mini|Das Kölner Dreigestirn 2005 (v.l. Jungfrau, Prinz, Bauer) mini|Kölner Rosenmontagszug (2004) mini|Figur auf dem Rosenmontagszug (2006) mini|Kamelle!
Der Kölner Karneval ist ein rheinisches Volksfest, das jährlich von Millionen Menschen gefeiert wird. Er wird mundartlich auch Fastelovend oder Fasteleer genannt.
Zeitrahmen und Organisation Die Karnevalssession oder die fünfte Jahreszeit wird offiziell am Elften im Elften, dem 11. November, um Elf Uhr Elf auf dem Kölner Alter Markt bzw. Heumarkt mit Auftritten der bekanntesten Karnevalsmusiker vor mehreren tausend Zuschauern sowie mit der Vorstellung des designierten Kölner Dreigestirns eröffnet. Die Aktivitäten steigern sich schrittweise: Nach der ruhigeren Advents- und Weihnachtszeit beginnen ab Neujahr vermehrt die Korpsappelle, Karnevalssitzungen und -bälle mit Auftritten von Büttenrednern sowie Tanz- und Musikgruppen. Anfang Januar findet auch die Prinzenproklamation statt.
Am Donnerstag vor Aschermittwoch, dem Tag der Weiberfastnacht, wird um 11:11 Uhr ebenfalls auf dem Alter Markt der Straßenkarneval eröffnet. Von diesem Zeitpunkt an feiern die Jecken in den Kneipen und auf der Straße bis zum Abend des Karnevalsdienstags. Am Karnevalssonntag finden die Kölner Schull- un Veedelszöch statt. Die besten Fuß- und Wagengruppen der Veedel werden dabei prämiert und dürfen am Rosenmontagszug teilnehmen. Daneben veranstalten viele Veedel zwischen Karnevalsfreitag und Karnevalsdienstag eigene Umzüge. Der offizielle Höhepunkt des Kölner Karnevals ist der am Rosenmontag stattfindende Rosenmontagszug. In der Nacht zum Mittwoch wird in den Veedeln als Abschiedsbrauch die Nubbelverbrennung abgehalten. Am Aschermittwoch finden oft Abschlusstreffen, meist ein gemeinsames Fischessen, statt.
Koordinierende Kraft hinter dem offiziellen Kölner Karnevalsprogramm ist das Festkomitee Kölner Karneval als organisatorischer Zusammenschluss der Kölner Karnevalsgesellschaften. Diese traditionsreichen Vereine stellen das Kölner Dreigestirn und viele der Teilnehmer bei den offiziellen Karnevalszügen. Neben dem offiziellen hat sich auch ein alternativer Karneval etabliert. Seit 1984 gibt es die Stunksitzung, die als studentische Alternative zum offiziellen Karneval entstand und heute eine Mischung aus kölschem Karneval und politischem Kabarett darstellt. Ebenfalls außerhalb der offiziellen Regularien hat sich der nächtliche Geisterzug gebildet. Dieser alternative Umzug war ins Leben gerufen worden, nachdem 1991 der offizielle Rosenmontagszug als Reaktion auf den zweiten Golfkrieg abgesagt worden war.
Geschichte → Zur Kulturgeschichte des Karnevals siehe Karneval, Fastnacht und Fasching.
Zum 200-jährigen Jubiläum des „organisierten Kölner Karnevals“ wurde im Jahr 2023 die Historie wissenschaftlich neu aufgearbeitet.
Mittelalter Winteraustreibungen und ausschweifendes Treiben am Vorabend der österlichen Fastenzeit waren im Mittelalter auch in Köln verbreitet. Erste schriftliche Überlieferungen finden sich aus 1220. Man aß und trank, tanzte, trieb Verkleidungsspiele und Umzüge zu Fuß oder zu Pferd. Akteure waren auch die Gaffeln, die berufsständisch-politischen Zusammenschlüsse der Zünfte.
Das Karnevalsgeschehen und seine Exzesse waren offenbar schwer zu steuern.
Am 5. März 1341 beschloss der Stadtrat, aus der Stadtkasse kein Geld mehr „zu vastavende“ zu geben. Wiederholt verbot der Rat den Mummenschanz, so 1487 das „Vermomben, Verstuppen und Vermachen“ und im 17. Jahrhundert mehrfach „die Mummerey und Heidnische Tobung“.Ernst Weyden: Köln am Rhein vor fünfzig Jahren, Sittenbilder nebst historischen Andeutungen und sprachlichen Erklärungen. (1862), unverändert wieder herausgegeben unter dem Titel Köln am Rhein vor hundertfünfzig Jahren. Sittenbilder nebst historischen Andeutungen und sprachlichen Erklärungen und mit einem Nachwort versehen von Max Leo Schwering, Greven Verlag, Köln 1960, S. 137 und Anm. 1, S. 199. 1441 wurde ein Wirt bestraft, weil er die Persiflage einer kirchlichen Reliquienprozession aufführte; im 17. Jahrhundert wandte sich der Rat gegen „öffentlichen Unfug“ in geistlicher, Mönchs- oder Nonnenverkleidung.Peter Fuchs, Max Leo Schwering: Kölner Karneval. Zur Kulturgeschichte der Fastnacht. Band 1, Greven Verlag, Köln 1972, ISBN 3-7743-0089-5, S. 25–38.
