Der Begriff Messias ( oder , plural , aramäisch Mschicho, in griechischer Transkription , ins Griechische übersetzt , latinisiert Christus) stammt aus der jüdischen Bibel, dem Tanach, und bedeutet „Gesalbter“.
Im Tanach bezeichnet Maschiach unter anderem den weltlichen König der Juden, dessen Thron laut auf Ewigkeit immer von einem Nachfahren Davids besetzt sein sollte (auch ). Daraus entstand seit dem Propheten Jesaja (~740 v. Chr.) und besonders seit dem Ende des israelitischen Königtums (586 v. Chr.) die Erwartung eines künftigen, weltlichen Maschiach aus dem Haus Davids, der JHWHs Willen endgültig verwirklichen, als König alle Juden zusammenführen, von Fremdherrschaft befreien und ein Reich der Gerechtigkeit und Freiheit herbeiführen werde.
Die Alte Kirche bezog die jüdische Erwartung eines künftigen, weltlichen Maschiach auf die Person Jesus von Nazaret und bezeichnete ihn gemäß dem griechischen Alten Testament als den Christós (Χριστός), den „Gesalbten“. Im entstandenen Heidenchristentum wurde der christologische Glaube Jesus ist der Gesalbte zum Namen Jesus Christus, zur Hypostase und zu einem Teil der Trinität (Vater, Sohn und Heiliger Geist). Es wurde Dogma, dass der nun neutestamentarisch erzählte Jesus, als vergöttlichter Messias, der Erlöser von der Erbsünde zwischen Menschen und christlichem Gott sei.
Im messianisch-jüdischen Glauben bezieht sich der Begriff Messias auf die Überzeugung, dass Jehoschua, () der im Tanach angekündigte Messias sei. Messianische Juden verbinden dabei Elemente des Judentums mit dem Glauben an Jesus als Erlöser. Dabei enthält der Tanach keine eindeutig formulierte Einzelprophezeiung, die eine konkrete zukünftige Person als Messias beschreibt. Vielmehr finden sich verschiedene Texte über einen gesalbten König, einen gerechten Herrscher oder einen von Gott berufenen Diener. Der hebräische Begriff Maschiach („Gesalbter“) bezeichnet im ursprünglichen Kontext meist bereits amtierende Könige oder Priester. Diese Passagen wurden in der späteren religiösen Tradition unterschiedlich ausgelegt. Während das rabbinische Judentum daraus die Erwartung eines zukünftigen davidischen Königs entwickelt, deutet das Christentum viele dieser Texte rückblickend als Hinweise auf Jesus Christus (David im Christentum).David H. Stern: Jewish New Testament: A Translation of the New Testament that Expresses its Jewishness. Jewish New Testament Publications, Jerusalem, and Clarksville MD, 1989, ISBN 965-359-006-5.David H. Stern: Kommentar zum jüdischen Neuen Testament. Hänssler, Neuhausen-Stuttgart 1996, ISBN 3-7751-2592-2, 1. Band, S. 29 f.
Überblick Im Tanach bezeichnet dieser Hoheitstitel den von Gott erwählten und bevollmächtigten Menschen mit besonderen Aufgaben für sein Volk Israel. Nach dem Untergang des Reiches Juda (586 v. Chr.) kündigten einige biblische Propheten zudem einen Retter und Friedensbringer der Endzeit an, andere verkündeten, dass ein Nachkomme König Davids eines Tages genau wie dieser als gesalbter, rechtmäßiger König über Israel und Juda herrschen und die Juden von der Fremdherrschaft erlösen werde. Beide Vorstellungen begannen sich mit der Zeit zu vermischen.
Die Septuaginta übersetzt Maschiach stets mit Christos. Nachdem Judäa unter römische Herrschaft gelangt war, traten dort mehrfach Personen auf, die den Anspruch erhoben, der Messias zu sein, und lösten damit Unruhen aus, von denen Flavius Josephus berichtet. Auch Jesus von Nazaret wurde in den Evangelien mit dem griechischen Titel Christos bezeichnet, der später zu „der Christus“ latinisiert wurde. Mit dem schließlich zum Eigennamen gewordenen Glaubensbekenntnis „Jesus Christus“ drückten die Anhänger Jesu aus, dass Gott in diesem Menschen die prophetischen Verheißungen zu erfüllen begonnen habe. Aus diesem Grund legten seine Anhänger großen Wert darauf, dass Jesus über Josef in direkter männlicher Linie von König David abstamme (Matthäus 1,1-17). Dass die Bezeichnung „Messias“ zur Zeit Jesu (auch) als Anspruch auf irdische Macht gedeutet werden konnte, mag man daraus schließen, dass die Römer ihn als rex Iudaeorum hinrichteten, weil sie ihn offenbar für einen politischen Aufrührer hielten, von denen gemäß Flavius Josephus im 1. Jahrhundert ja gleich mehrere unter den Juden auftraten: Die Kreuzigung war nach römischem Recht die Strafe für Rebellen und Aufrührer.
