Der Österreichische Rundfunk (ORF) ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk Österreichs mit Hauptsitz in Wien. Daneben betreibt er in jedem der neun Bundesländer ein Landesstudio sowie seit 1975 ein weiteres Studio in Bozen (Südtirol).

Als größter Medienanbieter des Landes produziert der Österreichische Rundfunk vier Fernseh- sowie drei bundesweite und neun regionale Radioprogramme. Außerdem ist er der größte Genossenschafter der Austria Presse Agentur (APA) und an den Österreichischen Lotterien beteiligt.Österreichischen Lotterien Organigramm. Das Unternehmen ist als Stiftung des öffentlichen Rechts organisiert.

Geschichte und rechtliche Grundlagen

Die Geschichte des ORF geht auf die Radio-Verkehrs-AG zurück, die am 30. September 1924 gegründet wurde. 1938 wurde sie liquidiert und ihr Vermögen der deutschen Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (ab 1939 Großdeutscher Rundfunk) als Reichssender Wien unterstellt. Nach Kriegsende 1945 wurden in jeder Besatzungszone eigene Programme gesendet. Die Bezeichnung „Österreichischer Rundfunk“ wurde ab Mai 1953 verwendet, als die Öffentliche Verwaltung für das österreichische Rundspruchwesen vom sowjetischen in den britischen Sektor Wiens übersiedelte.Michael Liensberger (ORF): Radio im Österreich der Nachkriegszeit (2020); Margareta Saary: Radio Wien, in: Oesterreichisches Musiklexikon (2005).

Am 11. Dezember 1957 wurde die Österreichische Rundfunk Ges. m. b. H. in Anwesenheit von Bundeskanzler Julius Raab, Vizekanzler Bruno Pittermann und Unterrichtsminister Heinrich Drimmel gegründet; sie ist seit 1. Jänner 1958 zur Ausstrahlung des Radio- und Fernsehprogramms berechtigt.

Gesellschafter waren der Bund mit 97,3 Prozent und die Länder mit 2,7 Prozent. Die Generalversammlung bestellte den Sektionsrat im Bundeskanzleramt, Karl Cejka, zum Generaldirektor, den damaligen Öffentlichen Verwalter Füchsl zum Technischen Direktor, den vorigen Öffentlichen Verwalter Alfons Übelhör zum Rundfunk-Programmdirektor und den bisherigen Programmleiter des Fernsehens, Gerhard Freund, zum Fernsehdirektor. abgerufen am 22. Jänner 2012.

Grundlage für die Gründung des ORF in seiner heutigen Form war das erste österreichische Volksbegehren im Jahr 1964, das auf eine Reform des Rundfunkwesens abzielte. Demzufolge wurde 1966 ein „Rundfunkgesetz“ beschlossen, das am 1. Jänner 1967 in Kraft trat. Mit dem Rundfunkgesetz 1974 wurde der ORF in eine Anstalt des öffentlichen Rechts überführt. Die letzte große Reform erfolgte im Jahr 2001 durch die ORF-Gesetz-Novelle,BGBl. I Nr. 83/2001. mit der der ORF in eine Stiftung öffentlichen Rechts umgewandelt wurde. Seit 2024 wird ein jährlicher Transparenzbericht erstellt und veröffentlicht.

Das ORF-Gesetz sieht im Rahmen des Versorgungsauftrages unter anderem einen Bildungsauftrag vor. Als öffentlich-rechtlicher Sender finanziert sich der ORF zum Teil über den sogenannte ORF-Beitrag („Haushaltsabgabe“), welcher seit dem 1. Jänner 2024 die frühere GIS-Gebühr ersetzt. Er fällt für jeden Hauptwohnsitz an und beträgt monatlich 15,30 Euro. In den Bundesländern Burgenland, Steiermark, Kärnten und Tirol kommt hierzu noch die sogenannte Landesabgabe, welche in jedem der Länder unterschiedlich hoch ist. Eingehoben wird dieser Beitrag vom ORF-Tochterunternehmen ORF-Beitrags Service GmbH.

Weiters sieht das Bundesgesetz über den Österreichischen Rundfunk in § 3 Abs. 1 vor, dass möglichst alle Menschen in Österreich mit drei Radio- und zwei Fernsehprogrammen versorgt werden sollten, dass also ein möglichst flächendeckender Empfang zu gewährleisten ist.

Leitung und Kontrolle des ORF obliegen dem Stiftungsrat, der auch den Generaldirektor wählt. Der Publikumsrat wahrt die Interessen der Hörer und Seher.

1989 wurde mit dem Österreichischen Filminstitut das Film-/Fernseh-Abkommen zur Förderung von Spielfilmen beschlossen.

