Vacha [] ist eine Stadt im Wartburgkreis in Thüringen.

Geographie mini|hochkant|Stadtgliederung Stadtgliederung Die Stadt besteht neben der Kernstadt Vacha mit der Siedlung Badelachen aus folgenden Ortsteilen: Oberzella mit der Kleinsiedlung Unterzella und den Wüstungen Heiligenroda, Niederndorf und Schwenge Martinroda Völkershausen mit den Siedlungen Busengraben, Furthmühle, Hedwigshof, Kohlgraben, Luttershof, Rodenberg, Sauermühle und Willmanns Wölferbütt mit den Siedlungen Mariengart und Masbach.

Lage Die Kernstadt liegt im Werratal, 3 km nördlich des Öchsen, direkt an der Landesgrenze zu Hessen. Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn) die Stadt Werra-Suhl-Tal mit dem Ortsteil Vitzeroda, die Stadt Bad Salzungen mit dem Stadtteil Springen, die Krayenberggemeinde, Dermbach, Oechsen, Geisa, Buttlar, Unterbreizbach mit seinem Ortsteil Sünna, Philippsthal und Heringen. Fulda ist etwa 40 km südwestlich, Eisenach ist etwa 27 km nordöstlich, Bad Hersfeld etwa 23 km westlich und Bad Salzungen 15 km östlich entfernt.

Geschichte Vorgeschichtliche Zeit mini|hochkant|Übersicht zu den Wallanlagen auf dem Öchsen Die archäologisch belegbare Siedlungsgeschichte im heutigen Stadtbereich beginnt mit Fundmaterial der Jungsteinzeit aus der Michelsberger Kultur. Die ältesten erhaltenen Zeugnisse von Bauwerken befinden sich auf dem Öchsenberg (627,2 m ü. NN). Es sind Steinwälle aus Basalt, sie umfassten im innersten Bering ein vollständig geschlossenes Oval von 180 Meter Länge und 130 Meter Breite. Die Größe der Anlage, es ist zugleich die stärkste Befestigung der thüringischen Rhön, deutet auf eine entwickelte keltische Höhensiedlung, ein Oppidum; die Hauptumwallung hatte einen Durchmesser von 320 Meter. Die Trinkwasserquelle befindet sich auf dem Südhang des Berges, die mit der Zeit talabwärts gewandert sein muss, worauf eine beckenartige Struktur, eine Art Rinne und zwei kurze Vorwälle hinweisen. Der obere der beiden Zusatzwälle berührt auf der Westseite den hier im Bogen angewinkelten äußeren Hauptwall. Mit diesen Vorwällen hatte der Ringwall in letzter Ausbaustufe bis zum Hauptwall im Norden einen Durchmesser von 480 Meter.Robert Riemann Keltenburgen nördlich und südlich des Thüringer Waldes Hagenberg-Verlag, Homburg 1986, S. 26.Vacha und sein Servitenkloster im Mittelalter, S. 3.

Ersterwähnung Seit dem frühen Mittelalter befand sich das Gebiet um die heutige Stadt im Grenzbereich zwischen Sachsen, Thüringen und Franken. Im 9. Jahrhundert stießen hier die Territorien der Abteien Fulda und Hersfeld aufeinander. Daher existieren aus dieser Zeit viele Urkunden mit Grenzbeschreibung im Bereich um das heutige Vacha. Diese Grenzbeschreibungen erwähnen Vacha nicht. So wird am 31. August 786 die Dorndorfer Mark mit einer Grenzbeschreibung an die Abtei Hersfeld übergeben. Hier wird der westliche Grenzverlauf vom Berg Öchsen in nördlicher Richtung bis zur heutigen Wüstung Schwenge (in der Urkunden Uuihingesboumgarto) mit dem Zwischenpunkt des Hofes Badelachen (eventuell Königshof) beschrieben. Demzufolge geht man davon aus, dass es bis in das 12. Jahrhundert hinein keine nennenswerte Bebauung im heutigen Stadtgebiet gab, denn auch die Wildbann-Urkunde von Kaiser Heinrich II. für die Abtei Hersfeld aus dem Jahr 1016 erwähnt Vacha nicht. Eventuell gab es hier ein Vorwerk des Hofes Badelachen, aus dem dann allmählich das Dorf Vacha entstand. Dieses Dorf wird erstmals in einem Servitienverzeichnis (Dörfer, die Naturalien an das Kloster abführen mussten) des Klosters Fulda erwähnt, das zwischen 1155 und 1165 datiert wird. In dem Verzeichnis hatte Vacha an die Brüder im Kloster Fulda eine Kuh zu liefern, die geringste Leistung im gesamten Verzeichnis.Vacha und sein Servitenkloster im Mittelalter, S. 9–14.

