miniatur|Porträtkopf des Mark Aurel (Musée du Louvre, Paris) miniatur|Relief, das eine Szene aus den Markomannenkriegen darstellt: Mark Aurel als Reitersieger, der die Unterwerfung von Barbarenhäuptlingen entgegennimmt. miniatur|Die Porta Praetoria, das Nordtor des ehemaligen Legionslagers Castra Regina aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., das sich in großen Teilen bis heute im bischöflichen Brauhaus erhalten hat. miniatur|Doppeldenar (Antoninian) des Gallienus, geprägt um 260 in Mailand; am Revers die Abbildung eines Storches, das Wappentier der Legion und die Inschrift LEG III ITAL VI P(ia) F(idelis); „die dritte italische Legion, zum 6. Mal die Zuverlässige und Treue“Der Zweck dieser Prägung ist umstritten. Möglicherweise wurde damit die Legion für die Niederwerfung des Ingenuus in Pannonien und des Regalianus an der unteren Donau oder aufgrund von zwei Siegen des Gallienus über Germanen in Oberitalien um 260 geehrt. miniatur|Spätrömischer Offiziershelm (Kammhelm), gefunden in der Wertach, aufbewahrt im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg; 4. Jahrhundert n. Chr.

Die Legio III Italica Concors (deutsch: die Einträchtige) war eine Legion der römischen Armee. Sie wurde durch Kaiser Mark Aurel um das Jahr 165 n. Chr. zusammen mit der Legio II Italica ausgehoben. Diese beiden Legionen wurden zunächst zum Schutz der östlichen Alpenpässe des römischen Italiens eingesetzt, als das Römische Reich in einen Zweifrontenkrieg gegen Germanen (Markomannenkriege) und Parther verwickelt war.

Die Legion war die ersten Jahre bis 170 in Italien und anschließend bis Mitte des 5. Jahrhunderts n. Chr. in Rätien stationiert. Als Hauptquartier diente ihr das Legionslager Castra Regina, das heutige Regensburg. Ab diesem Zeitpunkt war sie ein wesentlicher Bestandteil des ansonsten aus Auxiliartruppen bestehenden raetischen Heeres. Ihr Wappentier war der Storch, das Sinnbild für pietas (Frömmigkeit).

Oberkommando Der Befehlshaber der Legion, ein legatus legionis aus dem Senatorenstand, war seit 179 auch Statthalter der Provinz Rätien. Die Amtsbezeichnung hierfür lautete legatus Augusti pro praetore provinciae Raetiae. Seine Amtszeit belief sich in der Regel auf ein bis zwei Jahre. Der Amtssitz der zivilen Verwaltung befand sich in Augusta Vindelicum/Augsburg, aber zugleich wird sich der Legat auch oft im Stammlager der Legion aufgehalten haben.Bernhard Overbeck: Raetien zur Prinzipatszeit. In: Hildegard Temporini, Wolfgang Haase (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Teil II, Bd. 5/2 Politische Geschichte (Provinzen und Randvölker: Germanien FS., Alpenprokuraturen, Raetien), de Gruyter, 1976, ISBN 3-11-007197-5, S. 684–685.

Seit Gallienus (253 bis 268) wurden die senatorischen Statthalter fast ausnahmslos durch Männer aus dem Ritterstand abgelöst; fortan übernahm ein ritterlicher Präfekt die Führung der Regensburger Legion (praefectus legionis). Ab den 90er Jahren des 3. Jahrhunderts wurden duces (Dux Raetiae primae et secundae) als Oberbefehlshaber der Provinzstreitkräfte eingesetzt; die Legionspräfekten sanken auf den Status von regionalen Unterführern herab.

Verwaltungsstab/Garde Der rätische Statthalter hatte für Verwaltungs- und Logistikaufgaben einen umfangreichen Stab (officium consularis) aus Offizieren und Soldaten der Legion oder von den Hilfstruppen zur Verfügung, deren Anwesenheit durch Inschriften nachgewiesen werden konnte; man weiß von:

drei centuriones,, . einen oder möglicherweise auch zwei beneficiarii consularis,. ein librarius consularis (Finanzen),. ein exactus consularis (Schreiber)..

Zu diesem Stab zählten auch vom Kaiser ausgewählte Begleiter (comites) oder Beisitzer (adsessores), die dem Statthalter vor allem in juristischen Fragen zur Hand gehen sollten.

