mini|300px|Ofterdingen (1980er) Ofterdingen (schwäbisch Ofterdenga) ist eine Gemeinde im Landkreis Tübingen, etwa 13 Kilometer südlich von Tübingen an der Bundesstraße 27 gelegen. Sie gehört zur Region Neckar-Alb und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie Geographische Lage Ofterdingen liegt im Tal der Steinlach, einem rechten Nebenfluss des Neckars, und gehört räumlich bereits zum mittleren Albvorland. Der westliche Teil Ofterdingens liegt teilweise auf dem Rammert, einem bis zu 590 m ü. NHN bewaldeten Höhenzug des Keuperberglands. Das Gemeindegebiet erstreckt sich dabei auf einer Höhenlage von 401 bis 551 m. ü. NHN (Rathaus Ofterdingen 422 m. ü. NHN).

Nachbargemeinden

(alle Gemeinden befinden sich im Landkreis Tübingen)

Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören das Dorf Ofterdingen und das 1938 erbaute Gehöft Jungviehweide.

Im Gemeindegebiet Ofterdingens liegen die abgegangenen, heute nicht mehr bestehenden Ortschaften Benishausen, Meisenhart und Stetten.

Geologie mini|Das Ammonitenpflaster im Bachbett der Steinlach bei Ofterdingen Ofterdingen liegt in der südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft. Der geologische Untergrund innerhalb der Ortsgemarkung wird geprägt von der Gesteinsabfolge des Schwarzen Jura (Lias). Prägend sind die harten Kalkschichten des Lias α (Arietenkalk), die die Schichtfläche westlich des Ortes bis zum Rammert bilden. Sie sind ebenfalls der Grund für die Ablenkung der Fließrichtung der Steinlach nach Nordosten sowie für den Steinlach-Wasserfall nordöstlich von Ofterdingen. Innerhalb des Ortes fließt die Steinlach auf der Schichtfläche des Lias α3 und hat die eingelagerten Fossilien, überwiegend Steinkerne von Ammoniten und Austern, freigelegt. So entstand das für den Ort berühmte Ammonitenpflaster.

Naturausstattung mini|Die Steinlach in Ofterdingen, kurz oberhalb des Ammonitenpflasters Die ausgedehnten Streuobstwiesen am Südrand des Rammert und des Kührain sowie am Ofterdinger Berg sind Lebensraum zum Teil seltener Vogelarten. Wertvoll sind kleine Feuchtwiesenareale und Schilfgebiete unterhalb des Kührain. Das Bachbett der Steinlach ist in der Ortslage von Ofterdingen durchweg verbaut und nicht naturnah. Der einzige natürliche Bachlauf mit Auenwaldgalerie aus Eschen, Weiden und Schwarzerlen ist der Tannbach am Südrand des Siedlungsbereichs, ein linker Zufluss der Steinlach, der zuvor an der Gemeindegrenze zu Mössingen den Buchbach oder Ernbach aufnimmt.

Schutzgebiete

Ofterdingen hat Anteil an den Landschaftsschutzgebieten Rammert und Rauher Rammert, an den FFH-Gebieten Albvorland bei Mössingen und Reutlingen und Rammert sowie am Vogelschutzgebiet Mittlerer Rammert.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte

Überblick Die urkundliche Ersterwähnung der Gemeinde war um 1115. Spätere Besitzer waren die Grafen von Zollern. Diese verkauften sie 1346 an Friedrich Herter von Dußlingen.

Eine Verbindung zu der mittelalterlichen Romanfigur Heinrich von Ofterdingen von Novalis ist unwahrscheinlich und nicht zu belegen.

Von 1417 bis 1802 gehörte Ofterdingen dem Kloster Bebenhausen. Mit diesem ging es mit der Einführung der Reformation 1534 an das Herzogtum Württemberg über.

Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg wurde Ofterdingen 1807 dem Oberamt Rottenburg zugeordnet. Durch die Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte der Ort 1938 zum Landkreis Tübingen. 1945 wurde Ofterdingen Teil der Französischen Besatzungszone und kam somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

Bevölkerungsentwicklung mini|hochkant=1.1|Bevölkerungsentwicklung von Ofterdingen Datum Einwohner 31. Dez. 1969 2766 31. Dez. 1979 3385 31. Dez. 1989 3876 31. Dez. 1991 3981 31. Dez. 1993 4052 31. Dez. 1995 4042 31. Dez. 1999 4125 30. Juni 2000 4159 30. Juni 2001 4238 30. Juni 2002 4257 Datum Einwohner 30. April 2004 4368 31. Dez. 2005 4419 31. Dez. 2007 4575 31. Dez. 2008 4522 31. Dez. 2009 4562 31. Dez. 2010 4555 31. Dez. 2011 4448 31. Dez. 2012 4527 31. Dez. 2013 4578 31. Dez. 2014 4654 Datum Einwohner 31. Dez. 2015 48384. August 2017 5004 30. Juni 2020 5249 30. Juni 2022 5469