Wolfgang Kahl weist hingegen die urkundliche Ersterwähnung des Ortes für den Zeitraum von 802 bis 817 nach.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 297. Ein Nachtrag im Codex Eberhardi des Klosters Fulda aus dem 12. Jahrhundert beurkundet einen Güteraustausch zwischen 814 und 817. In der Urkunde wird festgehalten, dass der Abt Ratgar dem Kaiser Ludwig dem Frommen Ibstadt (Ibistat) am Rhein überlässt und dafür die Meiereien (villicationes) Vacha (Vachhe), Geisa (Geisaha) und Spahl (Spanelo) erhält. Diese Urkunde wird heute jedoch als Fälschung des Mönches Eberhard angesehen. Die Urkunde entstand, als die Abtei Hersfeld in Auseinandersetzungen mit den Thüringer Landgrafen wegen strittiger Vogteirechte stand. Die Abtei Fulda nutzte diese Schwächephase aus, um mit Hilfe dieser Urkunde das untere Ulstertal im 12. Jahrhundert unter ihre Kontrolle zu bekommen.Waldemar Küther: Vacha und sein Servitenkloster im Mittelalter. Böhlau, Köln 1971, S. 8.

Namensursprung Zu den ältesten Namensbelegen (Dronke Cod. dipl. Fuldensis Nr. 353) von Vacha zählt der urkundliche Hinweis … villis in zuisgen Facchon… – dies meint eine aus zwei zusammenliegenden Ortschaften gebildete Siedlung, zwischen denen ein Fischwehr befindlich ist. Die sogenannten Fächer waren Dämme und Wehre die durch die Flüsse führten, um Fische – genaugenommen Lachse – in Reusen zu fangen.Edward Schröder: Vacha und Fischbach. Lachszug und Siedelung an deutschen Flüssen. In Namn och Bygd Zeitschrift für nordische Ortsnamensforschung. Lund 1928, S. 39–58.

Hochmittelalter mini|hochkant|Ruine der Annenkapelle mini|hochkant|Stadtmauerturm mini|Klosterkirche am Friedhof Vacha war mindestens bis 1180 ein Dorf mit eigener Dorfmark. In diesem Jahr erhielt die Abtei Hersfeld Schenkungen des Hersfelder Mönches Sigibodo. Dabei waren unter anderem die Einkünfte eines Feldes in der Dorfmark Vacha. Aber schon sechs Jahre später, im Jahr 1186, erfolgte ein Tauschgeschäft zwischen Landgraf Ludwig III. von Thüringen und Abt Hermann von Reinhardsbrunn, in dessen Urkunde Vacha als Stadt im Besitz der Abtei Fulda erwähnt wurde. In dieser Urkunde wurde auch erstmals die Werrabrücke erwähnt, über die die Altstraße Via Regia weiter nach Eisenach und Leipzig führte. Nach Quellenlage war Vacha damit einer der ersten Orte in Thüringen, der Stadtrechte erhielt.Vacha und sein Servitenkloster im Mittelalter, S. 14 u. 15.

Noch im 12. Jahrhundert wurde mit dem Bau der Stadtmauer und der Burg Wendelstein begonnen, sie diente sowohl zum Schutz des Werraübergangs als auch zur Kontrolle der Stadt selbst. Die Burg Vacha bildete einen Brückenkopf zur Sicherung des Werraübergangs.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 256. Unter Abt Heinrich IV. von Erthal wurde um 1250 die Stadt erweitert bzw. die Befestigung ausgebaut. Zu den ältesten Bauwerken der Stadt gehört die auf einem südlich der Stadt gelegenen Berg erbaute Annenkapelle, sie wurde bis zur Reformation als Wallfahrtsort genutzt.

