Die Süddeutsche Zeitung (SZ) ist eine deutsche überregionale Abonnement-Tageszeitung. Sie wird seit 1945 von der Süddeutsche Zeitung GmbH, die zum Süddeutschen Verlag gehört, in München verlegt. Der Süddeutsche Verlag befindet sich seit Februar 2008 zu 81,25 Prozent im Besitz der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) mit Sitz in Stuttgart, deren Hauptgesellschafter die Medien Union und die Gruppe Württembergischer Verleger sind. Die weiteren Anteile hält die Verlegerfamilie Friedmann. Aktuelle Chefredakteurin ist Judith Wittwer. Vorsitzender des Herausgeberrates ist Thomas Schaub. Die Zeitung erscheint im Nordischen Format.

Profil und Ausrichtung Die Süddeutsche Zeitung wird seit 1945 verlegtSüddeutsche Zeitung.Münchner neueste Nachrichten aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Sport. Süddeutscher Verlag, München 1945 ff. und wird von Journalisten als eines der deutschsprachigen Leitmedien eingestuft. Laut ihrem Redaktionsstatut erstrebt die Süddeutsche Zeitung „freiheitliche, demokratische Gesellschaftsformen nach liberalen und sozialen Grundsätzen“.SZ-Redaktionsstatut, zitiert nach Ludwig Maaßen: Die Zeitung: Daten – Deutungen – Porträts. Heidelberg 1986, S. 95. In der Außenwahrnehmung wird sie als linksliberal bzw. „etwas links von der Mitte“ eingestuft.Mediendatenbank: Süddeutsche Zeitung Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, abgerufen am 17. September 2019.Marcus Maurer, Carsten Reinemann: Medieninhalte. Eine Einführung. VS Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14008-6, S. 130. Ein in Kreisen der Neuen Rechten verbreitetes Schmähwort ist „Alpen-Prawda“.

Spezifisch für die Süddeutsche Zeitung ist das Gewicht, das sie der Kultur einräumt. Das Feuilleton folgt direkt auf den politischen Teil. Neben der Glosse Streiflicht oben auf der Titelseite ist die „Seite 3“ ein besonderes Merkmal, in der eigenen Schreibweise DIE SEITE DREI. Hier erscheinen täglich Reportagen und Hintergrundartikel. Auf der vierten Seite, der Meinungsseite, findet man täglich einen von bekannten SZ-Autoren verfassten Leitartikel. Außerdem liegt jeden Freitag das SZ-Magazin bei. Bis 2017 gab es, ebenfalls am Freitag, eine Beilage mit einer Auswahl englischsprachiger Artikel der New York Times. An Donnerstagen gibt es in der Auflage für die Region München die Veranstaltungsbeilage SZ-Extra. Samstags erscheint die SZ seit dem 18. Oktober 2014 unter dem Titel Süddeutsche Zeitung am Wochenende in einer erheblich erweiterten Version, die nicht nur Tageszeitung, sondern auch Sonntags- bzw. Wochenzeitung sein soll.

Die Süddeutsche Zeitung unterhält in Deutschland Redaktionsbüros in Augsburg, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Karlsruhe, Leipzig, Nürnberg, Regensburg und Stuttgart.Wieso gibt es keinen Regionalteil Franken? auf sueddeutsche.de, vom 12. Oktober 2020, abgerufen am 3. Oktober 2025 2014 trat die Süddeutsche Zeitung einem Rechercheverbund mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten NDR und WDR bei.

Geschichte Anfänge mini|Zeitungsleser mit einer Sonderausgabe der Süddeutschen Zeitung nach der Urteilsverkündung der Nürnberger Prozesse, 1. Oktober 1946

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland von den Alliierten besetzt. Am 28. Juni 1945 erließen die Westalliierten als Besatzungsmächte über ihr Oberkommando der Psychological Warfare Division die Direktive Nr. 3, in der die Zulassung von Zeitungen geregelt wurde. Die erste Lizenz für die Herausgabe einer Zeitung in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg wurde August Schwingenstein, Edmund Goldschagg und Franz Josef Schöningh erteilt. Mit der Übergabe der Lizenzen durch Oberst Bernard B. McMahon, Kommandeur des Nachrichten-Kontrollwesens in Bayern, ging am 6. Oktober 1945 die erste Ausgabe der Süddeutschen in Druck.

