Künzell ist eine Stadtrandgemeinde von Fulda in Osthessen, Deutschland. Sie ist die größte Gemeinde Hessens ohne Stadtrechte, größere Städte besitzt Hessen jedoch 75 an der Zahl.

Geographie Geographische Lage hochkant=1.2|mini|Blick über Künzell Richtung Südosten, mit Wasserkuppe im Bildhintergrund Die Gemeinde liegt im Vorland der Rhön. Nach Nordwesten hin geht die Bebauung nahtlos in die Stadt Fulda und die Gemeinde Petersberg über. Der östliche Teil der Gemeinde ist von den Bergen der vorderen Rhön geprägt, höchster Punkt im Gemeindegebiet ist der Giebelrain. Dort entspringt die Haune.

Ausdehnung des Gemeindegebietes Während die Gemeindeteile Künzell und Bachrain das typische Ortsbild einer Stadtrandgemeinde zeigen, sind die übrigen Ortsteile als geschlossene Dörfer, eingebettet in die Landschaft, erkennbar.

Nachbargemeinden Künzell grenzt im Norden an die Gemeinde Petersberg, im Osten an die Gemeinde Dipperz, im Südosten an die Gemeinde Poppenhausen, im Süden an die Gemeinden Ebersburg und Eichenzell, sowie im Westen an die Stadt Fulda (alle im Landkreis Fulda).

Gemeindegliederung Die Gemeinde Künzell gliedert sich in die Ortsteile Pilgerzell, Engelhelms, Dirlos (mit Loheland und Dicker Turm), Dietershausen, Keulos, Wissels und Dassen. Der Kernort selbst gliedert sich in die Wohnplätze Künzell und Bachrain.

Geschichte mini|hochkant=1.2|Blick vom Giebelrain auf Dietershausen

Ortsgeschichte Der Ursprung von Künzell geht in die Zeit der Gründung des Klosters Fulda zurück. Damals soll sich ein Mönch namens Chindolf im Talkessel des Oberlaufes des Grezzbaches angesiedelt haben. Zu damaliger Zeit wurde solch eine Mönchszelle als Cella bezeichnet. In der folgenden Zeit bildete sich um seine Behausung eine Ansiedlung, die nach ihm Chindecella oder Kindecella genannt wurde. In den folgenden Jahrhunderten wechselte der Name mehrfach, bis er schließlich zum heutigen Namen Künzell führte. Diese Siedlung muss bereits im 9. Jahrhundert entstanden sein. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Künzell im Jahre 1165 im Codex Eberhardi. Das Gebiet war Fuldaer Klosterbesitz. Um das Jahr 1250 waren vier selbstständige Bauerngüter verzeichnet, 1510 waren es bereits sieben.

Der Ortsteil Dietershausen wird erstmals 810 als Theotrichesus erwähnt. Pilgerzell wird 830 in Urkunden Biligrimcella genannt, 1510 besaß Pilgerzell zehn Viehhalter. Engelhelms wurde 1276 urkundlich erwähnt, Dirlos 1318 als Villa Tyerolfes.

Kirchliches Zentrum war über Jahrhunderte der Florenberg. Die erste nachgewiesene Kirche wurde dort von Abt Huoggi (891–915) um das Jahr 900 errichtet. Die erhaltene Wehrmauer stammt wohl aus dem 10. Jahrhundert und diente zum Schutz vor den einfallenden Ungarn. Der heutige Turm wird einem romanischen Neubau zugeschrieben, der Kirchenraum stammt vom vierten Neubau 1511/1515.

Engilriches ist eine Wüstung in der Gemarkung der heutigen Gemeinde.

Hessische Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden zum 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Dassen, Dietershausen, Keulos und Wissels auf freiwilliger Basis eingemeindet. Zum 1. April 1972 kamen Dirlos, Engelhelms und Pilgerzell hinzu. Für die als Ortsteil eingegliederten Gemeinden wurden Ortsbezirke gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Künzell angehört(e):

vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Hochstift Fulda, Centoberamt Fulda 1803–1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Oranien-Fulda, Amt Fulda 1806–1810: Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Fulda (Militärverwaltung) 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Fulda, Landdistrikt Fulda ab 1816: Kurfürstentum Hessen, Großherzogtum Fulda, Landamt Fulda ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis FuldaVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 75.1822: Trennung zwischen Justiz (Justizamt Landgericht Fulda) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fulda ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Fulda ab 1867: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Fulda ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011/2022 Nach den Erhebungen des Zensus 2011/Zensus 2022 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011 / 15. Mai 2022, in Künzell 16.063/16.975 Einwohner. Darunter waren 613/1560 (3,3 % / 9,2 %) Ausländer, von denen 192/472 aus dem EU-Ausland, 273/615 aus anderen europäischen Ländern und 148/479 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 9,7 % / ? % einen Migrationshintergrund. Nach dem Lebensalter waren 2883/2880 Einwohner unter 18 Jahren, 6589/6254 zwischen 18 und 49, 3246/3845 zwischen 50 und 64 und 3324/3996 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 7210/? Haushalten. Davon waren 2376/? Singlehaushalte, 2145/2222 Paare ohne Kindern und 1939/1933 Paare mit Kindern, sowie 602/593 Alleinerziehende und 146/? Wohngemeinschaften. In 1640/888 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 4934/3131 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung 1812: 54 Feuerstellen mit 380 Seelen Bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts war Künzell eine landwirtschaftlich geprägte Gemeinde. 1939 waren lediglich 1930 Einwohner gemeldet. Das wirtschaftliche Aufblühen der Region und die Eingemeindungen 1971/72 ließen die Gemeinde stark anwachsen. Im Jahre 2019 waren 16.809 Einwohner gemeldet.

Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 11 evangelische (= 2,13 %), 509 katholische (= 97,88 %) Einwohner • 1961: 437 evangelische (= 12,85 %), 2951 katholische (= 86,77 %) Einwohner • 1987: 2209 evangelische (= 16,0 %), 10.833 katholische (= 78,7 %), 723 sonstige (= 5,3 %) Einwohner • 2011: 2780 evangelische (= 17,3 %), 10.950 katholische (= 68,2 %), 2330 sonstige (= 14,5 %) Einwohner • 2022: 2602 evangelische (= 15,3 %), 9143 katholische (= 53,9 %), 5230 sonstige (= 30,8 %) Einwohner • 2026-06: 2360 evangelische (= 13,8 %), 8300 katholische (= 48,4 %), 6475 sonstige (= 37,8 %) Einwohner[ https://www.kuenzell.de/verzeichnis/informationen/wissenswertes/zahlen-daten-fakten/gebiet-und-bevoelkerung-stand-21-12-2025/ Einwohnerzahlen Gemeinde Künzell

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Künzell erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Künzell 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 50,91946,41747,41753,02060,22260,322 19,0718,7723,5916,8616,2615,86 14,1516,369,6414,257,637,23 10,7410,6413,2512,8513,3516,66 5,425,726,323,212,71—— ––1,81–––––––– FLK Freie Liste Künzell––0,60–––––––– Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 58,9 54,9 50,7 47,9 41,6 50,5

Bürgermeister mini|Künzeller Rathaus Neubau Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Künzell neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und acht weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Juli 2015 der parteiunabhängige Timo Zentgraf. Er wurde als Nachfolger von Peter Meinecke (CDU), der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 1. März 2015 im ersten Wahlgang bei 48,6 Prozent Wahlbeteiligung mit 57,8 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgte eine Wiederwahl ohne Gegenkandidaten im März 2021.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 14. März 2021 in Künzell

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu ladenGemeinde Künzell: Schultheiße und Bürgermeister 2015–2027 Timo ZentgrafOsthessen News, 9. Mai 2020: Prominentes Geburtstagskind soll vor Freude „Puls haben“: „Timo Zentgraf (parteilos) feiert heute seinen 50. Geburtstag. Seit 1. Juli 2015 übt er das Amt des Bürgermeisters aus“ 2003–2015 Peter Meinecke (CDU)Fuldaer Zeitung, 2014: Künzells Bürgermeister Meinecke tritt nicht noch einmal an: Mitte 2015 ist Schluss 1986–2003 Hermann Brück (CDU) 1980–1985 Karlheinz Vogel 1970–1979 Alfons Schwab 1948–1969 Hermann Heres 1932–1948 Damian Hahner 1907–1932 August Mackenrodt

Ortsbeiräte Gemeinde Künzell Für alle Ortsteile und die Kerngemeinde bestehen Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung. Die Ortsbezirke entsprechen den Gebieten der ehemaligen Gemeinden. Die Ortsbeiräte bestehen aus drei bis neun Mitgliedern und werden im Rahmen der Kommunalwahlen gewählt. Der Ortsbeirat wählt eines seiner Mitglieder zum Ortsvorsteher bzw. zur Ortsvorsteherin. Für die Wahlergebnisse siehe die entsprechenden Ortsteile.

Ortsbezirk Künzell-Bachrain (Kerngemeinde) Der Ortsbezirk umfasst das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Künzell mit dem Wohnplatz Bachrain. Der Ortsbeirat für den Ortsbezirk Künzell-Bachrain besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 20,51 %. Dabei wurden gewählt: fünf Mitglieder der CDU, und je zwei Mitglieder der SPD und des CWE. Der Ortsbeirat wählte Eugen Heidelmeier (CDU) zum Ortsvorsteher.

Wappen Das Wappen wurde am 5. September 1973 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „Der von Grün und Silber durch ein silber-schwarz quadriertes Kreuz gevierte Schild zeigt im 1. und 4. Feld in Grün eine silberne Lilie, im 2. und 3. Feld in Silber eine grüne Tanne.“

Das Wappen wurde vom Heraldiker Heinz Ritt aus Bad Nauheim gestaltet.

Gemeindepartnerschaften Gemeindepartnerschaften bestehen mit den Gemeinden Dingelstädt im Eichsfeld/Thüringen seit 1990 und Rustington in West Sussex/Großbritannien seit 2002.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Blick auf Künzell mit Pfarrkirche St. Antonius Der Florenberg (382 m) ist eine markante Erhebung mit einer weithin sichtbaren Kirche aus dem Jahre 1362. Die Wehrkirche St. Bartholomäus in Dietershausen mit spätgotischen Fresken. mini|Dicker Turm Dicker Turm ist die Bezeichnung eines mittelalterlichen Wart- und Signalturmes. Seine Plattform auf 382,78 Meter über NN bietet einen Ausblick über die Rhön, den Vogelsberg und die Stadt Fulda. Die Renovierung des Rathauses im Rahmen des Konjunkturprogramms 2009 hat die Gemeinde Künzell statt der veranschlagten Summe von 1,66 Millionen Euro den Betrag von 3,37 Millionen Euro gekostet, was im Jahre 2012 zu einer kritischen Diskussion in der Gemeindevertretung führte. Im Jahr 2013 griff der Bund der Steuerzahler den Fall auf und publizierte seine Kritik an dem Bauprojekt in seinem jährlich erscheinenden Schwarzbuch. alternativtext=|mini|Die „Neue Mitte“ von Künzell