mini|Gestempelter Dachziegel der (legio VI) VICTR(ix) aus Novaesium, Clemens Sels Museum Neuss Die Legio VI Victrix (die siegreiche 6. Legion) war eine Legion der römischen Armee, die 41 v. Chr. von Octavian ausgehoben wurde und bis ins frühe 5. Jahrhundert bestand. Das Legionsemblem war vermutlich ein Stier.
Geschichte der Legion Julisch-claudische Dynastie mini|Grabstein des Tribunus militum Titus Pompeius Albinus aus Emerita Augusta (Mérida, Spanien) Sie war eine Kopie der Legio VI Ferrata die unter Marcus Antonius diente und bestand wohl zum Teil aus Veteranen dieser Legion, die zum Teil die Traditionen der cäsarischen Ferrata aufrechterhielten. Die VI Victrix hatte ihren ersten Einsatz im gleichen Jahr in Perusia,Lawrence Keppie: The making of the Roman Army. From Republic to Empire, University of Oklahoma Press, Oklahoma 1998, ISBN 978-0-8061-3014-9, S. 125. kämpfte auch in Sizilien gegen Sextus Pompeius, der von dort aus die Getreideversorgung Roms störte. 31 v. Chr. stand sie in der Schlacht bei Actium gegen Marcus Antonius. Im folgenden Jahr wurde sie in Hispania Tarraconensis stationiert, wo sie an Augustus’ Kantabrischen Krieg gegen die Kantabrer teilnahm, der von 29 v. Chr. bis 19 v. Chr. dauerte..
Die Legionen VI Victrix und X Gemina waren zunächst gemeinsam in einem unbekannten Lager in Asturien stationiert. Später wurde die VI Victrix vermutlich nach León verlegt, während die X Gemina in Petavonium (Rosinos de Vidriales) stationiert wurde. Veteranen der IIII Macedonica, VI Victrix und der X Gemina waren um 15 v. Chr. unter den ersten Siedlern in der Colonia Caesaraugusta (Saragossa). Zu dieser Zeit wurden die Legionen zu umfangreichen Straßen- und Brückenbaumaßnahmen an der Via Augusta eingesetzt.Alan K. Bowman, Edward Champlin, Andrew Lintott: The Augustan Empire, 43 B.C.-A.D. 69 (The Cambridge Ancient History, 2nd Edition, Volume 10), Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-26430-3, S. 453–454. Die Legion blieb fast ein Jahrhundert in Spanien, wobei sie den Beinamen Hispaniensis erhielt.Lesley Adkins: Handbook to Life in Ancient Rome, Sonlight Christian, 2004, ISBN 0-8160-5026-0, S. 59. Der Name Victrix datiert aus der Zeit Neros.Jörg Rüpke: Fasti sacerdotum. Die Mitglieder der Priesterschaften und das sakrale Funktionspersonal römischer, griechischer, orientalischer und jüdisch-christlicher Kulte in der Stadt Rom von 300 v. Chr. bis 499 n. Chr. Bd. 1, Steiner, Stuttgart 2005 (Potsdamer Altertumswissenschaftliche Beiträge, Bde. 12I–III), ISBN 978-3-515-07456-8, S. 675.
Vierkaiserjahr und Flavische Dynastie mini|Ehreninschrift des Sextus Caelius Tuscus, Legatus der Legio VI Victrix, bei Vetera II (Xanten) Bis zum Jahr 68 waren bis auf die Legio VI Victrix nach und nach alle Legionen aus Spanien abgezogen worden. Galba, der Statthalter von Tarraconensis, schloss sich 68 dem Aufstand des Gaius Iulius Vindex gegen Nero an und ließ sich am 3. April 68 in Carthago Nova von der Legion und den Provinzialen zum Kaiser ausrufen. Als Galba mit der neu ausgehobenen Legio VII Galbiana nach Rom marschierte, blieb die VI Victrix in Spanien, ohne in die Kämpfe des Vierkaiserjahres einzugreifen. Von Vespasian wurde die VI. im Jahr 70 an den Rhein verlegt,Claude Lepelley (Hrsg.): Rom und das Reich in der Hohen Kaiserzeit, Bd. 2: Die Regionen des Reiches, de Gruyter, München 2001, ISBN 3-598-77449-4, S. 129. um den Bataveraufstand niederzukämpfen. Nach anfänglichen Erfolgen der Bataver unter ihrem von den Römern übergelaufenen Anführer Iulius Civilis wurde der Aufstand von Quintus Petillius Cerialis bis zum Herbst des Jahres 70 niedergeschlagen. Die entscheidende Schlacht bei Xanten im Juli 70 dauerte zwei Tage. Nach dem Feldzug wurde die Legion nach Novaesium (Neuss) verlegt.Claude Lepelley (Hrsg.): Rom und das Reich in der Hohen Kaiserzeit, Bd. 2: Die Regionen des Reiches, de Gruyter, München 2001, ISBN 3-598-77449-4, S. 168. Bereits 70 n. Chr. wurde das im Laufe des Krieges zerstörte Lager an gleicher Stelle von der Legion in Steinbauweise (Lager G3) neu errichtet., , und
Im Jahr 89 revoltierte der Lucius Antonius Saturninus, der Statthalter der Germania superior, gegen Domitian. Die niedergermanischen Legionen (I Minervia, VI Victrix, X Gemina, XXII Primigenia) marschierten nach Mogontiacum (Mainz) und schlugen den Saturninusaufstand nieder. Zum Dank verlieh Domitian den Legionen den Titel Pia Fidelis Domitiana („dem Domitian pflichtbewusst und treu“). Nach Domitians Tod und dessen „damnatio memoriae“ 96 n. Chr. wurde der Namenszusatz Domitiana gestrichen.
