Buggingen ist eine Gemeinde im Markgräflerland im Südwesten von Baden-Württemberg nahe Müllheim.
Geographie Geographische Lage Die Gemeinde Buggingen ist ein landwirtschaftlich geprägter Ort (Weinbau) im Süden der Oberrheinischen Tiefebene in der Markgräfler Vorbergzone des Schwarzwaldes. Östlich des Ortes erstrecken sich Rebberge, Wiesen und Obstanlagen bis hin zum Schwarzwald. Westlich findet man die Fluren der Rheinebene.
Durch den Kernort fließt der Ehebach, welcher östlich der Schwärze, einem Bergpass des Schwarzwaldes zwischen Britzingen und Badenweiler und der Ruine Neuenfels entspringt. Dieser Bach floss in früheren Zeiten auch durch Seefelden in die westlich gelegenen Felder, wo sich Seen bildeten, was dem Ort Seefelden den Namen gab. Wegen des oft auftretenden Hochwassers wurde 1963 hinter Buggingen ein Schutzdamm errichtet und der Bach um Seefelden herumgeleitet. Der Ort Buggingen liegt 226 m ü. NN, Seefelden liegt 221 m ü. NN und Betberg liegt 279 m ü. NN.
Geologie Der Ort liegt am Rand des fruchtbaren lösshaltigen Markgräfler Hügellandes, welches dem Schwarzwald vorgelagert ist. Die tiefer liegenden Teile des Orts liegen in der Rheinebene, welche ebenfalls lösshaltig ist. Der westliche Teil der Gemarkung geht zum Rhein hin in sand- und kieshaltigen Boden über. Geologisch ist das ein Schwemmlössgebiet eines Flusstals.
Ausdehnung des Gemeindegebiets Die Gemarkungsfläche der Gesamtgemeinde beträgt 15,31 km². Außerdem werden auf der Gemarkung Sulzburg noch 0,513 km² Wald bewirtschaftet.
Nachbargemeinden Im Norden liegt die Stadt Heitersheim. Im Osten liegt die Gemeinde Ballrechten-Dottingen und die zur Stadt Sulzburg gehörenden Orte St. Ilgen und Laufen. Im Südosten und Süden die Orte Dattingen, Zunzingen und Hügelheim, die Stadtteile von Müllheim im Markgräflerland sind. Im Westen liegen die Orte Grißheim und Zienken, Stadtteile von Neuenburg am Rhein.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Buggingen gehört seit der Verwaltungsreform 1974 der Nachbarort Seefelden mit dem Weiler Betberg. Der Ortsteil Seefelden liegt nördlich des Kernorts Buggingen zwischen den Weinbergen an der Bundesstraße 3 und der Bahnstrecke Mannheim–Basel. Betberg liegt mit seiner von weitem sichtbaren alten sehenswerten romanischen Kirche aus dem 8. Jahrhundert erhaben auf einem Hügel östlich von Seefelden.
Geschichte Kelten und Römer Dieses Gebiet wurde durch verschiedene Stämme der Kelten besiedelt. Im Jahre 70 eroberten die Römer dieses Gebiet. Es wurde unter Kaiser Titus Flavius Vespasianus kultiviert. Die zuvor hier lebenden Kelten wurden assimiliert. Die Römer errichteten auf den Hügeln Siedlungen und Gehöfte. Diese wurden Villa Urbana genannt.
Die Reste einer Villa Urbana ist östlich des Heitersheimer Malteserschlosses zu sehen. Das Gebiet wurde von Soldaten, Offizieren, Beamten, Händlern, Gutsherren und Veteranen besiedelt. Die Veteranen erhielten für ihre Dienste vom Senat oder Kaiser Grundstücke in den eroberten Gebieten, um das Gebiet und die Urbevölkerung so schneller zu romanisieren. Für die Besiedelung des Gebiets wählte man die Hügel aus. Diese boten aufgrund der strategisch günstigen und erhabenen Lage einen Überblick über das Oberrheintal. Ein weiterer Aspekt war das Klima und die Gesundheit. Das Oberrheintal war damals ein ausgedehnter Auwald, mit unzähligen Seen und Tümpeln mit abgestandenem Wasser. Diese wurden nur beim Hochwasser des Fluvius Rhenus (Rhein) mit neuem Wasser gespeist. Sie waren voll von Stechmücken und das abgestandene Wasser roch dementsprechend. Das Klima war im Sommer in der Rheinebene schwülwarm.
Die Römer umgaben sich in ihren besetzten Gebieten gerne mit ihrer von zu Hause aus gewohnten Kultur. Sie gestalteten ihre Siedlungen wie eine kleine römische Provinzstadt. Da sie unter anderem auch den Wein liebten, brachten sie Reben mit, um sie hier anzubauen. Reste von römischen Bauten sind noch heute in diesem Gebiet zu besichtigen, z. B. die Villa Urbana in Heitersheim oder die römischen Badruinen in Badenweiler.
