mini|hochkant=1.25|Blick auf Großbottwar vom Wunnenstein (Okt. 2007) mini|hochkant=1.25|Großbottwar im Januar 2005 Großbottwar ist eine Kleinstadt mit einem historischen Ortskern im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Sie liegt etwa 26 km nordnordöstlich der Landeshauptstadt Stuttgart und 16 km südsüdöstlich von Heilbronn. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. mini|hochkant|Markierung des 49. Breitengrades

Geographie

Lage Großbottwar hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge und Neckarbecken.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009. Die Stadt liegt in der Mitte des Bottwartals im Nordosten des Landkreises Ludwigsburg. Der kleine Fluss, an dessen Hängen um Großbottwar herum von jeher Weinbau betrieben wird, durchquert den Ort von Nordosten nach Südwesten. Die Altstadt befindet sich rechts der Bottwar.

An der Bahnhofstraße ist der 49. nördliche Breitengrad, der die Stadt durchquert, durch eine stehende Granitplatte markiert (allerdings steht diese Platte auf 48,9988927° N (Stand 2015), der 49. Breitengrad verläuft rund 120 Meter weiter nördlich).

Stadtgliederung Zu Großbottwar gehören die ehemals selbstständigen Gemeinden Hof und Lembach und Winzerhausen. Zur Stadt Großbottwar in den Grenzen von 1970 gehören die Stadt Großbottwar, der an der L 1100 gelegene Weiler Sauserhof und das Haus Benzenmühle. Sauserhof gehörte von 1700 bis 1821 zur Gemeinde Winzerhausen. Zur ehemaligen Gemeinde Hof und Lembach gehören das in einem Seitental der Bottwar gelegene Dorf Hof und Lembach sowie die abgegangenen Ortschaften Stötzlinsberg und Hertrichshof. Zur ehemaligen Gemeinde Winzerhausen gehören das drei Kilometer nordwestlich von Großbottwar gelegene Dorf Winzerhausen und der Weiler Holzweilerhof.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 412–414.

Nachbargemeinden An Großbottwar grenzen an im Nordwesten die Gemeinde Neckarwestheim, im Norden die Gemeinde Ilsfeld, im Nordosten die Stadt Beilstein, alle im Landkreis Heilbronn; im Nordosten die Gemeinde Oberstenfeld im eigenen Landkreis Ludwigsburg; im Südosten die Gemeinde Aspach im Rems-Murr-Kreis; ebenfalls noch im Südosten eine unbesiedelte Exklave der Gemeinde Murr, im Süden die Stadt Steinheim an der Murr, im Westen die Gemeinde Mundelsheim, das dort grenznah auch eine kleine unbesiedelte Enklave auf Großbottwarer Gebiet hat, alle wieder im eigenen Landkreis.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Großbottwar.

Geschichte Großbottwar Seit der frühen Steinzeit war die Markung Großbottwar ununterbrochen besiedelt, was durch Funde aus allen Kulturepochen belegt ist. Aus der Zeit des Römischen Reichs, zu der es zwischen 150 und 260 n. Chr. gehörte, fand man Reste dreier Gutshöfe.

Bei Großbottwar betrieb der Römer Gaius Longinius Speratus um das Jahr 200 eine Ziegelei, deren Produkte mit dem Namenskürzel GLSP gekennzeichnet wurden. Diese Ziegel wurden u. a. auch in Weinsberg und Walheim gefunden.Ulrich Brandl, Emmi Federhofer: Ton + Technik. Römische Ziegel (= Schriften des Limesmuseums Aalen. Nr. 61). Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2403-0, S. 69. Sein Gutshof befand sich im Gewann Mäurach.

Im Jahr 779 wird Großbottwar in einer Schenkungsurkunde des Klosters Fulda erstmals urkundlich als Boteburon erwähnt. Die Deutung des Namens ist ungeklärt. Es ist auch möglich, dass der Fluss nach der Stadt benannt wurde und nicht umgekehrt. Zum Zeitpunkt der Ersterwähnung war der Ort Bestandteil des Herzogtums Franken; die Pfarrkirche des Orts ist dem fränkischen Schutzpatron St. Martin geweiht. Das damalige Dorf befand sich denn auch westlich der heutigen Altstadt um die Martinskirche herum.

