mini|hochkant|Ruine der Ganerbenburg mini|hochkant|Logo der Stadt, das die Vierteilung durch die Ganerben aufgreift mini|300px|Stadtplan von 1832 mit den Ganerben-Vierteln A–D Bönnigheim ist eine Stadt im Norden des Landkreises Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geografie Geografische Lage Bönnigheim liegt vor dem Nordostrand des Strombergs im Unterraum Zabergäu des Nachbarnaturraumes Neckarbecken in einer kleinen Talmulde des Mühlbachs. Letzterer mündet in der östlichen Nachbargemeinde Kirchheim a. N. von links in den Neckar.
Die nächstgelegenen größeren Städte sind Ludwigsburg etwa 16 km im Süden und Heilbronn etwa 14 km im Nordosten, jeweils in Luftlinie gemessen.
Der größte Teil der Gemeindefläche ist überwiegend landwirtschaftlich genutzte Flurlandschaft. Es gibt aber auch einen bedeutenden Anteil Siedlungsfläche. Ein Ausläufer der Markungsfläche im Westen erstreckt sich bis auf die ersten, ganz bewaldeten Höhen des Strombergs.
Gemeindegliederung Zu Bönnigheim gehören die ehemals selbstständigen Gemeinden Hofen und Hohenstein.
Zur Stadt Bönnigheim in den Grenzen von 31. Dezember 1971 gehörten die Stadt Bönnigheim und das Haus Burgermühle sowie die abgegangene Ortschaft Birlingen.
Zur ehemaligen Gemeinde Hofen gehörte das Dorf Hofen.
Zur ehemaligen Gemeinde Hohenstein gehörte das Dorf Hohenstein.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 396–399
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Bönnigheim.
Schutzgebiete
Die Stadt Bönnigheim hat Anteil an vier Landschaftsschutzgebieten: Das Landschaftsschutzgebiet Hohensteiner Täle, Schellenmüller, Dämmerbrunnen im Norden des Stadtgebiets, das Landschaftsschutzgebiet Alter Neckarbogen bei Kirchheim am Neckar, Hofen und Hohenstein mit angrenzenden Gebieten im Osten um den Stadtteil Hohenstein, das Landschaftsschutzgebiet Baumbachtal zwischen Erligheim und Walheim, Steinbachtal zwischen Löchgau und Besigheim mit Umgebung, insbesondere Niedernberg, Schalkstein und Hart im Süden des Stadtgebiets und das Landschaftsschutzgebiet Ausläufer des Stromberges um Bönnigheim, Erligheim, Freudental, Löchgau und Kleinsachsenheim im Osten.
Der Osten des Stadtgebiets liegt zudem im FFH-Gebiet Stromberg und im gleichnamigen Vogelschutzgebiet.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Entwicklung der Stadt Die erste urkundliche Nennung Bönnigheims findet sich im Lorscher Codex. In einer auf den 16. Februar 793 datierten Urkunde vermachte die Nonne Hiltburg die Gemeinden Bönnigheim, Erligheim und Alt-Cleebronn dem Kloster Lorsch. Durch diese Schenkung kam Bönnigheim später mit dem Kloster an das Hochstift Mainz.
Von 1235 bis 1252 hatten die Pfalzgrafen von Tübingen Zugriff auf Höfe in Bönnigheim, die um 1235 einen Hof an das Kloster Bebenhausen übertrugen.Vgl. WUB Band V, Nr. N39, S. 428 WUB online, und WUB Band IV, Nr. 1227, S. 295–296 WUB online. 1284 verkauften Abt Volland und der Konvent von Kloster Hirsau „um ihrer Schulden willen“ ihren Besitz in Bönnigheim und Botenheim ans Kloster Bebenhausen.WUB Band VIII, Nr. 3375, S. 476–477 WUB online.
1276 nannte sich der Sohn des edelfreien Albert junior von Roßwag „Werner von Bönnigheim“, als er auf Burg Magenheim dem Kloster Herrenalb alle seine Äcker und Wiesen in Aurich verkaufte.WUB Band VII, Nr. 2549, S. 410 WUB online. Er könnte Vasall der Grafen von Grüningen gewesen sein, die sich nach der Schlacht bei Frankfurt im schwäbischen Unterland Zugriff auf Reichs- und staufische Hausgüter verschafft hatten, bis König Rudolf von Habsburg dem Grafen Hartmann III. von Grüningen den unrechtmäßigen Zugewinn 1280 wieder abnahm und diese Güter vorerst seinem Reichslandvogt Albrecht II. von Hohenberg überantwortete. So trat der Hohenberger Graf am 3. Februar 1286 als advocatus et dominus civitatis Bunnenkain bzw. Vogt und Herr des 1284 von König Rudolf zur Stadt erhobenen Bönnigheims auf. Carl Friedrich Haug (Hrsg.): Chronici Sindelfingensis quae supersunt e manuscriptis Crusianis et Gabelcoverianis collecta atque digesta. Tübingen 1836, S. 37. 1291 übergab der König die junge Stadt seinem Sohn Albrecht von Löwenstein-Schenkenberg.
