mini|Ortszentrum von Kolkwitz auf Höhe des Rathauses Kolkwitz, , ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg. Die Gemeinde in ihrer heutigen Form entstand am 6. Dezember 1993 durch den Zusammenschluss von zehn vormals eigenständigen Gemeinden.
Geographie Die Gemeinde Kolkwitz liegt fünf Kilometer westlich von Cottbus in der Niederlausitz und zählt zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden. Die Ortsteile Babow und Milkersdorf liegen vollständig und die Ortsteile Kunersdorf und Papitz teilweise im Spreewald. Die Gemeinde grenzt im Norden an Werben und Briesen, im Osten an die Stadt Cottbus, im Süden an Drebkau, im Westen an Vetschau/Spreewald und im Nordwesten an Burg (Spreewald).
Gemeindegliederung Die Großgemeinde Kolkwitz besteht seit 1993 und umfasst folgende Orts- und Gemeindeteile sowie Wohnplätze (in Klammern die niedersorbische Bezeichnung; die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 15. Mai 2022):Zensusatlas 2022. Statistische Ämter des Bundes und der Länder, abgerufen am 24. April 2025. Babow (Bobow); 242 Einwohner Brodtkowitz (Brodkojce) mit dem Wohnplatz Heideschänke (Gólna Kjarcma); 27 Einwohner Dahlitz (Dalic); 173 Einwohner Eichow (Dubje); 406 Einwohner Glinzig (Glinsk) mit den Wohnplätzen Koselmühle (Kózański Młyn) und Putgolla (Pódgóla) (gehört z. T. auch zum Ortsteil Kolkwitz); 509 Einwohner Gulben (Gołbin); 452 Einwohner Hänchen (Hajnk) mit den Wohnplätzen Alte Siedlung (Stare Sedlišćo), Annahof (Aniny Dwór) und Neue Siedlung (Nowe Sedlišćo); 670 Einwohner Kackrow (Kokrjow); 91 Einwohner Klein Gaglow (Gogolowk); 377 Einwohner Kolkwitz (Gołkojce) mit den Wohnplätzen Forsthaus Stadtheide (Gólnikaŕnja Měsćańska Góla) und Putgolla (Pódgóla) (gehört z. T. auch zum Ortsteil Glinzig); 3.725 Einwohner Krieschow (Kśišow) mit den Wohnplätzen Feldmühle (Pólny Młyn) und Schneidemühle (Rězaki); 480 EinwohnerEinwohnerzahl bei Krieschow inklusive der 38 Einwohner des im November 2022 nach Milkersdorf umgegliederten Krieschow Vorwerk. Einwohnerzahl bei Milkersdorf entsprechend ohne Krieschow Vorwerk. Kunersdorf (Kósobuz); 408 Einwohner Limberg (Limbark); 737 Einwohner Milkersdorf (Górnej) mit dem Wohnplatz Krieschow Vorwerk (Forbark); 206 Einwohner Papitz (Popojce) mit den Wohnplätzen Kleines Ende (Mały Kóńc) und Rabenau (Rabenow); 415 Einwohner Wiesendorf (Naseńce); 43 Einwohner Zahsow (Cazow); 263 Einwohner
Geschichte Ortsgeschichte mini|Dorfkirche Kolkwitz Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung von Kolkwitz stammt aus einem Bannbrief der Stadt Calau aus dem Jahr 1300, in dem ein katholischer Pfarrer erwähnt wird.Ortsteil Kolkwitz. Gemeinde Kolkwitz, abgerufen am 4. September 2023. Am 8. Februar 1413 wird der Ort mit dem Namen mit dem Namen „Kolkewitz“.Rudolf Lehmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 2: Die Kreise Cottbus, Guben, Spremberg und Sorau. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-90-7, S. 53. Der Ort ist auch in der Kirchenmatrikel des Bistums Meißen von 1346 aufgelistet, die jedoch nur in einer Kopie von 1495 erhalten sind. Im Jahr 1499 lautete der Name des Ortes „Colkwicz“. Der Ortsname wurde ursprünglich von einem sorbischen Personennamen übertragenErnst Eichler: Die Ortsnamen der Niederlausitz. VEB Domowina-Verlag, Bautzen 1975, S. 65. und geht nach Arnošt Muka auf das niedersorbische Wort „góletko“ für „Kleinkind“ zurück.Arnošt Muka: Serbski zemjepisny słowničk. Nakł. Maćica Serbska, Bautzen 1927, S. 95.
