mini|Rathaus Lüttringhausen
Lüttringhausen ist ein Stadtbezirk von Remscheid mit 17.108 Einwohnern, der bis 1929 eine selbstständige Stadt war. Bundesweit bekannt wurde Lüttringhausen durch den ehemaligen Fußballproficlub BV 08 Lüttringhausen, der von 1982 bis 1984 in der 2. Fußball-Bundesliga spielte und mittlerweile im FC Remscheid aufgegangen ist.
Im Südwesten von Lüttringhausen liegt das große Gelände der vor allem für das Bergische Land zuständigen psychiatrischen Klinik Evangelische Stiftung Tannenhof. Auf dem Terrain des ehemaligen Gutshofs der Stiftung ist das Christliche Hospiz Bergisch Land für Remscheid, Radevormwald, Hückeswagen und Wermelskirchen in Planung.
Bekannt ist auch die am Rande in Richtung Klausen gelegene Justizvollzugsanstalt Remscheid.
Gliederung Der Bezirk Lüttringhausen gliedert sich in die Stadtteile Lüttringhausen Mitte, Klausen, Großhülsberg, Garschagen, Schmittenbusch, Stursberg, Dörrenberg, Goldenberg und Lüttringhausen West. Weitere Ortslagen und Hofschaften in Lüttringhausen sind etwa Grünenplatz, Grund, Kranenholl, Leyermühle und Stollen.
Geschichte Die Endung -inghausen lässt auf eine Besiedlung im 9./10. Jahrhundert durch die Borchter schließen, die an der mittleren Ruhr lebten und bis zu Karls Sachsenkriegen unter sächsischer Herrschaft standen.
1189 wurde das Kirchspiel Lüttringhausen erstmals in Urkunden als Besitz der Grafschaft Berg genannt. Der Hauptort Lüttringhausen wurde 1240 an die bergische Ministerialadelsfamilie Familie von Bottlenberg verliehen und zur Freiheit ernannt. Das Lehen bestand bis 1824.
1211 war in den Niederlanden der Orden der Kreuzherren gegründet worden, die 1289 in Beyenburg ein Kloster errichteten und seither dort ansässig sind. 2012 lebten von den letzten acht Kreuzbrüdern in Nordrhein-Westfalen noch zwei in Beyenburg. Zu deren Hauptpatronin wurde 1287 die Heilige Odilia, als ein Kreuzbruder die Gebeine der Heiligen in Köln entdeckt hatte. 1964 wurde ein Teil der Reliquien in einer feierlichen Prozession nach Beyenburg gebracht, wo sie in der Klosterkirche St. Maria Magdalena verehrt werden.
In den umliegenden Höfen des Kirchspiels übten dagegen die bergischen Grafen die Grundherrschaft aus. Bis 1407 war das Kirchspiel Lüttringhausen Teil des bergischen Amtes Bornefeld, wurde aber am 8. Oktober des Jahres dem bergischen Gefolgsmann Eberhard von Limburg verpfändet, dem Amtmann des bergischen Amtes Beyenburg. Ursprünglich hatte das Kirchspiel Lüttringhausen aus den Honschaften Hohenhagen, Erbschloe, Garschagen und Walbrecken bestanden. Eberhard fügte das Kirchspiel seinem Amt Beyenburg hinzu, wo es bis zum Ende des Herzogtums Berg 1806 verblieb. In diesem langen Zeitraum lagen auch die Höfe der Honschaft Erbschloe im Kirchspiel Lüttringhausen, die heute zu Wuppertal gehören.
Die alte Handelsstraße der Hanse von Brügge nach Lübeck führte als Hauptachse für das Transportwesen durch Lüttringhausen, dann weiter nach Lennep (das auch Mitglied der Hanse war) und weiter ins Sauerland. Um die Zeit der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert entsandte man vom Hof Olpe den „Alf ut der Olpe“ in den Bereich der Hanse. 1406 wurde er Ratsherr in der Hansestadt Riga.
1733 kam es zu einem großen Brand des Ortes. mini|185x185px|Lüttringhauser Wappen 1850 waren auch Unternehmen in Lüttringhausen von einem Streik der Textilarbeiter betroffen. Auf Antrag wurden Lüttringhausen am 18. August 1856 die preußischen Stadtrechte verliehen.
Lüttringhausen erhielt 1893 auf Antrag ein Wappen. Dessen Beschreibung lautet: In Silber (Weiß) geteilt durch einen schwarzen Wechselzinnenbalken (geht auf die Dienstmannen derer von Bottlenberg zurück), oben einen steigenden blaubewehrten roten Löwen (Bergischer Löwe) und unten ein rotes Kreuz, welches für die Kreuzherren aus Beyenburg steht. Das Oberwappen besteht aus einer silbernen (weißen) Mauerkrone mit drei Türmen und einem roten Tor.
Mit dem Gesetz über die kommunale Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets wurde die Stadtgemeinde Lüttringhausen 1929 aufgelöst. Der größte Teil wurde nach Remscheid eingemeindet, der Ortsteil Beyenburg zur neuen Stadt Barmen-Elberfeld.
