Der Amerikanische Bison (Bos bison, teilweise auch Bison bison), oft auch als Büffel (engl. buffalo) bezeichnet, ist ein in Nordamerika verbreitetes Wildrind und zugleich das größte Landsäugetier der Region. Ob er zusammen mit dem in Europa vorkommenden, ihm ähnlichen Wisent eine eigene Gattung der Bisons (Bison) bildet, ist in der Forschung umstritten. Heute werden beide aber häufig zu den Eigentlichen Rindern (Bos) gestellt.

Der angestammte Lebensraum des Präriebisons (B. bison bison) liegt im offenen Grasland der nordamerikanischen Prärien, derjenige des Waldbisons (B. bison athabascae) in nördlichen Waldgegenden. Ihre Nahrung besteht fast ausschließlich aus Süßgräsern und Sauergrasgewächsen, die die Wiederkäuer beim langsamen Grasen aufnehmen.

Bisonkühe und Kälber leben in Herden, die für gewöhnlich um fünfzig Tiere umfassen. Die Bullen leben entweder als Einzelgänger oder in eigenen kleinen Gruppen. Während der Brunst zwischen Juli und August schließen die Bullen sich den Kühen an und halten sich eng an deren Seite (engl. tending), bevor es zur Paarung kommt. Im April und Mai bringen die Kühe ihre Kälber zur Welt, die bis zu einem Alter von 4 bis 6 Monaten von der Mutter gesäugt werden.

Während der Bestand der Bisons vor der Ankunft der europäischen Siedler in Nordamerika auf rund 30 Millionen Tiere geschätzt wird, wurden die Tiere bis zum Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund exzessiver Bejagung fast ausgerottet. Im Jahr 1885 lag die Gesamtpopulation bei nur noch etwa 1.000 Tieren. Durch die Gründung des Yellowstone-Nationalparks im Jahr 1872 sowie des Wood-Buffalo-Nationalparks im Jahr 1922 konnte die Art in Nordamerika gerettet werden und erholt sich seitdem langsam.

Im Mai 2016 unterzeichnete Präsident Barack Obama den National Bison Legacy Act, der den Amerikanischen Bison neben dem Weißkopfseeadler zum Nationaltier der Vereinigten Staaten von Amerika macht.

Im Jahr 2022 lag die Gesamtzahl der wildlebenden Tiere allein in den USA bei etwas mehr als 190.000 Tieren.American Bison. Bison bison. worldpopulationreview.com, abgerufen am 1. November 2025 Der IUCN stuft die Art aufgrund ihrer Abhängigkeit von Schutzmaßnahmen und der nur geringen Zahl von ausreichend großen Einzelpopulationen mittlerweile nur noch als „potenziell gefährdet“ (engl. near threatened) ein.Bison Population by State 2025. IUCN, abgerufen am 1. November 2025

Namen und Namensherkunft In der englischen Sprache hat sich in Amerika für den Amerikanischen Bison – aus wissenschaftlicher Sicht fälschlicherweise – die Bezeichnung „buffalo“ eingebürgert. Enzyklopädie des Tierreichs: Dreizehnter Band: Säugetiere 4. Zeno.org Sonderband: Grzimeks Tierleben. Dort mit Verweis auf: Grzimek-Tierleben Bd. 13, S. 424 ff. Im deutschen Sprachgebrauch kommt in Reiseberichten und Abenteuerbüchern die ebenfalls unzutreffende Bezeichnung „Indianerbüffel“ vor. Die Amerikanischen Bisons bilden jedoch wie der Europäische Bison oder Wisent mit den Büffeln im zoologischen Sinn keine engere verwandtschaftliche Gruppe, gehören nicht den gleichen Gattungen wie diese an und sind für die Fachwissenschaft daher keine Büffel.

Das Binom Bison bison war – und ist teilweise noch immer – als wissenschaftlicher Name der biologischen Art des Amerikanischen Bisons in Gebrauch und stellt ein bekanntes Beispiel für das bei Tieren und insbesondere bei Säugetieren bisweilen vorkommende Phänomen der Tautonymie dar, bei der Gattungsname und Epitheton identisch sind. Das Epitheton (Artzusatz) bison im Binom für die Art (Bos bison) sowie der Unterartzusatz bison im Trinom für die Unterart Präriebison (Bos bison bison) leiten sich von lateinisch und griechisch bisōn („Auerochse“) ab. Das lateinische Wort wiederum ist durch Entlehnung aus einer dem Tiernamen Wisent zugrundeliegenden germanischen Form entstanden.

