Bärenklau (Heracleum), auch Bärentatze genannt, ist eine Pflanzengattung in der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Die Bezeichnung Bärenklau (von mittelhochdeutsch klā: ‚Klaue‘) ist im Deutschen als Maskulinum und (mit Bezug zur Bärenklaue, von mittelhochdeutsch klāwe) als Femininum in Gebrauch.
Diese Gattung sollte nicht mit der Gattung Akanthus (Acanthus) verwechselt werden, die ebenfalls „Bärenklau“ (und wie Heracleum-ArtenOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 164. lateinisch branca ursina) genannt wird.
Beschreibung mini|Heracleum antasiaticum mini|Heracleum grande mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Heracleum lanatum mini|Heracleum lehmannianum mini|Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) im Spätherbst mini|Verbrennungen mit Blasenbildung im Bereich des rechten Handgelenks, drei Tage nach dem Kontakt mit Bärenklau mini|Junger Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) Mitte April mini|Blütenstand von Heracleum persicum mini|Heracleum platytaenium mini|Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) mini|Heracleum stevenii mini|Heracleum trachyloma Die Bärenklauarten sind meist ausdauernde, selten ein- oder zweijährige krautige Pflanzen. Ihre Stängel sind knotig, hohl, meist gerippt und oft verzweigt. Die wechselständigen Laubblätter sind groß, breitlappig und ein- bis dreifiederig. Die unteren Blätter sind gestielt.
Die zusammengesetzten Blütenstände sind zusammengesetzte Dolden: Dolden, die aus Döldchen aufgebaut sind. Hüllen fehlen meist oder fallen früh ab. Die Blüten sind meist zwittrig, die äußeren Blüten der Döldchen sind oft rein männlich. Sie haben winzige Kelchzähne. Die Kronblätter (Petalen) sind weiß bis rosa, ungleich groß und oft an der Basis umgebogen. Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten.
Der Aufbau der Blüte wird mit folgender Blütenformel beschrieben:
Die Früchte sind stark zusammengedrückt.
Alle Pflanzenteile, insbesondere der Saft, sind giftig. Speziell unter Sonnenlichteinwirkung löst der Saft eine phototoxische Reaktion aus. Diese phototoxischen Reaktionen sind beim Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) besonders ausgeprägt.
Systematik und Verbreitung Die Gattung Heracleum wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 249 aufgestellt. Der botanische Gattungsname Heracleum bezieht sich auf Herakles. Synonyme für Heracleum sind: Pastinaca sect. Heracleum , Sphondylium , Tetrataenium , Wendia , Barysoma , Wendtia
Die Areale liegen hauptsächlich in Asien und Europa; wenige Arten gibt es im östlichen Afrika, und eine Art gibt es in Nordamerika.
Es gibt etwa 70 Heracleum-Arten, hier eine Artenauswahl:
Heracleum aconitifolium : Sie kommt in Georgien vor. Heracleum albovii : Sie kommt im Kaukasusgebiet vor. Heracleum amanum : Sie kommt in Syrien vor. Heracleum angustisectum : Sie kommt in Bulgarien vor. Heracleum antasiaticum : Sie kommt in der Türkei, in Armenien und Georgien vor. Heracleum apiifolum : Sie kommt in der Türkei und in Georgien vor. Heracleum arganeum : Sie kommt in der Türkei vor. Heracleum asperum (Syn.: Sphondylium asperum ): Sie ist im Kaukasusgebiet, in Aserbaidschan und Georgien verbreitet. Österreichische Bärenklau (Heracleum austriacum ): Sie gedeiht in den Ostalpen der Schweiz, von Italien, Deutschland, Österreich und Slowenien. Heracleum bivittatum : Sie ist in Vietnam, Laos und China verbreitet. Heracleum cachemiricum : Sie ist im Himalajagebiet von Indien und Pakistan verbreitet. Heracleum calcareum : Sie kommt in Georgien vor. Heracleum candicans : Sie ist in Pakistan, Nepal, Bhutan, Indien und in den chinesischen Provinzen