Hans Friedrich Blunck (* 3. September 1888 in Altona bei Hamburg; † 25. April 1961 ebenda) war ein deutscher Jurist und Schriftsteller. In der Zeit des Nationalsozialismus besetzte er verschiedene kulturpolitische Positionen.
Leben Der Sohn eines Lehrers studierte Rechtswissenschaft an den Universitäten Kiel und Heidelberg, wo er 1907 bei der Burschenschaft Teutonia zu Kiel und 1908 bei der Burschenschaft Allemannia zu Heidelberg aktiv wurdeWilly Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 42.Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band II: Künstler. Winter, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8253-6813-5, S. 73–76. und zum Dr. jur. promovierte. Zum Ersten Weltkrieg eingezogen diente er als Offizier und war ab 1915 in der Zivilverwaltung Belgiens beschäftigt. Er schrieb die Schrift „Belgien und die niederdeutsche Frage“. 1919 floh er in die Niederlande, um einer Auslieferung zu entgehen. Dort lernte er seine spätere Frau Emma Ruoff kennen. Zwischen 1920 und 1928 war er als Regierungsrat und ab 1925 als Syndikus der Universität Hamburg tätig.Werner Bergengruen: Schriftstellerexistenz in der Diktatur. Aufzeichnungen und Reflexionen zu Politik, Geschichte und Kultur 1940 bis 1963 hrsgg. v. Frank-Lothar Kroll / N. Luise Hackelsberger / Sylvia Taschka, 2005 S. 114 f. books.google. Nach seiner krankheitsbedingten Frühpensionierung war er nur noch als Schriftsteller und Kulturfunktionär tätig.
Blunck lebte 1919 bis 1924 in Vierbergen und anschließend in Hoisdorf. Ab 1931 lebte Blunck in den Sommermonaten auf dem „Mölenhoff“ in Grebin. Aus den Erlösen seiner 1937 erschienenen zehnbändigen Werkausgabe finanzierte er die Neuerrichtung seiner „Mölenhoffhuus“ genannten Immobilie in Grebin.Schreiben von Blunck an Theodor Steltzer vom 22. Januar 1946. In Kopie an den Plöner Landrat Köhler. Kreisarchiv Plön, Akte B32/319, Dok. 22 und Dok. 23.
1924 gründete Blunck in Bremen zusammen mit Wilhelm Scharrelmann, Manfred Hausmann, Hans Franck, Alma Rogge u. a. Die Kogge, eine Vereinigung vornehmlich anti-moderner, konservativer bis z. T. völkisch-national gesinnter Autoren der Niederdeutschen Bewegung.
Zwischen 1920 und 1940 veröffentlichte er zahlreiche Romane und Erzählungen, die einer antimodernistisch-romantisierenden Literaturrichtung zuzurechnen sind, wie sie auch dem Literaturverständnis des Nationalsozialismus entsprach.Wolfgang Hegele: Literaturunterricht und literarisches Leben in Deutschland 1850–1990. 1996, S. 88. Blunck interessierte sich insbesondere für nordische Themen und hanseatische Geschichte, die er unter Betonung rechtsnationaler Aspekte und völkischen Gedankenguts ausarbeitete. Sein Werk umfasst historische Auseinandersetzungen mit der germanischen Götterwelt, Sagen, Märchen und Gespenstergeschichten sowie plattdeutsche Lyrik.
Wirken in der Zeit des Nationalsozialismus Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Blunck am 7. Juni 1933 zum zweiten Vorsitzenden der Sektion für Dichtung der Preußischen Akademie der Künste gewählt, erster Vorsitzender wurde Hanns Johst.Inge Jens: Dichter zwischen rechts und links. Die Geschichte der Sektion für Dichtkunst an der Preußischen Akademie der Künste, dargestellt nach den Dokumenten. Leipzig 1994 2. Aufl. S. 92f., S. 258. Blunck hatte zuvor einen der nach dem Ausschluss aller jüdischen Mitglieder frei gewordenen Plätze eingenommen. Im Oktober 1933 gehörte er zu den 88 deutschen Schriftstellern, die das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterzeichneten.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 59.