Persönlichkeiten Ein berühmter Sohn der Stadt ist der Reformator und Märtyrer Adolf Clarenbach, der um 1497 auf dem Buscherhof bei Lüttringhausen geboren wurde und wegen seiner Überzeugung 1529 in Köln-Melathen den Feuertod starb. Ein Denkmal an der Lüttringhauser Straße erinnert an ihn, und auch sein Geburtshaus in der Hofschaft Buscherhof ist 800 Meter westlich des Denkmals erhalten. Aus Heidt (seinerzeit Lüttringhausen, heute zu Wuppertal-Ronsdorf gehörend) stammt Daniel Schürmann (1752–1838). Er war ein angesehener Pädagoge, der auch mehrere Lehrbücher verfasste, so ein Praktisches Schulbuch zur Rechenkunst und Geometrie, eine Ausgabe Algebra und einen Entwurf zur Prüfung von Lehrern. Noch heute ist die Redewendung „nach Schürmanns Rechenbuch“ in der Stadt eine geläufige Bezeichnung, wenn es um die Richtigkeit einer Rechenaufgabe geht. Ebenso arbeitete der Lehrer Friedrich Wilhelm Dörpfeld in der damals zu Lüttringhausen gehörenden Volksschule Heidt und starb in Ronsdorf. Auch in Lüttringhausen geboren wurde am 5. Juni 1773 der Naturwissenschaftler Kaspar Georg Karl Reinwardt, der in Bogor bei Djakarta den 87 Hektar großen botanischen Garten Kebun Raya anlegte. Ferdinand Möllmann, * 2. Januar 1791 in Lüttringhausen; † 20. November 1854 in Iserlohn, war Großhändler, frühindustrieller Unternehmer und Mitgründer des Iserlohner Unternehmens Kissing & Möllmann. August Erbschloe gehörte dem Stadtrat an und war Beigeordneter, Richard Gertenbach prägte über 35 Jahre als Bürgermeister die Infrastruktur und das Bild der Stadt. Otto Lange, * 12. September 1878 in Lüttringhausen; † 6. Februar 1953 in Wiesbaden, war Politiker und Bürgermeister von Nastätten/Provinz Hessen-Nassau und Weißwasser/Oberlausitz. Ewald Platte, * 9. Oktober 1894 in der Honschaft Garschagen im heutigen Untergarschagen in Lüttringhausen; † 27. Dezember 1985 in Opladen, war ein deutscher Maler des Expressionismus. Nach dem am 19. Oktober 1900 in Lüttringhausen geborenen und am 17. Januar 1945 im KZ Dachau gestorbenen evangelischen Pfarrer und Mitglied der Bekennenden Kirche, Ludwig Steil, wurden der Platz vor der evangelischen Kirche sowie ein Patientenhaus der Evangelischen Stiftung Tannenhof benannt. Ernst Oberhoff (1906–1980) war ein bergischer Maler, Plastiker und Grafiker, der die Türen der Lüttringhauser Stadtkirche gestaltete. Ludwig Poullain (1919–2015) war Bankier und Vorstandsvorsitzender der Westdeutschen Landesbank (1968–1977) sowie Präsident des Deutschen Sparkassenverbandes (1968–1974). Christine Urspruch (* 1970) wuchs in Lüttringhausen auf und besuchte das Röntgen-Gymnasium in Remscheid-Lennep. Seit 2002 spielt sie im Tatort Münster die Rolle der Rechtsmedizinerin Silke Haller.
Infrastruktur Verkehr mini|Alstom Coradia LINT 41 vor dem alten Bahnhofsgebäude mini|Haltepunkt Lüttringhausen
Der Haltepunkt Remscheid-Lüttringhausen liegt an der Bahnstrecke Wuppertal-Oberbarmen–Opladen und wird von der S-Bahn-Linie S 7 Der Müngstener der S-Bahn Rhein-Ruhr von Wuppertal Hauptbahnhof nach Solingen Hauptbahnhof bedient. Erstmals fand Lüttringhausen im Jahr 1868 Anschluss an das nationale Schienennetz. Damals wurde die Eisenbahnstrecke Wuppertal-Oberbarmen–Lennep über Ronsdorf und Lüttringhausen gebaut und in der von-Bottlenberg-Straße ein attraktives Bahnhofsgebäude errichtet.
Bis in die 1960er Jahre bestanden vor allem in Ronsdorf und Lüttringhausen zahlreiche Werksanschlüsse, weil viele einheimische Betriebe ihren Warenbetrieb darüber abwickelten. Außerdem bestand an der Grünenplatzstraße das Gebäude der Güterabfertigung, in dem sich die Annahme- und Abgabestelle für Fracht- und Expressgüter befand.
Die Autobahn A1 tangiert Lüttringhausen im Osten; die Abfahrt „Wuppertal-Ronsdorf/Lüttringhausen Nord“ liegt etwa 2 km vom Ortskern entfernt an der Stadtgrenze zu Wuppertal. An der Grenze zum Stadtteil Lennep wurde am 8. November 2006, nahe „Blume“ die Anschlussstelle „Remscheid-Lennep / Lüttringhausen Süd“ eröffnet. Die Landesstraße 58 (ehemals Bundesstraße 51) führt unmittelbar durch Lüttringhausen, ebenso die Landesstraßen 417 und 81.