Sichuan, Yunnan sowie in Tibet verbreitet. Heracleum canescens (Syn.: Heracleum hirsutum ): Sie kommt im Himalajagebiet von Indien und Pakistan vor. Heracleum carpaticum : Sie kommt in Rumänien und in der Ukraine vor. Heracleum chorodanum : Sie kommt in der Türkei, im Kaukasusgebiet, in Armenien, Georgien und Aserbaidschan vor. Heracleum crenatifolium : Sie kommt in der Türkei vor. Heracleum dissectifolium : Sie gedeiht in Höhenlagen von 1900 bis 3200 Metern in den chinesischen Provinzen Gansu sowie Sichuan. Heracleum dissectum : Das weite Verbreitungsgebiet ist Zentralasien, Sibirien, Russland, die Mongolei und China. Heracleum egrissicum : Sie kommt in Georgien vor. Heracleum fargesii : Sie gedeiht in Bergwäldern in Höhenlagen von 1500 bis 2000 Metern nur in Sichuan. Heracleum forrestii : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2700 bis 3900 Metern in den chinesischen Provinzen Chongqing sowie Yunnan. Heracleum franchetii : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2500 bis 4500 Metern in den chinesischen Provinzen Hubei, Qinghai, Sichuan sowie Yunnan. Heracleum freynianum : Sie kommt in Georgien vor. Heracleum grande : Die Heimat ist Indien. Heracleum grossheimii : Sie kommt in Georgien vor. Heracleum hemsleyanum : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2000 bis 3000 Metern in den chinesischen Provinzen Hubei sowie Sichuan. Heracleum henryi : Sie gedeiht in Höhenlagen von 1300 bis 2300 Metern nur in Yunnan. Heracleum humile : Sie kommt in Griechenland, in der Türkei, in Syrien und im Libanon vor. Heracleum idae : Sie kommt in Aserbaidschan vor. Heracleum kingdonii : Sie kommt in China und Myanmar vor. Heracleum lallii (Syn.: Tetrataenium lallii ) Heracleum leskovii : Sie kommt im Kaukasusgebiet, in Armenien und in Georgien vor. Heracleum leucocarpum (Syn.: Heracleum afghanicum ) Heracleum ligusticifolium : Sie kommt auf der Krim vor. Heracleum mandenovae : Sie kommt in Georgien vor. Riesen-Bärenklau oder Riesendolde (Heracleum mantegazzianum ; Syn.: Heracleum giganteum ): Die Heimat ist der Kaukasusraum und Georgien. Die hochgradig giftige Pflanze ist ein Neophyt in Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland. Heracleum millefolium : Sie kommt in China und Bhutan vor. Heracleum moellendorffii : Sie ist in China, Korea und Japan verbreitet. Heracleum nanum : Sie kommt im Kaukasusgebiet vor. Heracleum nepalense : Sie ist in Indien, Bhutan, Nepal und in Yunnan verbreitet. Heracleum nyalamense : Sie kommt nur im südlichen Teil des autonomen Gebietes Tibet vor. Heracleum olgae : Sie ist in Afghanistan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Pakistan weitverbreitet. Heracleum oreocharis : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2800 bis 4200 Metern nur im nordwestlichen Yunnan. Heracleum orphanidis : Sie kommt in Griechenland, in Nordmazedonien und in Serbien vor. Heracleum ossethicum : Sie kommt in Georgien vor. Heracleum paphlagonicum : Sie kommt in der Türkei vor. Heracleum pastinaca : Sie kommt in der Türkei vor. Heracleum pastinacifolium : Die Heimat ist die Türkei, Armenien und Aserbaidschan. Heracleum persicum : Die Heimat ist der Iran und die östliche Türkei. Heracleum peshmenianum : Sie kommt in der Türkei vor. Heracleum pinnatum : Sie kommt im Himalaja in Indien und Pakistan vor. Heracleum platytaenium : Sie kommt in der Ägäis und in der Türkei vor. Heracleum polyadenum : Sie kommt in Afghanistan und Pakistan vor. Heracleum ponticum (Syn.: Heracleum cyclocarpum var. ponticum ): Die Heimat ist Georgien. Heracleum pubescens (Syn.: Sphondylium pubescens ): Die Heimat ist die Kaukasusregion, die