mini|Gedenkblatt von 1923 aus Anlass seines 50. Schlagers rahmenlos|rechts
Fritz Löhner, geboren als Bedřich [tschechisch für Friedrich] Löwy;Siglinde Bolbecher, Konstantin Kaiser: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Deuticke, Wien 2000, S. 452 f. auch Fritz Lohner, Pseudonym Beda, nannte sich mitunter Löhner-Beda (* 24. Juni 1883 in Wildenschwert, Böhmen; † 4. Dezember 1942 im KZ Auschwitz III Monowitz), war ein österreichischer Librettist, Schlagertexter und Schriftsteller. Viele seiner Werke sind noch heute ungleich bekannter als Löhner-Beda selbst, beispielsweise Oh, Donna Clara und Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren.
Leben Im Jahr 1888 zog die Familie Löwy nach Wien. 1896 änderte sie ihren Namen in „Löhner“.Magistrat der Stadt Wien, MA 35, Staatsbürgerschafts- und Personenstandsangelegenheiten Fritz Löhner-Beda studierte nach der Matura am Wiener Gymnasium Kundmanngasse an der Wiener Universität Rechtswissenschaften bis zur Promotion und arbeitete ab 1908 auch einige Zeit in einer Wiener Anwaltskanzlei. Während seines Studiums wurde er Mitglied der jüdischen Studentenverbindung Kadima Wien.Harald Seewann: Zirkel und Zionsstern: Bilder und Dokumente aus der versunkenen Welt des jüdisch-nationalen Korporationswesens: ein Beitrag zur Geschichte des Zionismus auf akademischem Boden. Volume 3. 1994, S. 25ff.Sophie Lillie: Was einmal war: Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens (Bibliothek des Raubes Volume 8). Czernin 2003, ISBN 3-7076-0049-1, S. 703. Er war ein hervorragender Fußballspieler und 1909 Gründungsmitglied und erster Präsident des Wiener Sportklubs Hakoah.Günther Schwarberg: Dein ist mein ganzes Herz. Steidl-Taschenbuch, Göttingen 2002, S. 63. Der Verein ernannte ihn später zum Ehrenmitglied.
Wirken als Schriftsteller
1910 wurde er freier Schriftsteller. Seine Leidenschaft galt der „leichten Dichtkunst“. Er schrieb zahlreiche Satiren, Sketche, Gedichte und Schlagertexte sowie zahlreiche Beiträge für Zeitungen wie die Wiener Sonn- und Montags-Zeitung. Dabei veröffentlichte er meist unter dem Pseudonym „Beda“, der Kurzform von „Bedřich“, der tschechischen Form von „Friedrich“. 1913 begegnete er Franz Lehár.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs textete er patriotisch Rosa, wir fahr’n nach Lodz als Soldatenlied, dann schrieb er 1916 für Franz Lehár das Operettenlibretto Der Sterngucker. 1918 wurde Löhner im Alter von 34 Jahren eingezogen. Er erreichte zwar den Offiziersrang, blieb aber nach seinen Kriegserlebnissen zeitlebens Antimilitarist.Günther Schwarberg: Dein ist mein ganzes Herz. Steidl-Taschenbuch, Göttingen 2002, ISBN 3-88243-892-4, S. 33. Das im Titel des Soldatenliedes erwähnte „Rosa“ war der Spitzname eines schweren Skoda-Granatengeschützes, auf das der Text anspielte. 1972 wurde das Lied von Leo Leandros für Vicky Leandros unter dem Titel „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ neu adaptiert, nachdem er die Vorlage zufällig in einer ORF-Fernsehserie gehört hatte.
In den 1920er-Jahren wurde Löhner zu einem der meistgefragten Librettisten und Schlagertexter Wiens. Auf Vermittlung seiner damaligen Freundin Friedl Weiss verhalf er 1922 Hans Moser zu seinem Durchbruch als Schauspieler in Wien, indem er für ihn auf seine Bitte hin den Solo-Einakter Ich bin der Hausmeister vom Siebenerhaus schrieb.Georg Markus Stefan Grissemann, Ulrike Dembski u. a.: Hans Moser 1880–1964. Verlag Christian Brandstätter, 2004, ISBN 3-85498-361-1. In Zusammenarbeit mit Fred Raymond und Ernst Neubach entstand das Lied Ich hab‘ mein Herz in Heidelberg verloren, das auch noch nach dem nächsten Krieg mit den ehemaligen amerikanischen Soldaten um die Welt wandern sollte.
In dieser Zeit bildete Löhner-Beda mit dem Wiener Klavierhumoristen Hermann Leopoldi ein erfolgreiches Autorenteam; ihre Ohrwürmer wie „Schön sind die Mädels von Prag“ oder „Komm mit mir, mein Schatz, auf den Fußballplatz“ fanden auch in Berlin ein großes Publikum, auf der Bühne wie auf Schallplatten. Ihre gemeinsame Affinität zum Fußball schlug sich zudem in einschlägigen Liedern nieder – Leopoldi widmete etwa Rapid-Stürmer Josef Uridil die Hymne „Heute spielt der Uridil“, während Löhner-Beda als Hakoah-Mitgründer die populäre Sportkultur seiner Zeit literarisch pointierte.
