Die Catilinarische Verschwörung war ein misslungener Umsturzversuch des Senators Lucius Sergius Catilina im Jahr 63 v. Chr., mit dem dieser die Macht in der Römischen Republik an sich reißen wollte. Bekannt ist die Verschwörung besonders durch Ciceros Reden gegen Catilina sowie durch Sallusts historische Monographie De coniuratione Catilinae. mini|300px|Cicero klagt Catilina an; das Fresko von Cesare Maccari zeigt, wie sich ein Historienmaler im 19. Jahrhundert Ciceros erste catilinarische Rede bildlich vorstellte.Mary Beard sieht etliche Ungenauigkeiten in der fiktiven, künstlerischen Darstellung, die sich an faktuale überlieferte Ereignisse der Catilinarischen Verschwörung anlehnen. So fand etwa die erste Rede Ciceros (Ciceros 1. Rede vor dem Senat) im Tempel des Jupiter Stator statt. Cicero wird als weißhaariger älterer Staatsmann dargestellt, obgleich Catalina nur zwei Jahre älter als Cicero war. Der dargestellte Raum ist für diese Zeit sehr pompös, die Marmorverkleidung entspricht nicht den historischen Gegebenheiten des ursprünglichen Versammlungsorts. Siehe Mary Beard: SPQR. Die tausendjährige Geschichte Roms. Fischer, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-596-03134-4, S. 28–38.

Die Verschwörer Die bekanntesten an der Verschwörung beteiligten Personen waren: Senatoren: Lucius Sergius Catilina Publius Autronius Paetus Gaius Cornelius Cethegus Publius Cornelius Lentulus Sura Publius Cornelius Sulla Mitglieder des Ritterstandes: Marcus Fulvius Nobilior Lucius Statilius Gaius Cornelius Publius Gabinius Capito Titus Volturcius Offiziere: Gaius Manlius

Der Verlauf der Verschwörung Die Vorgeschichte Die Vorgeschichte der Verschwörung begann dem römischen Geschichtsschreiber Sallust zufolge im Jahr 66 v. Chr., als Catilina wegen eines anstehenden Repetundenprozesses (Verfahren wegen Amtsmissbrauchs) nicht als Bewerber für das Konsulat des nächsten Jahres zugelassen wurde. Stattdessen wurden für 65 v. Chr. Publius Autronius Paetus und Publius Cornelius Sulla gewählt, die jedoch kurze Zeit später wegen ambitus, Bestechung, angeklagt und verurteilt wurden, sodass sie durch zwei neue Konsuln, Lucius Aurelius Cotta und Lucius Manlius Torquatus, ersetzt werden mussten.Sall. Catil. 18. Diese Nachfolger im Amt waren gleichzeitig die Ankläger der abgesetzten Konsuln. Zum Ende des Jahres 66 v. Chr. habe sich daraufhin eine Verschwörung gebildet mit dem Ziel, die Annullierung der Wahl rückgängig zu machen. Daran sollen die beiden abgesetzten Konsuln Autronius Paetus und Cornelius Sulla beteiligt gewesen sein sowie Gnaeus Calpurnius Piso, Gaius Cornelius Cethegus, Lucius Vargunteius und auch Catilina. In der Forschung wird die Existenz dieser so genannten ersten Catilinarischen Verschwörung seit Längerem allgemein bezweifelt.R. Seager, The First Catilinarian Conspiracy, in: Historia 13 (1964), S. 338–347Ronald Syme, Sallust, University of California Press, Berkeley und Los Angeles 1964, S. 88 ff.

Der erfolglose Kampf um das Konsulat Wegen des immer noch schwebenden Verfahrens des Repetundenprozesses, der gegen ihn angestrengt worden war, konnte Catilina auch für das Jahr 64 v. Chr. nicht für das Konsulat kandidieren; dies war erst für 63 v. Chr. wieder möglich, wo er aber nach heftiger Agitation durch Marcus Tullius Cicero diesem und Gaius Antonius Hybrida unterlag. Vor den Wahlen für das Jahr 63 v. Chr. soll Catilina seine Anhänger zum Abschluss eines Blutsbündnisses gewonnen haben, ein Detail, das Sallust mitteilt und dem schon der antike Historiograph selbst sein Misstrauen ausspricht.Sall. Catil. 22.