Neuzeit Kölner Fastnachtsbräuche in der frühen Neuzeit schildern anschaulich die Aufzeichnungen des Ratsherren Hermann von Weinsberg (1518–1597).Zum Folgenden vgl. Digitales Editionsprojekt mit historischer und sprachgeschichtlicher Auswertung der Aufzeichnungen des Kölner Bürgers Hermann Weinsberg (1518–1597) an der Universität Bonn (abgerufen am 20. April 2013). Der Donnerstag vor Aschermittwoch (heute Wieverfastelovend) hieß „Lutzenfastabend“ (1550; 1595). Der Fastnachtssonntag hieß „Großfastabend“, an dem „daß folcks gemeinlich dissen tag in Coln beschenckt [= betrunken] ist. Ich hab nit dan 0,5 quart weinß 3 alb. verhert.“ (1587). Der Rosenmontag hieß „Kleinfastabend“. An diesem Tag war man ausgelassen („verlustert“), närrisch und geckig, verkleidete (vermummte) sich, tanzte und zog trommelnd durch die Straßen:
Der Fastnachtdienstag hieß „Letstfastabend“. Weinsberg lud Freunde, Nachbarn und Verwandte zu Essen und Trinken zu sich nach Hause ein. Auch dabei verkleideten sich die jungen Leute, indem sie zum Beispiel fremde Berufskleidung trugen:
Der Aschermittwoch war der „Eschtag“, an dem die Fastenzeit begann, die bis zu „Parschen“ (Ostern) dauerte. Eine Unterbrechung gab es am Sonntag Laetare, dem sogenannten „Halbfasten“ oder „Rosentag“: Die französischen Besatzer untersagten in Köln die Fastnacht am 12. Februar 1795, erlaubten sie jedoch am 7. Pluviôse des Jahres XII. (28. Januar 1804) wieder. Das Bürgertum feierte zwar nach wie vor närrische Maskenbälle, die Straßenfastnacht war aber nahezu ausgestorben. Der Karneval in Köln, das nach dem Abzug der Franzosen seit 1815 preußisch war, wurde 1823 mit der Gründung der Grossen Karnevalsgesellschaft (heutige Die Grosse von 1823), die aus ihren Reihen die „Festordner“ wählten, neu belebt und geordnet.
Es wird berichtet, dass das erste Treffen, das zur Gründung der Karnevalsgesellschaft führte, im November 1822 im Weinhäuschen an St. Ursula stattfand, wohl im heutigen Brauhaus Schreckenskammer, wahrscheinlich auf Initiative von Mitgliedern der Olympischen Gesellschaft Köln, Ferdinand Franz Wallraf, Matthias Joseph de Noël und deren FreundeskreisKlersch 1961, S. 83. sowie Mitgliedern des Literaturkränzchens, die die Ideen für die Festgestaltung lieferten. Hierzu gehörten u. a. Ernst Weyden, Christian Samuel Schier, Johann Baptist Rousseau, Wilhelm Smets, Johann Baptist Farina und Emanuel Ciolina Zanoli.Walter 1898, Nr. 2 Sp. 31 Der Karnevalsmontag wurde wohl gewählt, da er bis dato der ruhigste der drei Karnevalstage gewesen war und um dem Verdacht vorzubeugen, die vielen kleinen Umzüge der kleineren Maskengesellschaften zu verdrängen.Klersch 1961, S. 91 Nach zwölf Wochen Vorbereitungszeit fand am 10. Februar 1823 der erste Kölner Rosenmontagszug statt.
Ab dem Folgejahr trafen sich die Mitglieder der Grossen Karnevalsgesellschaft (auch „Grosser Rat“ genannt) jährlich um Neujahr zu einer Generalversammlung, um aus ihren Reihen ein „Festordnendes Comitée“ („Kleinen oder lustigen Rat“) zu wählen, das die Organisation des folgenden Karnevalsfestes übernehmen sollte.Neuhaus 1914, S. 12–15 Zum ersten Präsidenten und Sprecher wurde Heinrich von Wittgenstein gewählt.
1825 wurde Johann Wolfgang von Goethe „von den Statt habenden Feyerlichkeiten in Kenntniß gesetzt und zum Feste eingeladen“, woraufhin er sein Gedicht Der Köllner Mummenschanz verfasste.