Die Süddeutsche, deren Namensidee von Wilhelm Hausenstein stammt, war als überregionale Zeitung mit einer Stadtausgabe für München konzipiert. Sie übernahm die Räumlichkeiten der am 28. April 1945 eingestellten Zeitung Münchner Neueste Nachrichten wie das Redaktions- und das Druckhaus., abgerufen am 31. März 2020. Die erste Ausgabe erschien zum Preis von 20 Pfennig als Lizenzzeitung Nr. 1 der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung Ost. Die Lizenz wurde ihr als so genannte „wichtige meinungsbildende“ Tageszeitung erteilt. Eine Wochenschau von 1945 zeigt, wie ein amerikanischer Soldat den Bleisatz von Hitlers Mein Kampf in einem symbolischen Akt ins Feuer gibt, aus dessen Schmelze die ersten Druckplatten der Süddeutschen Zeitung gegossen wurden.

Aus dem Geleitwort auf Seite 1 der ersten Ausgabe:

mini|Sendlinger Straße 8 in München: bis Oktober 2008 Redaktionsgebäude der Süddeutschen Zeitung

Im Jahr 1946 wurde Werner Friedmann vierter Lizenzträger und war von 1951 bis 1960 auch Chefredakteur der SZ. Gemeinsam mit den anderen Lizenzträgern wurde er Gesellschafter des am 25. Juli 1947 gegründeten Süddeutschen Verlags, dem die Produktion der Süddeutschen Zeitung seitdem obliegt. Bis August 1949 stand die Süddeutsche unter Überwachung der US-amerikanischen Militärregierung, die als tolerant galt. Sie achtete jedoch auf die konsequente Trennung von sachlichen Nachrichteninformationen und Meinungen. Ebenso kritisch überwacht wurden Äußerungen mit Verdacht auf nationalsozialistische Gesinnung. Bei antisemitischen Anzeichen reagierten die Besatzer kritisch. Ebenfalls war Kritik an der Besatzungsbehörde selbst von der Überwachung betroffen. Ein sehr empfindliches Thema war die Berichterstattung über die sowjetischen Alliierten. Infolge eines Kommentars von Friedmann aus dem Jahr 1946 durfte die Süddeutsche über 30 Tage lediglich vier Seiten pro Ausgabe publizieren. In der Bevölkerung brachte der Vorfall der Süddeutschen Sympathie ein. Nachdem sich die Verhältnisse der West-Alliierten mit der Sowjetunion verschlechterten, blieben vergleichbare Artikel ab 1947 ohne Konsequenzen. Mit Inkrafttreten des neuen bayerischen Pressegesetzes am 3. Oktober 1949 wurde die Nachrichtendienstabteilung der Militärregierung aufgelöst.

Die Süddeutsche erschien bis Januar 1947 zunächst dreimal pro Woche. Zwischen Februar und August 1947 konnte die Süddeutsche aufgrund Papiermangels nur zweimal pro Woche erscheinen. Anschließend erschien die Zeitung wieder dreimal pro Woche, bis sie am 18. September 1949 Tageszeitung wurde.

Nicht thematisiert wurde in der Frühphase der Zeitung, dass mehrere ihrer führenden Köpfe in das NS-Regime verstrickt waren, darunter der Mitherausgeber Franz Josef Schöningh, Chefredakteur Hermann Proebst und Innenpolitikchef Hans Schuster.Nazivergangenheit eigener Führungskräfte spielte lange keine Rolle. In: sueddeutsche.de. 24. August 2015, abgerufen am 13. Februar 2022. Liberale und Antifaschisten hatten es einer Untersuchung Knud von Harbous zufolge in den Anfangsjahren in der Zeitung schwer gehabt.Wie die junge SZ mit Nazi-Verstrickungen umging In: sueddeutsche.de. 24. August 2015, abgerufen am 15. April 2024.

Weitere Entwicklung im 20. Jahrhundert Die Süddeutsche baute ab 1965 ein eigenes Auslandskorrespondentensystem auf. Während diese Berichterstatter zunächst noch für mehrere Zeitungen gleichzeitig arbeiteten, stellte die Süddeutsche später Korrespondenten ein, die ausschließlich für sie arbeiten. Im Jahr 1991 wurde ein Korrespondent, der im Grenzgebiet zu Serbien in einem Pressefahrzeug saß, erschossen.

Ab den 1970er Jahren veröffentlichte die Süddeutsche eigene Regional- und Landkreisausgaben für Bad Tölz-Wolfratshausen, Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck und Starnberg.

Auf Initiative der SZ-Redakteure unterzeichneten ihre Gesellschafter am 4. August 1971 mit der Geschäftsführung, dem Betriebsrat sowie der Redaktion ein Redaktionsstatut. Darin wird festgehalten, dass die Mitglieder der Chefredaktion von der Gesellschafterversammlung bestimmt werden. Allerdings kann eine Mehrheit von zwei Dritteln der Redaktionsmitglieder durch Berufungen oder Abberufungen solche Entscheidungen blockieren.

Seit 1975 gibt es die Rubrik Kostprobe.

