Der Ausdruck Altersdiskriminierung (auch engl. Ageismus) bezeichnet eine soziale und ökonomische Benachteiligung von Personen oder Gruppen aufgrund ihres Lebensalters. Den Betroffenen wird es im Falle einer Diskriminierung erschwert, in angemessener Weise am Arbeitsleben und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Meist ist die Diskriminierung (angeblich) alter Menschen gemeint. Von Altersdiskriminierung wird gelegentlich auch dann gesprochen, wenn eine Begünstigung nur Angehörigen bestimmter Altersjahrgänge gewährt wird, sofern diejenigen, die nicht zu diesen Jahrgängen gehören, die Begründung für die Begünstigung nicht akzeptieren und sie als „willkürlich“ bewerten.

„Alter“ als Oberkategorie und als deren Element Der Begriff „Alter“ wird vor allem auf Fälle von „fortgeschrittenem Alter“ angewendet – mit dem möglichen Satzanfang: „Im Alter“ (Satzteil ohne Zusatz). So definiert etwa der Duden Altersdiskriminierung als „Diskriminierung aufgrund fortgeschrittenen Alters“.

Die Formulierung: „Im Alter von fünfzehn Jahren“ ist mit dieser Art der Begriffsverwendung nicht kompatibel, da „Alter“ hier den Oberbegriff zu dem erstgenannten Begriff bildet. In dieser Wortbedeutung hat jeder Mensch ein bestimmtes Alter, das die Grundlage für eine Altersdiskriminierung bilden kann. Daher gibt es auch die Möglichkeit, von einer Diskriminierung (angeblich) junger Menschen zu sprechen oder zu schreiben. Die „Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen“ charakterisiert diesen Sachverhalt mit den Worten: „Somit umfasst „Altersdiskriminierung“ grundsätzlich auch die Diskriminierung von jungen Menschen ihres Alters wegen. In der Regel sind jedoch hauptsächlich ältere Menschen betroffen.“

Ein Fall von Altersdiskriminierung kann auch dann vorliegen, wenn bestimmte Jahrgangskohorten bevorzugt werden (indem beispielsweise bei Stellenausschreibungen Menschen im ersten Berufsjahr gesucht werden).

Diskriminierung als sozialpsychologischer Prozess Bei Diskriminierungen aufgrund des Alters einer Person finden drei Prozesse gleichzeitig statt: eine Etikettierung, d. h. die Zuordnung einer Person zu einer Altersgruppe eine Stereotypisierung, d. h. die negative Bewertung von Eigenschaften einer Personengruppe (hier: der Altersgruppe) eine Diskriminierung, d. h. ein negatives Verhalten gegenüber der Person aufgrund der zugeordneten stereotypen Eigenschaften

Begrifflichkeit Diskriminierung aufgrund des Alters kann sich prinzipiell gegen jede Altersgruppe richten, aber gewöhnlich richtet sie sich gegen Menschen oberhalb oder unterhalb eines bestimmten Alters. Im erstgenannten Fall spricht man präziser von Altendiskriminierung oder Seniorenfeindlichkeit.

In den angelsächsischen Ländern werden Vorurteile gegen eine Person aufgrund ihres Alters seit den 1960er Jahren als diskutiert. Geprägt wurde dieser Ausdruck Ende der 1960er Jahre durch den Gerontologen Robert Neil Butler. Aus: Thomas R. Cole, Sally Gadow: What Does It Mean to Grow Old? – Reflections from the Humanities. S. 118. Vgl. auch: K. Brauer: Ageism. Fakt oder Fiktion? In: Kai Brauer/Wolfgang Clemens (Hrsg.): Zu Alt? Ageism und Altersdiskriminierung auf Arbeitsmärkten VS-Verlag 2010, S. 24 Wenn ein solches Vorurteil () zur Diskriminierung einer Person führt, spricht man von

Nicht immer klar voneinander abgegrenzt werden und Gerontophobie. So gebrauchte etwa die Geisteswissenschaftlerin Kathleen M. Woodward beide Begriffe selbst austauschbar, verwies aber auf die Möglichkeit, sie auf gleiche Weise zueinander in Beziehung zu setzen wie dies Gloria I. Joseph und Adrienne Rich mit dem Begriffspaar Homophobie und Heterosexismus getan haben: Gerontophobie als ängstliche Reaktion des Individuums, als politisches Vorurteil.Kathleen M. Woodward: Aging and its Discontents. Indiana University Press, Bloomington 1991, ISBN 978-0-253-36640-5, S. 194.

