Eine Militärakademie, auch Kriegsakademie, Führungsakademie oder Generalstabsakademie, ist eine höhere oder höchste militärische Lehreinrichtung zur Qualifizierung (Aus-, Fort- und Weiterbildung) vornehmlich von Offizieren der Streitkräfte und anderer bewaffneter Kräfte in den verschiedenen Staaten.

Zugleich können sie als wissenschaftliche Zentren zur Forschungsarbeit für Probleme der Sicherheitspolitik und des Militärwesens herangezogen werden.

In einigen Ländern tragen auch die Einrichtungen zur Ausbildung von Offizieranwärtern die Bezeichnung Militärakademie oder Marineakademie oder Verteidigungsuniversität.

Auftrag Der Zweck einer Militärakademie besteht darin, Offiziere für die Ausübung von Führungsfunktionen in den verschiedenen Teilstreitkräften in den Ebenen ab Bataillon (und Gleichgestellte) aufwärts sowie für Spezialverwendungen oder die Verwendung in höheren Stäben der Landes- und Bündnisverteidigung zu qualifizieren.

Im Unterschied dazu verfolgen die Militärakademien für die Generalstabsausbildung von Offizieren und Generalen/Admiralen (z. B. Akademie des Generalstabes oder Generalstabsakademie, Führungsakademie) den ganzheitlichen sicherheitspolitischen Ansatz im Lehrprogramm und sind die höchsten militärischen Lehreinrichtungen.

Gewöhnlich wird jeder Teilstreitkraft und weiteren militärischen Führungsbereichen eine spezifische Militärakademie (z. B.: Seekriegsakademie, Militärmedizinische Akademie, Sanitätsakademie) zugeordnet.

Die Qualifizierung beinhaltet die jeweils auf die Teilstreitkraft bezogene, truppen-, waffen- und gattungsspezifischen Fächer und andere spezialfachliche Lehranteile zur Herausbildung von Fachkompetenz, methodischer und (fremd-)sprachlicher Kompetenz zur Führung sowie Praxiskompetenz für die künftigen Verwendungen.

Mit unterschiedlichem Anteil und Umfang sind Militärakademien in die Forschung in den Bereichen der Militärwissenschaften, Sozialwissenschaften und Technikwissenschaften einbezogen.

Geschichte mini|Archäologische Ausgrabung der Platonischen Akademie im heutigen Athener Stadtteil Akadimia Platonos

Auf Platons geht der neuzeitliche Begriff Akademie für wissenschaftliche oder künstlerische Hochschulen sowie für Gelehrtenvereinigungen, etwa die Akademie der Wissenschaften, zurück.Eine ältere Namensform, die im 6. Jahrhundert v. Chr. anscheinend noch vorherrschte, war Hekademos, dementsprechend Hekademeia; siehe Marie-Françoise Billot: Académie (topographie et archéologie). In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 1, Paris 1989, S. 693–789, hier: 697 f.

Der Begriff bezeichnet ursprünglich den Platz, wo die Platonische Akademie ( oder , latinisiert ), die von Platon gegründete antike Philosophenschule in Athen, die älteste und langlebigste Institution dieser Art in Griechenland, verortet wird – bei dem genannten Hain des attischen Heros Akademos.Zur Topographie und den Ausgrabungen siehe die Übersichtsdarstellung von Marie-Françoise Billot: Académie (topographie et archéologie). In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 1, Paris 1989, S. 693–789.

Vorgeschichte in deutschsprachigen Ländern Im Laufe der Geschichte gab es verschiedene Formen von Militärschulen mit vollkommen unterschiedlichen Zielrichtungen.

Einige hatten eine „vormilitärische“ Ausbildung zum Ziel, wie die Pagenschule in Kassel (1596–1598) oder später Kadettenanstalten. Andere bildeten Offizieranwärter bis zu ihrer Offiziersernennung aus (wie Marineakademien) und manche hatten die weitere Qualifizierung höherer Offiziere zum Ziel (wie Kriegsakademien).

Im deutschsprachigen Raum des Heiligen Römischen Reiches wurden die ersten Lehranstalten zur militärischen Aus- und Weiterbildung von Offizieren am Ende des 16. Jahrhunderts errichtet. Ihre Gründung erfolgte im Zusammenhang mit dem Aufbau fest organisierter und disziplinierter (stehender) Heere und der Stärkung der Landesverteidigung (Landesdefension). Fortschritte in der Waffentechnik bewirkten Veränderungen in der Kriegskunst. Das feudale Militärwesen wurde zudem von Ideen der frühbürgerlichen Aufklärung beeinflusst.

