Oyten (plattdeutsch Eiten) ist eine kreisangehörige Einheitsgemeinde im Landkreis Verden, Niedersachsen. Sie ist nach dem gleichnamigen ehemaligen Dorf, das heute den Kernortsteil bildet, benannt.

Geographie Lage

Sie befindet sich auf dem Achimer-Oyter-Geestrücken, rechtsseitig der Weser und wird nördlich von der Wümme eingeschlossen. Die Entfernung zur Nordsee beträgt ca. 60 km Luftlinie und in Streckenform (A27 nach Bremerhaven) ca. 76 km.

Ortsteile Bassen (3375 Einwohner) Bockhorst (1086 Einwohner) Meyerdamm (557 Einwohner) Oyten-Nord (2665 Einwohner) Oyten-Süd (6045 Einwohner) Oyterdamm (231 Einwohner) Sagehorn (1828 Einwohner) Schaphusen (562 Einwohner)

Der Ausländeranteil liegt bei 6,54 Prozent (Stand: 31. Dezember 2022).

Nachbargemeinden Die Gemeinde Oyten grenzt im Westen an die Bremer Stadtteile Osterholz und Mahndorf, im Norden, Osten und Südosten an den Flecken Ottersberg und im Süden an Achim.

Entfernung nach Ottersberg 10 km (NO), Achim 7 km (S), Verden 25 km (SO), Bremen 14 km (W).

Geschichte Frühe Spuren Im Wischbruch, am Uferrand der früheren Eyter, wurden beim Hof Meier Urnen gefunden. Hier lag zwischen der Lindenstraße und den Niederungen ein Urnenfriedhof aus der vorrömischen Eisenzeit um 700 v. Chr. bis Chr. Geburt. An der Hauptstraße steht heute noch ein Teil der Zehntscheune als Anbau beim Reisebüro Rennekamp. Bis ins 19. Jahrhundert mussten die Bauern hier seit dem Mittelalter ihren zehnten Teil des Ernteertrags an den Lehnsherren abgeben. Am heutigen Busbahnhof steht die im 18. Jahrhundert erwähnte älteste Brinksitzerstelle Oytens. Daneben stand bis 1984 das alte Rathaus, das dem Straßenbau der alten Bundesstraße 75 weichen musste. Die älteste Gastwirtschaft Oytens Zum Alten Dorfkrug war früher eine Kötnerstelle, die Anfang des 17. Jahrhunderts die Schankerlaubnis erhielt. Eine frühere Scheune diente als Ausspann für die Pferdekutschen. Gastwirte waren unter anderem Clauß Jäger, Albert Meinken, Hermann Schwarmann und Lina Schwalkewitz („Tante Lina“).

19. Jahrhundert Zur Bremer Franzosenzeit gehörte Oyten von 1811 bis 1814 zum Departement der Wesermündungen. Im Distrikt Bremen lag der Kanton Achim mit den Orten um Oyten wie Tüchten (50 Einwohner), Hoffstall (25), Heinsberg (12), Großen-Hollen (32), Kleinen-Hollen (6), Schaphusen (67), Zum Vieh (46), Bickbeerenheide (6), Carlshop (30), Brammer (8), Mühlendor (13), Nadahe (4), Baßen (352), Oyten (358), Oyterwümme (6), Oytermoor (3), Wischbruch (24), Oytermühle (16), Breitenmoor (104), Oyterzäunen (6), Oyterdamm (81), Sagehorn, Veermoorhusen (130), Meyerdamm (91), Clüverdamm (17) und Bockhorst (130 Einwohner).Albrecht Friedrich Ludolph Lasius: Der französische Kayser-staat unter der Regierung des Kaysers Napoleon des Großen, im Jahre 1812. J. G. Kißling, Osnabrück 1813, S. 95.

Nach dem Wiener Kongress wurde Oyten 1815 Teil des Königreichs Hannover. Ab 1866 gehörte es zur Provinz Hannover im Königreich Preußen.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts, Oyten hatte um die 400 Einwohner, standen zwischen heutigen Busbahnhof bis zum Rathaus vier Bauernhöfe, zwei Kötnerstellen, fünf Anbauerstellen, eine Gastwirtschaft und eine Bäckerei. Ein Feldstein hinter dem Busbahnhof mit der Inschrift „J. Hollmann – B. Hollmann geb. Schlobohm – 1871 – No. 40“ erinnert an die alte Schmiedewerkstatt Hollmann. Hier mussten zwei Brinksitzerhäuser einer Sozialstation weichen.

1891 bauten die Geschwister Kruse als Eckhaus einen Krämerladen an der Bremen-Harburger-Chaussee, der bis 1939 geführt wurde. Dann kaufte Hermann Bartelheimer das Kaufhaus. 1895 wurde ein Auslieferungslager der Warengenossenschaft gebaut, das später als Molkerei diente, dann Hollings Walzenmühle war und nach 1945 Königs Mühlenbäckerei wurde.