Anfang der 1990er Jahre zeichnete sich eine Verurteilung Österreichs durch den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof ab, und 1993 wurde schließlich das Radiomonopol des ORF durch das „Regionalradiogesetz“ aufgehoben, welches das staatliche Rundfunkmonopol beendete und „binnenpluralistisches“ regionales Privatradio ermöglichte. Nach legistisch-juristischen Startschwierigkeiten im Privatfunksektor müssen sich die Rundfunkprogramme des ORF seit 1998 österreichweit gegen die kommerzielle Konkurrenz behaupten. Der ORF ist aber weiterhin in mehrfacher Hinsicht gegenüber der privaten Konkurrenz begünstigt, insbesondere was die Frequenzzuteilung betrifft. Das Fernsehmonopol fiel offiziell erst mit dem Kabel- und Satellitenrundfunkgesetz 1997.

mini|150px|ORF-„Auge“ 150px|mini|Altes ORF-Schriftlogo 150px|mini|Ehemaliges Logo von ORF 1 1992 bis 2000 150px|mini|Ehemaliges Logo von ORF 2 1992 bis 2000 150px|mini|Ehemaliges Logo von ORF 1 2000 bis 17. August 2005 150px|mini|Ehemaliges Logo von ORF 2 2000 bis 17. August 2005 150px|mini|Ehemaliges Logo von ORF 17. August 2005 bis 8. Jänner 2011 150px|mini|Ehemaliges Logo von ORF 17. August 2005 bis 9. Jänner 2012 150px|mini|Ehemaliges Logo von ORF eins (heute ORF 1) 8. Jänner 2011 bis 26. April 2019 150px|mini|Aktuelles Logo von ORF 1 seit 26. April 2019 150px|mini|Aktuelles Logo von ORF 2 seit 9. Jänner 2012

Auch hat die im ORF-Fernsehen ausgestrahlte Werbung für Ö3 des Öfteren für Kritik gesorgt, da den privaten Radiosendern derartige Werbemaßnahmen aus Kostengründen weitgehend verwehrt sind. Seit Inkrafttreten des neuen ORF-Gesetzes am 1. Jänner 2002 ist dem ORF das Bewerben seiner Radioprogramme im Fernsehen und umgekehrt – die sogenannte Cross-Promotion – nicht mehr erlaubt. Zulässig sind lediglich neutral gehaltene Hinweise auf Sendungen.

Im September 2008 entschied der österreichische Verwaltungsgerichtshof, dass das ORF-Gesetz im Bereich der Gebührenvorschriften so zu interpretieren ist, dass das Programmentgelt nur zu entrichten sei, wenn das Signal auch tatsächlich technisch zu empfangen ist.Rückschlag für den ORF: Höchstgericht kippt GIS Gebühren für Streaming, Abmeldewelle droht. 27. Juli 2015. Auf hdAustria.at, abgerufen am 1. Oktober 2019.

Am 27. Dezember 2011 wurde jedoch ein Bundesgesetz zur Änderung des ORF-Gesetzes verabschiedet, nach dem als Kriterium für die Entrichtung des Programmentgelts bereits die terrestrische Versorgung des ORF-Programms ausreicht (analog und vor allem unverschlüsseltes DVB-T).simpliTV (DVB-T2). DVB-T Österreich Infoseite. Auf DVB-T.at, abgerufen am 1. Oktober 2019. Das Gesetz trat am 1. Jänner 2012 in Kraft. zur Änderung des ORF-Gesetzes.

Laut Urteil des Verwaltungsgerichtshofs 2015 müssen keine Rundfunkgebühren bezahlt werden, wenn Radio oder Fernsehen via Computer konsumiert werden. Livestreaming falle nicht unter den Rundfunkbegriff und ist somit nicht gebührenpflichtig. Gebührenpflichtig ist nur der Einsatz eigener Rundfunktechnologien wie etwa Fernseh- oder Radiokarten.Nach Streaming-Urteil: ORF sucht neue Geldquellen. Auf diepresse.com, abgerufen am 28. Juli 2015.

Am 23. Dezember 2008 unterzeichnete die ORF-Tochter ORF Enterprise ein Abkommen mit dem Medienverlag Hoanzl, das diesem für zehn Jahre die exklusiven Verwertungsrechte des ORF-Archivs für DVDs und seine Web-Mediathek zusichert. Das Abkommen sorgte im ORF-Stiftungsrat für Aufsehen, da es ohne Ausschreibung zustande kam, der ORF eine eigene Verwertungstochtergesellschaft plane und Kritikern eine Vertragsdauer von zehn Jahren zu lang erscheine.Harald Fidler: ORF-Tochter verkaufte alle Rechte am Archiv des ORF. In: Der Standard. 4. März 2009, S. 30.

1997 wurden in Wien ein Radiomuseum und das Radiokulturhaus eröffnet.

Der ORF beteiligt sich immer wieder an humanitären Aktionen, die größten davon sind Licht ins Dunkel und Nachbar in Not.

Am 9. Februar 2021 hat das Blog netzpolitik.org die ihm zugespielte „Strategie ORF 2025“ veröffentlicht, in der der Österreichische Rundfunk seine Zukunftspläne beschreibt. Kernstück der weiteren Entwicklung wäre demnach die Entwicklung eines „ORF-Players“, der proprietäre Inhalte nur für Gebührenzahler des ORF-Beitrags Service bereithält. Der Fernseh- und Hörfunksender soll zu einer Plattform weiterentwickelt werden. Das Hörfunkprogramm FM4 soll in eine „SOUND-/Podcast-Plattform“ überführt werden.

