Die Lessingstadt Kamenz (, vom altsorbischen Bachnamen Kamenica, wörtlich ‚Steinbach‘) ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Bautzen in Sachsen. Sie liegt etwa 40 km nordöstlich von Dresden und etwa 30 km nordwestlich von Bautzen.
Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt in der Westlausitz bzw. der westlichen Oberlausitz, am Fuße des Hutberges im Naturraum Westlausitzer Hügel- und Bergland. Die Gegend bildet die Nahtstelle zwischen der flachen Teichlandschaft im Norden, eine der größten Wasserflächen – der Deutschbaselitzer Großteich – befindet sich auf Kamenzer Gebiet, und dem Lausitzer Bergland im Süden. Dementsprechend ist die Landschaft im Norden von flachwelliger Heide geprägt, die nach Süden hin relativ rasch ansteigt und im Ortsteil Hennersdorf bereits Mittelgebirgscharakter zeigt. Die höchsten Erhebungen auf dem Stadtgebiet sind der Hennersdorfer Berg () und der Walberg bei Schwosdorf ().
Von Süden kommend und sich im Stadtgebiet mit einigen weiteren kleinen Bächen, wie dem Langen Wasser, vereinigend durchfließt die Schwarze Elster Kamenz in Richtung Norden.
Geologie Unmittelbar unter den Straßen der Stadt, unter einer nur mäßig starken Lössschicht, befinden sich massive Grauwackefelsen, die an einigen Stellen von Granitaustritten unterbrochen werden und zum Teil direkt aus dem Boden ragen. Beide Gesteine wurden früher intensiv abgebaut, wovon noch heute mehrere zugelaufene Steinbrüche im Stadtgebiet (zum Teil unmittelbar neben Wohnvierteln) zeugen. Bedeutendster Steinbruch dürfte der 80 Meter tiefe Steinbruch Sparmann sein, der heute ein beliebtes Tauchgebiet ist. Im Norden und Nordosten findet man Kies und Kaolinvorkommen, die durch das Elbe-Urstromtal entstanden.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind im Norden die Stadt Bernsdorf, im Nordosten Oßling, im Osten Nebelschütz, im Südosten die Stadt Elstra, im Süden Haselbachtal, im Westen Neukirch und im Nordwesten Schwepnitz.
Stadtgliederung mini|hochkant=1.2|Kamenz aus der Luft Kamenz umfasst neben der Kernstadt folgende Ortschaften: Ortschaft EinwohnerZensus 2011 Eingemeindungs-datum Anmerkung Bernbruch 333 1. Januar 1999 Biehla 494 1. Januar 2019 vorher Gemeinde Schönteichen Brauna 426 1. Januar 2019 vorher Gemeinde Schönteichen Cunnersdorf 553 1. Januar 2019 vorher Gemeinde Schönteichen DeutschbaselitzNěmske Pazlicy 448 1. Januar 1999 Gelenau 329 1. Januar 1999 vorher Gemeinde Lückersdorf-Gelenau Hausdorf 157 1. Januar 2019 vorher Gemeinde Schönteichen Hennersdorf 115 1. Januar 1999 vorher Gemeinde Lückersdorf-Gelenau JesauJěžow 1766 1935 Liebenau 160 1. Januar 2019 vorher Gemeinde Schönteichen Lückersdorf 404 1. Januar 1999 vorher Gemeinde Lückersdorf-Gelenau Petershain 70 1. Januar 2019 vorher Gemeinde Schönteichen Rohrbach 37 1. Januar 2019 vorher Gemeinde Schönteichen SchiedelKřidoł 93 1. Januar 1999 vorher Gemeinde Zschornau-Schiedel Schönbach 165 1. Januar 2019 vorher Gemeinde Schönteichen Schwosdorf 164 1. Januar 2019 vorher Gemeinde Schönteichen ThonbergHlinowc 325 1. Januar 1974 war nie eine eigenständige Gemeinde, gehörte vorher zu Wiesa WiesaBrěznja 705 1. Januar 1974 ZschornauČornow 237 1. Januar 1999 vorher Gemeinde Zschornau-Schiedel
Rund um die katholische Kirche St. Maria Magdalena, heute im Zentrum der Stadt, liegt außerdem das Gebiet der ehemals eigenständigen Gemeinde Spittel, die 1903 eingemeindet wurde.
