mini|Burghof mini|Burgkapelle Die Burg Lichtenberg ist eine Höhenburg auf der Gemarkung Oberstenfeld über der Gemeinde Oberstenfeld im baden-württembergischen Landkreis Ludwigsburg. Die Burg gilt als Wahrzeichen des Bottwartales und als eine der besterhaltenen stauferzeitlichen Burgen Deutschlands. Sie ist bewohnt und beherbergt ein nur zu besonderen Anlässen geöffnetes Restaurant.
Geschichte
Die Burg Lichtenberg, gelegen auf einem Ausläufer der Löwensteiner Berge, ist der Stauferzeit zuzuordnen. Als Beginn ihrer Geschichte wird das Jahr 1197 genannt, da Albertus von Lichtenberg in einer Urkunde des Markgrafen Hermann von Baden als Burgherr erwähnt wird. Im Laufe der zwei Jahrhunderte, die das Adelsgeschlecht die Burg bewohnte, fanden zahlreiche Lichtenberger den Weg in die Politik, darunter Hermann II. Hummel von Lichtenberg (gestorben 1335), der Kanzler von Kaiser Ludwig dem Bayern und ab 1333 bis zu seinem Tode Bischof von Würzburg war. Auch sein Bruder Albrecht von Lichtenberg stand als kaiserlicher Marschall im Dienste Ludwig der Bayern. Er war beim Sieg Ludwigs über den Habsburger Friedrich den Schönen von Österreich in der Schlacht bei Mühldorf am Inn beteiligt, die als letzte Ritterschlacht auf deutschem Boden gilt.
Die Zeit des Lichtenberger Geschlechts auf der Burg endete 1357. Vermutlich aufgrund von Geldnot sah sich Albrecht gezwungen, Herrschaft und Burg an Graf Eberhard den Greiner aus dem aufstrebenden Haus Württemberg zu verkaufen. 1407 erloschen die schwäbischen Lichtenberger.
Im Jahr 1483 belehnte Württembergs Graf Eberhard im Barte seinen Landhofmeister Dietrich von Weiler vom nahegelegenen Schloss Weiler mit der Burg Lichtenberg, dessen Nachkommen bis zum Tode Barons Burkhard Dietrich von und zu Weiler (2022) auf der Burg lebten.
Das heutige Erscheinungsbild der Burg wurde maßgeblich von der Familie Weiler beeinflusst, die zum Ende des 15. Jahrhunderts – auch aufgrund des schlechten Zustandes – große Umbauten vornehmen ließ. Die Verteidigungsanlagen konnten zu dieser Zeit bereits vernachlässigt werden, wodurch die Wohn- und Versorgungsbereiche stärker betont wurden.
Während der Bauernkriege zog Dietrich von Weiler 1525 in seiner Funktion als württembergischer Vogt mit seinem ältesten Sohn und einigen Landsknechten gen Weinsberg, um die Stadt gegen die aufständischen Bauern zu schützen. Beide fanden bei der erfolglosen Verteidigung den Tod. Das tragische Ende des Dietrich von Weiler und die so genannte „Weinsberger Bluttat“ wurden später im Drama Götz von Berlichingen von Johann Wolfgang von Goethe verarbeitet.
Obwohl die Lichtenberg ohne Burgherren völlig schutzlos war, wurde sie von den Bauern verschont, da einer der Anführer des württembergischen Bauernhaufens, der Großbottwarer Matern Feuerbacher, Barbara von Weiler und ihren neugeborenen Sohn einen Schutzbrief ausstellte.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf Oberstenfeld, am Fuße der Lichtenberg, stark zerstört. Die Lichtenberg selbst blieb davon glücklicherweise unbehelligt, sah sich allerdings im Sommer 1634 nach der Schlacht bei Nördlingen Plünderungen ausgesetzt.
Schon von Beginn an war die Burg eng mit Oberstenfeld verbunden. Zu den Schutzvögten des 1016 gegründete Chorfrauenstifts gehörte zunächst das Adelsgeschlecht der Lichtenberger, danach das Haus Württemberg. Auch die Familie von Weiler brachte sich in das Stift ein; 1799 wird Friederike Freyin von Weiler als Äbtissin zu „Obristenfeld“ genannt.
Während Oberstenfeld auch im Pfälzischen Erbfolgekrieg Ende des 17. Jahrhunderts wiederholt zerstört wurde, musste die Burg über die weiteren Jahrhunderte keine weiteren Kriegsschäden davontragen. Erst zum Ende des Zweiten Weltkrieges sah sich die Lichtenberg wieder kriegerischen Handlungen ausgesetzt.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, im April 1945, nutzte die Wehrmacht die Burg Lichtenberg für ihre Artilleriebeobachter, die das Artilleriefeuer gegen die vorrückenden US-Amerikaner lenkten. Als am 19. April amerikanische Panzer den Beilsteiner Bahnhof erreichten, wurde die Burg als Ziel ausgemacht. Innerhalb von 20 Minuten schlugen rund 20 Panzersprenggranaten in das Gemäuer ein – Spuren davon sind heute noch zu erkennen.