Ein Ortsadelsgeschlecht ist im 12. Jahrhundert bezeugt. Die Stadtgründung erfolgte wohl in der Mitte des 13. Jahrhunderts etwas westlich des alten Dorfs, die außerhalb der Mauern gelegene Martinskirche blieb jedoch Pfarrkirche. 1279 wird Botebor erstmals als Stadt (civitas) bezeichnet. Die Gründung erfolgte durch den Familienverbund Heinrieth/Hoheneck/Lichtenberg, zu deren Besitz damals die benachbarte gleichnamige Burg Lichtenberg gehörte. Sie verkauften 1357 ihre Burg und die zugehörige Herrschaft, inklusive der Stadt, an Graf Eberhard II. von Württemberg. Großbottwar war in der Folgezeit Sitz eines württembergischen Amtes. 1496 gab es in der Stadt eine Lateinschule, die bis 1925 bestand.

1525 wurde Großbottwar zu einem Zentrum der Aufstandsbewegung im Deutschen Bauernkrieg. Zu Ostern zogen zweihundert Bürger der Stadt auf den nahegelegenen Berg Wunnenstein und wählten Matern Feuerbacher aus ihren Reihen zu ihrem Anführer. Der Bauernhaufen vergrößerte sich schnell, so dass Feuerbacher auf seinem anschließenden Zug durch Württemberg über 8.000 Bauern kommandierte. Er bemühte sich um Mäßigung und Verhandlungen mit der Obrigkeit und hielt die Bauern von größeren Gewalttaten ab. Nachdem das Bauernheer bei Böblingen eine verheerende Niederlage erlitten hatte, wurde er festgenommen und vor Gericht gestellt. Matern Feuerbacher wurde, weil er immer um Mäßigung der Bauern bemüht war, freigesprochen. Er konnte in die Schweiz ausreisen. In Basel ist er wohl auch gestorben. Heute ist die Realschule in Großbottwar nach ihm benannt. Die Stadt Großbottwar musste für ihre Rolle im Bauernkrieg eine hohe Geldstrafe zahlen.

mini|hochkant=1|Großbottwar um 1640. Illustration aus Matthäus Merians Topographia Sueviae, 1643 Im Dreißigjährigen Krieg herrschte wie überall im Land große Not durch Kriegseinwirkungen und Epidemien. Allein von Juli bis Dezember 1635 starben 629 Personen „Hungers, Kummers und Totschlags“. Insgesamt verlor die Stadt zwei Drittel ihrer Einwohner.

1693 musste Großbottwar eine Brandschatzung an die eingefallenen Franzosen entrichten, dennoch wurde das Stadtschloss Großbottwars, das Rechenbergsche Schloss, zerstört und alle Glocken sowie die Orgel der Pfarrkirche geraubt. Der Ort blieb, anders als die Nachbarstadt Marbach, von einer großflächigen Zerstörung verschont.

Im Zuge der Verwaltungsreform nach Gründung des Königreichs Württemberg 1806 verlor Großbottwar seine Funktion als Verwaltungssitz und kam an das Oberamt Beilstein, 1810 an das Oberamt Marbach. Bei diesem verblieb es bis zu dessen Auflösung 1938, als es an den Landkreis Ludwigsburg kam. In der Ausbauphase des frühen 19. Jahrhunderts wurden zwischen 1820 und 1837 weite Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung abgerissen.

1894 wurde die Bottwarbahn eröffnet, die von Marbach über Beilstein nach Heilbronn führte und auch in Großbottwar einen Bahnhof hatte. Die Bahn eröffnete den Bewohnern bessere Erwerbsmöglichkeiten durch Pendlerarbeit. Zum Industriestandort wurde der Ort jedoch nicht, auch die Einwohnerzahl vergrößerte sich nicht (siehe unten). 1966 wurde der Personenverkehr auf der Bahn wieder eingestellt, 1968 auch der Güterverkehr.

Den Zweiten Weltkrieg überdauerte der Ort weitgehend unbeschadet. Lediglich im September 1940 zerstörten einige Fliegerbomben mehrere Gebäude in der Hauptstraße. Nach dem Krieg nahm der Ort zahlreiche Vertriebene auf und die Hanglagen um den historischen Ortskern wurden besiedelt.

1945 wurde die Stadt Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Am 1. Dezember 1971 wurden – im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform – die beiden zuvor selbstständigen Gemeinden Winzerhausen sowie Hof und Lembach nach Großbottwar eingemeindet.