Ganerbentum mini|Bönnigheim 1684 im württembergischen Forstlagerbuch Durch Erbschaft, Heirat und Kauf kam es bald darauf zu einer Zersplitterung der Besitzrechte an Stadt und Burg, aus dem das Ganerbentum hervorging, das bis 1750 Bestand hatte. Während dieser Zeit wurde der Besitz der immer noch unter Mainzer Oberlehensherrschaft stehenden Stadt auf vier Adelsgeschlechter (Herren von Sachsenheim, Herren von Liebenstein, Herren von Gemmingen und Herren von Neipperg) aufgeteilt. Jedem Ganerben stand ein entlang der Mittelachsen des quadratischen Stadtgrundrisses abgegrenztes Viertel zu.Im Stadtplan von 1832 mit A bis D gekennzeichnet. Diese Ganerbenverhältnisse galten auch im benachbarten Erligheim.
Es ist nicht möglich, eine Stadt in vier Sektoren zu gliedern, ohne dass es zu Einschnitten im gesellschaftlichen Leben kommt. Auch sind Streitereien unter den Erben bei einer solchen Situation kaum etwas Besonderes. Aus diesem Grund wurde 1388 der Burgfrieden geschlossen, mit dem Bönnigheim seine erste Stadtordnung bekam. Im Burgfrieden legten die Ganerben fest, aus ihren Reihen alle zwei, später alle drei Jahre einen „Baumeister“ zu wählen, der für die Verwaltung der Stadt verantwortlich war. Der jeweilige „Baumeister“ bezog seinen Wohnsitz in der Burg. Weiterhin geregelt waren darin die Wahlen von Stadtrat und Bürgermeister sowie die Bestellung eines Amtmannes.
Im Bauernkrieg wurde die Burg niedergebrannt, 1546 wieder aufgebaut, 1697 jedoch teilweise wieder eingerissen. In diesem Zustand ist sie heute noch erhalten.
Seit dem 1. Oktober 2023 führt Bönnigheim die offizielle Zusatzbezeichnung „Ganerbenstadt“.
1700 bis 1900 1750 kaufte Graf Friedrich von Stadion die gesamte Stadt und beendete damit das Ganerbentum. 1756 ließ er das prachtvolle Schloss bauen. 1785 wurde die Stadt an Herzog Carl Eugen von Württemberg verkauft. In Württemberg bildete die Stadt zunächst ein eigenes Oberamt. Erst bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg erfolgte 1807 die Zuordnung zum Oberamt Besigheim.
Von 1823 bis zu seiner Ermordung 1835 war Johann Heinrich Rieber Schultheiß von Bönnigheim. In der Nacht des 21. Oktober 1835 wurde Heinrich Rieber (* 1794 in Bönnigheim) vor seiner Wohnung im sogenannten Kavaliersbau in Bönnigheim von hinten angeschossen und starb zwei Tage später an seinen Verletzungen.Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg, Kreisgerichtshof Esslingen: Kriminalsenat / 1817-1870; Verfahren gegen: Täter nicht ermittelt; Tatzeit: 21.10.1835; Tatort: Bönnigheim/Oberamt Besigheim; Tat: Stadtschultheiß Rieber wird vor seinem Haus erschossen E319 Bü 146 [Ermittlungsakte]. Der Mordfall Rieber führte zu umfangreichen Ermittlungen unter Leitung des Oberamtsrichters Eduard Hammer, der dabei erstmals im Königreich Württemberg forensische Ballistik einsetzte, um eine in Verdacht geratene Waffe kriminaltechnisch zu prüfen.
Erst 37 Jahre später, 1872, gingen aus Washington, D.C. Hinweise des ausgewanderten Bönnigheimers August Friedrich Wilhelm Rupp ein, die den ehemaligen Waldschützen Gottlob Rüb aus Stetten am Heuchelberg als mutmaßlichen Täter benannten. Rüb soll den Mord begangen und später als US-Soldat im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg gefallen sein. Nach Auswertung von Unterlagen aus Deutschland und den USA sah die Staatsanwaltschaft Heilbronn den Fall als hinreichend geklärt an und stellte das Verfahren am 7. August 1872 „durch beruhigend Erklären“ ein, womit der Mordfall Johann Heinrich Rieber offiziell als aufgeklärt gilt.
