mini|Maria Bill (2014) Maria Bill (* 15. November 1948 in Trogen, Schweiz) ist eine Schweizer Schauspielerin und Sängerin.
Leben Herkunft und Jugend Maria Bill ist eine von vier Töchtern von Arthur Bill und seiner Frau Berta. Ihre Eltern arbeiteten im internationalen Kinderdorf Pestalozzi in Trogen in Appenzell Ausserrhoden, deshalb wuchsen die vier Schwestern auch dort auf. Aufgrund der Internationalität im Dorf lernte Bill die Lust an Sprachen und am Imitieren dieser. Einmal jährlich wurde den Kinderdorfpaten eine Tanz- und Gesangsvorstellung der Kinder geboten, wodurch Bills Interesse am Schauspiel geweckt wurde.Gerhard Stöger, Wolfgang Kralicek: “Als Omi werde ich das nicht mehr machen”. Die Schauspielerin Maria Bill über Hippies und Drogen, über ihr Comeback als Sängerin - und das relative Hemd. In: Falter, Wochenheft 39/2012, S. 32f. (Online auf falter.at. Abgerufen am 13. Juli 2015.)
Ausbildung und Karrierebeginn Anfang der 1970er Jahre wurde Maria Bill von ihrer Mutter, die ihrerseits daheim Lieder der Piaf gesungen hatte (vgl. Abschnitt Musikkarriere unten), nach Zürich auf die Schauspielschule geschickt. 1971 bis 1974Vgl. Biographie auf der Website von Maria Bill. Abgerufen am 13. Juli 2015. hatte sie ihr erstes Engagement am Zürcher Theater am Neumarkt unter Horst Zankl. Nach drei Jahren als Ensemblemitglied wurde sie von den Kollegen per Ensemblebeschluss hinausgeworfen:
Auf Anregung des damals noch jungen späteren Regisseurs Christoph Marthaler, den Bill als Straßenmusiker in Zürich kennenlernte, kam sie anschließend auf die Theaterschule von Jacques Lecoq in Paris: Dort setzte sie sich auch mit ihrem komödiantischen Talent auseinander.
Zurückgekehrt nach Zürich, wollte sie gemeinsam mit einem Clownkollegen und einem Kastenwagen durch die Lande touren. Zu dieser Zeit gastierte in Zürich auch Hans Gratzer mit seinem „Flittertheater“, den Bill dort ebenso kennenlernte wie sein „Truppenmitglied“ Michael Schottenberg, ihren späteren Ehemann:
Schauspielkarriere in Österreich Bill war sodann ab Gründung im Jahr 1978 beim ersten Ensemble des Wiener Schauspielhauses dabei. Der Gründer Gratzer hatte fünf Premieren hintereinander angesetzt, wobei das Haus nach der Adaption auf Theater vom Ensemble selbst noch fertig hergerichtet werden musste: Große Bekanntheit erlangte die Bill im Jahr 1982 mit einem am Schauspielhaus gespielten und gesungenen Stück über das Leben der Édith Piaf, für das sie mit der Kainz-Medaille der Stadt Wien ausgezeichnet wurde. Es folgte 1982/83 eine Tournee in die Schweiz und nach Deutschland mit Auszeichnung mit dem Goldenen Theatertaler der Stadt Berlin.
In der Folge spielte sie unter anderem im Theater in der Josefstadt, am Burgtheater und in Michael Schottenbergs Theater im Kopf. Von 1995 bis 2004 wurde sie von Emmy Werner am Volkstheater engagiert. Für ihre Darstellung der Salome Pockerl in Nestroys Der Talisman erhielt sie den Karl-Skraup-Preis, als Bertolt Brechts Mutter Courage feierte sie ebenfalls Erfolge. Auch in der Direktionszeit ihres Ehemanns Michael Schottenberg ab der Spielsaison 2005/06 war Maria Bill auf der Bühne des Volkstheaters zu sehen, darunter als Sally Bowles in Cabaret (2007), in Wer hat Angst vor Virginia Woolf sowie in Hiob. In der Spielzeit 2013/2014 stand sie (ORF/Ö1): Sie spielte in Glorious (Regie: Michael Schottenberg) die (ORF/Ö1), Florence Foster Jenkins. In: Heute, 30. September 2013. Ab Februar 2014 spielte sie mit Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui (Regie: Schottenberg) in einem weiteren Stück von Bertolt Brecht die Titelrolle.Ö1 Klassik-Treffpunkt: Live aus dem RadioCafe. Gast: Maria Bill. Präsentation: Albert Hosp. Sendung vom 11. Jänner 2014. Abgerufen am 13. Juli 2015.Petra Paterno: Volkstheater: Das Ui-Paradox: In: Wiener Zeitung, 24. Februar 2014. Abgerufen am 13. Juli 2015.