Im Vergleich zu Diskriminierungen wie Rassismus oder Sexismus ist die Altersdiskriminierung in sozialen Kategorien die am wenigsten erforschte.

Der Prozess der Stereotypisierung spricht primär die Wahrnehmung an. Ageism beinhalte drei Mechanismen der typischen Stereotypisierung: Vorurteile (im affektiven Bereich), Diskriminierung (im Verhalten) und die Stereotypisierung an sich (im kognitiven Bereich).Alte haben’s wirklich drauf. In: taz. Im Artikel weisen Gertrud M. Backes, Wolfgang Clemens und Francois Höpflinger nach, dass die meisten Klischees über alte Menschen falsch sind. Teilweise heben sich die altersspezifischen Wahrnehmungen eines Sachverhalts gegenseitig auf: Laut einer Umfrage des TNS-Forschungsinstituts vom 9. und 10. April 2008 meinten z. B. 57 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, die Große Koalition vertrete die Interessen der älteren Generation, während 55 Prozent der mehr als 60 Jahre alten Befragten angaben, die Große Koalition vertrete die Interessen der jüngeren Generation; dass die eigene Generation bevorzugt werde, meinen nur 27 Prozent der 18- bis 29-Jährigen und nur 17 Prozent der Senioren.

Dieses Phänomen kann man exemplarisch anhand des Streits über die angemessene Höhe der Renten heute und in Zukunft erklären. Von zentraler Bedeutung ist hierbei die Vorstellung, die jemand von Verteilungsgerechtigkeit hat. Ein Rentner wird in der Regel dazu neigen, seine Rente für „zu niedrig“ und sich für diskriminiert zu halten, während Beitragszahler in der Regel glauben werden, ihre Beiträge seien „zu hoch“, und sich als benachteiligt betrachten.

Umgang mit den Attributen „alt“ und „jung“ In einem Leitfaden für nicht diskriminierenden Sprachgebrauch stellt die österreichische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Christine Marek, fest, dass das Attribut „alt“ oft die Funktion habe, ohnehin abwertend gemeinte Begriffe noch zu verstärken (Beispiel: „alte Hexe“); das Attribut „jung“ hingegen stehe oft für Unerfahrenheit, Naivität und Infantilität. Sprecher und Schreiber müssten darauf achten, dass sie nicht entsprechende Konnotationen bei der Benutzung dieser Attribute oder ihrer Synonyme auslösen.

Von Bedeutung ist auch der Umgang mit der Extension des Attributs „alt“. Die unten näher vorgestellte Studie der deutschen Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2022 ergab z. B., dass es völlig verschiedene Vorstellungen in der Bevölkerung darüber gab, ab welchem Lebensalter jemand als „alt“ gelten solle. Die Spanne der Antworten reichte von „50 Jahre“ bis „80 Jahre“.

Diskriminierung von Menschen oberhalb eines bestimmten Alters In dem Studentenlied Gaudeamus igitur heißt es: Die zweite Lebenshälfte wird hier pauschal als „beschwerlich“ bewertet. In dem Lied wird nicht zwischen Faktoren unterschieden, die „in der Natur der Sache liegen“, und zwar vor allem dem unaufhaltsamen körperlichen Verfall und der Annäherung an den Tod einerseits, und von Menschen gemachten „Beschwernissen“ in Form von Interaktioneller und Struktureller Diskriminierung andererseits. Das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den 1990er Jahren entwickelte Konzept des Aktiven Alterns stellt den Versuch dar, Kompetenzen, über die ältere Menschen verfügen, zu erhalten und zu fördern.

Erklärungsansätze Zur Erklärung des Phänomens Altendiskriminierung gibt es verschiedene Erklärungsansätze.

Ökonomischer Verteilungskampf zwischen den Generationen Im Zusammenhang mit Finanzierungsschwierigkeiten in der Gesundheitsversorgung und im Rentensystem wird immer wieder die Frage aufgeworfen, ob die Inanspruchnahme von medizinischen Dienstleistungen und Rentenleistungen durch Alte nicht schmarotzerische Züge trage. „Wer mit 65 Jahren topfit auf der Parkbank sitzt, erzeugt sozialen Widerwillen“, meint z. B. Meinhard Miegel. Dabei werden vor allem kinderlos gebliebene Alte häufig mit dem Vorwurf des Egoismus bzw. einer „Nach uns die Sintflut“-Mentalität konfrontiert. Dabei wird ihnen unterstellt, die finanziellen und persönlichen Opfer des Aufziehens von Kindern gescheut, keinen persönlichen Beitrag zum Fortbestand des Systems der sozialen Sicherung geleistet und stattdessen „ein schönes Leben geführt“ zu haben und im Alter „die Kinder der anderen“ zur Kasse zu bitten.