Ob allerdings ein messianischer Anspruch Jesu und/oder ein entsprechender Vorwurf seiner Gegner zu seinen Lebzeiten tatsächlich erhoben wurde, ist in der neutestamentlichen Wissenschaft umstritten. Spätestens seit Paulus verstanden die Christen unter dem Messias bzw. Christos nicht mehr den prophezeiten König der Juden, sondern den Erlöser der ganzen Menschheit. Damit verlor die behauptete Abstammung Jesu von König David an Bedeutung, die sich kaum mit der Lehre der Jungfrauengeburt, nach der Josef nicht Jesu Vater war, vereinen ließ.
Die Deutungen des biblischen Begriffs haben sich durch die gegenseitige Abgrenzung von Juden- und Christentum in der Folgezeit immer weiter auseinanderentwickelt. Die an eine menschliche Einzelperson geknüpfte Hoffnung auf endgültigen Weltfrieden wirkte vielfach auch auf politische Ideologien ein (siehe dazu Messianismus).
Tanach Im Tanach findet man historische Personen, die politische Macht über die Juden ausübten und Maschiach (Messias) genannt werden, an die man aber keine endzeitlichen Heilserwartungen knüpfte. Dagegen werden endzeitliche Heilserwartungen an eine Retter- und Mittlergestalt im Tanach nicht Maschiach (Messias) genannt. Der erste Maschiach war demnach Saul, der erste König über Juda und Israel.
Bevollmächtigung Der Ausdruck „Gesalbter“ stammt von einem altorientalischen Ritual der Salbung hoher Beamter. In der Bibel salbt jedoch kein König einen Nachfolger, Minister oder Vasallen. Vielmehr beruft Gott durch seine Propheten damit einen zuvor Unbekannten oder Oppositionellen (; ; u. a.) noch vor dessen Akklamation durch das Volk zum künftigen Herrscher. Demgemäß bezeichnet die Begriffskombination Gesalbter JHWHs die von Gott „erwählten“, rechtmäßigen Könige Israels (; ; ; ).
So salbt der Prophet Samuel im Auftrag Gottes Saul zum Retter vor der Bedrohung durch die Philister . Nach ersten militärischen Erfolgen bestätigt eine Loswahl Saul , nach weiteren macht eine Stämmeversammlung ihn zum König . In seiner Abschiedsrede übergibt Samuel ihm sein theopolitisches Führungsamt . Daher bezeichnete Maschiach wohl ursprünglich einen prophetisch berufenen politisch-militärischen Anführer, der die frühere vorstaatliche Rolle der spontan und situationsbedingt auftretenden, charismatischen „Richter“, Gottes Volk vor äußeren Feinden zu retten, übernehmen und verstetigen sollte. Die Richter überkam Gottes Geist noch unmittelbar; nun galt Geistbegabung als Folge der Salbung durch einen Propheten (; ; ), war also Ausdruck einer mittelbaren Theokratie.
Im Südreich Juda, das laut Darstellung des Tanach anders als das Nordreich Israel eine stabile Königsdynastie ausbildete, erscheint die Salbung dann häufig vor oder bei einer Thronbesteigung (; ; ). Sie stellte den zukünftigen König unter Gottes Schutz und machte ihn damit unantastbar (; ; ), verpflichtete ihn so aber auch, Gottes Willen für Israel zu befolgen (). Der gesalbte Führer galt damit als irdischer Diener und Vertreter Gottes, der für das Gottesvolk sorgen, es gerecht regieren, vor Fremdherrschaft bewahren und aus Unterdrückung befreien sollte. Wenn er versagte, konnte Gott ihn „verwerfen“, indem ein Prophet ihm Gottes Gericht, beispielsweise Niederlagen gegen Fremdherrscher oder Ablösung, ankündigte.
Maschiach bezeichnet also einen zur Leitung Israels nach Gottes Willen „Bevollmächtigten“: Der König steht biblisch immer unter Gott. Damit wurde Maschiach letztlich zur Bezeichnung des aus biblischer Sicht rechtmäßigen, legitimen Herrschers über die Juden. Deshalb konnte nach dem Untergang des Königtums vereinzelt auch ein fremder Herrscher, der Perserkönig Kyros, als Maschiach, als Vollstrecker des Willens Gottes für Israel, bezeichnet werden .