Adelsschulen und Ritterakademien Die früheste Erwähnung finden die Pfälzische Adelsschule in Selz (frz. Seltz, 1575–1577) und die Adelsakademie in Sedan (um 1590) sowie eine Ritterakademie in Tübingen (Collegium illustre, 1596–1684). In Brandenburg und in Bayern entstanden ebenfalls Ritter-Akademien für die militärische Ausbildung junger Adliger.

In den Lehrplänen all dieser Anstalten dominierten allgemeinbildende Fächer, darunter alte und neue Sprachen sowie Naturwissenschaften. Militärische Wissensgegenstände wurden vor allem in Mathematik, Befestigungskunst, Artilleriewissenschaft und Taktik vermittelt; hinzu kamen Reit- und Fechtausbildung sowie Waffenübungen.

Kriegsschulen und Akademien – 17./18. Jahrhundert Zu den ältesten Akademien gehört die Kriegsschule des Grafen Johann VII. von Nassau-Siegen (1561–1623), die 1616 im Zeughaus des Oberen Schlosses in Siegen eröffnet wurde.

Sie bestand ebenso wie die 1624 in Gitschin (Jičin) vom kaiserlichen Feldherrn Albrecht von Wallenstein (1583–1634) geschaffene Friedländische Akademie jedoch nur wenige Jahre.

Im 18. Jahrhundert erforderten die Fortschritte in der Organisation der stehenden Heere und Waffengattungen, vor allem der Artillerie, sowie die Entwicklung des Befestigungswesens mehr ausgebildete Offiziere. Mit diesem Ziel wurden errichtet:

in Wien 1717 eine Ingenieurschule; in Dresden 1742 eine Ingenieurschule und 1766 eine Artillerie-Akademie, beide 1816 vereinigt zur Militärakademie; in Berlin 1788 eine Ingenieur- und 1791 eine Artillerie-Akademie.

Neben diesen waffentechnisch orientierten Akademien gab es noch allgemeine Akademien, die vor allem junge Adlige auf den Offiziersberuf vorbereiteten und Offiziere weiterbildeten. Dazu gehörten:

die von 1705 bis 1713 wirkende Ritter-Akademie in Berlin; die von 1711 bis 1744 bestehende Ritter-Akademie in Kloster Ettal;

Die ältesten Militärakademien sind:

die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt und die École Militaire in Paris, die beide im Jahr 1751 gegründet wurden. die 1765 in Berlin geschaffene Königliche neue Ritter-Akademie; die 1790 gegründete Militärakademie in München.

mini|links|hochkant=2.8|École militaire in Paris

Militärische Ausbildung der Offiziere – 19. Jahrhundert

Einfluss der Heeresreformbewegung An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert bewirkten die Koalitionskriege den Aufbau von Massenheeren. Das erforderte die durchgängige Ausbildung aller Offiziere. Diese Tendenz verstärkte sich noch durch den wachsenden Einfluss der sich im 19. Jahrhundert rasch entwickelnden Natur- und Gesellschaftswissenschaften sowie der Technik auf das Militärwesen.

Das militärische Bildungswesen wurde durch eine Heeresreformbewegung begünstigt, die durch eine verbesserte Erziehung und Bildung der Offiziere die Missstände in den stehenden Söldnerheeren zu beseitigen suchte. In den Lehrplänen der Akademien hatten weiterhin allgemeinbildende Fächer einen hohen Anteil.

Den Anforderungen an eine höhere Bildungsanstalt für Offiziere am nächsten kam die 1801 in Berlin unter Oberstleutnant der Artillerie Gerhard Scharnhorst (1755–1813) gegründete Lehranstalt für junge Infanterie- und Kavallerieoffiziere. Im Jahr 1804 war Oberst Gerhard von Scharnhorst die Seele der durchgeführten Neuorganisation, die zur Bildung eines Lehrinstituts für die Berliner Inspektion sowie der Akademie für junge Offiziere führte.