Zum amtlichen sorbischen Siedlungsgebiet zählen die Ortsteile Deutschbaselitz, Jesau, Kamenz, Thonberg und Wiesa. des Sächsischen Sorbengesetzes
Geschichte
mini|Kamenz im 16. Jahrhundert mini|Kamenz im Jahre 1837 Stadtgeschichte Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde an der Stelle der heutigen Altstadt eine Burg zur Sicherung des Überganges der Via Regia über die Schwarze Elster erbaut. Die Via Regia war damals ein überregional bedeutender Handelsweg von Belgien bis hinein nach Schlesien. 1225 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, seit 1319 war Kamenz freie Stadt. 1346 wurde der Oberlausitzer Sechsstädtebund gegründet, dessen westlichste Mitgliedsstadt Kamenz wurde. Am 6. Oktober 1429 wurde Kamenz für mehrere Tage von den Hussiten belagert und anschließend eingenommen. Die historischen Nachrichten sprechen davon, dass sich die meisten Bewohner zuvor durch Flucht retten konnten und in Dresden Aufnahme fanden. Die böhmischen „Gottesstreiter“ suchten auch die nähere Umgebung heim und verwüsteten das offene Landstädtchen Wittichenau und das Kloster St. Marienstern. Danach zogen sie gegen Bautzen.
1547 war Kamenz vom Oberlausitzer Pönfall betroffen und büßte dabei einige Rechte ein.
In Kamenz gab es 1607–1655 Hexenverfolgungen: 1607 wurde Peter Babus, Henker in Kamenz, in einem Hexenprozess zum Tode verurteilt und 1655 Diakon Kaspar Dulichius enthauptet.
Im Jahre 1707 vernichtete ein großer Stadtbrand viele Häuser in der Altstadt. 1729 wurde der Dichter und Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing in Kamenz geboren.
Am 17. April 1838 eröffnete die „gewerbliche Sonntagsschule für die königlich-sächsische Vierstadt Kamenz“, die als Vorläufer des Beruflichen Schulzentrums zugleich die erste Gewerbeschule Sachsens war.
1839 gab die Stadt ihre Gerichtsbarkeit, die vom Stadtgericht Kamenz ausgeübt wurde, an den Staat ab und es wurde das Justizamt Kamenz geschaffen. Dieses wurde 1856 durch das Bezirksgericht Kamenz und das Gerichtsamt Kamenz abgelöst. 1879 wurden die Gerichte in das Amtsgericht Kamenz umgewandelt. In der DDR bestand 1952–1992 stattdessen das Kreisgericht Kamenz, bevor 1992 das Amtsgericht Kamenz neu errichtet wurde.
1896 wurde in Kamenz per königlichem Beschluss eine ständige Garnison eingerichtet. In Friedenszeiten stand hier das 13. königlich sächsische Infanterie-Regiment Nr. 178. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde hier und in den anderen beiden Garnisonen der sächsischen Oberlausitz (Zittau und Bautzen) das Königlich Sächsische Reserve-Infanterie-Regiment 242 aufgestellt.
1919 wurde als Folge der durch den Versailler Vertrag erzwungenen Truppenreduzierung Kamenz als Garnison aufgegeben, nach 1933 jedoch wieder belegt: ab etwa 1935 bis 1939 waren hier unter anderem Teile des Infanterieregiments 10 und die Panzerabwehrabteilung 4 untergebracht. Während des Zweiten Weltkrieges stand hier zunächst das Infanterie-Ersatz-Bataillon 465, später diverse Ersatzformationen der Panzerjäger- und Panzertruppe. Von 1935 bis 1944 war die Reichsarbeitsdienst-Gruppe 151 in Kamenz stationiert, im Februar 1945 wurden Teile der Luftwaffe (Schlachtgeschwader 2 und 77) hierher verlegt.
Das NS-Regime und der Zweite Weltkrieg hinterließen auch in Kamenz Spuren. Im Oktober 1944 wurde im Herrental ein Außenlager des KZ Groß Rosen eingerichtet. Ungefähr 1.000 Häftlinge mussten unter unmenschlichen Bedingungen für die Rüstungsindustrie arbeiten. Ca. 200 Häftlinge starben. Am 10. März 1945 wurde dieses Lager vor der heranrückenden Roten Armee geräumt und die noch lebenden Häftlinge nach Dachau transportiert. Auf Edelstahltafeln werden heute die namentlich bekannten Opfer aufgeführthttps://www.alles-lausitz.de/jahrestag-im-ehemaligen-kz-aussenlager-kamenz-herrental.html. Der katholische Priester Bernhard Wensch war Kaplan in Kamenz. Als Diözesanjugendseelsorger in Dresden versuchte er, die Jugendlichen vor der NS-Indoktrination zu bewahren. Er wurde verhaftet. Über Sachsenhausen kam er nach Dachau. Dort starb er völlig entkräftet. In Kamenz ist eine kleine Straße neben der Kirche nach ihm benannt. Ein Relief an der den Kirchhof umgebenden Mauer zeigt ihn von Kindern umgeben. Auch ein Stolperstein erinnert an ihn.