Im oder nach dem Babylonischen Exil wurde der verwaiste Titel auf den Hohepriester übertragen. Diese wurden zuvor zwar auch durch Salbung für ihren Tempeldienst geweiht, aber nicht als „Gesalbter“ bezeichnet (; ). Sie erhielten nun aber anstelle des Königs politische Vollmachten, weshalb in den jüngsten, frühestens ab 200 v. Chr. entstandenen und spät in den Tanach aufgenommene Bücher (. Vgl. später auch ; ) des Alten Testaments der Titel Maschiach folgerichtig ebenfalls auf sie Verwendung findet. Es gab aber auch Kritik: Die angebliche Entweihung des Tempels durch Antiochos IV. Epiphanes (um 170 v. Chr.) beendete zumindest nach Ansicht des Verfassers des Buches Daniel diese Tradition: erst im künftigen Reich Gottes werde der Tempel neu geweiht werden ().
Nur sehr selten werden in der Bibel auch Propheten gesalbt ; Jesaja (Tritojesaja) wird im übertragenen Sinn als von Gottes Geist Gesalbter bezeichnet . Sogar die Erzväter werden in einmal „Propheten und Gesalbte“ genannt.
Der endzeitliche Heilsbringer Israels Propheten kündigten angesichts des Endes des Königtums (586 v. Chr.) nicht nur dessen künftige Erneuerung an, sondern daneben zunehmend eine endzeitliche Rettergestalt, deren Kommen alles verändern werde. Dieser Heilsbringer war für sie ein von Gott erwählter Mensch, sollte aber im Gegensatz zu allen früheren Führungspersonen eine radikale Wende zum Schalom (Frieden, Heil, Wohl für alle) bringen. Seine Aufgabe sollte nicht vorübergehend, befristet und widerrufsfähig, sondern endgültig und ewig sein. Diese Heilsbringer waren nicht als politische Herrscher gedacht. Wohl deshalb vermieden es die Propheten, diese Gestalt als Maschiach zu bezeichnen.
Als Weissagungen eines endzeitlichen Heilsbringers gelten: (oft sieht man den Beginn dieser Verheißung schon in )
Zugleich aber wurden ältere Texte, die auf gesalbte Könige bezogen waren, im und nach dem Exil auf den zukünftigen Heilsbringer umgedeutet oder mit endzeitlichen Heilsweissagungen ergänzt, darunter: die Zusage der ewigen Thronfolge an die Daviddynastie der Königspsalm die Heilsverheißung des Amos die Verheißung eines Davidnachfolgers in der Bileamerzählung die Zusage eines künftigen Herrschers an den Stamm Juda .
Umstritten ist, ob auch die Weissagung des Immanuel (Gott mit uns, ), die sogenannten Gottesknechtslieder bei Deuterojesaja (; ; ; ) sowie die Vision vom Kommen des Menschenähnlichen nach dem Endgericht auf den Retter und Richter der Endzeit zu beziehen sind. Das Judentum weist Letzteres als „Idiosynkrasie christlicher Lehre“ seit jeher als seiner Ansicht nach falsch zurück.Rabbi Tovia Singer on Isaiah 53: Who is the Suffering Servant?
Jesaja Jes 9,1–6 gilt als erste echte messianische Weissagung. Der Prophet Jesaja verkündet sie um 730 v. Chr. als Freudenbotschaft an das von den Assyrern unterdrückte Volk Israel. Er prophezeit ein baldiges Ende der Unterdrückung wie am Tage Midians (), darüber hinaus von dem Ende aller Gewaltherrschaft (v.4)
und die Geburt eines Kindes, das Gott zum künftigen Herrscher auf Davids Thron bestimmt habe, voraus. Jesaja legt ihm Thronnamen bei, die in Israel nicht für irdische Könige üblich, sondern Gott selbst vorbehalten waren (v.5): der Wunderbares plant, mächtiger Gott, ewiger Vater, Friedefürst. Seine Herrschaft werde weit reichen und Frieden ohne Ende bringen; sie werde auf Recht und Gerechtigkeit – Befolgung der Tora – gegründet sein und deshalb von nun an bis in Ewigkeit andauern (v.6). Jesaja ist für die Methode bekannt, viele seiner Botschaften durch die Benutzung prophetischer Namen zu präsentieren (Jesaja 7:3; 7:14; 8:3). In den oben genannten Versen erläutert er seine Botschaft, indem er einen prophetischen Namen für König Hiskija († 697 v. Chr.) formuliert.