Alemannen und Franken Das hiesige Gebiet war ein Teil des rechtsrheinischen römischen Agri decumates (auf Deutsch das Zehntland). Dieses Gebiet war durch den Rhein, die Donau und den nordöstlich gelegenen Limes gesichert. Dieser Limes wurde um 100 von den Römern errichtet. Die Alemannen – ein Stamm der Germanen – eroberten um 230 das südliche rechtsrheinische Gebiet. Die Römer gaben „Agri decumates“ auf und zogen sich 260 hinter den Rhein zurück. Dort errichteten sie den Donau-Iller-Rhein-Limes.
Die verlassenen römischen Bauten wurden zerstört oder gerieten in Vergessenheit. Die Alemannen hielten zunächst nichts von der römischen Kultur. Die römischen Gebäude wurden abgerissen und meist als Steinbruch verwendet. Später bauten die Alemannen so genannte Höhenburgen auf, um das Gebiet zu überwachen. Sie errichteten Gutshöfe und eine Verwaltung nach römischem Vorbild. Die Alemannen unternahmen oft Raubzüge vom ehemaligen Zehntland aus ins benachbarte römische Gallien. Sie wurden aber dabei von römischen Heeren abgewehrt.
Erst 455 gelang es den Alemannen von hier aus über den Rhein zu expandieren. Sie eroberten Teile der römischen Provinz Gallien. Es folgten Konflikte mit den Franken, welche nach Süden expandierten. Die Alemannen führten mit den Franken von 496 bis 507 Krieg. Die Franken errangen den entscheidenden Sieg bei Zülpich unter ihrem König Chlodwig I. Das alemannische Gebiet kam an das Frankenreich der Merowinger.
Aus dieser Zeit stammt hoch über Buggingen im Gewann Weckersgraben ein merowingerzeitliches Gräberfeld, das 1973 bei Baggerarbeiten in einem Neubaugebiet entdeckt wurde. 59 Bestattungen wurden ausgegraben und dokumentiert, darunter Gräber mit reichen Beigaben wie Waffen, Schmuck und einem Goldblattkreuz. Buggingen gehört so zu den wenigen Gemarkungen im Breisgau, wo eine Besiedlung seit dem späten 5. Jahrhundert bis zum Ende des 7. bzw. Anfang des 8. Jahrhunderts belegt ist.Gerhard Fingerlin: Buggingen - Ein neuer merowingerzeitlicher Fundplatz im südlichen Oberrheintal, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 1974, S. 34–39 online; Michaela Jansen: Das merowingerzeitliche Gräberfeld auf Gewann 'Weckersgraben' in Buggingen, Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, in: Fundberichte aus Baden-Württemberg, 2003; Kerstin Kreutz: Anthropologische Untersuchung der Skelette des Gräberfeldes von Buggingen ‘Weckersgraben’, in: Fundberichte aus Baden-Württemberg, 2003
Fränkische Adlige beschenkten um 775 verschiedene Klöster mit Grundbesitz aus diesem Gebiet, insbesondere – wie im Lorscher Codex beurkundet – das Kloster Lorsch. Am 17. Juni 778 erhielt es Güter in Buchinger marca (Gemarkung Buggingen), 789 die Dörfer Wilere (Weiler, Nieder- und Ober-, östlich von Müllheim) und Padaperc (Betberg) in pago Brisgowe (im Breisgau). 819 schenkte ein Ruthart eine Hube in Sevelden (Seefelden) ebenfalls dem Kloster Lorsch.
Es folgten weitere Schenkungen von Personen aus diesen Orten an das Kloster Lorsch und die Fürstabtei St. Gallen in der heutigen Schweiz. Von 900 bis 955 fielen die Ungarn mit Verwüstungen und Plünderungen in dieses Gebiet ein. Danach wurde das Gebiet von Gaugrafen verwaltet, die der Kaiser einsetzte. Kaiser Otto I. konfiszierte Gebiete, darunter Puckinga (Buggingen) von Guntram, einem abtrünnigen Gaugrafen des Breisgaus.
Der Kaiser vermachte sie 962 an Bischof Konrad aus Konstanz, einem Welfen. Dieser setzte für seine Güter einen Lehens-Meier ein, der auch als Vogt dieses Gebiet verwaltete. Nach dem Tode Konrads 975 übernahmen die Dompröpste seiner Kirche seine Gebiete, welche damals Dompropsteigüter genannt wurden.
Im Jahr 993 wurde das Kloster St. Cyriak in Sulzburg durch den Breisgau-Grafen Birchtilo gegründet. Graf Birchtilo erwarb von den Dompröpsten Gebiete in und um Buggingen, welche er an dieses Kloster vermachte. Graf Birchtilo der Jüngere übergab 1008 das Kloster St. Cyriak und dessen Besitz an den Bischof Adelbero von Basel, welcher selbst erworbene Gebiete in Seefelden und Bischoffingen am Kaiserstuhl dem Kloster St. Cyriak zuführte.