Der Bönnigheimer Mordfall gilt als der einzige bekannte deutsche Mordfall des 19. Jahrhunderts, der in Amerika aufgeklärt wurde, und hält mit 37 Jahren zudem den Rekord für die längste Aufklärungsdauer in diesem Jahrhundert.
Neuzeit 1938, während der NS-Zeit in Württemberg, kam Bönnigheim zum Landkreis Ludwigsburg. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten beim Einmarsch französischer Soldaten am 7. April 1945 sowohl die Wehrmacht als auch die Franzosen Teile des Stadtzentrums, wodurch viele Zivilopfer zu beklagen waren. Beim Wiederaufbau fanden die historischen Vorbilder nur wenig Berücksichtigung.Klaus Walz: Stadt Bönnigheim.
Da Bönnigheim nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Amerikanischen Besatzungszone geworden war, gehörte die Stadt ab 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Einwohnerentwicklung Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).
Die Zahlen der ersten Tabelle entsprechen der tatsächlichen Einwohnerzahl von Bönnigheim nach dem alten Gebietsstand ohne die Eingemeindungen der 1970er Jahre:Einwohner von Bönnigheim nach altem Gebietsstand bei Leo BW, abgerufen am 12. April 2021.
Jahr Einwohner 1852 2.336 1871 2.447 1880 2.593 1890 2.815 1900 2.703 1910 2.571 Jahr Einwohner 1925 2.598 1933 2.863 1939 3.021 1950 3.961 1956 4.033 1961 4.348 1970 4.904
Nachfolgend die Einwohnerzahlen nach dem heutigen Gebietsstand, die rückgerechnet für die Zeit vor 1970 deutlich höher erscheinen als nur in der Kernstadt: Jahr Einwohner 1. Dezember 1871 ¹ 3.233 1. Dezember 1880 ¹ 3.381 1. Dezember 1890 ¹ 3.567 1. Dezember 1900 ¹ 3.382 1. Dezember 1910 ¹ 3.213 16. Juni 1925 ¹ 3.170 16. Juni 1933 ¹ 3.425 17. Mai 1939 ¹ 3.584 13. September 1950 ¹ 4.738 6. Juni 1961 ¹ 5.215 Jahr Einwohner 27. Mai 1970 ¹ 6.120 31. Dezember 1980 6.225 25. Mai 1987 ¹ 6.186 31. Dezember 1990 6.853 31. Dezember 1995 6.815 31. Dezember 2000 7.317 31. Dezember 2005 7.487 31. Dezember 2010 7.520 31. Dezember 2015 7.593 31. Dezember 2020 8.190
Eingemeindungen 1. Januar 1972: Hohenstein 1. Oktober 1972: Hofen
Religionen Neben der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche ist auch eine neuapostolische Gemeinde im Ort vertreten.
Politik Gemeinderat
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 brachte folgendes Ergebnis: Parteien und Wählergemeinschaften% 2024Sitze 2024% 2019Sitze 2019FWV/CDU Freie Wählervereinigung/Christlich Demokratische Union Deutschlands37,16733,746UWGUnabhängige Wählergemeinschaft Bönnigheim29,95531,736SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 9,87216,073Grüne Bündnis 90/Die Grünen10,31218,453 ABö Aktive Bönnigheimer12,712 –– gesamt1001810018 Wahlbeteiligung61,22 % 59,49 %
Zusätzliches stimmberechtigtes Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist der Bürgermeister.
Bürgermeister Der Bürgermeister ist gemäß der baden-württembergischen Gemeindeordnung Vorsitzender des Gemeinderats und Leiter der Gemeindeverwaltung. Er ist hauptamtlicher Beamter auf Zeit und wird von den wahlberechtigten Bönnigheimer Bürgern direkt für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. 1930 änderte die württembergische Gemeindeordnung die Amtsbezeichnung Schultheiß in Bürgermeister.
Die seit 1823 amtierenden Schultheißen bzw. Bürgermeister waren:Josef Kurz, Kurt Sartorius, Werner Holbein, Dieter Gerlinger: Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt – Bönningheim, Hohenstein, Hofen. Bönnigheim 1984.
Amtszeit Amtsinhaber 1823–1835 Johann Heinrich Rieber 1836–1874 Gottlieb Konrad Finckh 1874–1887 Mays 1888–1904 Adolf Bruder 1905–1921 Mössner 1921–1934 Hermann Zipperlen 1934–1945 Emil Henne 1945–1948 Wilhelm Wachter 1948–1978 Gottlob Stierle 1978–2002 Gerd Kreiser 2002–2018 Kornelius Bamberger seit 2018 Albrecht Dautel
Wappen und Flagge mini|Hohenstein