Noch im selben Jahr wurde Blunck, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch kein Mitglied der NSDAP war, zum ersten Präsidenten der Reichsschrifttumskammer bestellt, die die Kontrolle und Gleichschaltung der literarischen Produktion und Verbreitung vorantrieb. Blunck führte eine Gehilfenprüfung für angehende Buchhändler ein und gründete eine „Reichsschule des deutschen Buchhandels“ als überregionale Berufsschule.Volker Dahm: Künstler als Funktionäre. Das Propagandaministerium und die Reichskulturkammer. 2004 in: Hans Sarkowicz (Hrsg.): Hitlers Künstler. Die Kultur im Dienst des Nationalsozialismus. Insel Verlag, Frankfurt a. M. 2004, ISBN 3-458-17203-3, S. 75–109/88. Nach dem Tode des Reichspräsidenten Hindenburg gehörte Blunck am 18. August 1934 zu den Unterzeichnern des „Aufrufs der Kulturschaffenden“ zur Volksabstimmung über die Zusammenlegung des Reichspräsidenten- und Reichskanzleramtes.Ernst Klee: Kulturlexikon, S. 60.
Blunck hatte allerdings die Annahme des Kammerpräsidentenamtes davon abhängig gemacht, dass jüdische Schriftsteller nicht ausgegrenzt würden – was ihm Propagandaminister Joseph Goebbels zusichern ließ.Volker Dahm: Künstler als Funktionäre. Das Propagandaministerium und die Reichskulturkammer. 2004 in: Hans Sarkowicz (Hrsg.): Hitlers Künstler. Die Kultur im Dienst des Nationalsozialismus. 2004 Frankfurt a. M., S. 75–109/89. Als Blunck bei einer Rede im Ausland ein „Konkordat“ für Juden in Deutschland vorschlug, war für Hanns Johst und Hans Hinkel im Oktober 1935 die Gelegenheit gekommen, Blunck abzulösen. Blunck zog sich mit dem Titel „Altpräsident“ nach Holstein zurück.
Seit Anfang der 1920er Jahre trat Blunck als völkischer Akteur der Niederdeutschen Bewegung vielfach in Erscheinung. Für den Autor und engen Vertrauten des Hamburger Mäzens Alfred Toepfer bezeichnete der von dem „Rembrandtdeutschen“ Julius Langbehn 1890 geprägte Begriff Niederdeutschtum „das eigentliche Deutschtum“.Ulf-Thomas Lesle: Identitätsprojekt Niederdeutsch. Die Definition von Sprache als Politikum. In: R. Langhanke (Hrsg.): Sprache, Literatur, Raum. Fs. für Willy Diercks. Bielefeld 2015, S. 728, Anm. 81. Blunck war auch Mitglied des 1936 gegründeten Eutiner Dichterkreises, einer NSDAP-nahen Autorengruppe, deren Mitglieder mehrheitlich plattdeutsch geschriebene Werke publizierten.Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus. Neumünster 2005, S. 88.
Zum 1. Mai 1937 trat Blunck der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 4.084.311).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/3330232 Er wurde auch Mitglied der Altherrenschaft der Kameradschaft I Hermann von Wissmann des NSDStB an der Universität Hamburg, die aus der vormaligen Landsmannschaft Hammonia Hamburg hervorgegangen war.Zwischen Revolution und Rekonstitution – Die Kameradschaften des NSD-Studentenbundes und Altherrenschaften im NS-Altherrenbund an den deutschen Hoch- und höheren Fachschulen 1937 bis 1945. Teilband 4/III: Bereich NORD, Federsee-Verlag Bad Buchau 2025, ISBN 978-3-948502-24-9, S. 31.
1936 gründete Blunck die „Stiftung Deutsches Auslandswerk“, das im Ausland ein vorteilhaftes Deutschlandbild vermitteln sollte. Blunck war zunächst Präsident, ab 1940 dann Ehrenpräsident der Stiftung, die in Absprache mit den Reichsministerien und den Organisationen der NSDAP die Aktivitäten der deutschen Auslandsgesellschaften koordinierte. Nachdem er 1938 bereits die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft erhalten hattebundesarchiv.de: R55/1336 Verleihung der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft, Einzelfälle. (abgerufen am 28. Dezember 2015), nahm Adolf Hitler Blunck in der Endphase des Zweiten Weltkriegs in die Liste der unverzichtbaren Schriftsteller, die sogenannte Gottbegnadetenliste, auf.Ernst Klee: Kulturlexikon, S. 59. Zu seinem 50. Geburtstag ernannte die Universität Hamburg ihn 1938 zum Ehrenmitglied, diese Ehre wurde ihm jedoch 1946 wieder aberkannt.
Zwischen 1933 und 1944 veröffentlichte Blunck 97 Bücher, schrieb 100 Aufsätze im Völkischen Beobachter und weitere in der Krakauer Zeitung.
