Adendorf () ist eine Gemeinde im niedersächsischen Landkreis Lüneburg.

Adendorf liegt etwa vier Kilometer nordöstlich vom Lüneburger Stadtkern entfernt und ist mit der Stadt weitgehend zusammengewachsen. Adendorf bildet zusammen mit den Gemeinden Reppenstedt, Vögelsen und Bardowick sowie Deutsch Evern und Wendisch Evern das dicht besiedelte Umland von Lüneburg, das zusammen mit Lüneburg rund 108.500 Einwohner umfasst (Stand 2018).

Geografie Geografische Lage Adendorf liegt zwischen dem Fluss Ilmenau und dem Elbe-Seitenkanal etwa zehn Kilometer südlich der Elbe.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Adendorf ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus dem Kernort und dem Ortsteil Erbstorf.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Bardowick im Westen, Brietlingen im Norden, Scharnebeck im Osten und Lüneburg im Süden.

Geschichte Bereits um das Jahr 400 n. Chr. lebten Menschen im Gebiet von Adendorf, was archäologische Funde belegen. Das mittelalterliche „Adenthorpe“ wurde urkundlich erstmals im Jahre 1252 als Bauerndorf mit 18 Hofstellen und einer Johannes dem Täufer gewidmeten Kapelle erwähnt. Diese überstand die drei verheerenden Brände des Ortes – 1374 im Lüneburger Erbfolgekrieg, dann im Dreißigjährigen Krieg und schließlich 1895, als Dragoner in Adendorf einquartiert und unvorsichtig mit Zündhölzern umgegangen waren. Die Johanneskapelle gehört heute zu den ältesten erhaltenen Gebäuden des Landkreises Lüneburg. Während des Dreißigjährigen Krieges entstand 1644 ein Rittergut, das bis ins 20. Jahrhundert bewirtschaftet war, zuletzt als staatliches Lehrgut. Während das Gut und insgesamt neun Adendorf-Erbstorfer Ziegeleien im Jahr 1970 nicht bestanden, haben neue Gewerbe, eine rege Bautätigkeit und großzügige kulturelle Einrichtungen einen erheblichen Bevölkerungsanstieg im 20. Jahrhundert das einstige Bauerndorf begünstigt und wirtschaftlich zu neuer Blüte gebracht. Im Jahr 1974 sollte die Gemeinde Adendorf in die Stadt Lüneburg eingemeindet werden. Aufgrund nachhaltigen Widerstandes wurden schließlich nur die Ortsteile Ebensberg und Olm in die Kreisstadt umgegliedert. Im Jahre 1976 war die Gemeinde in den Schlagzeilen, als beim Ortsteil Erbstorf der Elbe-Seitenkanal an einer Unterführung brach und fünf Millionen Kubikmeter Wasser das Umland überfluteten.

Religionen mini|hochkant|Christ-König-Kirche

Zur evangelisch-lutherischen Emmaus-Kirchengemeinde Adendorf gehören die historische Johanneskapelle (errichtet vor dem Jahre 1258) an der Dorfstraße und die 1962 errichtete Emmauskirche am Bültenweg. Die Gemeinde gehört zum Sprengel Lüneburg.

Die katholische Christ-König-Kirche wurde 1962 am Wacholderweg errichtet, 1971 bekam sie eine inzwischen profanierte Filialkirche im benachbarten Bardowick. Seit 2004 gehört die Kirche zur Pfarrgemeinde St. Marien in Lüneburg.

Eine Neuapostolische Kirche wurde 1976 am Robert-Lehmann-Ring erbaut, sie gehört zum Bezirk Lüneburg der Neuapostolischen Kirche in Nord- und Ostdeutschland.

Eingemeindungen Am 1. März 1974 wurde die Gemeinde Erbstorf eingegliedert.

Ausgliederungen Am 1. April 1974 wurden Gebietsteile (Ortsteile Ebensberg und Olm) mit damals mehr als 700 Einwohnern an die Kreisstadt Lüneburg abgetreten.

