mini|Isaac Newtons Philosophiæ Naturalis Principia Mathematica Eine wissenschaftliche Publikation oder Fachpublikation (im Jargon oft einfach Aufsatz oder englisch Paper genannt, sofern es sich um einen Artikel in einer Fachzeitschrift handelt) ist eine schriftliche wissenschaftliche Arbeit von einem oder mehreren Autoren, deren Veröffentlichung (Publikation) bei einem Wissenschaftsverlag vorgesehen oder bereits erfolgt ist.

Am häufigsten ist die Publikation einzelner Aufsätze in Fachzeitschriften, gefolgt von Beiträgen zu Tagungs- und Sammelbänden sowie Monografien.

Zum Publikationsprozess gehört heute in der Regel eine vorherige Begutachtung durch (meist anonyme) Fachkollegen (referees) in einem Review-Prozess. Hingegen werden für Lehr- und Handbücher im Allgemeinen einschlägig ausgewiesene Wissenschaftler als Autoren „per Bestellung“ herangezogen, und ein eventuelles „refereeing“-Verfahren vor der endgültigen Drucklegung hängt vom konkreten Fall ab. Im Vorfeld von Konferenzen und Tagungen wird oft in einem Call for papers zum Einreichen wissenschaftlicher Beiträge aufgefordert.

Gründe für die Publikationstätigkeit Wissenschaftler publizieren, um ihre Forschungsergebnisse der wissenschaftlichen Gemeinschaft (ihres Faches) vorzustellen; erst dadurch werden sie „existent“ und können zitiert werden; andere Forscher zu fachlichen Diskussionen und weiteren Untersuchungen anzuregen; zu zeigen, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt bereits die Ergebnisse hatten; diese Beweisfunktion erinnert an das Patentieren einer Erfindung; sich in ihrem Fach zu profilieren, was unter anderem für die Anstellung oder auch für die Vergabe von Forschungsgeldern wichtig ist („publish or perish“); Geld für diese Publikation zu erhalten (Tantiemen u. ä.); sich einer allgemeinen Öffentlichkeit zu präsentieren und Werbung für sich und ihre Ideen zu machen; diese Möglichkeit hängt vom Fach ab.

In manchen Fachgebieten erfolgt oft ein Vorabdruck (im Jargon als Preprint bezeichnet) der veröffentlichungsreifen Manuskripte auf Internet-Servern, wie das 1991 gegründete und von der Cornell Tech betriebene ArXiv. Mittlerweile (Stand 2020) existieren über 50 verschiedene Preprint-Anbieter. Eine Preprint-Publikation wird bereits als „entscheidend“ verstanden.

Hintergrund ist, dass in fast allen Wissenschaftsgebieten die Zahl und Qualität der Veröffentlichungen als Nachweis erfolgreicher wissenschaftlicher Forschungstätigkeit dienen. Dabei sind äußere Eingriffe und Beschränkungen in der Regel aus Sachgründen und aus Prinzip („Forschungsfreiheit“) grundsätzlich nicht vorgesehen. In einigen Fachgebieten – vor allem in der Medizin, der Pharmakologie, den Ingenieurwissenschaften und bei militärischer Relevanz oder Patentfragen – wird aber die Publikation eines durch Forschung entdeckten Sachverhalts von externer Seite ausgeschlossen oder eingeschränkt. Dabei spielen häufig Vertraulichkeitsvereinbarungen (Non-disclosure Agreements, kurz NDAs) in der Industrie eine Rolle.

Abgesehen von den Interessen der Öffentlichkeit ist die Publikation neuer Erkenntnisse speziell für die Wissenschaft selbst essenziell, damit andere Wissenschaftler Zugriff auf dieses Wissen erhalten und neue Forschungsideen entwickeln können.

Veröffentlichungsformen Unter den Begriff „wissenschaftliche Publikation“ fallen alle Aufsätze in veröffentlichten wissenschaftlichen Buchhandelsmedien (etwa „Zeitschrift für …“). Die sogenannte graue Literatur wird u. U. hinzugezogen; damit sind zum Beispiel Hochschulschriften (zum Beispiel Doktorarbeiten, Diplomarbeiten), „interne Berichte“ von Forschungsinstituten sowie Unternehmensschriften gemeint. Auch Internet-Dokumente, die analog in die oben genannten Bereiche gehören, gehören zum Wissenschaftsbetrieb. Als publiziert und damit zitierfähig gelten sie aber in vielen Fällen nicht.