Ab 1927 arbeitete er auch für das „Jüdisch-Politische Cabaret“ Oscar Tellers. Zusammen mit Ludwig Herzer als Co-Autor, Franz Lehár als Komponisten und Richard Tauber als Sänger schuf er die Operetten Friederike (1928), Das Land des Lächelns (1929), Schön ist die Welt (1930) und, mit Paul Knepler als Co-Autor, Giuditta (1934; von Lehár später dem Diktator Benito Mussolini gewidmet). Mit seinem Freund Alfred Grünwald als Co-Autor und Paul Abraham als Komponisten entstanden Viktoria und ihr Husar (1930), Die Blume von Hawaii (1931), Ball im Savoy (1932) und Märchen im Grand Hotel (1934).
1934 wurde Löhner Vizepräsident der österreichischen Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger.
Ebenfalls 1934 geriet er – durch Denunziation – in das besondere Blickfeld des damaligen „Reichsdramaturgen“ Rainer Schlösser. In einem umfangreichen Aktenvermerk gab dieser den Inhalt der Denunziation an Joseph Goebbels weiter: Faksimile des Aktenvermerkes von „Oberregierungsrat Dr. Schlösser“ an „den Herrn Reichsminister“, abgedruckt in: Staatsoperette Dresden (Hrsg.): Operette unterm Hakenkreuz, Metropol, Berlin 2007, ISBN 978-3-938690-35-2. S. 14–16, hier S. 15.
Deportation und Ermordung Am 13. März 1938, nach anderen Quellen am 14. März 1938, einen Tag bzw. zwei Tage nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich wurde Löhner-Beda verhaftetGünther Schwarberg: Dein ist mein ganzes Herz. Steidl-Taschenbuch, Göttingen 2002, S. 82. und mit dem ersten „Prominententransport“ am 1. April 1938 in das KZ Dachau verschleppt.
Am 23. September 1938 wurde er ins KZ Buchenwald deportiert. Dort verfasste er Ende 1938 den Text für das Buchenwaldlied, der gleichfalls verschleppte Komponist Hermann Leopoldi komponierte die Melodie dazu.Harry Stein, Gedenkstätte Buchenwald (Hrsg.): Konzentrationslager Buchenwald 1937–1945. Begleitband zur ständigen historischen Ausstellung, Wallstein, Göttingen 1999, 5. Auflage 2007, ISBN 978-3-89244-222-6, S. 80 Der Schutzhaftlagerführer Arthur Rödl ließ Ende 1938 eigens ein „zünftiges“ Lagerlied in Form eines Wettbewerbs anfertigen; Leopoldi und Löhner-Beda gewannen, ihre Urheberschaft wurde jedoch geheim gehalten um sie als jüdische Häftlinge nicht noch mehr zu gefährden. Das Lied wurde im Lageralltag unter Zwang bei Appellen und Märschen gesungen; Berichte schildern Massenproben von Tausenden Häftlingen in winterlicher Kälte auf dem Appellplatz. Die berühmte Refrainzeile mit dem Trotz „Wir wollen trotzdem ja zum Leben sagen – denn einmal kommt der Tag, da sind wir frei!“ verlieh dem Lied eine subversive Hoffnung, welche der Lagerleiter nicht erkannte.
Es gibt Vorwürfe gegen Lehár, er hätte etwas für Löhner-Beda tun sollen und können, habe aber nichts unternommen.Als Beispiel hier wollheim memorial: Fritz Löhner-Beda. Andererseits schrieb Peter Herz in seiner Autobiografie, Lehár sei eigens nach Berlin gefahren und habe Hitler gebeten, sich für die Freilassung Löhner-Bedas einzusetzen.Wolfgang Dosch: Franz Lehár und sein Rastelbinder in Heide Stockinger, Kai-Uwe Garrels (Hrsg.): „Dein ist mein ganzes Herz“. Ein Franz-Lehár-Lesebuch, Böhlau-Verlag, Wien 2020, S. 89–126, dort S. 120. Dafür gibt es allerdings keine dokumentarischen Belege.Günther Schwarberg: Dein ist mein ganzes Herz. Steidl-Taschenbuch, Göttingen 2002, S. 125, sowie S. 12. Lehár selbst gab nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Gespräch mit Peter Edel an, er habe vom Schicksal Löhner-Bedas nichts gewusst.Günther Schwarberg: Dein ist mein ganzes Herz. Steidl-Taschenbuch, Göttingen 2002, S. 183. Lehár war mit einer Jüdin verheiratet und daher in einer prekären Position. In einem Bericht der Linzer Straßennamenkommission heißt es, die Frage, ob Lehár für Löhner-Beda interveniert habe, sei nicht eindeutig geklärt, man gehe heute tendenziell aber eher davon aus, dass er das nicht tat.