Sein Personalstand war nicht besonders hoch, er bestand im Wesentlichen aus 3 Kanzleivorstehern (cornicularii), 3 Buchführern (commentarienses), 6 Protokollführern für Gerichtsverhandlungen (exeptores) und 20–30 Schreibern/Kopisten (exacti/liberi). Hinzu kam noch eine Handvoll Freigelassener (liberti) und Sklaven des Kaisers für die Finanzverwaltung, zusätzlich noch ein victimarius als Helfer bei religiösen Fragen.Dietz/Fischer: 1996, S. 100–101. Sitz des Verwaltungsstabes war jedoch nicht das Legionslager in Regensburg, sondern die Provinzmetropole Augsburg, da dort auch ein optio praetori, eine Art Gebäudeverwalter des Statthalterpalastes (praetorium) nachweisbar ist.Dietz/Fischer: 1996, S. 100.

Neben diesen Verwaltungsfachleuten stand dem Statthalter auch eine Reitergarde von 100 Mann zu, die equites singulares. 200 Infanteristen (pedites singulares) wurden nur in Krisenzeiten aufgeboten. In ruhigeren Zeiten wurden sie auch für andere Tätigkeiten in der Provinz herangezogen, wie beispielsweise für den Ausbau des Kastells Ellingen um 182 n. Chr. Das Personal für die Leibgarde stellte die Legion zusammen mit anderen Alen und Kohorten der raetischen Grenzarmee. Diese Männer wurden nach entsprechender Empfehlung ihrer Vorgesetzten aus ihren Stammeinheiten in die Garde des Statthalters für eine bestimmte Zeitspanne abkommandiert und auch als stratores (Stallburschen) bezeichnet.Dietz/Fischer: 1996, S. 101.

Funktion Vorrangig mit dem Schutz Italiens und der östlichen Alpenregionen befasst, bekämpfte die Legion ab 170 hauptsächlich germanische Eindringlinge wie die Stämme der Markomannen, Quaden und Jazygen, die mehrmals in die am Donaulimes gelegenen Provinzen Raetia, Pannonia, Moesia und Dacia, zum Teil aber auch in Noricum eingefallen waren. Im 3. Jahrhundert musste die Legion vor allem Juthungen und Alamannen abwehren. Neben Regensburg wurden die meisten Belege für die Anwesenheit von Angehörigen der Legion in der Provinzmetropole und dem Sitz des Statthalters in Augsburg gefunden. Aber auch in anderen Teilen der Provinz waren zahlreiche Legionäre in Verwaltungs- und Kontrollämtern tätig. Ein beneficiarius consularis hatte zum Beispiel seinen Standort in der Etappe Brigantium (Bregenz). = Vollmer, Inscriptiones Baivariae Romanae (IBR) 74B. Durch den plötzlichen Zuzug von mehr als 6000 römischen Bürgern in Rätien trug die Legion wohl auch massiv zur Romanisierung der Provinz bei. In der Spätantike sicherte sie unter anderem auch die Nachschubwege aus Italien und zum Limes an Donau und Iller.

Entwicklung 2. Jahrhundert Mark Aurel beauftragte um das Jahr 165 n. Chr. Gnaeus Iulius Verus und Tiberius Claudius Proculus Cornelianus zwei neue Legionen – die II. und III. Italica – auszuheben (dilectus).. Ihr Beiname lässt annehmen, dass ihr Rekrutierungsgebiet das bevölkerungsreiche Oberitalien war und die Soldaten anfänglich auch größtenteils von dort stammten. Die Gründe für ihre Aushebung werden in der Forschung unterschiedlich beurteilt: Infrage kommen beispielsweise (1.) eine Vorbereitung geplanter römischer Angriffe nördlich der Donau, (2.) eine Abwehrmaßnahme gegen die sich anbahnenden germanischen Einfälle, die kurz darauf in den Markomannenkriegen resultierten, (3.) eine Aufwertung der zukünftigen Stationierungsprovinz oder (4.) ein Ausgleich für die militärischen Verluste bei dem vorangegangenen Partherkrieg des Lucius Verus.Zu den vermuteten Gründen siehe Karlheinz Dietz: Legio III Italica. In: Yann Le Bohec (Hrsg.): Les légions de Rome sous le Haut-Empire. Band 1, De Boccard, Paris 2000, ISBN 2-904974-19-9, S. 133–143, hier S. 133.