Hof und Lembach Die ursprünglich zwei Dörfer wurden 1357 im Zusammenhang mit dem Verkauf der Herrschaft Lichtenberg an Württemberg erstmals erwähnt. Die Ersterwähnung lautete: „Lymbach das Weiler, der Hof zu Ruwental und der Hof, den man heißt Dorneshof und die Mühle zu dem Hof“. Sie gehörten bis 1810 zum Amt Bottwar, später zu denselben Verwaltungseinheiten wie auch die Stadt. Bereits 1568 bildeten die beiden Dörfer eine Markung. Das Dorf Hof und Lembach bildete eine Gemeinde, die am 1. Dezember 1971 in die Gemeinde Großbottwar eingegliedert wurde.

Einwohnerentwicklung Im Jahre 1871 zählte Großbottwar 3582 Einwohner und war damit fünftgrößter Ort im Bereich des heutigen Landkreises Ludwigsburg (heute rangiert Großbottwar auf dem 19. Platz). In den darauffolgenden Jahrzehnten stagnierte bzw. sank die Einwohnerzahl; 1939 waren es 3043 Einwohner. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann die Einwohnerzahl langsam, aber stetig zu steigen. Heute zählt die Gemeinde über 8000 Einwohner, davon entfallen etwa 5700 auf die Kernstadt, 1500 auf Winzerhausen und 800 auf Hof und Lembach.

Religionen Seit Einführung der Reformation im 16. Jahrhundert ist Großbottwar überwiegend evangelisch geprägt (mit Ausnahme einer kurzen Periode während der spanischen Besetzung im Dreißigjährigen Krieg). Bis Ende 2016 gab es in Großbottwar und Winzerhausen je eine evangelische Gemeinde, aus denen zum 1. Januar 2017 die neue evangelische Kirchengemeinde GroßbottwarWebsite der Kirchengemeinde Großbottwar im Kirchenbezirk Marbach der Evangelischen Landeskirche in Württemberg geschaffen wurde. Die Liste der Gemeindepfarrer reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die Evangelische Kirchengemeinde Großbottwar betreibt seit 1919 eine Krankenpflegestation.Diakoniestation Großbottwar siehe diakoniestation-grossbottwar.de Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich im Hauptort auch wieder eine römisch-katholische Gemeinde gebildet. Die Gemeinde St. Pius X. gehört zum Dekanat Ludwigsburg. Daneben gibt es in beiden Ortsteilen auch je eine evangelisch-methodistische Kirche. Im Kernort sind ferner Jehovas Zeugen und neuapostolische Kirche, in Winzerhausen eine Freie Biblische Gemeinde vertreten.

Politik Gemeinderat Nach der letzten Kommunalwahl am 9. Juni 2024 hat der Gemeinderat 18 gewählte Mitglieder. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis: Parteien und Wählergemeinschaften% 2024Sitze 2024% 2019Sitze 2019FBWV Freie Bürgerliche Wählervereinigung Großbottwar47,90844,388CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands25,85530,955SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 18,27320,554FDP Freie Demokratische Partei 4,8014,111Grüne Bündnis 90/Die Grünen3,181–– gesamt1001810018 Wahlbeteiligung 66,04 % 62,89 % Weiteres (parteiloses) Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist der Bürgermeister.

Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2010 Bürgermeister Ralf Zimmermann (parteilos). Er wurde 2017 und 2025 wiedergewählt.

Bei der Wahl im Jahr 2025 erhielt er 92,26 % der Stimmen.

Zudem vertritt er den Wahlkreis 11 im Kreistag des Landkreises Ludwigsburg seit 2014 als Kreisrat. Bei der letzten Kommunalwahl erhielt er mit 8.050 Stimmen das bestest Ergebnis im Wahlkreis.

Wappen und Flagge Das Stadtwappen zeigt in Gold unter einer liegenden schwarzen Hirschstange einen naturfarbenen Storch. Für den Storch, der seit dem 15. Jahrhundert in Siegeln nachgewiesen ist, gibt es unterschiedliche Erklärungen. Nach einer Deutung soll er auf eine Überlieferung zurückgehen, nach der sich Störche früher vor ihrem Winterzug bei Großbottwar gesammelt haben. Eine andere Deutung zielt auf das Schwanenwappen der Herren von Lichtenberg, deren Wappenfigur nach dem Ende ihrer Herrschaft nicht mehr recht zu erklären war.

Die Stadtflagge in den Farben Rot-Gelb wurde am 24. April 1979 verliehen, zuvor führte die Stadt eine Flagge in den Farben Rot-Weiß-Gelb-Schwarz.

Die Wappen der eingemeindeten Gemeinden sind wie folgt: 50px|Hof und Lembach Hof und Lembach: In Rot eine Hape mit silberner Schneide und schwarzem Griff