Malchow (Aussprache [ˈmalçoː]) ist eine Kleinstadt mit etwa 6000 Einwohnern im Süden von Mecklenburg-Vorpommern im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Sie bildet für ihre Umgebung ein UnterzentrumRegionales Raumentwicklungsprogramm Mecklenburgische Seenplatte (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015 und ist Verwaltungssitz des Amtes Malchow, dem weitere acht Gemeinden angehören. Seit 2005 gilt sie als Luftkurort, und 2011 erhielt sie den Namenszusatz „Inselstadt“, weil der historische Stadtkern auf einer Insel im Malchower See liegt.

Malchows Geschichte reicht mindestens bis in die spätslawische Zeit zurück, das Gebiet wurde ab Mitte des 12. Jahrhunderts zwangsweise christianisiert. 1235 erhielt der Ort die Stadtrechte, Malchow wurde eine bedeutende Tuchmacherstadt, beherrscht von vier Patrizierfamilien, mit selbstständiger Vertretung auf den Landtagen des Mecklenburgischen Kreises. 1697 und 1721 wurde die Stadt durch zwei Brände weitgehend zerstört, was das Stadtbild bis heute prägt. Schließlich expandierte die Stadt auf das umgebende Festland, gefördert durch Brückenbauten. Vor 1750 entstand eine kleine jüdische Gemeinde, die sich jedoch bereits vor der Zeit des Nationalsozialismus bis auf zwei Familien auflöste.

Geografie Lage Die Stadt liegt am und im Malchower See zwischen der Müritz im Osten und dem Plauer See im Westen. Die Verbindung zwischen dem Plauer See und dem Malchower See stellt der langgestreckte Petersdorfer See dar, dazu seine Verlängerung ostwärts, der Recken.

Stadtgliederung Malchow besteht aus den sechs Ortsteilen Biestorf im Westen, Lenz-Nord (im äußersten Westen), dann Malchow (Innenstadt) und Laschendorf auf der anderen Seeseite im Osten, Stadtrandsiedlung (im Norden) und Thälmannsiedlung (im Nordwesten).. Innerhalb von Malchow liegt die Trostfeldsiedlung im Norden, Westsiedlung und Sandfeld sowie Neue Heimat den Süden bis zum Petersdorfer See sowie die ursprüngliche Insel, die Richtung Westen über eine Drehbrücke, Richtung Südosten über den Erddamm mit dem umgebenden Festland verbunden ist.

Geologie mini|Das Gebiet um Malchow liegt am Südrand der Vergletscherung während der letzten Kaltzeit; die ältere Saale-Kaltzeit reichte weit darüber hinaus. Ablagerungen aus der Weichsel-Kaltzeit, insbesondere des Weichsel-Hochglazials, sind in Mecklenburg weit verbreitet. Nur im Südwesten des Bundeslandes herrschen ältere Ablagerung aus der Saale-Kaltzeit vor. Die quartäre Abfolge erreicht durchschnittlich 50–100 m Mächtigkeit; in Rinnen können auch mehr als 500 m nachgewiesen werden. Ältere Schichten sind nur selten an der Oberfläche auszumachen.

Südlich von Malchow, etwa bei Stuer, verläuft die Endmoräne, der südlichste Bereich der Vergletscherung. Zwischen der über das Südende des westlich von Malchow gelegenen Plauer Sees verläuft die Frankfurter Eisrandlage. Diese und nördlich davon von Waren in Richtung Nordwesten ziehende Endmoränen des Pommerschen Eisvorstoßes weisen in Form von heutigen Höhenzügen darauf hin, dass sich das Niedertauen des Eises während der Frankfurt-Phase des Weichsel-Glazials in Form von Stillstandsphasen sowie zeitlich und räumlich begrenzten Eisvorstößen zugetragen hat. Hinter der Frankfurter Randlage entstanden so „Rückzugsstaffeln“, von denen die Poppentiner Endmoräne die markanteste ist,Kreideschollen in der Poppentiner Endmoräne, Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie des Landes Mecklenburg-Vorpommern. die sich zwischen Malchow und Waren von Nossentin über Untergöhren, Göhren-Lebbin und Poppentin bis Sietow und Gotthun am Westufer der Müritz als deutlich erkennbarer Höhenzug erstreckt, der bis zu 103 m Höhe erreicht. Kennzeichnend für die Poppentiner Endmoräne sind die zahlreichen Vorkommen von Kreidekalken, die in Form von Schollen in der vor allem aus Geschiebemergel aufgebauten Endmoräne und ihrem nördlichen Rückland liegen. Die Kreideschollen werden dem Oberturon zugeordnet, sind also etwa 90 Millionen Jahre alt. Der Herkunftsort der Schollen liegt allerdings 30 km nordöstlich im Bereich der Struktur Malchin, wo diese Ablagerungen beim Aufstieg von Zechsteinsalzen an die Oberfläche gehoben wurden. Dort wurden sie vom Inlandeis abgeschert und nach Südwesten verfrachtet. Die Schollen zerbrachen während dieses Transportes.Karsten Obst, Jörg Ansorge, Andreas Buddenbohm, Johannes Kalbe: Exkursion E2: Präquartäre Schollen und Lokalgeschiebe zwischen Malchow, Dobbertin und Sternberg, in: LUNG-Heft 1/2015. 79. Tagung Norddeutscher Geologen, 2015, S. 217–267, hier: S. 217–227 (online, PDF).