Unmittelbar nach ihrer Aufstellung setzte das Oberkommando wohl sofort Vexillationen der Legion in das krisengeschüttelte Pannonien in Marsch, in weiterer Folge kämpfte sie unter Mark Aurel in den Markomannenkriegen. Unter dem Oberbefehl des Quintus Antistius Adventus Postumius Aquilinus wurde die Legion zwischen 167 und 170 im Zuge der expeditio Germanica im Bereich der Zentralalpen zum Schutz Italienspraetentura Italiae et Alpium: = Hermann Dessau, Inscriptiones Latinae selectae 8977. gegen germanische Stämme eingesetzt. Häufig wird angenommen, dass die Legion anschließend in Tridentum (Trient) stationiert wurde – die beiden dort gefundenen Inschriften, die die Legion nennen, sind dafür jedoch kein sicherer Beleg. Ebenso unsicher ist die verbreitete Annahme, dass die Legio III Italica an dem Feldzug unter der Führung des späteren Kaisers Pertinax teilnahm, bei dem kurz nach 170 germanische Invasoren aus den Provinzen Raetia und Noricum vertrieben wurden.Karlheinz Dietz: Legio III Italica. In: Yann Le Bohec (Hrsg.): Les légions de Rome sous le Haut-Empire. Band 1, De Boccard, Paris 2000, ISBN 2-904974-19-9, S. 133–143, hier S. 134; Péter Kovács: Marcus Aurelius’ Rain Miracle and the Marcomannic Wars (= Mnemosyne Supplements. 308). Brill, Leiden 2009, ISBN 978-90-04-16639-4, S. 224. Eindeutig belegt ist dagegen, dass sie wie auch ihre Schwesterlegion, die legio II Italica, im Jahr 170 eine Abteilung für den Ausbau der Befestigungsanlagen der dalmatinischen Hafenstadt Salona/Solin entsandte:

vexillationes leg(ionum) II Piae et III Concordiae ped(es) CC sub cura P(ubli) Aeli Amyntiani (centurionis) frumentari leg(ionis) II Traianae „(Die) Abteilungen der Legionen II Pia und III Concors (haben) 200 Fuß (weit die Mauer erbaut), unter der Aufsicht von Publius Aelius Amyntianus, dem Centurio für die Getreideversorgung der Legio II Traiana fortis“..

Der erste eindeutige Beleg dafür, dass die Legio III Italica nördlich der Alpen lag, ist der Weihaltar eines Benefiziariers, also eines alleine abkommandierten Elitesoldaten, von 174 n. Chr. im Tempelbezirk von Osterburken. Wenn man nicht davon ausgeht, dass dieser Benefiziarier in einer anderen Provinz eingesetzt wurde als seine Legion,So aber Egon Schallmayer u. a.: Der römische Weihebezirk von Osterburken I: Corpus der griechischen und lateinischen Beneficiarier-Inschriften des Römischen Reiches (= Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg. Band 40). Konrad Theiss, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0854-9, S. 139. zeigt diese Inschrift, dass die Legio III Italica zu diesem Zeitpunkt durch den Statthalter Obergermaniens verwaltet wurde. Daraus wird teilweise geschlussfolgert, dass die Legion vor ihrer dauerhaften Stationierung in Raetien für einige Jahre in der Nachbarprovinz Obergermanien lag.Jörg Scheuerbrandt: Mit pietas gegen Pest und Germanen. In: Der Limes. Nachrichtenblatt der Deutschen Limeskommission. Jahrgang 18, 2024, S. 28–31, hier S. 31 (PDF). Es wurde aber auch die Hypothese aufgestellt, dass Raetien in dieser Zeit für einige Jahre durch den obergermanischen Statthalter (vermutlich Caerellius Priscus) mitverwaltet wurde – in diesem Fall wäre möglich, dass die Legio III Italica direkt von Italien nach Raetien verlegt wurde und lediglich einzelne Soldaten in den ersten Jahren noch in Obergermanien eingesetzt wurden.Géza Alföldy: Die Inschriften des P. Cornelius Anullinus und seine Tätigkeit im römischen Deutschland. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 12, 1987, S. 303–324, hier S. 312–314.

Ob die Legion in den ersten Jahren ihres Bestehens bereits ein festes Standlager hatte, ist unbekannt. Wohl nach 172 und bis vor 179 n. Chr.Hans-Jörg Kellner (bearb.): Die Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland. Abteilung I. Bayern, Band 2. Niederbayern. Mann Verlag, Berlin 1970, S. 47. waren einige Kohorten der Legion im großen, temporären Lager Eining-Unterfeld stationiert. Dieser Garnisonsort wurde wohl wegen ihrer Einsätze in den Markomannenkriegen gewählt.Thomas Fischer: Die Römer in Deutschland. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1325-9, S. 110. Vermutlich stand eine ihrer Vexillationen auch in AlkofenBernhard Overbeck: Raetien zur Prinzipatszeit; In: Hildegard Temporini, Wolfgang Haase (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Teil 2, Bd. 5/2: Politische Geschichte (Provinzen und Randvölker: Germanien FS., Alpenprokuraturen, Raetien), de Gruyter, 1976, ISBN 3-11-007197-5, S. 677–678. und Regensburg-Kumpfmühl.