Die Hinterlegung einer Arbeit in Archiven oder Bibliotheken ist keine ausreichende Form der Veröffentlichung. Gutachten, Artefakte, Geschmacksmuster, Warenzeichen oder interne Berichte finden in der Regel ebenfalls keine Beachtung als Publikationsträger. Dasselbe gilt für Internet-Dokumente, die zum Beispiel ohne Verlag auskommen, wie etwa eine private Homepage.

Die Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse oder Lehrmeinungen kann auf mehrere Arten erfolgen. Man unterscheidet zwischen selbständigen Publikationen (Monografie) und unselbstständigen Publikationen (Aufsatz, Artikel, Bericht usw.): Monografie: eine meist umfangreiche Publikation, in der ein Problembereich systematisch und vollständig behandelt wird (siehe auch Lehrbuch, Handbuch). Artikel in Fachzeitschriften (Fachartikel): Diese Beiträge sind in der Regel weniger umfangreich (außer wenn die Zeitschrift sich auf Reviews spezialisiert hat) und präsentieren in der Regel neue Resultate für ein Fachpublikum. Die Manuskripte müssen formalen und inhaltlichen Kriterien genügen, um im Peer-Review-Prozess (siehe dort) zur Veröffentlichung akzeptiert zu werden. Artikel in Tagungsbänden: Solche Publikationen haben einen ähnlichen Umfang wie Artikel in Zeitschriften, allerdings ist die Qualitätskontrolle oft weniger umfassend, weil der Band zu einem bestimmten Datum fertig sein muss. Häufig werden Mängel an akzeptierten Artikeln nur von den Autoren verbessert, ohne dass die Überarbeitung den Review-Prozess erneut durchläuft. Dafür sind Artikel in Tagungsbänden bei ihrem Erscheinen jedoch noch sehr aktuell. Aufsatz in Sammelwerken: Vom Umfang her sind sie vergleichbar mit Artikeln in Fachzeitschriften. Sie haben jedoch meist einen engen thematischen Bezug zu den anderen Aufsätzen des jeweiligen Sammelwerks. Beiträge zu Festschriften, die bekannten Wissenschaftlern oder Instituten zu einem Jubiläum gewidmet werden: Die Kriterien sind ähnlich wie bei einem Tagungsband, doch weisen die Themen der Autoren (die oft dem Schülerkreis der Geehrten entstammen) meist eine größere fachliche Vielfalt auf und werden i. d. R. nicht vor Drucklegung referiert.

Veröffentlichungsarten Die verschiedenen Fachgebiete legen unterschiedliches Gewicht auf einzelne Veröffentlichungsarten: So werden etwa in Physik, Biologie und Volkswirtschaftslehre hauptsächlich Veröffentlichungen in Fachzeitschriften wahrgenommen, Artikel in Konferenzbänden jedoch weniger; in der Informatik dagegen wird stärker auf Konferenzen publiziert; in den Geisteswissenschaften treten die Publikationsformen Fachzeitschrift-Artikel, Sammelwerk-Aufsatz und Monographie nebeneinander auf.

Monografien und Sammelwerke können in Schriftenreihen erscheinen, womit sie einem meist klar umrissenen Themenfeld zugeordnet werden, zum Beispiel Ullmanns Enzyklopädie der Technischen Chemie.

Die Zuordnung von Publikationen zu Autoren geschieht zum Beispiel mittels ORCID.

Im Allgemeinen hat sich die Gewichtung und Anerkennung elektronischer Internet-Publikationen, besonders solcher, die zum Beispiel im Open Access nur im Internet veröffentlicht sind, stark verändert:

Für das Jahr 2020 sind die Top 100 Altmetric wie folgt verteilt: 46 Publikationen Open Access, 29 Closed und 25 „Free to read“. Eine Studie von 2018 fand, dass 28 % aller Publikationen in Journalen frei zugänglich und online verfügbar sind, und vermerkt, dass dieser Trend in den letzten 20 Jahren stetig angestiegen sei. Eine weitere Analyse von Altmetric für 2017 ergab, dass 42 (84 %) der Top 50 Artikel als „Open Access“ publiziert wurden.

Frontiers Media, ein Open-Publisher mit 129 Peer-Reviewed Journalen, ist im Ranking nach ACS und RSC bei den Zitationen an dritter Stelle.

Die berühmte Royal Society (UK) verfolgt nach der Transformative Journals-Methodik (siehe auch: Plan S) ihrer Forschungsjournale in das Open-Access-Modell zu überführen, wenn 75 % der Artikel als „Open Access“ publiziert werden.