20. Jahrhundert bis 1945 Während der NS-Zeit wurden auch in Oyten Zwangsarbeiter, vorwiegend in der Landwirtschaft, eingesetzt.Joachim Woock: Zwangsarbeit ausländischer Arbeitskräfte im Regionalbereich Verden/Aller (1939–1945), BoD, 2004; ISBN 3-8334-0775-1. Für den Luftschutz im Großraum Bremen wurde zu Kriegsbeginn in Oyten auf der Anhöhe am westlichen Ortseingang eine Flak-Batterie eingerichtet. Die Unterkunftsbaracken befanden sich entlang der heutigen Danziger Straße und wurden nach Kriegsende zunächst von Zivilpersonen weiter genutzt. Nach dem Tod zweier Schüler Anfang der 1980er-Jahre durch die Explosion von Kampfmittelrückständen wurde das Gelände endgültig von Munitionsresten gesäubert und die Munitionsbunker entlang der Verdener- und Königsberger Straße ausgehoben.Unterlagen des Kampfmittelräumdienstes Hannover zur Kampfmittelbergung Oyten-Rammelsberg.

Da die wichtige Motorenfertigung von Borgward durch die zunehmenden Luftangriffe auf Bremen gefährdet war, wurde im Winter 1943/44 das Außenwerk Ottersberg gebaut. In der Mehrzahl Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter errichteten im Wald von Nadah sechs Hallen in Massiv- bzw. Holzbauweise. Für die Produktion wurde das Personal, ebenfalls größtenteils Zwangs- oder auch „Ostarbeiter“, arbeitstäglich vom Stammwerk Bremen-Sebaldsbrück herangefahren. Den Zwangsarbeitern aus der Sowjetunion wurde eine Baracke errichtet.Relikte in Niedersachsen und Bremen: Fa. Carl Borgward – Außenwerk Ottersberg. Das Außenwerk lieferte nach Kriegsende Motoren für die in Sebaldsbrück wieder anlaufende Fertigung der im Nachkriegsdeutschland dringend benötigten 3-Tonner-Lkw vom Typ Borgward B 3000.

Ende April 1945 gab es in verschiedenen Bereichen von Oyten hartnäckige Gefechte.Herbert Schwarzwälder: Bremen und Nordwestdeutschland am Kriegsende 1945, C. Schünemann, 1975, ISBN 3-7961-1620-5. In Sagehorn, auf der Kreisstraße in Höhe Gaststätte Kackebart, wurden Panzersperren gegen die über die Autobahn kommenden und in Richtung Wümme anrückenden britischen Einheiten errichtet. Die gefallenen deutschen Soldaten, teilweise am Wegesrand verscharrt, wurden Anfang der 1980er-Jahre zu einer neu errichteten Gedenkstätte am Oyter Friedhof umgebettet.

Nach 1945 Im Rahmen des NATO-Verteidigungsgürtels Niedersachsen wurde 1966 eine Hawk-Flugabwehrraketen-Stellung in Betrieb genommen. Das Gelände der Stellung liegt im Süden der Gemeinde Oyten und teilweise auf dem Gebiet der Stadt Achim. Nach der Wiedervereinigung und Umstrukturierung der Bundeswehr wurde die Raketenstellung 1995 geschlossen und teilweise abgebaut. Zurzeit entsteht auf dem Gelände sowie dem Umland ein Gewerbegebiet „Oyten-A1“.Relikte in Niedersachsen und Bremen: Hawk-FlaRak-Stellung Oyten.

Der Busbahnhof wurde 1985 angelegt.

Eingemeindungen Mit Wirkung vom 1. Januar 1963 schlossen sich die vorher selbstständigen Gemeinden Meyerdamm, Oyten, Oyterdamm und Sagehorn zu einer neuen Gemeinde Oyten zusammen.Statistisches Bundesamt: Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland, Verlag Kohlhammer, 1961, S. 271.

Am 1. Juli 1972 wurde die vormals selbstständige Gemeinde Bassen der Einheitsgemeinde Oyten zugeordnet.

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat der Gemeinde Oyten besteht aus 32 Ratsfrauen und Ratsherren. Die 32 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die letzte Wahl fand am 12. September 2021 statt. Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem die hauptamtliche Bürgermeisterin Sandra Röse (CDU).

Die letzte Kommunalwahl vom 12. September 2021 ergab das folgende Ergebnis: SPD: 12 Sitze CDU: 12 Sitze Grüne: 4 Sitze AfD: 2 Sitze FDP: 2 Sitze

Bürgermeister ?–1864 Johann Heins 1864–1883 Johann Ellmers 1883–1889 Johann Fehsenfeld 1889–1919 Bösche Meyer 1919–1924 Johann Heitmann 1924–1926 Otto Hahne 1926–1931 Claus Sembach 1931–1946 Heinrich Blohme 1946–1948 Ernst Brockmann 1948–1968 Hinrich Lübkemann 1968–1972 Cord Rieger 1972–1981 Albert Duhn 1981–1988 Hans-Dieter Jacobs 1988–1996 Kurt Meier 1996–2001 Albert Duhn 2001–2019 Manfred Cordes (1. hauptamtlicher Bürgermeister) 2019 – Sandra Röse

Derzeitige Bürgermeisterin

Hauptamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde Oyten ist Sandra Röse (CDU). Sie trat als Kandidatin bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 gegen drei weitere Kandidaten an. In der Stichwahl am 16. Juni 2019 gegen Heiko Oetjen (SPD) wurde sie zur neuen Bürgermeisterin gewählt.

