mini|Die älteste Kirche in Weilimdorf und das Alte Rathaus bei Tag … mini|… und bei Nacht mini|hochkant|Pfarrgartenhäusle mit alter Ortsmauer mini|Schloss Solitude mini|Schloss Solitude von Nordosten mini|Die „Linde“ mini|Der Hauptplatz Weilimdorfs: Der Löwen-Markt (mit Stadtbahnstation im Vordergrund) mini|Der Löwen-Markt vom Westen gesehen mini|Bezirksrathaus Weilimdorfs Weilimdorf (bis 1955 Weil im Dorf) ist ein Stadtbezirk im Nordwesten von Stuttgart. Er grenzt an die Stuttgarter Stadtbezirke Zuffenhausen, Feuerbach und Stuttgart-West sowie die Städte Gerlingen, Ditzingen und Korntal-Münchingen (alle drei Landkreis Ludwigsburg).
Geographie Weilimdorf liegt am südöstlichen Ende des Strohgäus und nordwestlich der Stuttgarter Innenstadt (genaue Lage: 48° 49′ 1″ N, 9° 6′ 40″ O – Oswaldkirche). Der Stadtbezirk umfasst eine Fläche von 1.258,5 Hektar, davon sind 29,4 % bebaut, 12,3 % werden von Verkehrsbauten in Anspruch genommen, 3,9 % sind Grünflächen und Spielplätze, auf 23,2 % steht Wald und 28,7 % werden landwirtschaftlich genutzt. Der Wald gliedert sich in den Fasanengarten, den Maierwald und Lemberg, den Föhrichwald sowie den Solitudewald. Höchste Erhebungen auf Weilimdorfer Markung sind der Grüne Heiner mit , das Horn am Lemberg mit und im Stammheimer Stellenrain nahe der „Alten Burg“ mit . Tiefstgelegener Punkt ist die Stelle, an der der Lindenbach die Markungsgrenze Richtung Ditzingen verlässt (). Weitere Höhen (alle in Meter über dem Normalnull): Fasanengarten 338, Tachensee 312, Gehenbühl 332, Altes Schulhaus 311, Bergheim 349, Hausen 308 und Pfaffenäcker 332. Natürliche Gewässer sind der Tachensee, der Lindenbach (10 km), der Schnatzgraben/Rappach (5 km) und das Aischbächle (0,5 km). Der Schnatzgraben speist in Bergheim fünf kleine Seen und der Lindenbach den künstlich geschaffenen Lindenbachsee an der Goslarer Straße.
Die Weilimdorfer Markung im Laufe der Zeit Im Laufe der Jahre veränderte sich die Markungsgröße von Weilimdorf immer wieder. So gehörten Anfang des 18. Jahrhunderts noch 5817 Morgen (1817,81 ha) zur Gemeinde. Nach der Selbstständigkeit von Korntal mit 939 Morgen (293,44 ha) waren es 1848 noch 4.878 Morgen. Im Jahre 1861, als die Teilgemeinde Solitude gebildet wurde, nahm die Markung um weitere 905,75 Morgen (283,05 ha) ab und umfasste 1926 noch 3958 Morgen (1248 ha). Durch Flächentausch in den Gewanden Gschnaid, Auf dem Haus, Lotterberg, in den Greuttern sowie im Bereich zur Solitude hin gewann die Gemeinde wieder etwas Fläche hinzu.