Kolkwitz gehörte zum Bereich der historischen Herrschaft Cottbus und war somit in seiner frühen Zeit Teil einer Exklave der Mark Brandenburg, die vom Markgraftum Niederlausitz und später vom Kurfürstentum Sachsen umgeben war. Bis 1459 gehörte der Ort den Herren von Muschwitz, danach wurde Kolkwitz ein Kämmereidorf von Cottbus. Ein Jahr später wurde die heutige Dorfkirche gebaut. Beim Überfall durch die Armee des Feldherren Wallenstein wurde Kolkwitz im Jahr 1626 geplündert. Nach statistischer Erhebung bestanden im Jahr 1652 eine Schmiede und 42 landwirtschaftliche Betriebe, der Ort hatte 198 Einwohner. Eine Schule gab es noch nicht, die Kinder wurden in der Wohnung des Küsters unterrichtet. Ab 1701 kam die Mark Brandenburg und somit auch Kolkwitz zum neu gebildeten Königreich Preußen. Während des Siebenjährigen Krieges wurden Mitte 1759 preußische Truppen in Kolkwitz einquartiert, später im gleichen Jahr wurde Kolkwitz geplündert.Großgemeinde Kolkwitz: Wir machen Geschichte. Gemeinde Kolkwitz, abgerufen am 18. November 2022.
Am 26. März 1781 wurden 54 Wohnhäuser und zahlreiche Wirtschaftsgebäude in Kolkwitz durch einen Großbrand zerstört, zwei Menschen starben bei dem Brand. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Kolkwitz 77 Wohngebäude und 494 Einwohner. Von den Haushalten waren 29 Ganzbauern, 22 Büdner, zwölf Kossäten, sieben Einlieger und jeweils zwei Krüger und zwei Förster. Des Weiteren gab es eine Schmiede im Ort.Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg enthaltend. Berlin 1809, S. 349 (Online). Durch den Tilsiter Frieden kam Kolkwitz im Jahr 1807 zum Königreich Sachsen. In Sachsen blieb Kolkwitz jedoch nur knapp acht Jahre. Nach der auf dem Wiener Kongress beschlossenen Teilung des Königreiches Sachsen kam Kolkwitz wieder zum Königreich Preußen, wo Kolkwitz fortan zur Provinz Brandenburg gehörte. Bei der Gebietsreform im Jahr 1816 wurde Kolkwitz dem Kreis Cottbus im Regierungsbezirk Frankfurt zugeordnet. Anfang der 1840er Jahre hatte Kolkwitz 741 Einwohner in 135 Wohngebäuden, dazu kam noch die Kolkwitzer Försterei mit vier weiteren Einwohnern.Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. O. Gustav Harnecker’s Buchhandlung, Frankfurt a. O. 1844, S. 41.
Am 6. August 1846 kam es in Kolkwitz erneut zu einem größeren Brand, bei dem 30 Gebäude und der Glockenturm zerstört wurden. Beim Wiederaufbau des Ortes wurde fortan mit Ziegelmauerwerk gebaut. Im Jahr 1864 hatte Kolkwitz 1112 Einwohner in 164 Häusern. Zum Ort gehörten 74 Ausbausiedlungen, drei Spinnereien, jeweils eine Wasser- und eine Windmühle sowie zwölf Kolonistenstellen. Des Weiteren gehörte die Kolkwitzer Försterei mit zehn weiteren Einwohnern zu Kolkwitz.Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. O. Verlag von Gustav Harnecker u. Co., Frankfurt a. O. 1867, S. 43. Bei der Volkszählung vom 1. Dezember 1871 hatte die Landgemeinde Kolkwitz 1109 Einwohner in 235 Familien und elf Einzelhaushalten. Von den Einwohnern waren 535 Männer und 574 Frauen; 257 Einwohner waren Kinder unter zehn Jahren. 1107 Einwohner der Landgemeinde waren evangelisch-lutherischer Konfession, die beiden anderen Einwohner waren Katholiken. Der Gutsbezirk Kolkwitz hatte zum gleichen Zeitpunkt 164 Einwohner in 37 Familien und einem Einzelhaushalt, hier waren 81 Einwohner Männer und 83 Frauen; 55 Einwohner waren jünger als zehn Jahre. Im Gutsbezirk waren 163 Einwohner evangelisch-lutherisch und einer katholisch.Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg. Königliches Statistisches Bureau, Berlin 1873, S. 220–223 (books.google.de).
mini|Das alte Schulgebäude von 1889 wurde bis 1961 als Schule genutzt und beherbergt heute den örtlichen Kindergarten mini|Lungenheilstätte Kolkwitz Am 16. Juni 1878 wurde Kolkwitz mit einem Bahnhof an die Strecke Berlin–Görlitz angeschlossen. Am 11. Oktober 1889 erfolgte die Einweihung des neuen Schulgebäudes, in dem anfangs etwa 300 Kinder unterrichtet wurden. Zwischen 1898 und 1900 wurde im Cottbuser Stadtforst südwestlich von Kolkwitz eine Lungenheilstätte für Tuberkulosepatientinnen errichtet. Um 1903 wurde der Gutsbezirk Kolkwitz aufgelöst und mit der Landgemeinde vereinigt. Seit Mai 1906 ist Kolkwitz durch den Bahnhof Kolkwitz-Süd auch an die Strecke Halle–Cottbus angeschlossen. Im April 1909 wurde Kolkwitz an das Stromnetz angeschlossen; im folgenden Jahr wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet, die jedoch 1914 in eine Pflichtfeuerwehr umgewandelt wurde. Bei der Volkszählung im Jahr 1910 hatte Kolkwitz 2163 Einwohner.