Am 17. Oktober 1942 wurde Löhner-Beda nach Auschwitz deportiert. Während seiner Zeit als Zwangsarbeiter im Buna-Werk der IG Farben AG schrieb er noch das Buna-Lied.Text bei wollheim memorial Die Musik stammte vom Wiener Anton Geppert; der Text beginnt mit der Zeile „Und auf Schritt und Tritt geht das Heimweh mit“. Am 4. Dezember 1942 wurde er in der Fabrik erschlagen, nachdem eine Gruppe inspizierender I.G.-Farben-Direktoren – es handelte sich um Walter Dürrfeld, Otto Ambros, Fritz ter Meer, Carl Krauch und Heinrich BütefischOtto Köhler: Vom Land des Lächelns nach Auschwitz. In: Die Zeit, Nr. 30/1996, S. 42. – die Arbeitsleistung des erkrankten 59-Jährigen bemängelt hatte. Die Umstände der Ermordung beschreibt Raul Hilberg in seinem Buch Die Vernichtung der europäischen Juden nach der eidesstattlichen Aussage des überlebenden Mithäftlings Raymond van den Straaten, Nürnberg 1947:Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1990, S. 994 (Übersetzung aus dem Englischen, zuerst 1961).
Unmittelbarer Mörder Löhner-Bedas war sehr wahrscheinlich der Kapo Josef Windeck. Bei dessen späterem Prozess erachtete jedoch das Gericht die Beweislage in diesem Todesfall als nicht hinreichend für eine Verurteilung.Günther Schwarberg, Göttingen 2000, S. 167, 169 und 200–210
Der Psychiater und KZ-Überlebende Viktor Frankl veröffentlichte 1946 einen Erfahrungsbericht, dessen Titel … trotzdem Ja zum Leben sagen an das Buchenwaldlied gemahnt. Das Buchenwaldlied blieb über die Befreiung hinaus präsent und wird bis in die Gegenwart – etwa am Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar – bei Gedenkveranstaltungen aufgeführt.
mini|Stolperstein, Lange Gasse 46, 8. Bezirk in Wien
Familie 1918 heiratete Löhner Anna Akselradi (* 1894 in Krakau). Der gemeinsame Sohn Bruno wurde 1917 geboren und wuchs bei der Mutter auf. Die Ehe wurde 1925 geschieden.Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit. Universität Hamburg
1925 heiratete er Helene Jellinek (* 17. November 1902) und hatte mit ihr zwei Töchter: Liselotte (* 17. November 1927) und Evamaria (* 15. Mai 1929). Die Familie lebte in der Wiener Josefstadt, Lange Gasse 46. Helene widmete er den Text des Liedes Dein ist mein ganzes Herz und schenkte ihr die 1932 gekaufte Villa Felicitas in Bad Ischl, die meist Schratt-Villa genannt wird, nach der Schauspielerin Katharina Schratt.Wolfgang Quatember: ZME Ebensee Nach Löhners Verhaftung wurde Helene schrittweise enteignet, am 31. August 1942 mit ihren beiden Töchtern, nun dreizehn und vierzehn Jahre alt, nach Minsk deportiert und am 5. September 1942 im Vernichtungslager Maly Trostinez zusammen mit ihren Töchtern in Gaswagen ermordet.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 374.Fritz Löhner-Beda, Norbert Wollheim Memorial
Ehrungen 1960 wurde die Löhnergasse in Wien-Meidling nach Fritz Löhner-Beda benannt. 2015 erhielt eine neue Straße in Bad Ischl den Namen Fritz-Löhner-Beda-Straße. Hubert von Goisern erzählte die Lebensgeschichte Fritz Löhner-Bedas in seinem Lied Freunde ... (2020).https://www.hubertvongoisern.com/zeitenundzeichen/liedtexte.html Am 12. Januar 2026 würdigten die Finkelstein Stiftung und BayerKultur Löhner-Beda in der Komischen Oper Berlin mit einem Gesprächs-Musik-Abend; die Schauspielerin Katharine Mehrling interpretierte dabei mehrere seiner Lieder.
Werke (Auswahl) mini|Notenausgabe von I hab’ an alten Daimler mini|Schallplatte der deutschen Carl Lindström AG mit dem Tango Du schwarzer Zigeuner
Bühnenwerke (Operetten) Der fromme Silvanus (3. November 1910, Musik: Leo Ascher, UA.: Kabarett Fledermaus, Wien) Rampsenit (1910, Musik: Leo Ascher) Das Salonfräulein (1910, Musik: Leo Ascher) Die keusche Suzanne (1910, Musik: Leo Ascher)