In Aquae Granni (Aachen) wurden die Büchelthermen von der Legio VI Victrix in Stein ausgebaut. Hinzu kam eine Wasserleitung, die bis nach Burtscheid führt. Die Leitung wurde mit Ziegeln abgedeckt, deren Ziegelstempel VI VIC P F auf die Legion hinweisen.
Adoptivkaiser und Antoninische Dynastie Seit 99 wurden Vexillationen nach Vetera II verlegt, das die Legio XXII Primigenia einige Jahre vorher verlassen hatte. Sie waren maßgeblich am Aufbau der Colonia Ulpia Traiana, sowie dem Bau des Aquädukts zur Versorgung der Stadt Aachen, beteiligt. Im Jahr 103 wurde das Lager Novaesium aufgelassen und die ganze Legion in das strategisch günstigere Vetera verlegt.Ingo Runde: Xanten im frühen und hohen Mittelalter. Sagentradition – Stiftsgeschichte – Stadtwerdung, Verlag Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2003, ISBN 3-412-15402-4, S. 43. Vexillationen waren um 100 n. Chr. bei Brohl in der Eifel stationiert, um in den Tuffsteinbrüchen das benötigte Baumaterial zu schlagen.Marietta Horster: Bauinschriften römischer Kaiser: Untersuchungen zu Inschriftenpraxis und Bautätigkeit in Städten des westlichen Imperium Romanum in der Zeit des Prinzipats (Dissertation), Steiner, Stuttgart 2001 (Historia Einzelschriften, H. 157) ISBN 3-515-07951-3, S. 180; vgl.: , , , Eine Vexillation der VI Victrix, I Minervia und X Gemina nahm an Trajans Dakerkriegen (101/102 und 105/106) teil.
mini|SOLI INVICTO VEXILLATIO LEG VI VIC P F F SVB CVRA SEX CALPVRNI AGRICO LAE LEG AVG PR PR „Dem unbesiegbaren Sonnengott (Mithras) von einer Vexillation der Legio VI Victrix Pia Fidelis errichtet auf Weisung des Statthalters Sextus Calpurnius Agricola“ aus Coriosopitum (Corbridge, Northumberland) Um 121 wurde die Legion in Vetera von der Legio XXX Ulpia Victrix abgelöst und nach Britannien verlegt. Das Hauptlager war Eboracum (York).Anthony R. Birley: The people of Roman Britain, University of California Press, 1980, ISBN 978-0-520-04119-6, S. 82. Seit 122 wurden Vexillationen beim Bau des Hadrianswalls eingesetzt.Anthony R. Birley: The people of Roman Britain, University of California Press, 1980, ISBN 978-0-520-04119-6, S. 74–75. Ihr „Bauabschnitt“ umfasste den Bereich zwischen Newcastle upon Tyne und Carlisle. Zwischen 139 und 142 waren Vexillationen mit dem Bau des Antoninuswalls zwischen Edinburgh und Glasgow betraut. Das Baumaterial wurde von den Legionären in den nahegelegenen Steinbrüchen bei Coombe Crag, Lodge Crag und Haltwhistle Burn gewonnen.Alfred Michael Hirt: Imperial Mines and Quarries in the Roman World: Organizational Aspects 27 BC-AD 235 (Oxford Classical Monographs), Oxford University Press, Oxford 2010, ISBN 978-0-19-957287-8, S. 176. Zwischen 155 und 158 brachen im Norden Britanniens so schwere Unruhen aus, dass die dortigen Legionen mit Ersatz aus Germania inferior und Germania superior aufgestockt werden mussten. Seit 158 war die Legion mit dem Wiederaufbau des Hadrianswalls beschäftigt, um den Rückzug vom Antoninuswall vorzubereiten.Anthony R. Birley: The Roman government of Britain, Oxford University Press, 2005, ISBN 978-0-19-925237-4, S. 148. Um 165 wurde Pertinax, der spätere Kaiser, Tribun der Legion.Anthony R. Birley: The people of Roman Britain, University of California Press, 1980, ISBN 978-0-520-04119-6, S. 61. In der Zeit zwischen 175 und 190, Jahrzehnte nachdem der Antoninuswall aufgegeben wurde, waren Vexillationen der Legio VI Victrix zumindest zeitweilig im Kastell Castlecary als Vorposten stationiert.National Museums & Galleries of Wales (Hrsg.): Birthday of the eagle: the second Augustan legion and the Roman military machine, 2002, ISBN 0-7200-0514-0, S. 76. Im späten 2. Jahrhundert war eine Vexillation in Coriosopitum (Corbridge, Northumberland) stationiert.Anthony R. Birley: The people of Roman Britain, University of California Press, 1980, ISBN 978-0-520-04119-6, S. 86.