Türkei, Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Heracleum pumilum : Sie kommt in Frankreich vor. Heracleum rapula : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2000 bis 2200 Metern nur in Yunnan. Heracleum rigens : Die Heimat ist das südliche Indien. Heracleum roseum : Sie kommt im Kaukasusgebiet, in Armenien und in Aserbaidschan vor. Heracleum scabridum : Sie kommt nur in den chinesischen Provinzen Sichuan und Yunnan vor. Heracleum scabrum : Sie kommt in Georgien vor. Heracleum sommieri : Sie kommt in Georgien vor. Heracleum sosnowskyi : Die Heimat ist Aserbaidschan, Georgien und Dagestan. Heracleum souliei : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2600 bis 3500 Metern nur im westlichen Sichuan. Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium ): Sie ist in Eurasien und Nordafrika verbreitet, darunter mit den Unterarten (Auswahl): Heracleum sphondylium subsp. elegans (Syn.: Heracleum sphondylium subsp. montanum , Heracleum lanatum , Heracleum maximum , Heracleum montanum ) Heracleum sphondylium subsp. sibiricum (Syn.: Heracleum sibiricum ) Heracleum sphondylium subsp. ternatum (Syn.: Heracleum ternatum ) Heracleum sphondylium subsp. transsilvanicum (Syn.: Heracleum palmatum , Heracleum transsilvanicum ) Heracleum stenopteroides : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2000 bis 2300 Metern nur im westlichen Yunnan. Heracleum stenopterum : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2700 bis 4300 Metern in den chinesischen Provinzen Sichuan sowie Yunnan. Heracleum stevenii (Syn.: Heracleum laciniatum auct., Heracleum villosum auct.; diese Art wird in Nordnorwegen auch als Tromsöpalme bezeichnet): Die Heimat ist das Kaukasusgebiet und die Krim. Heracleum subtomentellum : Sie gedeiht in Höhenlagen von 4400 Metern nur im nordwestlichen Teil des autonomen Gebietes Tibet. Heracleum tiliifolium : Sie gedeiht in Höhenlagen von etwa 1000 Metern in den chinesischen Provinzen Hunan sowie Jiangxi. Heracleum trachyloma : Sie kommt in der Türkei, in Armenien und in Aserbaidschan vor. Heracleum tuberosum : Sie kommt in Chile vor, ihr gelber „Wurzelstock“ schmeckt gut. Heracleum vicinum : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2600 bis 3100 Metern nur in Sichuan. Heracleum wallichii : Sie ist in Bhutan, Nepal und Indien verbreitet. Heracleum wenchuanense : Sie gedeiht in Höhenlagen von etwa 3500 Metern nur in Sichuan. Heracleum wilhelmsii : Die Heimat ist Georgien. Heracleum wolongense : Sie gedeiht in Höhenlagen von 1900 bis 2200 Metern nur in Sichuan. Heracleum xiaojinense : Sie gedeiht in Höhenlagen von 3500 bis 4000 Metern nur in Sichuan. Heracleum yungningense : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2700 bis 4500 Metern in den chinesischen Provinzen Sichuan sowie Yunnan. Heracleum yunnanense : Sie gedeiht in Höhenlagen von 3600 bis 4100 Metern nur im nördlichen Yunnan.
Quellen Literatur Pu Fading, Mark F. Watson: Heracleum. In: (Abschnitte Beschreibung und Verbreitung) Hans Ernst Hess, Elias Landolt, Rosemarie Hirzel: Bestimmungsschlüssel zur Flora der Schweiz. 3. Auflage. Birkhäuser, Basel 1991, ISBN 3-7643-2606-9.
Einzelnachweise siehe Debatte zum grammatikalischen Geschlecht
Pu Fading, Mark F. Watson: Heracleum. In: Ralf Hand (2011): Apiaceae. – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Heracleum Lotte Burkhardt 2022: Eine Enzyklopädie zu eponymischen Pflanzennamen: Von Menschen & ihren Pflanzen – Berlin: Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin. – https://doi.org/10.3372/epolist2022, Berlin 2022.
Weblinks
Heracleum Informations-Website als Ergebnis einer Diplomarbeit. (in deutsch und englisch)
Kategorie:Doldenblütler