundliche Geschichte der Burgen und Bergschlösser in den ehemaligen Gauen, Grafschaften und Herrschaften der bayerischen Pfalz“, Band 3, Kaiserslautern 1863, S. 316 (Google Books).Georg Melchior von Ludolf: „Electa Iuris Publici“ , Supplementband, 1. Stück, 1725, S. 238 (Google Books). Wattenheim war fast ausschließlich lutherisch, die Familie Blumencron bekannte sich jedoch zur katholischen Kirche. Deshalb schlug der Gläubiger dem Leininger vor, ihm an Stelle von Wattenheim die halbe Ortschaft Obrigheim zu geben, da dort die meisten Untertanen katholisch seien. Damit erklärte sich Graf Philipp Ludwig einverstanden. Oberster Lehnsherr für Obrigheim war der Bischof von Speyer, ohne dessen Zustimmung eine Übertragung nicht möglich war.
Philipp Ludwig von Leiningen sah sich außerstande, seine angehäuften Schulden zu bezahlen. So nahm er einen zusätzlichen Kredit von 4000 Talern auf. Dafür überließ er Familie Blumencron als Kompensation schließlich einen kleinen Anteil seiner Grafschaft. Graf und Ritter von Blumencron schlossen am 16. Februar 1695 einen Vertrag, nach dem letzterer in den uneingeschränkten Besitz des halben Dorfes Obrigheim kommen sollte, sofern der Speyerer Bischof als Oberlehnsherr seine Zustimmung erteile. Andernfalls gelte der Verkauf für Wattenheim. Als nach drei Jahren der Bischof seine Zustimmung noch immer nicht gegeben hatte, verzichtete Blumencron auf Obrigheim und gab sich mit Wattenheim zufrieden. Dies mündete am 17. Mai 1698 in einen neuen Vertrag zwischen Schuldner und Gläubiger. Das Familienwappen der Freiherrn von Blumencron ging ins Gemeindewappen mit ein, wo es noch heute – leicht verändert – präsent ist (siehe Bilder).
Herrschaft Wattenheim
mini|hochkant|Gedenkmonument für Jakob Christoph Peter von Blumencron und seine Frau Maria Anna geborene von Schildeck; Protestantische Kirche Wattenheim mini|hochkant|Epitaph für Ignatius Ferdinand von Vogelius, gestiftet von Frau und Kindern, Liebfrauenkirche (Worms)
Erster Inhaber der Herrschaft Wattenheim war ab 17. Mai 1698 der Kurmainzer Oberfeldkriegskommissar, Ritter Franz Georg von Blumencron (1651–?), Sohn des 1690 von Kaiser Leopold I. nobilitierten Maximilian Adam Ludwig von Blumencron, ein Veteran des Dreißigjährigen Krieges und Land-Commissarius des Fürstbischofs von Würzburg. Er trat die Herrschaft nie persönlich an, sondern hinterließ sie seinen Kindern, die mit wechselnder Federführung gemeinsam die Regierungsgeschäfte ausübten und Wattenheim zu ihrer Residenz ausbauten.
Nachfolger wurde zunächst Franz Georgs Sohn, Maximilian von Blumencron, Obristleutnant im kurpfälzischen Regiment zu Pferde Folleville. Er ließ das Amtshaus Hettenleidelheimer Straße 13 der Herrschaft errichten, in dem zusätzlich der Amtmann residierte; 1725 wurde Maximilian von Blumencron letztmals erwähnt.