1882 kam es zu einer Vereinsspaltung, da der Präsident August Wilcke nach internen Streitigkeiten von seinem Amt zurücktrat und mit seinen Anhängern eine eigene Gesellschaft, die Kölner Karnevalsgesellschaft, gründete.Zöller 1982, S. 15 Fritz Hönig wurde zum neuen Präsidenten der Grossen KG gewählt. Nun beanspruchten zwei große Karnevalsvereine die führende Stellung im Karneval, was zu Schwierigkeiten in der Festgestaltung und der Organisation der Veranstaltungen führte und zur Folge hatte, dass 1883 – ähnlich wie 1844 und 1845 – zwei große Maskenzüge durch Köln gingen.
1888 vermittelten Bürgermeister Karl Ferdinand Thewalt und Fritz Hönig zwischen den beiden Vereinsvorständen, und schließlich einigten sich diese im Januar 1888 darauf, gemeinsam ein „Maskenzug-Comite“ unter dem Vorsitz von Hönig zu bilden. Erstmals hatte 1888 also nicht mehr die Grosse KG, sondern ein Festkomitee (heute: Festkomitee Kölner Karneval) der beiden Vereine die Leitung über den Maskenzug. Das Festkomitee wurde in den folgenden Jahren zu einer festen Institution, indem die beiden großen Karnevalsgesellschaften gemeinsam über die Festgestaltung bestimmten. 1889 wurde das Festordnende Komitee, ins Vereinsregister eingetragen, wobei der Präsident der Großen KG weiterhin bis 1908 gleichzeitig auch Präsident des Festordnenden Komitees war. Dann einigten sich die beiden großen Karnevalsgesellschaften auf einen jährlichen Wechsel im Präsidium des Kölner Festkomitees.Nadine Beck, Christoph Laugs, Sören Riebenstahl, Christina Rosseaux, Lucia Seethaler, Joachim E. Zöller: 200 Jahre organisierter Kölner Karneval. Die Geschichte des Kölner Karnevals und der ersten Traditionsgesellschaft „Die Grosse von 1823 KG e. V. Köln“. Herausgegeben von Die Grosse von 1823 Karnevalsgesellschaft e. V. Köln, Jonas Verlag 2022, ISBN 978-3-89445-596-5.
1935 widersetzte sich der offizielle Kölner Karneval dem Eintritt in die NS-Organisation „Kraft durch Freude“, was als „Narrenrevolte“ bezeichnet wird. Allerdings bezog sich das nur auf die Organisationsstruktur und nicht auf inhaltliche Distanz zum NS-Staat; ein Teil der Leitung der Kölner Karnevalisten war bereits zuvor in die NSDAP eingetreten. Schon in der Frühzeit des Nationalsozialismus waren Juden im Karneval Ziel antisemitischer Diffamierungen.
Ausfälle In der Geschichte Kölns fiel der Rosenmontagszug seit 1823 mehrfach aus.Historie: Das Rosenmontagszugmotto seit 1823 in Kölner Husaren Koprs (Hrsg.): Sessionsheft 2013/2014; Köln 2013 1871 war der Deutsch-Französische Krieg die Ursache. Auch von 1915 bis 1926 kam durch Krieg und die Besetzung des Rheinlands kein Zug zustande. General Paul von Ploetz verbot für die Karnevalszeit „die Veranstaltung von Versammlungen und Sitzungen aller Art“ sowie „das Tragen von Verkleidungen oder karnevalistischen Abzeichen in der Öffentlichkeit“. Später wurde auch „das Singen und Spielen karnevalistischer Lieder in Lokalen, Vereinsräumen, auf Straßen wie auf öffentlichen Plätzen“ verboten.Carl Dietmar: Als Frauen zu Bierkutschern wurden. Im zweiten Kriegsjahr sind die Folgen des Arbeitskräftemangels überall in der Stadt spürbar in Kölner Stadt-Anzeiger vom 14. August 2014 Von 1940 bis 1948 waren der Zweite Weltkrieg und das anschließende Verbot durch die Militärregierung verantwortlich für die Ausfälle.
Grabenkämpfe innerhalb des Festkomitees sorgten 1833, 1844, 1856 und 1857 für Absagen. Die Weltwirtschaftskrise stoppte 1931 und 1932 den Zug. Die Jecken in Köln gelten zwar als wetterfest, 1868 musste der Zug wegen schlechten Wetters trotzdem entfallen. Ein Trauertag für den Tod von König Friedrich Wilhelm IV. sorgte 1861 für leere Straßen in Köln. Und verboten wurden Zug und Karneval 1830 und 1851 von den Preußen „wegen anormalischer und in polizeilicher Hinsicht nichtunbedenklicher Lustbarkeit“, möglicherweise standen dahinter aber auch Querelen innerhalb des Festordnenden Komitees.Peter Fuchs, Max-Leo Schwering: Kölner Karneval. Zur Kulturgeschichte der Fastnacht. Greven Verlag, Köln 1972, ISBN 3-7743-0089-5, S. 84. Der einzige Rosenmontagszug an einem Sonntag kam wegen der Reichstagswahl 1887 zustande.