Bei den Salzburger Festspielen in den Jahren 1999 und 2010 verkörperte sie im Jedermann die Guten Werke.Martin Weber: (PDF; S. 38f.) In: LAMBDA-Nachrichten, Heft 01/07, 27. Jänner 2007. Abgerufen am 13. Juli 2015.
Im September 2010 fasste Maria Bill in ihren Dankesworten anlässlich des ihr verliehenen Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien ihre Zeit in Wien zusammen mit:
mini|Maria Bill im Jahr 1985 beim Austria Rockfestival in Voitsberg
Musikkarriere Ausgangspunkt ihrer musikalischen Karriere waren Bills Auftritte über die Piaf:
Christian Kolonovits als ihr Produzent und Maria Bill sichteten daraufhin ihren vorhandenen Liederbestand und sortierten aus. Obwohl die beiden am nächsten Tag aus den aussortierten Liedern wieder welche hinzunahmen, blieben es für eine (erste) Langspielplatte zu wenige, woraufhin Kolonovits meinte, Bill müsse noch etwas schreiben. Als ihr dann an einem weiteren Tag der zukünftige Hit „I mecht landen“.
Mit dem 1983 veröffentlichten Debütalbum (LP) Maria Bill gelang es ihr, im folgenden Jahr in den Spitzenbereich der Hitparade vorzudringen. Der darauf enthaltene Titel I mecht landen gilt als erfolgreicher Vertreter des Austropop. Im September 2012 wurde ihr schon seit längerer Zeit vergriffenes Album von 1983 unter dem Titel Anniversary Edition sowie mit ihren Liedern bis 1987 auf einer Doppel-CD neu veröffentlicht. Mit einem Großteil dieser Lieder ging der „Kurzzeit-Austropop-Star“ (Falter), beginnend am 5. Oktober im Wiener Konzerthaus, auf Abschiedstournee.Thomas Netopilik: Maria Bill: "Ich höre sicher nicht auf! Bill im Interview mit Bezirkszeitung/meinbezirk.at, 23. September 2012. Abgerufen am 13. Juli 2015.Maria Bill: Blick zurück in Dur und Moll sowie Maria Bill: Ein Abschied mit viel Gefühl. In: Kurier, 12. September und 6. Oktober 2012. Abgerufen am 13. Juli 2015.
Neben der Interpretation der eigenen Lieder zählen ihre musikalischen Programme mit Chansons von Édith Piaf und Jacques Brel zu ihren Erfolgen. Immer wieder singt sie weiterhin unter den Titeln Maria Bill singt Édith Piaf, Maria Bill singt Jacques Brel sowie Maria singt Bill auf verschiedenen Bühnen im deutschsprachigen Raum.
Im Oktober 2014 – in der Abschiedssaison von Michael Schottenberg – war Maria Bill mit Liedern von Kurt Weill und Bertolt Brecht auf der Bühne des Volkstheaters.Norbert Mayer: Maria Bill macht die »Sieben Todsünden« zum Triumph: In: Die Presse, Printausgabe 12. Oktober 2014. Abgerufen am 13. Juli 2015.Zum Abschied ein grandioses Solo der Maria Bill. "Die sieben Todsünden" nach Brecht/Weill. In: Kleine Zeitung, 11. Oktober 2014. Abgerufen am 13. Juli 2015.
Film und Fernsehen Dem Publikum ist sie auch durch Rollen in den Fernsehserien Kottan ermittelt und Trautmann bekannt, in den Filmen Das Geheimnis (1992), Averills Ankommen (1992) und Das zehnte Jahr (1995) spielte sie Hauptrollen. 2006 spielte sie die Prostituierte Herta im Spielfilm Slumming von Michael Glawogger. 2019 war sie in Vienna Blood – Die letzte Séance unter der Regie von Robert Dornhelm in der Rolle der Isolde Sedlmair, 2022 in der Nöstlinger-Verfilmung Geschichten vom Franz zu sehen. Sie trat außerdem in TV-Shows wie in Denk mit Kultur (2016) oder Weltberühmt in Österreich – 50 Jahre Austropop auf.