Die Stadtpfarrei St. Vitus tritt mit der Nennung des Pleban Berthold 1172 ins Licht der Geschichte. Sie war Sitz eines kirchlichen Verwaltungsbezirkes (Sedes) mit den unterstellten Pfarreien Oechsen, Völkershausen und Heiligenroda. Der vor 1339 in Mariengart/Rhön ansässige Servitenkonvent erhielt 1368 das Recht, sich in der Vorstadt vor dem Obertor anzusiedeln. Um 1400 erfolgte dort der Bau der Klosterkirche und eines Wirtschaftshofes. Die durch Spenden und Schenkungen vermehrten Klosterbesitzungen umfassten Höfe und Grundbesitz in den Umlandgemeinden, sie sollten der seelsorgerischen Tätigkeit und Pflege von Kranken und Armen zugutekommen. Ein Großfeuer vernichtete 1467 fast die ganze Stadtbebauung, auch das Servitenkloster brannte dabei nieder, es dauerte mehrere Jahrzehnte, um die Schäden zu beseitigen.

Außerhalb der Stadtmauern befanden sich einige Mühlen und Spitäler, auch um die Ausbreitung von Seuchen zu verhindern. Das älteste Stadtsiegel Vachas stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist 1303 als Abdruck überliefert. Ratsherren (consules) und Schöffen (scabini) werden 1307, Bürgermeister 1362 erstmals bezeugt. Das erste Rathaus wurde 1429 erwähnt. Wegen des Marktbetriebes entstanden am Vachaer Marktplatz auch Wirtshäuser, Verkaufsläden und eine Münze der Fuldaer Äbte. Die Vachaer Münzstätte wurde 1455 in einem vom Abt Hermann II. errichteten Gebäude als Filiale der klösterlichen Münze eingerichtet und durfte nur Fuldaer Münzstempel verwenden.

Im Jahr 1406 kamen zwei Drittel von Stadt und Amt Vacha pfandweise von der Reichsabtei Fulda an die Landgrafen von Hessen. Im September 1518 versuchte Graf Wilhelm von Henneberg, die Stadt bei einem nächtlichen Überfall im Handstreich zu erobern, er wurde jedoch abgewehrt.

Reformation und Bauernkrieg mini|hochkant|Gedenktafel für den Bauernkriegsführer Hans Sippel an der Burg Wendelstein Vacha zählt zu den Städten in Deutschland, in denen die Reformation ihren Anfang nahm. Erste lutherische Predigten wurden ab 1522 von Georg Witzel gehalten, welcher im April 1525 im Zuge einer evangelischen Visitation erste Prediger in den Amtsdörfern Sünna und Unterbreizbach einführte. Sein weiteres Schicksal führte ihn später in eine Oppositionsrolle zu Luther und anderen Reformatoren, er kehrte daraufhin zurück zum katholischen Glauben. Zur selben Zeit begehrten die Bauern im benachbarten Völkershausen auf. Vacha wurde zum Sammelpunkt des Werrahaufens, den der Vachaer Bürger Hans Sippel anführte und etwa 8000 Mann umfasste, die aus den sächsischen und fuldischen Ämtern Salzungen, Krayenburg, Wasungen, Gerstungen, Creuzburg, Hausbreitenbach und Wasungen stammten. Die Stadt Vacha wurde von den Bauern bedrängt, man stellte den Bauern zwei Hauptleute und 20 Söldner der Stadtwache sowie Waffen und Munition zur Verfügung. Zuvor hatten die Bauern eine Schlappe bei der zweitägigen Belagerung der Burg Völkershausen einstecken müssen, die von Hans von Völkershausen mit seinen Söldnern verteidigt wurde.

Die Mönche des Vachaer Servitenklosters hatten den Messgottesdienst aufgegeben und die evangelische Predigt übernommen. Ihre Wirtschaftshöfe und das Kloster selbst lagen außerhalb der Stadtmauer und wurden deshalb von den aufständischen Bauern ausgeplündert, zeitgleich wurde auch das benachbarte Kloster Kreuzberg überfallen. Diese Erfolge reizten den Bauernhaufen sich über Berka/Werra nach Eisenach zu begeben, wo man weitere Verstärkung erhoffte. Der Plan misslang und der Bauernführer Sippel fand mit weiteren Gefangenen auf dem Richtplatz in Eisenach den Tod durch Enthauptung. Er hatte zuvor vergeblich versucht, die Eisenacher Ratsherren und die Stadtbevölkerung zur Teilnahme am Bauernaufstand zu überreden. Der zu dieser Zeit vor der Stadtmauer lagernde Heerhaufen der Bauern wagte es nicht mehr, die gefangenen Anführer zu befreien, man zog unverrichteter Dinge ab und folgte dem Ruf Thomas Müntzers.