Wappen Die Gemeinde Oyten führt seit 1953 das genehmigte, von dem Heraldiker Panier entworfene Wappen.Genehmigungsakte der Bezirksregierung Stade.

Blasonierung: „In ‚Rot‘ ein silberner Schräglinksbach, oben begleitet von einem steinzeitlichen goldenen Pflug mit silbernem Schuh, unten von einem silbernen Eichenblatt mit zwei goldenen Eicheln.“

Partnerschaften Seit 2004 besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Dunapataj in Ungarn. Die Gemeinde Dunapataj hat etwa 3.800 Einwohner und liegt rund 100 Kilometer südlich von Budapest. Oyten ist im Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen vertreten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten mini|Oyter See mini|Heimathaus Oyten

Die evangelische St.-Petri-Kirche in Oyten ist ein Backsteinbau von 1861. Die kreuzförmige Saalkirche hat eine polygonale Apsis und einen Westturm. Durch die Stützen der Emporen ist das Langhaus innen in drei Schiffe geteilt; darüber befindet sich eine Holzdecke. Die alte Farbfassung des Raumes wurde 1986/87 wiederhergestellt; durch gemalte Säulen und Rippen wurde die Apsis gegliedert. Erwähnenswert ist noch das von Carl Vinnen (Düsseldorf) gestaltete Altargemälde von 1880. Oyter See, Baggersee mit Naherholungsgebiet, beim Ausbau der A 1 in den 1960er-Jahren entstanden. Heimathaus von 1989, Hofstelle mit Fachwerkhaus, Scheune und Backhaus, direkt hinter dem neuen Rathaus im Alten Dorf. Wird vom Heimatverein Oyten betreut. Oyter Moor im Norden von Oyten, Torfabbau bis 1950er-Jahre, Biotope mit verschiedenen seltenen Tier- und Pflanzenarten.

Regelmäßige Veranstaltungen Seit 2012 findet der Köper Markt statt. Er bietet regionale Produkte. Er fand erstmals unter dem Motto „aus der Region, für die Region“ statt.Erster Köper-Markt in Oyten kam gut an – Von Andrea Zachrau. mini|Köper Markt 2012

Trivia Für seine wöchentlich erscheinende Cartoon-Kolumne in der Zeitschrift Stern erfand der Autor/Zeichner Tetsche die Cartoonfiguren Kuhno van Oyten sowie Heike van Oyten und machte so den Ortsnamen Oyten weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Wirtschaft, Verkehr, Infrastruktur Wirtschaft

Direkt an der Autobahnabfahrt Oyten an der A 1 liegt der Gewerbepark Oyten. Oyten besitzt Geschäftsstellen der Volksbank Oyten im Zentralort, der Volksbank Wümme-Wieste im Ortsteil Bassen und der Kreissparkasse Verden.

Verkehr Schiene Der Bahnhof Sagehorn befindet sich drei Kilometer nördlich des Zentrums von Oyten an der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg. Hier halten im Rahmen des Hanse-Netzes verkehrende Züge der Metronom Eisenbahngesellschaft auf der Verbindung Hamburg–Bremen und eine Güterumgehungsbahn zur Umfahrung Bremens nach Dreye zweigt ab. Einzelne Zugverbindungen zwischen Hamburg und Köln lassen so Bremen aus und nutzen diese Güterverkehrsspange mit einer Fahrzeitverkürzung von ca. 20 Minuten.

2015 stimmte der Gemeinderat dem Plangenehmigungsverfahren für einen Stationsneubau zu. Die neue Station entstand weiter westlich im Bereich Schwarzer Weg / Sagehorner Dorfstraße.

Straße und ÖPNV Oyten liegt am Autobahnkreuz Bremer Kreuz (A 1/A 27) sowie an der B 75 bzw. L 168. Die Autobahnabfahrt Oyten an der A 1 erschließt den Ort. Der Bau der Bundesautobahn A 1 begann 1934 in Oyten. Hier fand auch die Eröffnung dieser Reichsautobahn statt. Das heutige Bremer Kreuz hieß bis zum Ausbau der A 1 Richtung Ruhrgebiet und der A 27 nach Walsrode „Oyter Knie“, die heutige A 1 folgte in einem Nordschwenk der heutigen A 27 in Richtung Blockland.

Oyten ist an das Verkehrsnetz der VBN angebunden; die Linie 730 und die Nachtlinie N 71 fahren regelmäßig nach Bremen und Ottersberg, die Linie 745 nach Achim. 2015 nahm der Bürgerbus Oyten seinen Dienst auf und fährt innergemeindliche Strecken.

Bildung mini|Schulzentrum Pestalozzistraße Grundschule Oyten