Statistisch betrachtet erzielt die Gruppe der Kinderlosen während der mittleren Lebensphase (durch ihre starke Konzentration auf die Erwerbstätigkeit) ein überdurchschnittlich hohes Einkommen und zahlt entsprechend höhere Beiträge in die Staatskasse und in die Sozialversicherungen ein. Im Rentenalter müssen ihre Rentenbezüge (aufgrund des Umlageverfahrens in der Rentenversicherung) allerdings von „den Kindern der anderen“ aufgebracht werden, und im Falle der Pflegebedürftigkeit bietet sich nur in Ausnahmefällen die Möglichkeit einer Betreuung durch Angehörige. Als Rentner verursacht diese Gruppe also (auch wegen der hohen Rentenansprüche) relativ hohe Kosten. Das Argument, Alleinstehende würden früher sterben als Verheiratete, scheint allerdings aufgrund der vorliegenden Daten nicht haltbar.

Tatsächlich sind sowohl Rentner als auch Beitragszahler zur Rentenversicherung Opfer der sinkenden Lohnquote und der sinkenden Realeinkommen in Deutschland: Steigen die Löhne, so steigen die Renten, sinken sie, so müssten nach der Rentenformel auch die Renten sinken (was aber für politisch nicht durchsetzbar gehalten wird).

Horst W. Opaschowski (Stiftung für Zukunftsfragen des Tabakkonzerns BAT) weist das Klischee von den „gierigen Alten“ unter Hinweis auf eine 2010 durchgeführte Studie zurück: Diese habe „nachgewiesen, dass die Alten sehr wohl zu Opfern für die Jungen bereit sind. So geben die über 65-jährigen Eltern das Siebenfache dessen an ihre Kinder, was sie von diesen an finanziellen Mitteln zurückbekommen.“

Fehlanreize durch „Senioritätsprivilegien“ Vor allem aus neoliberaler Sicht entfalten Maßnahmen, die zum Schutz älterer Menschen beschlossen wurden, oft paradoxe Wirkungen: Diejenigen z. B., für die ein besonderer Kündigungsschutz bestehe, würden demnach zögerlicher eingestellt als diejenigen, die relativ leicht wieder entlassen werden können. So stellt die BDA in einem Diskussionspapier vom Februar 2006 folgende These auf: „Viele Tarifverträge gewähren noch immer allein aufgrund des Alters des Arbeitnehmers zusätzliche Vergünstigungen. Diese so genannten Senioritätsprivilegien, die ursprünglich unter anderen wirtschaftlichen Voraussetzungen eingeführt wurden, erweisen sich heute zunehmend als Hindernis für die Beschäftigung und insbesondere für eine Neueinstellung älterer Arbeitnehmer, weil sie eine Beschäftigung Älterer gegenüber Jüngeren künstlich verteuern oder mit zusätzlichen Restriktionen im Arbeitsrecht belegen.“

Wertewandel Die Diskriminierung aufgrund des Alters wird auch als eine Besonderheit westlicher Gesellschaften beschrieben. Dabei wird etwa moniert, hier zähle nur, wer seine Arbeitskraft noch verkaufen könne oder wenigstens als Konsument etwas zu bieten habe. Ältere Erwachsene erscheinen als finanzielle Belastung, während junge Menschen als Investition in die Zukunft angesehen werden.

mini|An der Münchner Sicherheitskonferenz nahmen 2014 auch die Elder Statesmen Helmut Schmidt (damals 95 Jahre alt) und Henry Kissinger (damals 90 Jahre alt) teil. Traditionell ist der Begriff „Alter“ jedoch positiv besetzt. Das zeigen Begriffe wie „Senat/Senator“ (von ), aber auch die immer noch positiv besetzten Begriffe Ältestenrat und Elder Statesman (Konnotation: In schwierigen Situationen brauchen Gemeinschaften die Weisheit und das Wissen ihrer ältesten Mitglieder). In dieselbe Richtung weist das Vierte Gebot des Judentums und des Christentums („Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“).