Zähringer und Staufer Die Herzöge von Zähringen eroberten im 11. Jahrhundert viele Gebiete, darunter auch Buggingen und Seefelden. Der bekannteste unter ihnen war der von 1078 bis 1111 regierende Berthold II. von Zähringen. Von 1075 bis 1122 fand der Investiturstreit statt, die Zähringer standen auf der siegreichen päpstlichen Seite. Sie konnten somit viele klösterliche und weltliche Besitze der Verlierer an sich bringen. Seit 1122 wurden diese Gebiete, unter anderem auch Buggingen und Seefelden, durch Vögte der Herren von Zähringen verwaltet, welche auf der Burg in Badenweiler residierten.
Ab 1130 erwähnt die Ortschronik ein Bugginger Adelsgeschlecht, welches seinen Wohnsitz bis 1471 in Buggingen hatte. Die Herrschaft Badenweiler – mit Buggingen und Seefelden – wurde 1147 als Mitgift für die Prinzessin Clementine von Zähringen an Heinrich den Löwen, einem Welfenfürsten vermacht. Kaiser Friedrich I. Barbarossa zwang Heinrich den Löwen diese Gebiete 1157 gegen Besitzungen im Harz zu tauschen. Damit kam dieses Gebiet in die Hände der Hohenstaufer. Sie schufen von hier aus Verbindungen zu ihren Besitzungen im benachbarten Elsass. Dies gefiel den Zähringern nicht, sie gründeten 1175 die Stadt Neuenburg am Rhein, um den Rheinübergang ins Elsass für sich zu sichern und um von fremden Benutzern Tribut zu verlangen.
Im 12. Jahrhundert vermachten einige Ortsadelige aus Buggingen und Seefelden Teile ihres Besitzes an verschiedene Klöster, die dies wiederum an andere Klöster verschenkten. Nach dem Tod von Bertold V. im Jahr 1218 erlosch die männliche Linie der Zähringer, die Gebiete kamen an die Grafen von Freiburg.
Die Grafen von Freiburg und von Strassberg Nachdem Egino II., ein Sohn Konrads I. Graf von Freiburg, gestorben war, wurde das Gebiet 1272 aufgeteilt. Graf Heinrich, ein Sohn von Egino II. Graf von Freiburg, erhielt die südlichen Gebiete mit der Herrschaft Badenweiler, worin sich auch Buggingen und Seefelden befanden. Die Grafen aus der Nachkommenschaft Heinrichs von Freiburg starben 1303 ohne männliche Nachkommen aus. Ihr Gebiet ging an die in diese Linie eingeheirateten Grafen von Strassberg aus der Nähe des heutigen Neuenburg in der Schweiz. Durch diese kam der Sparren in das Wappen von Badenweiler und vieler Orte unter deren Herrschaft, auch Buggingen und Seefelden. Im Jahr 1363 übernahmen die Grafen von Fürstenberg bei Donaueschingen die Herrschaft von den inzwischen ausgestorbenen Grafen von Strassberg. Nach kurzer Zeit kam das Gebiet wieder an die Grafen von Freiburg zurück. Durch deren Schulden wechselte der Besitz öfter, unter anderem auch für kurze Zeit an die Habsburger, welche es wieder an den Konrad III. Graf von Freiburg zurückgaben.
Markgrafschaft Am 8. September 1444 wurde das Gebiet von dem letzten Grafen Johann von Freiburg an die Söhne des Markgrafen Wilhelm, Rudolf IV. Hachberg-Sausenberg und Hugo vermacht. Dieser verband Rötteln, Sausenburg und Badenweiler zum Markgräflerland. Im Jahr 1503 kam das Markgräflerland an die Markgrafschaft Baden unter Christoph I. Die Bauernkriege wüteten 1525 in diesem Gebiet, dabei wurden auch Buggingen und Seefelden nicht verschont. Nachdem die aufständischen Bauern den Krieg verloren hatten, musste jedes Haus in der Markgrafschaft fünf Gulden an den Markgrafen zur Entschädigung entrichten.
Von 1529 bis 1545 wütete die Pest auch in Buggingen und Seefelden. Im Jahr 1556 wurde die Reformation im Markgräflerland eingeführt. Von 1618 bis 1648 tobte der Dreißigjährige Krieg in diesem Gebiet. Das Gebiet wurde abwechselnd von den schwedischen, den kaiserlichen, den französischen Truppen, verschiedenen Hilfstruppen und marodierenden Soldaten plündernd und mordend durchzogen. Der Bevölkerungsverlust war enorm und wurde durch Zuzug von Einwanderern aus dem Gebiet der Eidgenossenschaft aufgefüllt.