Die Flächenverteilung 1848 und 2002 Beschreibung 1848„Ostertag, S. 73.“ Fläche in Morgen Fläche in ha Gebäude 20 6,25 Gärten 71 22,19 Äcker 2.247 702,19 Weinberge 127 39,69 Wiesen 490 153,13 Wald 1.676 523,75 Weide 38 11,88 Öde 35 10,94 Gewässer 15 4,69 Straßen und Wege 159 49,69 Gesamt: 4.878 1.524,40 Beschreibung 2002 Fläche in Morgen Fläche in ha Gebäude 1.179,79 368,74 Erholung 157,06 49,08 Felder und Wiesen 1.151,78 359,93 Wald 930,28 290,71 Straßen und Wege 487,29 152,28 keine Angabe 120,83 37,76 Gesamt:„Zum Vergleich wurden jeweils von Morgen in Hektar (1848) und umgekehrt (2002) umgerechnet.“ 4.027,20 1.258,50
Stadtteile
Bergheim, genauer gesagt der Bergheimer Hof, stand schon immer auf Weilimdorfer Markung und gehörte zu Weilimdorf. 1304 wurde der Berg(k)heimer Hof erstmals als oberer und unterer Hof erwähnt. 1399 wurde erstmals die Nikolaikapelle auf dem Gelände des heutigen Bergheimer Hofes erwähnt. 1434 wurde der Bergheimer Hof an die Grafen Ludwig und Ulrich von Württemberg verkauft. 1560 wurde die Rothsche Scheuer auf den Grundmauern der ehemaligen Nikolaikapelle erbaut. Die Bogensteine und Bogenfenster („eingestürzt 1714, repariert 1714“) sind heute noch zu sehen. 1765 zählte der Bergheimer Hof 90 Einwohner. 1790 kam der Bergheimer Hof in den Besitz des Freiherrn Gottlieb Friedrich von Naso, einem früheren Husarenoberst auf der Solitude. 1848/49 wurde sein Enkel Dr. Friedrich Notter Eigentümer des Bergheimer Hofs. Er war Abgeordneter im Landtag und von 1871 bis 1874 Mitglied des Deutschen Reichstages. Mit ihm wurde der Bergheimer Hof zu einem „Musenhof“, den unter anderem Mörike, Freiligrath, Gerok und Schwab besuchten. Sein literarischer Nachlass kam an das Schillermuseum in Marbach. Er starb 1884 im sogenannten „Schlößle“, das er 1830 vom Erbauer der Wilhelma, Ludwig von Zanth, errichten ließ. Es wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. An dieser Stelle wurde die Villa Ellner errichtet, in der heute die Diakonie Stetten ist. Ab 1953 wurde die Landsiedlung und der Giebel bebaut. Ab 1954 begann das Siedlungswerk der Diözese Rottenburg östlich der Solitudestraße die Bebauung, westlich der Solitudestraße das Evangelische Hilfswerk auf dem Gelände der herzoglichen Hofkammer. 1960 wurden die Engelbergschule und die Realschule Weilimdorf erbaut. 1971 startete das Gymnasium Stuttgart-Weilimdorf in den Pavillons, 1975 wurde das neuerbaute Gymnasium bezugsfertig und ab 1988 trägt es den Namen „Solitudegymnasium“. 1997 wurde der Gasthof Bergheim abgerissen. Heute befindet sich an dieser Stelle eine Seniorenwohnanlage. Die Diakonie Stetten bezog 2007 ihre Wohnanlage in der ehemaligen Villa Ellner.
Die Stadtteile Wolfbusch, Hausen und Giebel entstanden im 20. Jahrhundert und gehören ebenfalls zum Stadtbezirk Weilimdorf.
Frühere Ortszugehörigkeiten mini|links|Weilimdorf 1899
Bis 1851 lag der Kornthaler Hof ebenso auf Weil im Dorfer Markung, bevor er ein eigenständiger Ort wurde und der Evangelischen Brüdergemeinde eine Heimat bot. Heute ist der ehemalige Hof Teil der Stadt Korntal-Münchingen im Kreis Ludwigsburg. Mit Bildung der Teilgemeinde Solitude musste die Gemeinde Weil im Dorf 283 Hektar abgeben. Im Jahr 1942 kam schließlich die Solitude vom Landkreis Leonberg zur Stadt Stuttgart. Sie ist mittlerweile ein Stadtteil von Stuttgart-West.
Geschichte Der Ortsname (mittelhochdeutsch Wile, neuhochdeutsch Weil) wurde zur Unterscheidung von anderen Orten in der Umgebung namens Weil wie Weil der Stadt oder Weil im Schönbuch um den Zusatz „im Glemsgau“ oder „das Dorf“ erweitert. Da Ortsnamen viel häufiger im Dativ als im Nominativ gebraucht werden, etwa „in Weil, dem Dorf“, erscheint seit dem 17. Jahrhundert die an die Mundart (ze Wil 'em Dorf) angelehnte Form Weil im Dorf.