Der am 9. Oktober 1902 in Wiesa, Kreis Kamenz, geborene Richard Liebelt war nicht bereit, für Hitlers Traum von der Weltherrschaft zu sterben. Er wurde am 5. Mai 1944 in Dortmund hingerichtet. Sein Grab befindet sich auf dem Dortmunder Hauptfriedhofhttps://www.gedenkbuch-wuppertal.de/de/person/liebelt. In Kamenz erinnert seit Mai 2005 ein schlichter Steinhttps://www.saechsische.de/lokales/bautzen-lk/kamenz/richard-liebelt-erhaelt-am-7-mai-gedenkstein-3BT3ME7WYJPP4GXNVZACIIM6MU.html neben dem Lessing-Museum an ihn. In der Nähe des Bahnhofs in einem kleinen Park erinnert ein Denkmal der Fédération Internationale des Résistants seit 1984 an die Opfer der NS-Zeithttps://denkmalliste.denkmalpflege.sachsen.de/CardoMap/Denkmalliste_Report.aspx?HIDA_Nr=09300970. Das NS-Regime und der Zweite Weltkrieg hinterließen auch in Kamenz Spuren. Im Oktober 1944 wurde im Herrental ein Außenlager des KZ Groß Rosen eingerichtet. Ungefähr 1.000 Häftlinge mussten unter unmenschlichen Bedingungen für die Rüstungsindustrie arbeiten. Ca. 200 Häftlinge starben. Am 10. März 1945 wurde dieses Lager vor der heranrückenden Roten Armee geräumt und die noch lebenden Häftlinge nach Dachau transportiert. Auf Edelstahltafeln werden heute die namentlich bekannten Opfer aufgeführthttps://www.alles-lausitz.de/jahrestag-im-ehemaligen-kz-aussenlager-kamenz-herrental.html. Die Heizungsanlage des Betriebes wurde genutzt, um tote Gefangene zu verbrennen. Der Schornstein ist Sinnbild und Mahnmal für die Verbrechen dieser Zeit.
Nach 1956 bis 1990 befand sich in Kamenz die Offiziershochschule der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung Franz Mehring der NVA mit zeitweise 1500 Studenten. Die blau-grauen Uniformen bestimmten das Bild der Kleinstadt.
Kamenz war Verwaltungssitz der Amtshauptmannschaft Kamenz (1874–1939), des Landkreises Kamenz (1939–1952), des Kreises Kamenz (1952 bis 1995) und des Landkreises Kamenz (1996–2008). Am 1. August 2008 wurde der Landkreis Kamenz mit der kreisfreien Stadt Hoyerswerda und dem Landkreis Bautzen (1994–2008) zum neuen Landkreis Bautzen vereinigt.
Burgstall Schlossberg Kamenz Auf dem „Schlossberg“ am östlichen Altstadtrand über dem Hochufer des Langen Wassers befand sich im Hochmittelalter eine Burganlage. Grabungen erbrachten nur einige Steinfunde. Das Areal ist teilweise bebaut und steht unter Bodendenkmalschutz. Um 1200 war der Eigensche Kreis durch Schenkung des Kaisers an das Bistum Meißen gekommen. Die Bischöfe verkauften den Eigenschen Kreis um 1240 an das Haus Schönburg. Die Schönburger gaben diesen Besitz an die mit ihnen verschwägerten Herren von Kamenz (ursprünglich Herren von Vesta aus Vesta bei Bad Dürrenberg) weiter. Durch Stiftungen und Verkauf gelangte dieser Besitz der Schönburger und Kamenzer Herren letztlich an das 1248 durch Bernhard III. von Kamenz, Bischof von Meißen, gegründete Zisterzienserinnenkloster St. Marienstern bei Kamenz.
Bernhard II. von Vesta nannte sich als erster seiner Familie nach Herrschaft und Burg Kamenz: „Bernhard von Kamenz“. Seine beiden Brüder waren Witego und Bernhard IV. von Kamenz. Sein ältester Sohn, Bernhard III. von Kamenz, war von 1293 bis zu seinem Tode 1296 Bischof von Meißen. Zusammen mit seinem Bruder Heinrich gründete er im Jahr 1248 das Kloster St. Marienstern.
Im Jahr 1319 nahm die Stadt Kamenz nach ihrem Lossagen von der Grafenherrschaft ein neues Stadtwappen an. Die goldene Zinnenmauer steht für die Wehrhaftigkeit der Stadt, der doppelschwänzige Löwe ist der Böhmische Löwe und bekundet die böhmische Oberhoheit.
Einwohnerentwicklung Jahr 1834 1871 1875 1880 1885 1890 1910 1925 1933rahmenlos|zentriert|hochkant=1.1