Catilina hatte die Hoffnung jedoch noch nicht aufgegeben und bewarb sich für das nächste Jahr erneut. Dass er jedoch in seinem Wahlkampf mit Reduktion der Zinsen auf geliehenes Geld und Rückzahlungserleichterungen für die Schuldner warb (tabulae novae), verletzte die Interessen der Gläubiger. Diesen Umstand nutzte Cicero dazu, Catilina sozialrevolutionärer Umtriebe zu bezichtigen. Negativ wirkte sich wohl auch Catilinas Drohung im Senat aus, dass, wenn man seine Existenz in Brand stecken wolle, er nicht mit Wasser, sondern mit dem Einreißen des ganzen Baues das Feuer löschen werde. Als der Wahltag gekommen war, erschien Cicero, da er ein Attentat auf sich und den Ausbruch von Unruhen befürchtete, für alle sichtbar im Panzer und mit einer Schutztruppe aus Freunden und Klienten. Es geschah jedoch nichts; Catilina fiel, wie zu erwarten gewesen war, durch, und Lucius Licinius Murena und Decimus Iunius Silanus wurden für das nächste Jahr gewählt. Inwieweit Catilina bis zu diesem Zeitpunkt bereits an die Anwendung von Gewalt dachte, ist nicht mehr zu eruieren. Mit der verlorenen Wahl aber lief ihm die Zeit davon, was in ihm wohl den Entschluss zu einem Staatsstreich reifen ließ. Dabei konnte er das latente Unruhepotential ausnutzen, das von den vielen sullanischen Veteranen, die größtenteils verschuldet waren, und den ehemaligen Landbesitzern ausging, die von Sulla enteignet worden waren. Erst ab diesem Zeitpunkt konnte wirklich von einer Verschwörung gesprochen werden.

Der Beginn der Verschwörung Gaius Manlius, der unter Sulla als Centurio gedient hatte, begann bald in Etrurien und Gallia citerior mit der Aushebung von Truppen. Gleichzeitig sollte dasselbe in Picenum durch Gaius Septimius, in Apulien durch Gaius Iulius und in Kampanien durch Publius Sulla geschehen. Der Plan sah dann wohl vor, in Rom nach dem Zusammenziehen des Heeres Brände zu legen, um Verwirrung zu stiften, und die strategisch wichtigen Punkte in der Stadt zu besetzen. Da die Vorbereitungen jedoch noch einige Zeit in Anspruch nahmen, setzte man den Zeitpunkt der Erhebung auf den 27. Oktober fest; am 28. Oktober sollten in Rom schließlich alle missliebigen Optimaten ermordet werden.

Die Aufdeckung der Putschvorbereitungen Cicero war jedoch unterdessen von Fulvia, der Geliebten des Verschwörers Quintus Curius, von den Vorgängen einigermaßen in Kenntnis gesetzt worden, sodass er am 22. September den Senat bat, diesbezüglich einen Beschluss herbeizuführen. Der Senat beschied Ciceros Anliegen jedoch negativ mit der Begründung, die Nachrichten über die angeblichen Ereignisse seien zweifelhaft.

Erst in der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober 63 v. Chr. gelangte Cicero in den Besitz von durchschlagenden Beweisen in Bezug auf Unruhen in Form von anonymen Briefen, die ihm von Marcus Crassus, Marcus Claudius Marcellus und Metellus Scipio übergeben worden waren und die eine Warnung vor Mordanschlägen auf einige hochrangige Politiker durch Catilina enthielten.

Der Notstandsbeschluss Cicero ließ daraufhin am nächsten Morgen den Senat zusammentreten und referierte über den Inhalt der Briefe und die weiteren ihm bekannten Details, zudem berichtete der Prätorier Quintus Arrius über Truppenbewegungen des Manlius in Etrurien. Der Senat beschloss daraufhin den Notstand (senatus consultum ultimum) und setzte kurz darauf das decretum tumultus in Kraft, das die Bekämpfung entstehender Unruhen ermöglichte. Es wurden sofort Aushebungen angeordnet, die zuständigen Beamten und Promagistrate wurden angewiesen, ihre Truppen zu übernehmen, und alle italischen Landstädte wurden beauftragt, ihre Territorien zu sichern. Die für den 28. Oktober geplanten Mordanschläge durch die Catilinarier und die Besetzung von Praeneste am 1. November konnten in der Folge nicht stattfinden, die Erhebung des Manlius in Etrurien war jedoch am 27. Oktober planmäßig erfolgt.