Militärische Fort- und Weiterbildung in Preußen Neuerungen in der Organisation, Gliederung und Ausbildung der Streitkräfte und in Folge die volle Herausbildung von Generalstäben und Kriegsministerien erforderten neben der durchgängigen Ausbildung aller Offiziere auch eine hohe Zahl speziell ausgebildeter, fort- und weitergebildeter Offiziere. Im Verlauf der Militärreformen (1807–1815) in Preußen wurde auf Initiative von Scharnhorst im Jahr 1810 mit der Allgemeinen Kriegsschule (seit 1859 Kriegsakademie) erstmals eine Akademie als höchste militärische Lehreinrichtung geschaffen.

mini|Gebäude der Allgemeinen Kriegsschule zu Berlin, Burgstr. 19, Berlin vor 1883

Die Allgemeine Kriegsschule besuchten vorwiegend Infanterie- und Kavallerieoffiziere. Ihre Aufgabe war, Offiziere für die höhere Adjutanten-Laufbahn, den Generalstab und als Lehrer für die Offiziersschulen (Kriegsschulen) fort- und weiterzubilden. Artillerie- und Pionieroffiziere besuchten zur militärfachlichen Qualifizierung zumeist den zweiten (höheren) Kurs der im Jahr 1815 in Berlin gegründeten vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule, die sowohl den Charakter einer Offiziersschule als auch den einer Akademie besaß.

(Berlin, 1859–1919)

Höhere Offiziersausbildung in Baden, Bayern, Hannover, Sachsen Auch andere Staaten des Deutschen Bundes errichteten Akademien und reorganisierten bestehende Bildungsinstitutionen, um den neuen Anforderungen zu entsprechen:

mini|Stadtplan Hannover 1834; auf dem westlichsten Ravelin in Verlängerung d. Calenberger Straße die „Militärschule“

Die sächsische Militärakademie entstand im Jahr 1816 aus dem Zusammenschluss der Ingenieur- und Artillerieschule und führte von 1819 bis 1866 mehrfach 2-jährige Kurse zur Ausbildung von Generalstabsoffizieren und höheren Kommandeuren durch.

In Hannover bestand von 1824 bis 1834 eine Generalstabsakademie, deren Lehrgänge 5 Jahre dauerten; sie wurde 1834 mit der früher geschaffenen Militärakademie vereinigt. Baden richtete 1831/32 eine Höhere Kriegsschule mit 3-Jahres-Kursen ein.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beeinflussten vor allem die Erfahrungen des Krimkrieges (1853–1856) und der preußisch-deutschen Kriege (1864, 1866, 1870/71) sowie das nach 1871 einsetzende Wettrüsten die weitere Entwicklung des höheren militärischen Bildungswesens.

Nach preußischem Vorbild entstand 1867 die bayerische Kriegsakademie in München. Sie bestand für das bayerische Heer auch nach 1871 weiter, als die preußische Kriegsakademie die Ausbildung der Generalstabsoffiziere und höheren Kommandeure aller Bundesstaaten des Deutschen Reiches übernahm.

Höhere Offiziersausbildung in anderen europäischen Staaten Im Laufe des 19. Jahrhunderts gründeten andere europäische Staaten ebenfalls Akademien als höchste militärische Bildungsstätten. Für die Landstreitkräfte (das Heer) wurden entsprechende Einrichtungen z. B. in den Jahren 1830 und 1855 in Russland, im Jahr 1858 in Großbritannien und im Jahr 1878 in Frankreich geschaffen.

In Österreich wurde im Jahr 1852 eine Akademiecharakter tragende Kriegsschule für die Aus- und Weiterbildung von Stabsoffizieren gegründet.

Militärtechnische Ausbildung – 19./20. Jahrhundert Die maritime Rüstung des deutschen Kaiserreiches wurde im Jahr 1872 durch die Errichtung einer Marineakademie in Kiel mit vorbereitet. Die Akademie bildete Offiziere vor allem für den Admiralstabsdienst heran. Der Lehrplan schloss militärische und technisch-naturwissenschaftliche Fächer ein, wobei nach dem Jahr 1900 der Anteil der letzteren zugunsten der militärischen Fächer sank.

mini|Der Cranzbau (1904/05) an der Hertzallee, Nachfolgebau für die ehemalige Militärtechnische Akademie

Im Zusammenhang mit der raschen Entwicklung der Militärtechnik wurde 1903 in Berlin eine Militärtechnische Akademie mit dem Ziel errichtet, Offiziere der Artillerie, der Pioniere und anderer technischer Waffengattungen theoretisch aus- und weiterzubilden. Die Akademie leistete in begrenztem Umfang militärtechnische Untersuchungen und Forschungsarbeit. Im Jahr 1907 wurde ihr die vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule angegliedert.

Der Besuch der Militärtechnischen Akademie fand im Offizierskorps wenig Anklang. Die Weiterbildung erfolgte in größerem Maße durch die verschiedenen Lehrgänge, z. B. der Artillerieoffiziere an der Artillerieschießschule Jüterbog.

(Berlin, 1876 bis 1918)

Kriegsfolgen in der Offiziersausbildung – Anfang 20. Jahrhundert