Religion mini|Mauritiuskirche und Endelberg (Friedhof) Die evangelische Kirchengemeinde zählt ca. 2.450 evangelische Christen. Eine erste Erwähnung der Gemeinde war im Jahr 1266. Seit 1356 wird sie als St. Moritz (Mauritius) bezeichnet. Die Leitung der Kirche hatten die Zollern. 1345 ging die Gemeinde als Lehen an die Herter und 1417 bis 1483 an das Kloster Bebenhausen, in welches die Kirche 1492 inkorporiert wurde. Diese Kirche auf dem Ofterdinger Berg wurde 1565/67 abgebrochen. Eine Kapelle gab es im Dorf wohl schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts. 1484 wurde dort eine Frühmesspfründe errichtet und 1507 wurden wohl die Pfarrrechte eingerichtet. 1534 wurde die Reformation eingeführt. Die heutige Kirche ist ein spätgotischer Bau von 1522. Der Turm ist aber älter und evtl. der Rest einer ehemaligen Burg.

Auch die Neuapostolische Kirche ist mit einer Gemeinde in Ofterdingen ansässig. Die Gemeinde zählt ca. 150 Mitglieder.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Ofterdingen besteht aus den 14 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis. Die Wahlbeteiligung lag bei 60,2 %. mini|hochkant|Rathaus

Partei Stimmen Sitze Ergebnis 2019 Freie Wählervereinigung 40,24 % 6 36,3 %, 5 Sitze SPD 21,72 % 3 35,8 %, 5 Sitze CDU/Unabhängige Wählervereinigung 28,91 % 4 26,6 %, 4 Sitze Grüne 9,13 % 1 nicht angetreten BüF nicht angetreten 1,2 %, 0 Sitze

Bürgermeister NameBeginn der AmtszeitEnde der AmtszeitWilli Schmid19271946Georg Futter19461949Wilhelm Spanagel19491967Heinz Aicheler19671995Joseph Reichert19952024Simon Wagner2024

Am 7. November 2010 wurde Bürgermeister Joseph Reichert für eine dritte Amtszeit wiedergewählt. Bei der Wahl am 11. November 2018 bestätigten die Bürger Reichert für eine vierte Amtszeit. Diese begann im Januar 2019. Ende Mai 2024 trat Reichert mit dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze von 73 Jahren in den Ruhestand. Am 24. März 2024 wurde Simon Wagner mit 68,8 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt.

Wappen Blasonierung: „In Blau ein pfahlweiser goldener Dreschflegel, belegt mit einer goldenen, doppelt gebundenen Garbe aus zwölf Ähren.“

Das Ofterdinger Wappen mit goldener Ährengarbe und goldenem Dreschflegel auf blauem Feld symbolisiert die landwirtschaftliche Geschichte der Gemeinde.

Verwaltungsgemeinschaft Die Gemeinde befindet sich in einer vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft mit Mössingen und Bodelshausen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Museumsscheuer in der Sattlergasse

Bauwerke mini|hochkant|Andreas Futter: Heinrich von Ofterdingen, Bronze, 2008, Kirchplatz Rathaus, ursprünglich 1523 erbaut Evangelische Mauritiuskirche, 1522 Baubeginn, 1534 fertiggestellt Ortsbücherei Ofterdingen, restaurierter Fachwerkbau Zehntscheune im Burghof, Teile noch von 1568 Statue Heinrich von Ofterdingen auf dem Kirchplatz Ehemaliges Wirtshaus „Goldener Ochsen“ (bis vor kurzem meist verwechselt mit dem „Weißen Ochsen“)tagblatt.de, Fachwerkbau von 1759/60Sabine Kraume-Propst: Große Güte, Goethe! Was wird aus dem „Weißen Ochsen“ in Ofterdingen? In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 38. Jg. 2009, Heft 1, S. 30 f. ()Jürgen Felbinger: Die Stuben des ehemaligen Wirtshauses „Weißer Ochsen“ in Ofterdingen. Bestandsaufnahme und restauratorische Voruntersuchung. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 38. Jg. 2009, Heft 1, S. 32–36 () Ehemaliges Wirtshaus „Krone“, Fachwerkbau von 1780Runge: Nach mehr als 250 Jahren: Wirtshaus »Krone« in Ofterdingen wird abgerissen In: Reutlinger General-Anzeiger, 8. März 2023, www.gea.de, abgerufen am 11. März 2023 Ofterdinger Mühle

Naturdenkmäler und Naturschutzgebiete Das Ammonitenpflaster, eine 100 m × 4 m große Gesteinsplatte aus Arietenkalk im Bachbett der Steinlach, ist als geologisches Naturdenkmal geschützt und vor allem bei Niedrigwasser sehenswert. Ein weiteres geologisches Naturdenkmal ist seit 2010 der Steinlachwasserfall und sein Umfeld zwischen Ofterdingen und der Pulvermühle. Das Naturschutzgebiet Katzenbach-Dünnbachtal liegt auf der Ofterdinger Gemarkung.