Aus den Algonkin-Sprachen (Woods Cree) ist das sich auf die Deltaregion westlich des Athabascasees beziehende Wort athap-ask-a-w (wörtlich ins Englische übersetzt: „(where) there are plants one after another“ oder „grass or reeds here and there“) bekannt. Eine anglisierte Version dieses indigenen Namens der Cree für den Athabascasee und die umliegende Wasserscheide fungiert (im lateinischem Genitiv) als Unterartzusatz athabascae im offiziellen taxonomischen Namen des Waldbisons.

Merkmale

mini|Bisonkalb im Yellowstone-Nationalpark (Foto: Mai 2014) Der Amerikanische Bison ist das größte rezente Landsäugetier Amerikas. Der Kopf des Amerikanischen Bisons ist im Vergleich zu anderen Rinderarten sehr groß und breit und wird tief getragen. Er ist auch massiger und wird tiefer getragen als beim Wisent. Enzyklopädie des Tierreichs: Dreizehnter Band: Säugetiere 4. Zeno.org Sonderband: Grzimeks Tierleben. Dort mit Verweis auf: Grzimek-Tierleben Bd. 13, S. 423 ff. Die Hörner sind im Vergleich zu anderen Rinderarten kurz und gedrungen. Sie sind einfach schräg nach hinten oben gebogen und weisen aufgrund von jährlichen Wachstumsringen an ihrer Basis eine Ringelung auf.

Der Widerrist ist stark überhöht und besonders in Form eines ausgeprägten Schulterhöckers oder Buckels ausgebildet, der von den verlängerten dorsalen Dornfortsätzen des letzten der sieben Halswirbel (Vertebrae cervicales) und der ersten zehn der 13 Brustwirbel (Vertebrae thoracales, auch: „Rückenwirbel“ oder „Vertebrae dorsales“ DOI des Beitrags: ) getragen wird. An diesen stark verlängerten Dornfortsätzen setzt die mächtige Muskulatur an, aus der der Buckel besteht, den beide Geschlechter besitzen. Der Vorderkörper ist insgesamt massiger als der Hinterkörper, wirkt – unterstützt auch durch Buckel und Fell – überentwickelt und somit der Körperbau sehr „kopflastig“.

Das Fell ist weich und locker. Kopf, Hals, Vorderbeine, buckelförmiger Widerrist („Buckel“) und Schultern sind mit zum Teil bis zu 50 Zentimeter langem Haar überzogen. Diese Behaarung bildet am Kinn einen Bart, an der Wamme eine Hängemähne und zwischen den Hörnern eine voluminöse Kappe, die über die Stirn nach vorne fallend bis zur Muffel reichen kann. Das Fell an den Flanken und dem Hinterteil ist dagegen mit etwa 2,5 Zentimeter Länge sehr viel kürzer, so dass manche Bisons den Eindruck erwecken, als wären sie dort geschoren worden.

Die Färbung des Fells reicht von graubraun über rötlichbraun bis schwarzbraun, wobei Schopf, Bart, Mähne und Vorderbeinmanschetten dunkler getönt sind. Das Sommerfell wird in der kalten Jahreszeit durch ein dunkleres, fast schwarzes Winterfell ersetzt. Mit zunehmendem Alter kann das Haar am Buckel und an den Schultern beginnen sich aufzuhellen, wobei diese hellere Fellfärbung insbesondere bei älteren Bullen ausgeprägt ist. Zu Beginn des Frühlings setzt der Wechsel zum Sommerfell ein, wobei sich Klumpen von älterem Fell – insbesondere auf den Schultern der Tiere – noch bis in den Hochsommer halten können.

Die Kälber haben nach der Geburt zunächst ein rötlich-orangefarbenes Fell, verlieren jedoch nach rund 3 Monaten diese erste Schicht, beginnen dunkler zu werden, haben im Alter von etwa 15 Wochen eine dunkelbraune Färbung und sind mit etwa 5 bis 6 Monaten ausgedunkelt. Bei den im Herbst gelegentlich anzutreffenden rötlich-gefärbten Kälbern handelt es sich um spätgeborene Exemplare.

Amerikanische Bisons weisen einen stark ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus auf. Geschlechtsreife Bullen sind etwa 1,6 mal schwerer als ausgewachsene Kühe. Für die Masse männlicher Amerikanischer Bisons wurde ein Bereich von 544 bis 907 Kilogramm, für die weiblicher Exemplare von 318 bis 545 Kilogramm angegeben. Männliche Exemplare des Amerikanischen Bisons sind zudem bei gleichem Leibesumfang rund 9 Prozent schwerer als weibliche. Die Schulterhöhe bei männlichen Amerikanischen Bisons liegt etwa zwischen 1,67 und 1,86 Metern, diejenige weiblicher Tiere zwischen 1,52 und 1,57 Metern. Beide Geschlechter tragen permanente Hörner. Die Form des Kopfes und insbesondere die der Hörner verändert sich in charakteristischer Weise im Laufe der Individualentwicklung und zugleich geschlechtsabhängig, so dass mit ihrer Hilfe Alter und Geschlecht des betreffenden Tieres bestimmt werden kann. Männliche Tiere haben im Vergleich zu weiblichen kräftigere, gleichmäßiger gekrümmte und am Kopfansatz häufig schartige Hörner. Der Kopf männlicher Tiere wirkt breiter und massiver als derjenige weiblicher Exemplare.