Der regimeferne Schriftsteller Werner Bergengruen charakterisierte Blunck 1946 so: „Ich mag nicht annehmen, daß er an den Greueln des Dritten Reiches Freude gehabt habe. […] Gewiß hätte es seinetwegen keine Konzentrationslager zu geben brauchen. Es war ihm auch gleichgültig, ob die Textilbranche arisiert wurde oder nicht. Er wollte Ruhm, Leser, Auflagen, Geld; alles andere kümmerte ihn nicht.“ Irmgard Keun sagte über ihn: „er sei nicht gut und nicht schlecht, sondern bloß zum Kotzen“.Zitat nach Danker, Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, 2005, S. 88.
Nachkriegszeit Anfang 1946 wurde Blunck aus dem Internierungslager Gadeland entlassen und im Rahmen der anschließenden Entnazifizierung in der Britischen Besatzungszone als Mitläufer eingestuft. Er wurde 1949 vom Kieler Entnazifizierungsausschuss mit der Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 DM belegt.Jürgen Hillesheim, Elisabeth Michael: Lexikon nationalsozialistischer Dichter. 1993, S. 63.
Nach Kriegsende setzten die Kulturbevollmächtigten der Sowjetischen Besatzungszone und später die SED-Kulturverwaltung der DDR einige Werke Bluncks auf ihre Liste der auszusondernden Literatur.Siehe Liste der auszusondernden Literatur 1946, Liste der auszusondernden Literatur 1947, Liste der auszusondernden Literatur 1948, Liste der auszusondernden Literatur 1953
Im Gegensatz dazu wurde Blunck in seiner Heimat von konservativen Kreisen auch nach 1945 verehrt und erhielt vom Schleswig-Holsteinischen Heimatbund dessen höchste Auszeichnung, die Lornsenkette.
1952 veröffentlichte er eine Autobiografie Unwegsame Zeiten, in der er sich „Antifaschist auf dem Sessel der Schriftumskammer“ nennt.
Blunck war weiterhin als Schriftsteller tätig, konnte jedoch an seine Vorkriegserfolge nicht mehr anknüpfen und beschränkte sich nach 1945 im Wesentlichen auf Märchen und Sagen.Jens-Peter Wagner: Die Kontinuität des Trivialen. Hans Friedrich Blunck (1888–1961). In: Dichtung im Dritten Reich? Zur Literatur in Deutschland 1933–1945. Opladen 1996, S. 245–264.
In seinen in der Nachkriegszeit neu aufgelegten Werken wurden nationalsozialistische und antisemitische Anklänge reduziert oder getilgt. Dies zeugt von einem Unrechtsbewusstsein, das sich weder mit der von ihm in Anspruch genommenen Naivität noch mit seiner Einstufung als Mitläufer in Einklang bringen lässt. mini|hochkant|Grabstein von Friedrich Blunck auf dem Friedhof Ohlsdorf Nach dem Tod seiner Ehefrau Emma Ruoff (1958) verließ er Grebin und zog sich nach Hamburg zurück.
Im Nachkriegsdeutschland gehörte Blunck dem rechtsextremen Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes an.
Blunck starb am 25. April 1961 im Alter von 72 Jahren. Er wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg beigesetzt. Sein Nachlass befindet sich in der SHLB (mit einer speziellen Akte zur Umbenennung von Grebin in Greben). Teilnachlässe befinden sich in der Universitätsbibliothek Kiel und in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Überlieferungen befinden sich im Staatsarchiv Hamburg.Thomas Braun, Art. Blunck, in: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck, Bd. 13 (Neumünster 2011), S. 45–92.
Sein Sohn war der Historiker und Bibliothekar Jürgen Blunck (1935–2008). Hans Friedrich Bluncks Schwester war die Frauenrechtlerin und langjährige B.O.K.D. Vorsitzende Helene Blunck.Karin Wittneben: Helene Meyer. In: Hubert Kolling (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who was who in Nursing history“. Band sechs. hpsmedia, Hungen 2012, S. 196 f.
Seit 1962 pflegt die „Gesellschaft zur Förderung des Werkes von Hans Friedrich Blunck e. V.“ sein Vermächtnis in seinem Sinne.Beseelte brüderliche Welt. Gedenkschrift für Hans Friedrich Blunck. Im Auftrag der Gesellschaft zur Förderung des Werkes von Hans Friedrich Bluck e. V. hrsg. von Jürgen Blunck, Husum 1988.
Werke mini|Novelle Bruder und Schwester, Reclam, Leipzig 1944 Die Zukunft Mazedoniens. Ein Handbuch für Kaufleute, Journalisten und Reisende, Hamburg 1912 Der Ritt gen Morgen, Hamburg 1914 Sturm überm Land. Gedichte der Kriegszeit, Jena 1916 Totentanz, Hamburg 1916 Jan Günt. Eine frohe Brüsseler Ehegeschichte, Braunschweig 1918 Peter Ohles Schatten, Berlin 1919