Eine Bewusstseinsminderung ist eine Störung der Wachheit. Es handelt sich um eine quantitative Bewusstseinsstörung. Ähnlich gebraucht wird der Begriff Herabsetzung der VigilanzRolf-Dieter Stieglitz, Achim Haug: Das AMDP-System. Manual zu Erfassung des psychopathologischen Befundes. 11. Auflage. hogrefe, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8017-3157-1, S. 33. (Bewusstseinshelligkeit)Dieter Ebert: Psychiatrie systematisch. 3. Auflage. Uni-Med, Bremen 1999, ISBN 3-89599-141-4, S. 14.. Bewusstseinsminderung wird v. a. in der Neurologie oft mit der qualitativen Bewusstseinstrübung synonym gebraucht.Uwe Henrik Peters: Lexikon Psychiatrie. 7. Auflage. Elsevier, München 2017, ISBN 978-3-437-15063-0, S. 666. Uwe Henrik Peters: 7. Auflage. Elsevier, München 2017, ISBN 978-3-437-15063-0, S. 84.
Beschreibung Bewusstseinsminderungen sind am Ausmaß der Schläfrigkeit zu erkennen. Die Patienten sind in unterschiedlichem Maße schläfrig, verlangsamt und in ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit eingeschränkt. In schweren Fällen ist der Realitätskontakt ganz aufgehoben.
Einteilung Die gängige Einteilung erfolgt nach dem Grad der Wachheit.
Benommenheit: Denken und Handeln sind hier deutlich bis hin zur Apathie verlangsamt und die Orientierungsfähigkeit ist herabgesetzt oder eingeschränkt: geringe spontane sprachliche Äußerungen, langsames Denken und reduzierte Auffassungsgabe; durch Ansprache oder Anfassen leicht weckbar. Der Patient kann jedoch noch gehen und einigermaßen geordnet handeln.Christian Scharfetter: Allgemeine Psychopathologie. 8. Auflage. Thieme, Stuttgart New York 2020, ISBN 978-3-13-243843-9, S. 65. Somnolenz: Es besteht eine beständige Schläfrigkeit oder Schlafneigung, die durch einfache Weckreize aber noch jederzeit unterbrochen werden kann: keine spontanen sprachlichen Äußerungen; wenn doch, dann unverständlich (Murmeln). Reflexe sind erhalten, herabgesetzte Konzentration und Aufmerksamkeit. Sopor: Schlafgleicher Zustand, aus dem Betroffene nur noch mit Mühe und Anwendung starker Reize, etwa Schmerzreize, aufgeweckt werden können: nicht mehr orientiert, keine sprachlichen Äußerungen, Reflexe erhalten. Koma: der höchste Grad der Bewusstseinsminderung, wenn jemand durch keinerlei Mittel mehr geweckt werden kann. Neurologisch können dabei anhand zunehmender Reflexausfälle weitere Grade bis hin zum tiefsten Koma unterschieden werden, in dem zentrale Lebensreflexe erloschen sind und größte Lebensgefahr durch Aussetzen der Atmung besteht; keine Abwehrbewegungen. Ein Sonderfall des Komas ist das sogenannte Wachkoma oder Apallische Syndrom. Zu unterscheiden ist das Koma als ungeregelter Bewusstseinsverlust von der medikamentös herbeigeführten Bewusstseinsminderung, die in der Medizin als künstliches Koma bezeichnet wird.
In der Notfallmedizin ist heute die Einteilung anhand der Glasgow Coma Scale (GCS) üblich.
Einordnung Im AMDP-System (System zur Erstellung des psychiatrischen Befundes) findet sich die Bewusstseinsminderung unter Nr. 1.
Diagnostik Das Syndrom wird in der psychiatrischen und neurologischen Untersuchung diagnostiziert. Es kann aus dem Gesamteindruck, der Beobachtung durch den Untersucher erschlossen werden.Erdmann Fähndrich, Rolf-Dieter Stieglitz: Leitfaden zur Erfassung des psychopathologischen Befundes. 6., überarbeitete Auflage. Hogrefe, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8017-3114-4, S. 65. Es kann aber praktisch nicht wie viele andere psychopathologische Symptome erfragt werden. Antwortet der Patient nicht, sollte man zunächst leichte und dann zunehmend stärkere Reize anwenden (Berühren des Armes, Schütteln der Schulter etc.).
Abgrenzung (Differentialdiagnose)
Bewusstseinstrübung: Störung der Bewusstseinsklarheit Bewusstseinseinengung: Vermindertes Ansprechen auf Außenreize. Bewusstseinsverschiebung: Gefühl einer Erweiterung inneren Erlebens Verwirrtheit: unklares, schlecht nachvollziehbares Denken
Ursachen Ursächlich ist immer eine cerebrale (Hirn-)Funktionsstörung.
Literatur
Das AMDP-System (Manual zur Dokumentation des psychischen Befundes). 11. Auflage. hogrefe, 2023, ISBN 978-3-8017-3193-9.
Einzelnachweise
Kategorie:Psychopathologisches Symptom