Seit 2025 gilt das auch auf den ORF anwendbare Europäische Medienfreiheitsgesetz, etwa bei der Wahl des Generaldirektors.

Generalintendanten und Generaldirektoren Die Liste der politisch verankerten Generalintendanten des ORFs und seiner Vorgängerorganisationen sowie der mit der ORF-Reform 2001 eingeführten Generaldirektoren: 1924–1938: Oskar Czeija 1954–1957: Alfons Übelhör und Wilhelm Füchsl 1958–1960: Karl Cejka 1960–1967: Josef Scheidl 1967–1974: Gerd Bacher 1974–1978: Otto Oberhammer 1978–1986: Gerd Bacher 1986–1990: Teddy Podgorski 1990–1994: Gerd Bacher 1994–1998: Gerhard Zeiler 1998–2001: Gerhard Weis 2002–2006: Monika Lindner 2007–2021: Alexander Wrabetz 2022–2026: Roland Weißmann seit 9. März 2026: Ingrid Thurnher Im Juni 2026 wählte der Stiftungsrat Clemens Pig zum Generaldirektor ab Jänner 2027.

Logos und Designs Das erste Logo, das mit dem ORF in Verbindung gebracht wurde, war das bekannte „ORF-Auge“, das ein rundes elektronisches und ein ovales menschliches Auge darstellte. Bis 2002 war das 1968 von Erich Sokol entworfene Auge bei Vorankündigungen von Filmen und bei der täglichen Zeit im Bild zu sehen. Dazu gehörte der eckige Schriftzug in Konturschrift., Website des MAK Wien.

Das erste Fernsehprogramm FS1 hatte einen gelben Einser als Logo, der sich immer wieder veränderte, für FS2 war es ein blauer Zweier. Beide waren nur zwischen den Sendungen zu sehen.Drehende Logos FS1 und FS2 auf Youtube.

1992 wurde von Neville Brody ein neues Logo gestaltet. Dabei wurde der „ORF-Ziegel“ (Abkürzung ORF in Weiß auf rotem Rechteck) parallel zum Auge eingeführt. Er verdrängte das Auge bis 2000 zunehmend in den Hintergrund und wurde zum zentralen Logo. Die Senderkennungen erhielten ebenfalls ein „ORF“ vor der Ziffer, die Farben änderten sich in Schritten von Gelb/Blau zu Rot/Grün.

Unter Generaldirektorin Monika Lindner wurde das Auge 2005 mit der Entfernung des Schildes vom ORF-Zentrum vorübergehend vollkommen abgeschafft. Alexander Wrabetz (vormals Lindners Finanzdirektor) ließ das Schild nach seiner Wahl zum Generalintendanten wieder aufstellen. Seit 2011 ist das Auge komplett aus ORF 1 verschwunden.„ORF-Auge“ verschwindet aus ORF 1, DerStandard.at/Etat, 16. November 2010.

Im Fernsehen wurde das Corporate-Design-Logo mit einer weißen „1“ auf grünem Hintergrund versehen, für ORF 2 mit goldener „2“ auf rotem Hintergrund. 2005 wurde diese Farbkombination aber wieder abgeschafft, und auf beiden Sendern wird nun ein einheitliches graues Cornerlogo verwendet.

Maskottchen Das erste Maskottchen, das auch als Stofftier verkauft wurde, war Orfeo, der Küniglbär. Es gab jedoch keine Sendung, in der dieser auftrat. In den 1980er und 1990er Jahren vertraten die Zeichentrick-Figuren Eule und Wiesel die beiden Fernsehprogramme, vor allem in der Programmvorschau-Sendung 2 × 7. Seit 1994 werden in den Kindersendungen Confetti TiVi und okidokiORF-Kinderprogramm: Lila Wildschwein statt Confetti, Die Presse, 8. August 2008. verschiedene Maskottchen beziehungsweise Kunstfiguren eingeführt, die den Wiedererkennungswert und das Gesicht des ORF nach außen hin prägen.

Sparten Fernsehen Programme Der ORF produziert(e) folgende Fernsehprogramme: Bezeichnung Aktuelles Logo Sendezeitraum ORF 1 zentriert|100px 1955 bis 2025 ORF 1 HD zentriert|100px seit 2008 ORF 2 100px|zentriert 1961 bis 2025 ORF 2 HD 100px|zentriert seit 2009 ORF 2 Europe 100px|zentriert 2004 bis 2024 ORF 2 Europe HD seit 2024 ORF III 100px|zentriert 2011 bis 2025 ORF III HD 100px|zentriert seit 2014 ORF Sport + 100px|zentriert 2006 bis 2025 ORF Sport + HD seit 2014 ORF Sat 100px|zentriert 1997 bis 2000

Zusammen mit ARD, ZDF und SRG ist der ORF an 3sat beteiligt, und seit 2002 kooperiert er mit Arte.