Lucius Artorius Castus, den manche mit König Artus identifizieren, war zwischen 180 und 230 Praefectus der Legio VI Victrix.Anthony R. Birley: The people of Roman Britain, University of California Press, 1980, ISBN 978-0-520-04119-6, S. 45; vgl.: , Er führte vermutlich im ausgehenden 2. Jahrhundert eine Vexillation der drei britischen Legionen (Legio II Augusta, VI Victrix, Legio XX Valeria Victrix) gegen Rebellen in der Bretagne.A. Simon Esmonde-Cleary: The Ending of Roman Britain, Routledge, 1991, ISBN 978-0-415-23898-4, S. 45–46.
Zweites Vierkaiserjahr und Severer 196 setzte der britannische Statthalter Clodius Albinus mit seinen Legionen nach Gallien über und ließ sich von den Legionen zum Kaiser ausrufen. Er wurde jedoch vom Statthalter Oberpannoniens, Septimius Severus, am 19. Februar 197 in der Schlacht bei Lugdunum (Lyon) vernichtend geschlagen. Wie Stempeleinschläge auf Bleibarren (Antiker Bleibergbau) nahelegen, wurden die besiegten Truppen des Clodius Albinus (Legio VI Victrix, Legio XX Valeria Victrix) beim Abbau der Bleivorkommen in Britannien eingesetzt.Norbert Hanel, Peter Rothenhöfer, Michael Bode, Andreas Hauptmann: "Nach der Schlacht von Lugdunum (197 n.Chr.). Britannisches Blei auf dem Weg nach Rom." Chiron 43, 2013, 303 f., 308 f. Die Abwesenheit eines Großteils der römischen Truppen war in der Zwischenzeit von den nördlichen Stämmen ausgenutzt worden um in Britannien einzufallen und ungestraft zu plündern. Die inzwischen zurückgekehrte VI Victrix eroberte Eboracum jedoch bald wieder zurück, baute die Stadt neu auf und setzte den Hadrianswall wieder instand. Zu dieser Zeit erhielt die Legion den Ehrentitel fidelis constans (treu und standhaft). Die langandauernden und verlustreichen Strafexpeditionen der britischen Legionen in den Norden hatten aber nur geringen Erfolg, sodass Kaiser Septimius Severus 208 persönlich mit einer Armee in Britannien landete, um Caledonia (das heutige Schottland) ein für alle Mal zu unterwerfen. Die Legio II Augusta und Legio VI Victrix wurden zu diesem Zweck in das große Legionslager von Carpow am Tay verlegt.National Museums & Galleries of Wales (Hrsg.): Birthday of the eagle: the second Augustan legion and the Roman military machine, 2002, ISBN 0-7200-0514-0, S. 72. In diesem Krieg erwarb sich die Legion den Titel Britannica. Um das Jahr 213 wurde der Legat der VI Victrix zum Statthalter der neugeschaffenen Provinz Britannia inferior befördert.Anthony R. Birley: The people of Roman Britain, University of California Press, 1980, ISBN 978-0-520-04119-6, S. 43.
Soldatenkaiser und Spätantike Auch im 3. Jahrhundert blieb Eboracum das Hauptlager der Legion. Vexillationen der britannischen Legionen wurden in den 260er Jahren auch in Pannonien an der Donau eingesetzt. Von 260 bis 274 gehörte Britannien zum Gallischen Sonderreich und wurde von 286 bis 297 unter Carausius und Allectus einige Zeit von Rom unabhängig.