Tertiäre und kreidezeitlicheliche Kalklager wurden bereits seit dem Mittelalter für die Herstellung von Branntkalk genutzt. Bis in die Nachkriegszeit kam der Kreidekalk auch als Düngemittel zum Einsatz. Die Kreide des Malchower Bezirks stellt außerhalb Rügens die größte Konzentration glazialer Kreide-Schollen des Bundeslandes dar. Die Nutzung des nördlich des Fleesensees gelegenen und wohl größten Kalkabbaus des Malchower Bezirks ist zwischen 1789 und 1910 belegt. Die Scholle im Kalkberg zählt wahrscheinlich zu den ältesten genutzten Kreidevorkommen des Bezirks (bis etwa 1900). Ein letzter Abbauversuch erfolgte 1950 bis 1952, spätere Pläne erübrigten sich nach 1990.Mike Reich, Frank Wiese: Die Kreide-Scholle (Turonium) von Nossentin bei Malchow (Mecklenburg), in: Mike Reich (Hrsg.): Die Kreide Mecklenburg-Vorpommerns. Exkursionsführer zur Geländetagung der DUGW Subkommission für Kreidestratigraphie, 1998, S. 37–39.

Geschichte Slawen mini|290px|Burgwall Laschendorf mini|290px|Luftbild der Insel Spätestens 1867 mit Georg Christian Friedrich Lischs Urgeschichte des Ortes Malchow entstand ein erster Versuch, die vorschriftliche Geschichte der Insel und ihrer Umgebung darzustellen, die als Geschichte der Wenden aufgefasst wurde und in deren Mittelpunkt ein großer Burgwall stand (Burgwall Laschendorf), aber auch ein „heiliger Hain“.Georg Christian Friedrich Lisch: Urgeschichte des Ortes Malchow, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde 32 (1867) 3–58 (Digitalisat). Das Gebiet südlich des Malchower Sees war bereits in der Slawenzeit besiedelt – es war das Dorf „Alt Malchow“ und somit älter als die Stadt „Neu Malchow“.

Südwestlich von Malchow soll König Otto I. 955 in einer Schlacht, der Schlacht an der Raxa, über eine slawische Koalition unter Stoignew gesiegt haben. Jedoch lässt sich der Ort des Kampfes nicht sicher lokalisieren.Diese Vermutung erscheint in der Literatur etwa bei Robert Beltz: Zur ältesten Geschichte Mecklenburgs, Schwerin 1893, S. 24–31 (Vortrag Wie wurde Mecklenburg ein deutsches Land?), hier: S. 26. Die eroberten Gebiete befreiten sich im Slawenaufstand von 983 von der Oberherrschaft des Reiches.

Schwertmission (ab 1147), Bistum Schwerin (1170), Slawen und Siedler aus dem Westteil des Reiches Auf einer Insel im Malchower See erbaut, wurde Malchow 1147 erstmals urkundlich im Zusammenhang mit einem von Sachsen durchgeführten Kriegszug erwähnt, der schließlich zur endgültigen Eroberung des Gebietes führte. Auf der anderen Seite des Malchower Sees befand sich noch immer die besagte slawische Burg, die besetzt wurde. Diese verlustreichen Kämpfe werden als Teil des Wendenkreuzzugs betrachtet. Die sächsischen Fürsten hatten auf dem Reichstag zu Frankfurt (1147) die Teilnahme an einem neuerlichen Kreuzzug ins Heilige Land unter Verweis auf die Bedrohung ihrer Grenzen durch heidnische Slawen abgelehnt. Die mächtigsten Fürsten Sachsens, Albrecht der Bär und Heinrich der Löwe, gehörten zu den treibenden Kräften, sich auf so naheliegende Art der an sie gestellten Erwartungen zu entledigen, an einem Kreuzzug in ein weit entferntes Land teilzunehmen.