Kälber wiegen bei ihrer Geburt zwischen 14 und 32 Kilogramm, während einjährige Bisons beider Geschlechter ein Gewicht zwischen 225 und 315 Kilogramm erreichen. 290px|mini|Waldbison im Wood-Buffalo-Nationalpark, Kanada Waldbisons (B. bison athabascae) und Präriebisons (B. bison bison) ähneln sich weitgehend in ihren körperlichen Merkmalen. Hal Reynolds, Cormack Gates und Randal Glaholt (2003) zählen folgende sechs Unterscheidungsmerkmale zwischen den beiden Unterarten auf: Dort mit Verweis auf: Sowie auf:

Bei Waldbisons ist das Haar auf dem Kopf, um die Hörner, im Bauchbereich sowie dasjenige des Kehlbarts deutlich kürzer und weniger dicht als bei Präriebisons. Die beiden Vorderbeine von Präriebisons weisen im oberen Bereich ein schürzenartiges Haarbüschel auf, das bei den Waldbisons entweder nur gering entwickelt ist oder gänzlich fehlt. Bei Präriebisons ist das Fell auf den Schultern und im Nackenbereich heller gefärbt als beim Waldbison. Der Schwanz des Waldbisons ist üblicherweise länger und stärker behaart als beim Präriebison. Das Haarbüschel an der Vorhautöffnung ist beim Waldbison für gewöhnlich kürzer und dünner als beim Präriebison. Der höchste Punkt des Buckels liegt beim Waldbison weiter vorne als beim Präriebison. Er liegt damit noch vor den Vorderbeinen, während er bei den Präriebisons über den Vorderbeinen liegt.

Einige phänotypische Unterschiede zwischen Präriebison und Waldbison lassen keine Korrelation zur geografischen Lage und zu Umweltbedingungen erkennen, was als Hinweis auf eine genetische statt einer umweltbedingten Steuerung der Merkmale gewertet werden kann.

Verbreitung und Lebensraum Historische Verbreitung mini|hochkant|Historische Verbreitung von Bisons in Nordamerika. B. (bison) occidentalis ist eine im mittleren Holozän ausgestorbene Vorform des heutigen Bison.

Die heutige Forschung geht davon aus, dass Bisons im mittleren Pleistozän und späten Pleistozän, in zwei Wellen über eine Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska, die Beringia, nach Nordamerika kamen.Hierzu und zum folgenden vgl. Reynolds [u. a.], Bison (Bison bison), S. 1011–1013. Vor ungefähr 10.000 Jahren erschien B. (bison) occidentalis, aus dem sich vor rund 5.000 Jahren die heutigen Unterarten B. bison bison und B. bison athabascae entwickelten. Der Waldbison entstand als nicht-wandernde Unterart in Anpassung an die lockeren Waldlandschaften und Weiden des nordwestlichen Teils (heutiges Kanada) des überaus großen Verbreitungsgebiets der Art, während die wandernde Unterart Präriebison in evolutionärer Anpassung an die ausgedehnten offenen Graslandschaften (baumlose Prärie) im zentralen und südlichen Teil Nordamerikas entstand. Das Verschwinden der Bisons im äußersten Norden des historischen Verbreitungsgebiets (Waldbison in Alaska und im Nordwesten Kanadas) im mittleren bis späten Holozän wird heute auf eine Kombination von Veränderungen des Habitats und eine Bejagung durch Menschen zurückgeführt. Dort mit Verweis auf: Und auf:

In voreuropäischer Zeit lebte der Präriebison zwar vor allem in den Steppengebieten, doch kam die Art auch an den Großen Seen und bis zum Atlantik vor – dort zwischen Neuengland und Florida. Auch lebte sie im westlichen Saskatchewan und in Zentral-Alberta sowie im Südwesten von Manitoba im Norden und bis zum Golf von Mexiko und bis nach Mexiko hinein im Süden. Zudem ließ sie sich im Osten von Oregon und im Norden Kaliforniens belegen.C. Cormack Gates / Curtis H. Freese / Peter J. P. Gogan / Mandy Kotzman (Hrsg.): American Bison: Status Survey and Conservation Guidelines 2010, Gland 2010, S. 7.