Einwohnerentwicklung

mini|400px|Einwohnerentwicklung von Adendorf von 1812 bis 2017

1812: 176 Einwohneraus dem Buch Der französische Kayser-Staat. Band I. 1885: 347 Einwohner 1900: 346 Einwohner 1905: 339 Einwohner 1907: 347 Einwohner 1911: 400 Einwohner 1912: 518 Einwohner 1914: 520 Einwohner 1916: 600 Einwohner 1919: 517 Einwohner 1921: 652 Einwohner 1922: 663 Einwohner 1925: 728 Einwohner 1926: 728 Einwohner 1928: 801 Einwohner 1928: 869 Einwohner 1930: 889 Einwohner 1933: 1.009 Einwohner 1934: 1.062 Einwohner 1936: 1.100 Einwohner 1937: 1.197 Einwohner 1938: 1.300 Einwohner 1939: 1.419 Einwohner 1949: 2.600 Einwohner 1951: 2.858 Einwohner 1953: 2.978 Einwohner 1956: 3.165 Einwohner 1958: 3.543 Einwohner 1961: 3.921 Einwohner 1963: 4.512 Einwohner 1963: 4.185 Einwohner 1967: 4.937 Einwohner 1970: 4.993 Einwohner 1970: 5.300 Einwohner 1973: ca. 5.400 Einwohner 1976: ca. 6.400 Einwohner 1978: ca. 7.000 Einwohner 1980: ca. 7.600 Einwohner 1984: 7.712 Einwohner 1986: 7.817 Einwohner 1988: 8.179 Einwohner 1990: 8.372 Einwohner 1994: 9.100 Einwohner 1996: 9.290 Einwohner 1998: 9.533 Einwohner 2000: 9.615 Einwohner 2002: 9.784 Einwohner 2007: 10.062 Einwohner 2009: 10.163 Einwohner 2011: 10.357 Einwohner 2015: 10.724 Einwohner 2017: 10.783 Einwohner 2018: 10.754 Einwohner

Konfessionsstatistik Laut der Volkszählung 2011 waren 50,6 % der Einwohner evangelisch, 7,9 % römisch-katholisch und 41,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe., Zensus 2011 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken., abgerufen am 3. September 2020 Gemäß der Zensus 2022 waren 38,7 % der Einwohner evangelisch, 6,6 % katholisch und 54,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion, Zensus 2022.

Herkunft des Ortsnamens Alte Bezeichnungen sind: Adendorp (1248/1255 erwähnt), Adenthorpe (1252/1254/1290) und Adendhorpe (1275).

Im ersten Teil des Ortsnamens steht ein Personenname, der wahrscheinlich zum gekürzten Personennamen-Stamm „Athal“ aus dem germanischen , altsächsischen stammt. Adendorf bedeutet folglich so viel wie „Siedlung/Dorf des Atha“.

Politik

Kommunalwahl 2006 2011Ergebnis Kommunalwahl 2011 . 20162021 Liste Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil SitzeStimmanteileSitze SPD 53,7 % 13 58,4 % 15 45,9 % 1240,8 %11 CDU 30,6 % 7 17,6 % 5 22,6 % 619,4 %5 GRÜNE 13,4 % 3 17,4 % 5 16,1 % 420,4 %5 FDP — — 1,2 % — 3,9 % 15,3 %1 (PDS)/Linke 2,3 % 1 — — 3,9 % 14,9 %1 ABAE* – – — — 7,4 % 29,2 %3 Einzelbewerber — — 5,4 % 1 – – - - Gesamt** 100 % 24 100 % 26 100 % 26100 %26 Wahlbeteiligung 51,1 % 54,0 % 62,0 %61,4 %* Aktive Bürger Adendorf Erbstorf ** Nach Bereinigung der Rundungsfehler

Die Gemeinde Adendorf gehört zum Landtagswahlkreis 49 Lüneburg und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg–Lüneburg.Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anlage zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. ( ; 87 KB).Beschreibung der Wahlkreise. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anlage zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325 (; 200 KB).

Gemeinderat Der Gemeinderat wird alle fünf Jahre neu gewählt. Die jüngste Gemeinderatswahl fand am 12. September 2021 statt. Deren Ergebnis sowie das der drei vorangegangenen Wahlen zeigt die Tabelle rechts.

Bürgermeister Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 wurde Thomas Maack (SPD) mit 78,9 % der Stimmen zum zweiten Mal in seinem Amt bestätigt. Auf Christina von Mirbach (CDU) fielen dabei 21,1 %. Thomas Maack ist seit dem 11. September 2011 im Amt.

Partnerschaften Kanton Saint-Romain-de-Colbosc, Frankreich, seit 1. Mai 1987 Abgerufen am 27. April 2019, 13:35 Wągrowiec, Polen, seit 5. Mai 2001

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen In einem historischen niedersächsischen Zweiständerhaus von 1661 ist Us Heimathus untergebracht. Die gezeigten Gegenstände vermitteln Wissen über die Vor- und Frühgeschichte, das bäuerliche Leben sowie über die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Auch befindet sich hier das Heimatarchiv mit Informationen über die Vergangenheit Adendorfs.

Bauwerke mini|Johanneskapelle in Adendorf

Von den Bränden 1374, 1627 und 1895 verschont blieb als ältestes Gebäude die vor dem Jahre 1258 errichtete und Johannes dem Täufer geweihte Kapelle.