Hörspiel und Hörbücher Maria Bill beteiligte sich an Hörspielen. Das 1981 erschienene Kinderbuch Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel von Mira Lobe und Winfried Opgenoorth wurde 1993 von Erich Meixner vertont. Sie leiht darin der Hauptfigur Valerie ihre Stimme.
mini|Tany Gabriel, Maria Bill, Michael Schottenberg (2014) Privates Maria Bill war 35 Jahre mit dem Schauspieler, Regisseur und ehemaligen Direktor des Volkstheaters Michael Schottenberg verheiratet. Ende 2011 machten sie die Trennung öffentlich.Schottenberg & Bill: Erfolgreiches Theaterpaar geht künftig einvernehmlich getrennte Wege. In: News/APA, 29. Dezember 2011. Abgerufen am 13. Juli 2015. Maria Bill spricht von ihm, ohne den Vornamen zu nennen, als (dem) "Schotti".
Deren beider Sohn ist der österreichisch-schweizerische Schauspieler und Musiker Tany SchottenbergVgl.: Home > Theaterproduktionen > Theater 2012/2013: Website der filmacademy Internationale Schauspielschule für Theater, Film und Fernsehen. Abgerufen am 13. Juli 2015. (* 1988), der aus seinen beiden Vornamen seinen Künstlernamen Tany Gabriel gebildet hat.Vgl. Mirjam Marits: Zwischen Metal und Theater Und grün hinter den Ohren. In: Die Presse, Printausgabe 22. Februar 2014. Abgerufen am 13. Juli 2015.
Maria Bill lebt in Wien-Neubau und fährt in der Stadt mit dem Fahrrad. Sie beherrscht die im Appenzeller Raum Talerschwingen genannte Technik, wobei eine 5-Franken-Münze in einer Tonschüssel kreisen gelassen wird.
Über Maria Bill
Filmografie (Auswahl) 1972: Fegefeuer in Ingolstadt (Fernsehfilm) 1976: Riedland 1979: Der Diener zweier Herren (Fernsehfilm) 1980–1982: Kottan ermittelt (Fernsehserie, 3 Folgen) 1981: Wie der Mond über Feuer und Blut (Fernsehfilm) 1981: Den Tüchtigen gehört die Welt 1981: Die Weltmaschine (Fernsehfilm) 1981–1982: Familie Merian (Fernsehserie, 5 Folgen) 1984: Lebenslinien (Fernsehserie, 1 Folge) 1992: Averills Ankommen 1993: Das Geheimnis 1995: Das zehnte Jahr 1997: Crazy Moon (Fernsehfilm) 2000: Jedermann (Fernsehfilm) 2003–2004: Trautmann (Fernsehserie, 2 Folgen) 2004: Die Dreigroschenoper (Fernsehfilm) 2005: Ainoa 2006: Slumming 2013: Schnell ermittelt (Fernsehserie, 1 Folge) 2017: MappaMundi 2019: Vienna Blood (Fernsehserie, Folge Die letzte Séance) 2021: Die Dreigroschenoper (Fernsehfilm) 2022: Geschichten vom Franz 2023: Neue Geschichten vom Franz
Auszeichnungen 1979: Förderungspreis zur Kainz-Medaille 1982: Kainz-Medaille der Stadt Wien 1983: Goldener Theatertaler der Stadt Berlin 2002: Karl-Skraup-Preis 2002 und 2005: Nominierungen für den Amadeus Austrian Music Award 2010: Karl-Skraup-Preis 2010: Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien 2014: Kammerschauspielerin 2014: Dorothea-Neff-Preis in der Kategorie Publikumsliebling
Diskografie 1983: Maria Bill (LP, Polygram; ausgezeichnet mit Gold) 1985: Jetzt (LP, Polygram) 1987: Bill Drei (LP, Polygram) 1997: Maria Bill singt Édith Piaf (LP, BMG-Reverso) 1998: Master Series - Maria Bill (LP, Polygram) 2001: Maria Bill singt Jacques Brel (Extraplatte) 2005: Jung & Schön (Universal) 2012: I mecht landen - Anniversary Edition (Doppel-CD, Universal) 2013: BILL singt PIAF (CD, Hoanzl)
Literatur
Weblinks
Persönliche Website von Maria Bill Maria Bills Profil auf der Website des Volkstheaters
Einzelnachweise
Kategorie:Liedermacher Kategorie:Popsänger Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Musiker (Österreich) Kategorie:Nestroypreisträger Kategorie:Träger der Kainz-Medaille Kategorie:Träger des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien Kategorie:Karl-Skraup-Preisträger Kategorie:Kammerschauspieler Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1948 Kategorie:Frau