Catilinas Umtriebe in Rom Catilina, der sich in Rom immer noch sicher glaubte, sah sich unterdessen, wahrscheinlich zusammen mit Cornelius Cethegus, mit einer Anklage wegen politischer Gewaltverbrechen (lex Plautia de vi) konfrontiert, die von Aemilius Paullus angestrengt worden war. Catilina bot daraufhin, da er wohl glaubte, nichts befürchten zu müssen, dem Konsular Manius Aemilius Lepidus, dem Prätor Quintus Caecilius Metellus Celer und sogar Cicero an, sie möchten ihn in freiwillige Privathaft nehmen. Nachdem diese alle abgelehnt hatten, fand sich schließlich ein gewisser Marcus Metellus, der jedoch seiner Bewachungsaufgabe anscheinend nur unzureichend nachkam, sodass er später von Cicero ebenfalls der Teilnahme an den verschwörerischen Umtrieben bezichtigt wurde. Catilina gelang es nämlich, trotz dieser „Bewachung“, im Hause des Marcus Porcius Laeca in der Nacht vom 5. auf den 6. November eine Versammlung der Mitverschwörer abzuhalten, in der das weitere Vorgehen besprochen wurde. Lucius Vargunteius und Gaius Cornelius, ein Senator und ein Ritter, sollten sich am 7. November bei Cicero zum Morgenbesuch anmelden und diesen ermorden, um die Stadt in die Gewalt der Verschwörer zu bringen. Catilina selbst beabsichtigte, gleich nach Ciceros Ermordung zu Manlius aufzubrechen. Der Mordversuch schlug jedoch fehl, da Fulvia Cicero abermals eine Nachricht bezüglich der Pläne zukommen ließ.

Catilina muss die Stadt verlassen Cicero berief am Morgen des 7. November den Senat unter starker Bewachung im Tempel des Iupiter Stator zu einer Sitzung ein, um die neue Sachlage darzulegen und den Senatoren endlich entschiedenere Beschlüsse abzuringen. Auch Catilina erschien zu der Sitzung, wahrscheinlich, um seine angebliche Unschuld demonstrativ zur Schau zu stellen und zu zeigen, dass er von dem von Aemilius Paullus angestrengten Prozess nichts zu befürchten habe. Catilina fühlte sich als Angehöriger des alten patrizischen Adels sicher und konnte zu diesem Zeitpunkt wohl immer noch auf die Stimmen vieler popularer Senatoren zählen, sodass er alle gegen ihn gerichteten Vorwürfe abstritt und sogar eine Entscheidung des Senats bezüglich seiner Person forderte; bei negativem Bescheid bot er an, ins Exil zu gehen. Obwohl Cicero Catilina mit dem senatus consultum ultimum drohte, hatte er keine unwiderlegbaren Beweise gegen ihn in der Hand und damit keine wirkungsvolle Handhabe, da das senatus consultum ultimum sich in erster Linie gegen den offenen Aufstand des Manlius richtete. Cicero versuchte daher, Catilina durch die scharfen Angriffe in seiner „ersten Rede gegen Catilina“ sozusagen aus der Reserve zu locken und zu einem freiwilligen Verlassen der Stadt zu bewegen, was schließlich noch am selben Tage geschah.

Die Problematik des Senatus Consultum Ultimum Joseph Vogt schreibt zu dieser Problematik Folgendes: „Diese Rede ist eine glänzende rhetorische Leistung, ein hervorragender taktischer Zug und zugleich ein einzigartiges Armutszeugnis der Regierung, die hier, ohne es zu wissen und zu wollen, die Ohnmacht der res publica kundgetan hat. [...] So musste der Konsul in der allgemeinen Angst um Zuständigkeit und Befugnis es darauf anlegen, Catilina zum offenen Aufruhr zu treiben und dem schwankenden Senat für eine spätere Stellungnahme vollendete Tatsachen zu schaffen.“ Vogt spricht hier schon die Problematik der rechtlichen Auslegung des senatus consultum ultimum an, die an späterer Stelle, nämlich bei der Debatte über die Hinrichtung der Catilinarier, weit stärker zum Tragen kommen sollte. Catilina verließ jedenfalls noch vor dem Ende der Sitzung die Versammlung und brach in Richtung Faesulae auf, um zu Manlius zu stoßen, streute jedoch das Gerücht, er werde ins Exil nach Massilia gehen. Am nächsten Morgen sprach Cicero vor dem Volk („Zweite Rede gegen Catilina“), um über den Stand der Dinge zu referieren und die Massen zu beruhigen.

Catilina wird zum Staatsfeind erklärt Catilina, der Mitte November zusammen mit Manlius zum Staatsfeind (hostis) erklärt worden war, war zwar selbst nicht mehr in Rom, doch die Verschwörer, die er zurückgelassen hatte, befanden sich noch immer in der Stadt. Da gegen sie außer einem bloßen Verdacht nichts vorlag, stellten sie weiterhin eine latente Gefahr dar.