Nach ihm übernahm sein jüngerer Bruder Jakob Christoph Peter (1696–etwa 1738) die Ortsherrschaft. Er war Geheimer Rat des Fürstabtes von Fulda,Anton Meißner: Neue Beiträge zur Wattenheimer Orts- und Kirchengeschichte, Teil 1, Verlag Kath. Pfarramt Wattenheim, 2005, S. 96. ließ 1730 das repräsentative Wattenheimer Rathaus erbauen und heiratete 1733 die aus Fulda stammende Maria Anna von Schildeck beziehungsweise Vogelius von Schildeck (1713–1785); sie war die Tochter des fürstäbtlich fuldaischen Kanzlers und Amtmannes zu Bieberstein, Gerhard Georg Vogelius von Schildeck.Heinrich Peter Noll: Aus der Vergangenheit der Pfarrei Hofbieber, Fulda, 1907, S. 12; Scan zu Gerhard Georg Vogelius von Schildeck. Diese wurde später durch den frühen Tod ihres Mannes und ihre relativ lange Lebenszeit zur bedeutendsten Besitzerin des Ortes. Sie war bei ihren Untertanen äußerst beliebt, aus diesem Grund wurden ihr und ihrem jung verstorbenen Gatten nach dem Tode auf dem Wattenheimer Friedhof neben der damaligen Simultankirche – mittlerweile ausschließlich protestantische Kirche – ein Gedenkmonument errichtet. Offenbar in der Franzosenzeit beschädigt, befinden sich die erhaltenen Teile inzwischen innerhalb der Kirche. In der Gedenkinschrift heißt es unter anderem über die 1785 in Worms Verstorbene:
Einziges die Eltern überlebendes Kind von Jakob Christoph Peter von Blumencron und seiner Frau Maria Anna geborene von Schildeck war die Erbtochter Helene von Blumencron (1738–1802), die am 5. November 1771 in Wattenheim den Freiherrn Ignatius Ferdinand von Vogelius (1740–1784) heiratete, der aus der gleichen Familie wie ihre Mutter stammte.C.A. Starke: Genealogisches Handbuch des Adels, Band 134, 2004, S. 288; Ausschnitt zur Familie Vogelius bzw. von Schildeck. Die jungen Eheleute wurden bereits zu Lebzeiten der Mutter Mitregenten der Herrschaft Wattenheim. Als Mit-Ortsherr legte Ignatius Ferdinand von Vogelius 1772 den Grundstein zum barocken Erweiterungsbau der Simultankirche des Ortes (heutige protestantische Kirche).Anton Meißner: Neue Beiträge zur Wattenheimer Orts- und Kirchengeschichte, Teil 1, Verlag Kath. Pfarramt Wattenheim, 2005, S. 107. Nach dem frühen Tod des Gatten 1784 und dem Ableben der Mutter ein Jahr später regierte die verwitwete Freifrau Helene Vogelius geborene von Blumencron den Ort alleine, bis sie durch französische Revolutionstruppen vertrieben wurde; ihre beiden Töchter Maria Anna Friederike (1775–1844) und Maria Agnes Carolina (1778–?) gelangten nicht mehr zur Regentschaft. Seit der Regierungsübernahme durch Helene von Vogelius trug die Ortsherrschaft den Doppelnamen Blumencron-Vogelius.Berichte zur deutschen Landeskunde, Band 63, 1989, S. 490.
Ab Ende des 18. Jahrhunderts Im Ersten Koalitionskrieg fanden zwischen 1793 und 1795 in der Umgebung von Wattenheim Kampfhandlungen statt, das gesamte Gebiet wurde zeitweise französisch besetzt. 1793 floh die verwitwete Ortsherrin mit ihren beiden Töchtern vor den französischen Revolutionären nach Fulda. Die französische Republik beschlagnahmte das gesamte Wattenheimer Eigentum der freiherrlichen Familie. 1797 kam das Dorf im Frieden von Campo Formio – endgültig bestätigt durch den Vertrag von Lunéville (1801) – zum Kanton Grünstadt des französischen Département du Mont-Tonnerre (Donnersberg) mit Regierungssitz in Mainz. Um 1800 wurde Wattenheim Hauptort – französisch chef-lieu – einer Mairie. Kurz vor ihrem Tod klagte Helene von Vogelius 1802 gegen den französischen Staat, an den das Gebiet mittlerweile übergegangen war, auf Rückgabe ihrer Güter. Dies wurde gewährt, jedoch ohne Anspruch auf eine Entschädigung. Wie sich aus einem Stiftungsvermerk von 1821, im Wattenheimer katholischen Kirchenbuch ergibt, scheint sich zumindest die Tochter Maria Anna Friederike, verheiratet mit Freiherr Carl Friedrich Wilhelm von Ziegesar, auch später zeitweise in Wattenheim aufgehalten zu haben. Die Eheleute von Ziegesar wohnten in Mannheim und ließen im Dezember 1831 ihre Wattenheimer Güter an eine Vielzahl von örtlichen Privatinteressenten versteigern.Amts- und Intelligenzblatt des Königlich Bayerischen Rheinkreises, Jahrgang 1831, S. 890–895 Scan.
1815 hatte Wattenheim insgesamt 770 Einwohner. Nach dem Sturz Kaiser Napoleons fiel aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und eines Tauschvertrags mit Österreich die Pfalz 1816 zum Königreich Bayern. Unter der bayerischen Verwaltung gehörte die Gemeinde Wattenheim zum Landkommissariat Frankenthal; aus diesem ging das Bezirksamt Frankenthal hervor.
Ab 1939 war Wattenheim Bestandteil des Landkreises Frankenthal (Pfalz). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte die Gemeinde am 7. Juni 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später wurde Wattenheim Bestandteil der ebenfalls neu entstandenen Verbandsgemeinde Hettenleidelheim, ehe diese 2018 in der Verbandsgemeinde Leiningerland aufging.
Religion Christentum mini|Ehemaliges katholisches Pfarrhaus von Wattenheim
Die Katholiken gehören zum Bistum Speyer und unterstehen dort dem Dekanat Bad Dürkheim, die Evangelischen zur Protestantischen Landeskirche der Pfalz.