1160 zerstörte der Abodritenfürst Niklot die Burg, in die wenig später ein Ministeriale Heinrichs des Löwen einzog. 1164 eroberte jedoch der Abodritenfürst Pribislaw einige slawische Festungen zurück, darunter auch Malchow. Daraufhin unternahm Heinrich einen zweiten Feldzug. Der 1163 gefangen genommene Bruder Pribislaws, Wertislaw, soll, so eine spätere Legende, in Malchow auf dem Trostberg hingerichtet worden sein, während Heinrichs Heer dort rastete. Pribislaw gab die Burg nun auf und verschanzte sich in Demmin, wo er in der Schlacht bei Verchen gegen eine Vorhut unterlag.Malchow, abgegangene Burgstelle, EBIDAT, die Burgendatenbank.

Malchow und die weitere Umgebung fielen den Eroberern zu und es folgte die militärische und kirchliche Neuorganisation. Siedler aus dem Altreich wurden angeworben. Dabei erhielt der Obodritenfürst Pribislav im Jahr 1167 die Terra Obodritorum (mit Ausnahme der Grafschaft Schwerin) als Lehen Heinrich zurück und er konvertierte zum Christentum. 1170 wurde der Ort „Malechowe“ dem Bistum Schwerin zugeschlagen. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts war es allerdings Röbel, das die Region dominierte. Später waren dies Waren, Plau und die Lenzburg. Ab etwa 1200 zogen Siedler aus Westfalen, Niedersachsen, Friesland und Holstein ins Land.

Stadtrecht (1235), von Werle (bis 1354) mini|Mecklenburg um 1250 mini|Mecklenburg um 1300 Pribislaws Sohn Heinrich Borwin wurde 1178 Herr Mecklenburgs; er heiratete eine illegitime Tochter Heinrichs des Löwen. Nach langem Krieg mit einem Sohn Wertislaws gelang es erst 1225 dem dänischen Ausgreifen in Mecklenburg in der Schlacht bei Mölln entgegenzutreten. Nach 1226 konnten sich die vier Erben nicht einigen, so dass sie das Land untereinander aufteilten.

Die Siedlung erhielt am 14. März 1235 von Fürst Nikolaus I. von Werle das Schwerinsche Stadtrecht. Im Jahr zuvor war ihm im Zuge der Landesaufteilung ein erheblicher Teil des mittleren Mecklenburg zugesprochen worden. Doch die Küstenstädte, die außerhalb seines Gebietes lagen, waren bis dahin privilegiert, so dass Malchow nun von dieser Landesteilung profitieren konnte.

1298 wurde Alt-Malchow Standort des Nonnenklosters von Röbel.G. C. F. Lisch: Urgeschichte des Ortes Malchow. Schwerin 1867 (Scan, E-Book). Von der Urkunde existiert nur noch eine notarielle Abschrift des 17. Jahrhunderts,Digitalisat (PDF; 2,0 MB), Ortschroniken Mecklenburg-Vorpommern. die sich im Landeshauptarchiv Schwerin befindet.G. van Herwijnen, C. Van De Kieft, J. F. Niermeyer, B. Diestelkamp (Hrsg.): Elenchus fontium historiae urbanae, Bd. 1, Brill, Leiden 1967, n. 155, S. 246. Die Verbindung zwischen dem Kloster und dem Patriziat von Malchow war eng. Einerseits stammte der Vogt des Klosters vielfach aus diesem städtischen Patriziat, andererseits erwarb das vor dem Umzug eher arme Kloster Mitte des 14. Jahrhunderts umfangreiche Landgüter. Während die meisten Klöster mit der Reformation aufgelöst wurden, gelang Malchow 1572 neben den Klöstern in Ribnitz und Dobbertin die Umwandlung in einen Stift adliger Damen (bis 1918).

Malchow wurde eine Landstadt in Mecklenburg und war bis 1918 als Teil der Städte des Mecklenburgischen Kreises auf Landtagen vertreten. Die zu Vermögen gekommene Comunitas, allen voran die vier führenden Patrizierfamilien Elers, Vagt (auch Vogt), von Kreutsdorf und Düsterwold,Georg Christian Friedrich Lisch: Urgeschichte des Ortes Malchow, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde 32 (1867) 3–58, hier: S. 47 lieh dem Fürsten von Werle 400 Mark Pfennige, wofür sie am 9. Oktober 1299 ein Drittel der Gerechtsame in der Stadt und in der Feldmark erhielt. Damit erlangte sie dauerhafte Einnahmen. Die Umgebung Malchows verlehnten die Fürsten nach und nach, so dass von ihrem umfangreichen Besitz fast alles in Ritterhände überging.

Die Stadt bemühte sich um eine geeignete Verkehrsanbindung durch eine Fähre, dann durch eine 800 m lange Brücke Richtung Süden, die Lange Brücke. Sie entstand bereits vor dem 13. Jahrhundert, lange bevor das Kloster entstand, und wurde 1292 Besitz der Stadt.