Denkmale 2012 und 2014 wurden zwei Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt.

Parks In einer ehemaligen Tonkuhle im Nordosten Adendorfs befindet sich die Teichaue, ein kleiner Erholungspark mit künstlich angelegtem Wasserlauf.

Sport Die 1975 erbaute Eissporthalle, das Walter-Maack-Eisstadion, ist die einzige im Bezirk und dient dem Adendorfer EC, einem Eishockeyregionallisten, als Heimspielstätte. Direkt neben dem Eisstadion befindet sich das von Mai bis August geöffnete beheizte Freibad.

Breitensport wird auf dem Sportgelände (Sporthalle, Fußballplätze und Tennisplätze) des TSV Adendorf betrieben. Im Handball hat sich eine Spielgemeinschaft aus TSV Adendorf und SV Scharnebeck gebildet. Im Ortsteil Erbstorf gibt es einen weiteren Sportverein, den TuS Erbstorf. Er besitzt ein Fußballfeld und mehrere Tennisplätze.

Das Golf Resort Adendorf verfügt außerdem über einen 18-Loch-Mastercourse, einen öffentlichen Neun-Loch-Kurzplatz und eine Indoor-Golfanlage.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Der Großteil der ansässigen Unternehmen sind klein- und mittelständische Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe. Das bekannteste Unternehmen Adendorfs ist die Firma Schluckwerder, die hier zwei Produktionsstätten für Süßwaren betreibt. Die Unternehmensgruppe Schluckwerder, zu der seit 1995 auch der Lübecker Marzipanhersteller Erasmi & Carstens gehört, ist seit 2021 eine Tochtergesellschaft des irischen Lebensmittelkonzerns Valeo Foods.https://lebensmittelpraxis.de/industrie-aktuell/29636-schluckwerder-uebernahme-durch-valeo-foods.html

Verkehr mini|StadtRAD-Station in Adendorf Die Gemeinde liegt am Ende der Autobahn A 39, die hier als Bundesstraße B 4 weitergeführt wird. Die B 209 führt durch das Gemeindegebiet.

Durch den Kernort verläuft die Bahnstrecke Lübeck–Lüneburg. Nachdem 1979 die Bedienung der Station eingestellt worden war, diente Adendorf lange Zeit lediglich als Betriebsbahnhof. Seit dem 18. Mai 2026 halten wieder Personenzüge der Linie RE83 in Adendorf.

Der Ortsteil Erbstorf hat einen Haltepunkt (ehemaliger Bahnhof) an der Bahnstrecke Lüneburg–Bleckede. Auf der Strecke finden lediglich Güter- und saisonal Ausflugsverkehr statt.

Es besteht ein dichter Busverkehr nach Lüneburg (bis zu drei Abfahrten pro Stunde), der auch die verschiedenen Teile des Gemeindegebiets erschließt. Es handelt sich um Linien der Kraftverkehr GmbH (KVG). Im Rahmen des HVV können durchgehende Fahrscheine nach Hamburg gelöst werden.

Seit 2022 gibt es am auf dem Rathausplatz eine StadtRAD-Station mit 5 Fahrrädern und einem E-Lastenrad. Das Fahrradleihsystem besteht im Verbund mit StadtRAD Lüneburg.

Der Elbeseitenkanal verläuft durch das östliche Gemeindegebiet.

Medien Die Landeszeitung für die Lüneburger Heide ist das aktuelle Tageblatt der Region. Am Wochenende gehört Adendorf zum Verteilerkreis des Wochenblattes Lünepost.

Öffentliche Einrichtungen Seit 1956 gibt es in der Gemeinde Adendorf eine öffentliche Bücherei, die ihren Standort seit 1987 unmittelbar neben dem Rathaus hat. 2018 wurde die „Bücherei am Rathausplatz“ im Rahmen des Zertifizierungsprozesses zur „Bibliothek mit Qualität und Siegel“ umbenannt in „Bibliothek Adendorf“. Neben der Medienausleihe finden diverse Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte und Puppentheater statt.

Bildung Im Ort befindet sich eine Grundschule, welche auf die Standorte Dorfstraße und Weinbergsweg verteilt ist. Die Grundschule ist seit 2005 eine Ganztagsschule und betreut rund 450 Kinder in 19 Klassen. Die Schule am Katzenberg ist eine Oberschule und betreut etwa 460 Schüler. Seit 2005 ist sie ebenfalls eine Ganztagsschule.

Persönlichkeiten Henner Hoier (* 1945), Komponist, Sänger und Gitarrist Kurt-Werner Wichmann (1949–1993), mutmaßlicher Serienmörder

Literatur

Weblinks

Website der Gemeinde Adendorf

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Lüneburg