Sport Der Turn- und Sportverein 1904 Ofterdingen e. V. bietet verschiedene sportliche Aktivitäten an. Dazu gehören Fußball, Turnen, Tischtennis, Faustball, Volleyball, Tennis, Yoga, Tanzen sowie die Abteilung Run & Walk. Die Vereinssportanlagen mit Steinlach-Stadion, Liga-Sportplatz, Trainingsplatz und Turnhalle befinden sich an der Steinlach im Süden Ofterdingens. Die Fußballmannschaft des TSV Ofterdingen spielte in den 80er-Jahren teilweise in der Oberliga Baden-Württemberg sowie in der Verbandsliga Württemberg und qualifizierte sich auch zweimal für den DFB-Pokal (Erstrundenspiele gegen den Hamburger SV und VfL Bochum wurden jedoch zu Hause verloren). Mittlerweile spielen die Ofterdinger in der Bezirksliga Alb. Im selben Areal befinden sich auch die Tennisplätze des TSV Ofterdingen sowie das Schützenhaus mit Schießsportanlage des Schützenvereins Ofterdingen e. V. (gegr. 1927). Am südlichen Ortseingang der Bundesstraße 27 befindet sich die Spielanlage des Pit-Pat Power Club Ofterdingen e. V.

Regelmäßige Veranstaltungen Ofterdinger Flegga-Treff (Dorffest) alle zwei Jahre. Weihnachtsmarkt am Samstag vor dem ersten Advent

Vereine Der Obst- und Gartenbauverein besitzt an der Vereinshütte seit Mai 2000 einen eigenen Lehrgarten mit alten Obstsorten der Region. Er dient Lehrgängen, Fortbildungen und Zwecken der Umweltbildung.

Der Musikzug Ofterdingen ist im Besitz eines Vereinsheimes, das sich in der Nähe des Sportgeländes befindet.

Wirtschaft und Infrastruktur Land- und Forstwirtschaft mini|Streuobstwiese am Ofterdinger Berg Ofterdingen war ehemals ländlich geprägt. Zu- und Nebenerwerbsbetriebe sind noch heute vorhanden, prägen das Ortsbild jedoch nicht mehr. Ein Vollerwerbsbetrieb ist an den nördlichen Ortsrand ausgesiedelt. Ein Pferdehof befindet sich südwestlich des Ortes im Gewann Kuhwasen. Der Streuobstbau spielt in Ofterdingen noch eine wichtige Rolle. Er dient vor allem der Apfelmostgewinnung. Große Streuobstwiesen befinden sich vor allem nördlich von Ofterdingen im Vorfeld des Rammert und am Kührain. Auf Ofterdinger Gemarkung liegen größere Waldungen im geschlossenen Waldgebiet des Rammert sowie auf dem Kührain im Westen des Ortes. Sie werden intensiv forstlich genutzt. Große Flächen sind kleinparzellierter Privatwald. Großflächige Sturmwürfe im Rammert und am Kührain verursachte das Orkantief Lothar zu Weihnachten 1999. Die Flächen wurden in mehreren Jahren mühsam vom Sturmholz (vor allem geworfenes Nadelholz) beräumt und überwiegend mit Laubgehölzen wieder aufgeforstet. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde am Südhang des Kührain Wein angebaut. Kleinflächig ließen in den 1980er-Jahren Weinfreunde den Weinbau dort wieder aufleben.

Handel und Gewerbe Im Ort und in den Gewerbegebieten sind mehrere Mittelstands- und zahlreiche Kleinbetriebe ansässig. Traditionell spielt die Holzverarbeitende Industrie eine wichtige Rolle. Im Ort produzieren mehrere Stielfabriken, Sägewerke und Tischlereien. Außerdem hat ein weltweit exportierender Betrieb für Kunststoff- und Edelstahl-Fässer seinen Sitz in Ofterdingen. An der Bundesstraße 27 haben sich mehrere Tankstellen und Automobil-Werkstätten und -Händler angesiedelt. Die erste Zapfsäule wurde Ende der 1920er-Jahre neben dem Gasthaus Krone errichtet und war eine der ersten auf der damals noch Schweizerstraße genannten Chaussée zwischen Stuttgart und Bodensee. Ein neues Gewerbegebiet hat sich seit den 1980er-Jahren im nordöstlichen Anschluss an den Ort zwischen Steinlach und B 27 entwickelt.

Verkehr mini|Die B 27 am Ortseingang aus Richtung Hechingen (1985)