Um ihre Burg vor einer kompletten Zerstörung zu retten, bestieg die Burgherrin Baronin Marie Luise von Weiler den Turm und entrollte eine schwedische Flagge, was den Angriff stoppte. Die Wehrmacht wich zurück und die US-Amerikaner nahmen das Bottwartal ein.
In der Besatzungszeit verschwand auf illegaler Weise ein Flügelaltar aus der Burg-Kapelle, welcher heute im Cloisters Museum in New York zu besichtigen ist.
In der Nachkriegszeit wurde die weiterhin bestehende Gastronomie eröffnet und Instandsetzungen sowie Renovierungsmaßnahmen an den Burgmauern sowie in den Innenräumen vorgenommen; teilweise mit Hilfe des Landesdenkmalamtes und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Der 2019 geplante Verkauf an eine von Gemeinde, Kreissparkasse und Landkreis getragene Stiftung wurde nicht durchgeführt, stattdessen gründete der Baron Burkhard Dietrich von und zu Weiler zusammen mit einem Investor eine Gesellschaft. Ziel der Investorengesellschaft ist es, die Burg historisch korrekt zu renovieren und zu erhalten und sie gleichzeitig der Öffentlichkeit durch buchbare Events und öffentliche Veranstaltungen zugänglich zu machen.
Heutige Bedeutung Burghof, Bergfried, Kapelle und der Palas sind an jedem ersten Sonntag des Monats nach Absprache zu besichtigen. Die Burg ist heute eine Eventlocation. Es können Hochzeiten, Geburtstage, Firmenfeiern und andere Feste abgehalten werden. Eine Trauung in der Kapelle ist ebenfalls möglich. Zudem finden das ganze Jahr über öffentliche Veranstaltungen statt, beispielsweise ein Wintermarkt, Ritterfeste oder After-Work-Partys. Zur Burg gehört auch der Weinberg zu ihren Füßen.
Die nie zerstörte Höhenburg stammt aus der Zeit um 1200 mit spätromanischem Palas. Die Burgkapelle (1220 bis 1230) weist Wandmalereien aus der Entstehungszeit und um 1350 auf, der Torbau ist gotisch.
Das heutige Erscheinungsbild stammt hauptsächlich aus dem 15. Jahrhundert, da die Familie Weiler zu diesem Zeitpunkt einen großen Umbau vornehmen ließ.
Die Burg wurde 1945 gegen Ende des Zweiten Weltkriegs durch Artilleriebeschuss beschädigt und 1956 sowie in den 2020ern grundlegend renoviert.
Anlage Die Burg wird über eine heute steinerne Brücke und einen Torvorbau, der von einem Torhaus flankiert wird, betreten. Durch einen Torzwinger erreicht man das Innentor der Anlage, über dem sich die Kapelle mit freigelegten Wandmalereien befindet, bei denen die ältesten Werke aus dem 13. Jahrhundert stammen. Der etwa 30 Meter hohe, heute mit einem Dach versehene Bergfried überragt auf der Angriffsseite die kleine Anlage. Der Hocheingang zum Bergfried befindet sich in rund 8 m Höhe und ist vom zweiten Obergeschoss des Palas über einen Holzsteg erreichbar. Eine Holztreppe im Innern des Turms führt über 112 Stufen zur Aussichtsgalerie, von der sich ein guter Rundumblick bietet.
Der enge Burghof wird vom Palas auf der Talseite begrenzt und ist durch eine Holzbrücke zu erreichen. Nördlich verläuft die Ringmauer mit einem Uhrentürmchen und dem Wehrgang zu einem nordöstlich über Eck stehenden rechteckigen niedrigen Turm. Im Glockenturm befinden sich zwei Glocken von Johann Georg Rohr (1704) und seinem Sohn Johann Daniel Rohr (1731).
Literatur R. Schmidt: Burg Lichtenberg über dem Bottwartal und die neuentdeckten Wandgemälde ihrer Kapelle. In: Schwaben und Franken. Heimatgeschichtliche Beilage der Heilbronner Stimme, 7. Jahrgang, Nr. 10, 28. Oktober 1961, S. 1–3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 441–442 Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X.
Weblinks
Burg Lichtenberg (Oberstenfeld) auf burgenwelt.org Burg Lichtenberg, Eventseite zur Burg mit größerem Abschnitt zur Geschichte Burg Lichtenberg bei Burgenarchiv.de
Einzelnachweise
Lichtenberg (Oberstenfeld), Burg Kategorie:Kulturdenkmal in Oberstenfeld Oberstenfeld Oberstenfeld Kategorie:Aussichtspunkt in Baden-Württemberg Oberstenfeld Oberstenfeld Oberstenfeld Kategorie:Ersterwähnung 1197 Kategorie:Archäologischer Fundplatz im Landkreis Ludwigsburg Kategorie:Bauwerk der Romanik in Baden-Württemberg