Im Jahr 1937 wurde der erste Kindergarten der Gemeinde Kolkwitz eröffnet. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Ort am 20. April 1945 nach Kampfhandlungen von der Roten Armee eingenommen. Nach Kriegsende lag Kolkwitz in der Sowjetischen Besatzungszone. Ab dem 1. Oktober 1945 wurde der Schulunterricht wieder aufgenommen, im Sommer 1946 die Lungenklinik wieder in Betrieb genommen. Seit 1949 gehörte Kolkwitz zur DDR. Am 1. Juli 1950 kam es zu den ersten Eingemeindungen umliegender Gemeinden nach Kolkwitz (siehe weiter unten). Bei der Gebietsreform in der DDR am 25. Juli 1952 wurden die Länder und Landkreise aufgelöst und Kolkwitz dem Kreis Cottbus (ab 1954 Kreis Cottbus-Land) im Bezirk Cottbus zugeordnet. Ab 1959 wurden die landwirtschaftlichen Betriebe in der LPG „Gerhart Hauptmann“ zusammengeschlossen. Später im gleichen Jahr wurde die örtliche Schule zu einer Polytechnischen Oberschule umstrukturiert. 1961 erhielt diese ein neues Schulgebäude als Typenschulbau, das in den 1980er Jahren erweitert wurde.
Ab 1967 war Kolkwitz Standort des Bunkers Kolkwitz, der als Gefechtsstand der Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee genutzt wurde. Die Kolkwitzer Lungenheilanstalt wurde 1972 zu einer orthopädischen Rehaklinik umfunktioniert. Der Bunker Kolkwitz verlor nach der Wende seine militärische Bedeutung und wurde nicht mehr genutzt.
mini|Gewerbegebiet Langosa in Kolkwitz Nach der Wiedervereinigung lag Kolkwitz zunächst im zum Kreis Cottbus-Land flächengleichen Landkreis Cottbus in Brandenburg. Bei der Gebietsreform vom 5./6. Dezember 1993 ging der Landkreis Cottbus dann im neuen Landkreis Spree-Neiße auf, zeitgleich schlossen sich Kolkwitz und neun weitere Gemeinden zu der neuen Großgemeinde Kolkwitz zusammen, die seitdem 17 Ortsteile umfasst. Zwischen 1997 und 2001 wurde das „Kolkwitz-Center“, eine Sport- und Veranstaltungshalle hinter der Schule, errichtet. Ende 2002 folgte der Bau des Einkaufs- und Dienstleistungszentrums „Langosa“. Im Jahr 2007 wurde der Betrieb des Klinikums Kolkwitz eingestellt. Am 31. Dezember 2016 hatte der Hauptort Kolkwitz alleine 3960 Einwohner, was etwas mehr als einem Drittel der Gesamteinwohnerzahl der Großgemeinde entspricht.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Dahlitz und Zahsow nach Kolkwitz eingegliedert. Die Gemeinde Gulben wurde am 10. Januar 1973 nach Kolkwitz eingemeindet, erhielt nach der Wiedervereinigung aber wieder den Status einer eigenständigen Gemeinde zurück. Im Zuge der brandenburgischen Kreis- und Gebietsreform am 5. /6. Dezember 1993 schlossen sich die Gemeinden Babow, Eichow, Glinzig, Gulben, Hänchen, Klein Gaglow, Kolkwitz, Krieschow-Wiesendorf, Milkersdorf und Papitz zu der neuen Großgemeinde Kolkwitz eingemeindet. Bereits zuvor wurden Brodtkowitz und Kackrow nach Krieschow-Wiesendorf und die Gemeinde Kunersdorf nach Papitz eingemeindet.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 1.305 1890 1.719 1910 2.163 1925 2.418 1933 2.767 1939 2.945 Jahr Einwohner 1946 3.271 1950 3.759 1964 3.395 1971 3.204 1981 3.723 1985 3.701 Jahr Einwohner 1990 3.392 1995 8.622 2000 10.270 2005 9.989 2010 9.542 2015 9.147 Jahr Einwohner 2020 9.269 2021 9.297 2022 9.172 2023 9.215 2024 9.265 2025 9.221
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991),Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Spree-Neiße (PDF) S. 22–25Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember) von 2011 bis 2021 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022