Bildung Das Leibniz-Gymnasium (Lockfinker Straße 23), die Grundschule Adolf Clarenbach (Pestalozzistraße 17), die Gemeinschafts-Grundschule Eisernstein (Lockfinker Str. 23), die Katholische Grundschule (KGS) in der Richard-Pick-Straße, die Gemeinschafts-Grundschule Goldenberg (Remscheider Straße 239) sowie die Naturschule Grund (Grunder Schulweg) liegen in Lüttringhausen.
2013 brannte die Grundschule Eisernstein an ihrem alten Standort ab. Gleichzeitig wurde die Hauptschule Klausen wegen rückläufiger Schülerzahlen zum Ende des Schuljahrs aufgelöst. Dann zog die Eisernstein-Schule zunächst als Notlösung in die Lockfinker Straße, ehe der Stadtrat beschloss, dass das Leibniz-Gymnasium und die Grundschule zukünftig das Schulzentrum Klausen bilden sollten. Einige räumliche Ergänzungen wurden dadurch nötig.
In der Hofschaft Halbach wird auf dem Gelände der ehemaligen Grundschule von dem privaten Trägerverein „Integrative Montessori-Kinderhaus für Hochbegabte e. V.“ eine spezialisierte Kindertagesstätte betrieben.
Hilfsorganisationen Deutsches Rotes Kreuz Freiwillige Feuerwehr Lüttringhausen Malteser Hilfsdienst
Sehenswürdigkeiten und Kultur Kirchen mini|Evangelische Stadtkirche im Vordergrund, katholische Kirche und Rathausturm im Hintergrund Es gibt folgende Kirchen in Lüttringhausen: die 1735 erbaute Evangelische Stadtkirche Lüttringhausen am Ludwig-Steil-Platz, älteste Kirche im Ort die 1925–1927 errichtete katholische Heilig-Kreuz-Kirche in der Richard-Pick-Straße die evangelische Kirche auf dem Gelände der Evangelischen Stiftung Tannenhof an der Remscheider Straße die evangelische Kirche Goldenberg am Goldenberger Kirchweg die neuapostolische Kirche an der Lindenallee
Andere bedeutende Gebäude mini|Wasserturm von 1914 (bis 1973 in Betrieb) Weitere bedeutende Gebäude in Lüttringhausen sind der ehemalige Lüttringhauser Wasserturm von 1914 auf der Garschager Heide nahe der A 1 das 1907–1908 erbaute, historische Rathaus Lüttringhausen (Kreuzbergstraße 15) die Justizvollzugsanstalt Remscheid in der Masurenstraße das Gelände der Freilichtbühne am Ludwig-Steil-Platz, auf dem seit den 1930er Jahren volkstümliche Theaterstücke (seit 1954 vom Theaterverein „Lüttringhauser Volksbühne“) unter der Bezeichnung „Bergische Heimatspiele“ aufgeführt werden denkmalgeschützte Häuser in der Altstadt rund um die evangelische Stadtkirche – die meisten von ihnen Schiefer- oder Fachwerkhäuser sowie Gebäude im Jugendstil Das Haus Felderhof 1 steht im Jahr 2015 unter Denkmalschutz. Die drei Gebäude im Ensemble „Wiedenhof“ stehen unter Denkmalschutz. Jahn-Turnhalle in der Klausener Straße.
Denkmalschutz Unter Denkmalschutz stehen (im Jahre 2015) u. a.: Adolf-Clarenbach-Straße 1, 2, 3, 5, Jüdischer Friedhof Am Singerberg 1, 6 Birgdener Berg 12 Buscher Hof 3 Clemenshammer 5, 47/49, 48, 50, 51 Elbersstraße 5 Farrenbracken 1 Felderhof 1 Garschager Heide 43 – Wasserturm Gerberstraße 2, 4, 13, 15 Gertenbachstraße 1, 2, 4, 7, 11, 13, 16, 18, 30, 32, 34, 36 Goldenberger Kirchweg 2 Gründerhammer 1 Grund 11, 25, 28/30, 33, 35, 40, 43 Grunder Schulweg 1, 13, 38 Halbach 1, 1a, 7, 8, 17 Hermannsmühle 1, 3 Heusiepen 2 Klausen 11, 18, 24 Klausener Straße 5, 7 – Turnhalle, Transformatorhaus, Sportplatz Kreuzbergstraße 15, 22 Langenhaus 29, 31, 46, Ehrenmal Leyermühle: Hilbertzhammer Linde 161 Lüttringhauser Straße Clarenbach-Denkmal Masurenstraße 28 – JVA Oelingrath 2, 3 Remscheider Straße 5, 7, 9, 13, 17, 22, 23 (Türstock), 76 – Kirche + Verwaltungsgebäude Stiftung Tannenhof, 187 189, 239 – Schule, 241 – Turnhalle, 247 Richard-Koenigs-Straße 1 – Freiwillige Feuerwehr Richard-Pick-Straße 1, 5, 7 – Heilig Kreuz-Kirche, 9