Von der Vorzeit bis zur ersten urkundlichen Erwähnung Schon zur Hallstattzeit war die Weilimdorfer Gemarkung besiedelt. Hierbei handelte es sich vermutlich um Kelten, die Ackerbau und Viehzucht betrieben. Auf dem Horn bei Weilimdorf gab es eine keltische Fliehburg und im Stellenrain hoch über dem Lindental finden sich heute noch deutliche Zeichen eines Ringwalles. Die Kelten wurden aber noch vor Christi Geburt von den Sueben verdrängt. Anschließend besetzten Römer das verlassene Land und teilten es der Provinz Obergermanien zu. Spuren finden sich noch an der Steinstraße am östlichen Markungsrand, die einst eine Römerstraße war und im Jahre 1910 grub man eine römische Mauer im Gewann Blauäcker aus. Diese könnte von einem römischen Gutshof stammen und von jenem Gutshof ließe sich auch der Name Weilimdorfs ableiten: Weil = Villa = Landhaus. Im Jahre 260 jedoch hielt der Limes nicht mehr stand, und die Alemannen drängten die römischen Besatzer bis an den Rhein zurück. Die Alemannen und die Franken teilten sich nach einer Schlacht im Jahre 496 das Glemsgau. Die Ländereien links der Glems wurden fränkisch, die rechts der Glems, und damit auch die Markung Weilimdorfs, blieben weiterhin alemannisch. Von dieser alten Trennung zeugen noch heute im Nachbarort Ditzingen die zwei Kirchen links und rechts der Glems (Grenze Bistümer Speyer und Konstanz). Im Jahre 1075 erhält das Kloster Hirsau durch Graf Adalbert von Calw einige seiner Güter, darunter auch einige zu „Weyl“.Ostertag, S. 9.
Die Reformation Die erste urkundliche Erwähnung Weilimdorfs stammt aus dem Jahr 1243.Ostertag, S. 10. Darin wird „Weyl im Glemsgaw“ mit Kirche, Widdumhof und anderen Gütern an das Chorherrenstift zum Heiligen Martin in Sindelfingen übertragen. Durch einen weiteren Erlass bekam Sindelfingen auch das Vogtrecht zugesprochen. 1291 griff Graf Götz von Böblingen Weyl an und raubte 200 Malter Getreide. Als Folge davon befestigte die Gemeinde ihren Ort, besonders Kirche, Maier- und den Widdumhof, mit Mauern und Gräben. Im Jahre 1336 kam Weilimdorf durch Kauf an die Grafen von Württemberg und wurde dem Oberamt Leonberg zugewiesen.Ostertag, S. 11. 1472 erbaute man die Oswaldkirche in ihrer heutigen Form. Durch die Gründung der ersten Universität in Württemberg in Tübingen kamen die Oswaldkirche und die zugehörigen Güter (samt Maier- und Widdumhof) zur Universität Tübingen.Ostertag, S. 16. Diese ließ Weilimdorf durch einen Universitätspfleger verwalten. Noch bis 1914 hatte Tübingen zudem das Recht, den Pfarrer von Weilimdorf zu ernennen. Von der Zeit der Bauernkriege und des Armen Konrads ist nichts überliefert, jedoch von der beginnenden Reformation in Württemberg: In einem Brief vom 2. Oktober 1531 vermerkte der Universitätskanzler, dass die Einwohner von Weyl im Glemsgaw sich zum Luthertum hingezogen fühlten.Ostertag, S. 19. 1533 enthob die Universität den letzten katholischen Pfarrer der Gemeinde seines Amtes, da er im Verdacht stand, den evangelischen Glauben zu verbreiten. Als 1547 die evangelischen Dekanate Leonberg und Cannstatt gebildet wurden, kam Weilimdorf zum letzteren. Der erste evangelische Pfarrer Samuel Isenmann legte auch das Taufbuch an. Die lutherische Lehre hatte sich gefestigt. Auch von der Gegenreformation blieb die Gemeinde unberührt.
Das 16. Jahrhundert In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfasste den Ort eine rege Bautätigkeit. Seit 1551 gab es in Weilimdorf eine Schule, in der anfangs nur Jungen im Winter unterrichtet wurden. In Württemberg erließ Herzog Christoph erst 1559 die erste Schulordnung. 1559 wurde ein neues Pfarrhaus errichtet und 1583 verlegte man den Friedhof von der Kirche an den Ort, auf der heute die Seelachschule steht. Herzog Ludwig von Württemberg unterstützte den Bau mit 60 Gulden. 1595 renovierte die Gemeinde ihren Kirchturm und bauten das erste Uhrwerk ein. In den Jahren von 1585 bis 1597 wütete die Pest mehrmals im Ort und raffte 387 Einwohner dahin. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts zeigte sich Weilimdorf als wohlhabendes Dorf, das sich halbkreisförmig um die Kirche erstreckte und mit Zäunen, Hecken, Mauern und Gräben befestigt war. Von den Straßen, die durch den Ort führten, werden in der Chronik von 1926 die Allmandgasse (heutige Glemsgaustraße), die Bauerngasse (Ditzinger Straße) und die Gemeine Gasse (?) genannt.
Das 17. Jahrhundert