Peer Review

In einem Peer-Review-Prozess überprüfen Fachgutachter (meist Experten aus dem Fachbereich) die Arbeiten auf die wissenschaftliche Güte. Der Peer-Review-Prozess kann sich bei Publikationen in Zeitschriften über mehrere Monate hinziehen (zum Teil auch länger, etwa in der Volkswirtschaftslehre oder Astronomie, wo es sogar mehrere Jahre dauern kann), sorgt aber meist für eine hohe Qualität. Des Weiteren werden Fachartikel in solchen Journalen durch die Leserschaft in Form von Rezensionen analysiert, was eine weitere Kontrollinstanz darstellt.

Der Peer-Review-Prozess selbst steht heutzutage ebenfalls zur Debatte. Es gibt zu der Thematik eigene Kongresse.

Im Selbstverlag publizierte wissenschaftliche Werke, ob im Internet oder zum Beispiel auch als Print-on-Demand, genießen allgemein wenig bis keine Anerkennung, zumindest wenn bei dem Werk kein Peer Review stattgefunden hat oder der Autor wenig bekannt ist. Vielfach werden überhaupt nur solche Arbeiten als publiziert gewertet, die sich einer sogenannten ISBN oder ISSN zuordnen lassen.

Betrug Vor der Veröffentlichung in sogenannten „Raubjournalen“ wird gewarnt.

Gliederung einer Veröffentlichung Natur- und Sozialwissenschaften Natur- und Sozialwissenschaftliche Aufsätze weisen oft folgende Gliederung auf:

Titel Autoren: inklusive aller Koautoren, mit Kontaktadresse eines Korrespondenzautors (corresponding author). Bei veröffentlichten Abschlussarbeiten wird meist der Leiter der Arbeitsgruppe als Letzter aufgeführt, der Hauptautor als Erster. Doch gibt es dabei unterschiedliche Auffassungen, wodurch es zu Missverständnissen über den jeweiligen Beitrag der einzelnen Koautoren kommen kann. An einem wissenschaftlichen (Forschungs-)Projekt arbeitet oft ein Team mit, von dem natürlich jeder auch ein Interesse daran hat, dass sein Name entsprechend veröffentlicht wird; dies insbesondere aus dem Grund, um sich auch wissenschaftlich einen Ruf zu erarbeiten, welcher wiederum für die zukünftige Projektfinanzierung und die Karriere des Forschers bedeutend ist. In der Regel werden die Autoren – wie erwähnt – in absteigender Wichtigkeit der Beiträge genannt. Alternativ ist aber auch eine alphabetische Reihenfolge möglich, innerhalb derer dann die Hauptautoren gegebenenfalls noch extra gekennzeichnet werden. Der Hauptautor oder Leiter der Arbeitsgruppe dient oft als Kontakt, etwa für Anfragen bezüglich Rohdaten. Abstract: ein Kurzreferat des Inhaltes, das die Hauptthesen bzw. Ergebnisse in sehr kurzer, prägnanter Form wiedergibt. Der Abstract ist sehr oft in Katalogen öffentlich zugänglich. Einleitung (Introduction): Ein Kurzbericht des Forschungsstandes: Die Einleitung beinhaltet sozusagen eine kleine Übersichtsarbeit mit dazugehöriger Literaturrecherche. Die Motivation für die vorliegende Arbeit wird dargestellt: Welche Wissenslücken bestehen? Warum ist es wichtig, diese zu füllen? Ebenso werden Hypothese(n) formuliert. Materialien und Methoden / Experimenteller Teil (Materials and Methods / Experimental Section): welche Informationsquellen, Werkzeuge und Methoden wurden zur Bearbeitung der Fragestellung verwendet? Wie wird die Wahl der Methoden gerechtfertigt? Resultate (Results): was ist das Ergebnis der Bemühungen? Darstellung der gewonnenen Daten, gegebenenfalls mit statistischen Auswertungen. Diskussion (Discussion): Interpretation der Ergebnisse. Welche weiteren Fragestellungen ergeben sich daraus? Was bedeuten die Ergebnisse für das Forschungsgebiet? Stehen die Ergebnisse im Widerspruch zu oder Einklang mit anderen, früheren Publikationen? Da während der Forschungsarbeit nicht selten Probleme auftreten (zum Beispiel schlechtes Wetter, das eine Forschungsreise erschwert und verkürzt), wird im Diskussions-Teil selbstkritisch beschrieben, ob und mit welchen Einschränkungen die Ergebnisse gültig sind. Zusammenfassung (Summary): ähnlich wie das Abstract, jedoch eher zukunftsorientiert in Bezug auf weitergehende Fragestellungen. Wo und wie ließe sich das jetzt gewonnene Wissen weiterverwenden?