Im Jahr 1988 schloss der Süddeutsche Verlag mit dem Independent, der La Repubblica und der El País einen Vertrag zum Austausch von Artikeln sowie für eine mögliche Kooperation der Korrespondenten.

Entwicklung seit 2000 Seit Beginn der Krise auf dem Anzeigenmarkt der Tageszeitungen im Jahre 2000 verschlechterte sich auch die Lage der Süddeutschen Zeitung zusehends. Es mussten neue Gesellschafter ins Boot geholt werden: Mit 18,75 Prozent kaufte sich die Südwestdeutsche Medienholding (Stuttgarter Zeitung etc.) in den die Süddeutsche Zeitung herausgebenden Süddeutschen Verlag ein, die wiederum zu rund 44 Prozent der Medien Union GmbH Ludwigshafen (Die Rheinpfalz etc.) gehört. Aus Kostengründen wurden 2002 die Jugendbeilage Jetzt und die 1999 eingeführte Berlin-Seite eingestellt.Daniel Eckert: Der Hauptstadt-Blues. In: welt.de. 19. Juli 2002, abgerufen am 29. November 2019. Die 2002 gestartete Regionalausgabe für Nordrhein-Westfalen wurde bereits 2003 wieder eingestellt.„Süddeutsche Zeitung“ stellt NRW-Regionalteil ein. In: faz.net. 13. März 2003, abgerufen am 19. März 2020. 950 Arbeitsplätze wurden abgebaut.Süddeutscher Verlag baut noch 300 Jobs ab. In: handelsblatt.com. 22. November 2002, abgerufen am 5. Juli 2020. Die wirtschaftliche Situation hat sich zwischenzeitlich umgekehrt: Der Fehlbetrag 2002 betrug 76,6 Millionen Euro; 2003 ergab sich ein Überschuss von 0,6 Millionen Euro und 2004 ein erneutes Plus von 37,1 Millionen Euro.

Das SZ-Magazin wurde im Mai 2000 in einen Skandal verwickelt, nachdem bekannt wurde, dass es gefälschte Prominenten-Interviews des Journalisten Tom Kummer veröffentlicht hatte. Dessen fragwürdiges Verhältnis zur Beziehung von Realität und Fiktion war seit längerem bekannt gewesen.

Ein gravierendes Revirement erlebte die Feuilleton-Redaktion im Frühjahr 2001. Zunächst wechselten vier namhafte Feuilleton-Redakteure von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur Süddeutschen Zeitung: Franziska Augstein, Thomas Steinfeld, Ulrich Raulff und Lothar Müller.Ulrike Simon: „SZ“-Abwanderung: Keine Verlustängste. In: tagesspiegel.de. 26. März 2001, abgerufen am 13. Juli 2020. Wie in solchen Fällen üblich, kommentierten die Betreffenden die Kündigungen nicht. Andere Kommentatoren vermuteten ein zunehmendes Unbehagen der Redakteure am Führungsstil von FAZ-Mitherausgeber und Feuilleton-Leiter Frank Schirrmacher.Jochen-Martin Gutsch: Gleich drei führende „FAZ“-Feuilletonisten wechseln zur „Süddeutschen“: Der Lauf der Dinge. In: berliner-zeitung.de. 7. Februar 2001, abgerufen am 2. April 2020. Denn dies war bereits die dritte Kündigungsrunde unter der Ägide Schirrmachers.

Im Gegenzug hatte SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz seinerseits einen Exodus von profilierten Feuilletonredakteuren nach nur wenigen Wochen im März 2001 hinzunehmen. Mit Ressortchef Claudius Seidl, Niklas Maak, Georg Diez, Edo Reents, Filmkritiker Michael Althen und dem Medienchef Alexander Gorkow verließ eine „sehr eng zusammenarbeitende Gruppe im Feuilleton der SZ“ das Haus und ging zur FAZ.

2001 schrieb die SZ über die Kinderlosigkeit des japanischen Kaiserpaares. In einer Titelstory prangte es über dem Foto des Kaiserpaares auf dessen Schritthöhe: „Tote Hose“. Die Empörung in Japan war groß.

Im Frühjahr 2001 gab es einen bundesweit beachteten Konflikt zwischen der Lufthansa und dem Verlag sowie der Redaktion der Süddeutschen Zeitung um deren Berichterstattung zum damaligen Pilotenstreik und die plötzliche Kürzung der SZ-Bordauflage bei der Lufthansa um etwa 10.000 Exemplare. Die freie Münchner Journalistin Tatjana Meier hatte zudem recherchiert, dass dieser Eingriff auf persönliche Initiative des damaligen Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Weber zustande kam, der die SZ aufgrund ihrer Berichterstattung zum Pilotenstreik intern als „Drecksblatt“ bezeichnete, das er an Bord seiner Flugzeuge nicht haben wolle.